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BASTEI-LBBE-TASCHENBUCH Band 24152 

Erste Auflage: Februar 1992 

 

Fr Stephen W. Dahin, wo immer er jetzt ist. Er wei auch, warum. 

 

 

 

 Copyright 1990 by Katherine Kerr 

All rights reserved 

Deutsche Lizenzausgabe 1992 


Bastei-Verlag Gustav H. Lbbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach 

Originaltitel: Polar City Blues 

Lektorat: Reinhard Rohn 

Titelillustration: Luis Royo, Norma Agency, Barcelona 

Umschlaggestaltung: Quadro Grafik, Bensberg 

Satz: Fotosatz Schell, Bad Iburg 

Druck und Verarbeitung: 

Brodard & Taupin, La Fleche, Frankreich 

Printed in France 

ISBN 3-404-24152-5 

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschlielich der gesetzlichen Mehrwertsteuer. 

 

 

 

 

 

Die Riesensonne ber dem Horizont von Hagar geht unter. Langsam versinkt sie im Dunst und bringt 
ihn zum Leuchten. Streifen von Kupferorange fchern ber den Himmel, so aufdringlich bunt, als 
versuchte der Regisseur eines schlechten Holo-Films den Sonnenuntergang auf einem Planeten seiner 
Phantasie darzustellen. Aber wenn das Kupfer allmhlich verblat und sich in ein scheuliches Lila 
verwandelt, dann geht es am Himmel ber Polar City erst richtig los. Das Nordlicht knistert und 
knattert ber der Stadt, als wollte es die Skyline mit Girlanden in allen Regenbogenfarben schmcken, 
und so das nchterne Bild verzaubern, das nichts so sehr hnelt wie senkrecht aufgestellten 
Eierkartons. Hin und wieder umspielt eine Flut purpurnen und silbernen Lichts auch die hohen 
Startrampen des Raumhafens. Obwohl das nichts Besonderes ist fr die meisten Bewohner der Stadt 
(die um diese Zeit gewhnlich aufstehen, nach den Kindern oder den Eiern in den Brutksten sehen 
oder sich die Zhne putzen und ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht spritzen ...), hlt an diesem 
Abend Baskin Ward, Corporal der Polizei, auf seinem Streifgang durch die Innenstadt an und lehnt 
sich gegen die blaue Plastbetonmauer der Stadtbibliothek, um das Schauspiel am Himmel zu 
betrachten. Es gibt eine Menge Dinge, ber die er nachdenken mte, und auerdem ist es wie immer 
sehr hei in Polar City. In einer Stunde wird die Stadt zum Leben erwachen, aber heute wrde er sich 
nicht anstrengen. Er mu seine Krfte aufsparen fr das Examen morgen. Wenn er bestand, dann wre 
er Sergeant und knnte endlich die Frau heiraten, die er seit drei Jahren liebt. Sie arbeitet in der 
Computerzentrale der Verkehrsberwachung und wnscht sich, genau wie er, zwei Kinder und vor 
allem ein Ticket, um von dieser verdammten zurckgebliebenen Wstenwelt mit dem ewig 
bonbonfarbenen Himmel wegzukommen. Wenn 

er sich als Sergeant bewhrt, kann er beantragen, nach Sarah, seinem Heimatplaneten, versetzt zu 
werden, wo es Regen gibt und grne, ppige Wlder. Aber erst einmal mu er die Prfung bestehen. 

Das blaue Licht der Straenlaternen flackert auf, die nur von einem Magnetfeld gehalten sechs Meter 
ber dem Boden schweben, ber den grauen Gehwegen und den glnzenden schwarzen 
Transportbndern, die daran vorbeigleiten. Vor ihm liegt die Plaza, der groe zentrale Platz vor den 
Gebuden der Stadtverwaltung, wie ausgestorben, nur eine Frau ist zu sehen, die eilends ihres Weges 
geht. Ihre hochhackigen Stiefel klappern auf den tnernden Platten, als wollten sie mit dem Geknatter 
des Magnetsturms oben am Himmel wetteifern. Nicht lange, und die Bromenschen, die Brokraten 
der Verwaltung werden in Scharen hier auftauchen, nachdem sie sich tagsber in den unterirdischen 
Wohnsiedlungen um den Stadtkern herum verkrochen haben. Ward hofft, da es eine ruhige Nacht 
wird. Wahrscheinlich ein paar Betrunkene und ein paar mehr Leute im Drogenrausch, die er 
verwarnen und ber das Terminal an seinem Grtel dem Rehabilitationscomputer melden wrde; ein 
Taschendieb vielleicht, das wre schon das uerste. Eigentlich geht es nur darum, da man ihn sieht, 
in dieser gelbgrnen Uniform mit den eindrucksvollen goldenen Tressen, mit der silberglnzenden 
Betubungspistole, dem Symbol staatlicher Macht. 

Er rckt seine Mtze zurecht, stt sich von der Wand ab und betritt das Laufband, das ber die Plaza 
zum Rathaus fhrt, einem riesigen schwarzen Basaltklotz, kaum aufmunternder als ein Grabstein. Das 
Laufband durchquert in der Mitte des Platzes ein Karree, das Reihen von Steineichen eingrenzen. 
Sobald er die Baumreihe passiert, scheint ein unsichtbarer Mechaniker tief unter der Erde das 
Hologramm einzuschalten, das den ffentlichen Platz verschnern soll: Ein Springbrunnen mit hoher 


Fontne wird von einem zum anderen Augenblick Wirklichkeit, ohne das mindeste Gerusch steigt 
das Wasser in die Hhe und fllt ebenso lautlos, wieder zur Erde, bis nach einer winzigen 
Verzgerung das Tonband mit dem Zischen und Pltschern einsetzt. Dann beginnen auch die 
Ionengeneratoren zu arbeiten, und Ward glaubt fast die Khle des Wassers zu spren, whrend er 
nherkommt. Er verlt das Laufband und geht hinber zu der niedrigen Einfassung, die Abflle, 
Eidechsen und Haustiere von dem imaginren Springbrunnen fernhalten soll. In der Mitte des groen 
weien Beckens aus Plastbeton sieht er den ersten Betrunkenen oder Drogenschtigen dieser Nacht 
liegen, fast verborgen hinter den Wasserschleiern. 

Okay, amigo, wollen die Beinchen nicht mehr, na? 

Und Ward watet durch das Hologramm, es irritiert ihn, obwohl es absurd ist, da seine Beine sich 
nicht na und khler anfhlen. Der Mann rhrt sich nicht, scheint auf ihn zu warten. Liegt seelenruhig 
auf dem Rcken, die Hnde auf der Brust gefaltet. Dann bemerkt Ward die Lache, mehr schwarz als 
rot im blauen Licht der Bogenlampen, die sich ber das weie Becken ausgebreitet hat. 

Herr im Himmel! 

Schnell kniet Ward sich hin und greift nach dem Terminal am Grtel. Er sieht, da es sich um einen 
mnnlichen Carli handelt, etwa anderthalb Meter gro und noch dnner als die meisten seiner Spezies; 
spindeldrr sind die drei Finger an jeder Hand, die hellgraues Fell umkleidet. Dunkelgraues Fell 
bedeckt Gesicht, Arme und Hals, doch ist es stumpf und verfilzt. Die Augen sind weit offen, die Ohren 
zur vollen Lnge aufgerichtet, da die Haut an der Basis sich in Falten gelegt hat. Der dnne Schlitz 
des Mundes ist fest verschlossen. Ward kennt sich aus mit Carlis, diese Mimik bedeutet, da man 
vielleicht ein wenig berrascht war, nichts weiter. Das Opfer hatte nichts befrchtet, keiner Gefahr ins 
Auge gesehen, genau bis zu dem Augenblick, als man ihm die Kehle durchschnitt bis hinunter auf die 
Wirbelsule. 

Da er ein Carli ist, Sir, wird er wohl zur Botschaft der Konfderation gehren. 

Darauf knnen Sie wetten, Ward. 

Chief AI Bates, ein stmmiger Riese mit so schwarzer Haut, da man blaue Lichtreflexe darauf 
glitzern sieht, steht mit dem Corporal, einem Weien, der ihm nicht einmal bis zur Schulter reicht, am 
Rand der Plaza. Sie schauen den Holo-Photographen und den Technikern zu, die sich um die Leiche 
versammelt haben. Der Springbrunnen ist abgeschaltet, so da sie den Toten nun deutlicher sehen 
knnen sein kostbares blaues Gewand aus echten Naturfasern, das komplizierte Chronometer mit 
einem Armband aus massivem Gold am linken Handgelenk. Das schliet einen gewhnlichen 
Raubberfall aus. Obwohl der Polizeichef am liebsten ein einfaches Motiv gefunden htte unbezahlte 
Spielschulden vielleicht oder eine Affre mit der Frau eines anderen Carli , befrchtet er tief in seinem 
Herzen, da der Mord etwas mit Politik zu tun hat. Und das deshalb, weil eben jedes grere 
Verbrechen auf Hagar etwas mit Politik zu tun hat. Nur sechs Straen weiter nach Westen befand sich 
das Botschaftsgebude der mchtigen Interstellaren Konfderation, acht Straen stlich die Botschaft 
der nicht weniger respektablen Coreward-Allianz. Und in der Mitte dazwischen stand wie als Symbol 
das Rathaus von Polar City, Sitz der Provinzialverwaltung dieses Teils der bemitleidenswert kleinen 
Republik, die aus sieben bewohnten Planeten in vier Systemen, zwei Asteroidengrteln und einer 
Handvoll Monde bestand, auf denen eifrig nach Erz geschrft wurde. Zwischen Hammer und Ambo, 
pflegten die Einwohner der Stadt zu sagen, und meistens meinten sie es wrtlich. 

Nun fallen die Bromenschen immer zahlreicher in die Stadt ein, quellen wie Sandwrmer aus den U-
Bahn-Schchten, und natrlich bleiben sie stehen und gaffen. Ohne da man es ihm sagen mte, geht 
Ward hinber und fordert sie auf, weiterzugehen; ein guter Mann, denkt sein Chef, der 

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die Streifen eines Sergeants wohl verdient. Und endlich kommt auch der Gerichtsmediziner mit seinen 
Leuten, die eine Schwebetrage durch die Menge schieben. Bates fragt sich, warum die Mrder den 
Toten auf der Mitte der Plaza zurcklieen, auch noch im Springbrunnen, was zugegebenermaen ein 
seltsamer Ort ist, um sich einer Leiche zu entledigen. Vielleicht waren die Tter noch neu in Polar City 
und wuten nichts von dem Hologramm? Oder war es eine ganz bewute Beleidigung des Toten? Die 
Carlis sind uerst schwierig, was den Umgang mit ihren Toten betrifft. Bates nimmt sich vor, die 
Datenbank nach ihren Begrbnisgebruchen zu befragen; vielleicht hat man dem Toten durch das 
imaginre Wasser in seiner Nhe die denkbar grte Schmhung zugefgt. 

Sieht schrecklich aus, Chief. 

Heh! Mulligan! Bates ist herumgefahren, die Betubungspistole halb gezogen, bevor er seine 
Fassung wiederfindet. Wirst du geflligst aufhren, dich an mich heranzuschleichen? Oder willst du 


eines schnen Abends einen Laserschock verpat haben? 

Mulligan grinst nur. Dieses breite, jungenhafte Grinsen, das zu den Dingen an ihm gehrt, die der 
Polizeichef am allerwenigsten leiden kann. Obwohl Bates zugestehen wrde, da eine freie 
Gesellschaft auch Paras tolerieren mu und da sie sich tatschlich auch ntzlich erweisen knnen, 
fhlt er sich doch in der Nhe dieser Psi-Jongleure nicht wohl und ganz besonders nicht in Mulligans 
Nhe. Heute sieht er noch schlimmer aus als sonst, das drre, zwei Meter lange Gestell in schmutzigen 
weien Shorts und einem grnen Hemd, das bis zum Nabel offen ist beides viel zu weit fr den 
mageren Kerl. Das immer ungekmmte Haar ist an diesem Tag trkisfarben, es kontrastiert unschn 
mit dem leuchtend roten Psi, das auf seine linke Wange ttowiert ist. Diese Kennzeichnung war 
vorgeschrieben. (Denn obwohl die Republik Paras tolerierte, muten sich die anderen Brger nach 
Mglichkeit vor ihnen schtzen knnen.) Mulli- 

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gans Augen glitzern wie die eines Reptils - er trgt goldfarbene, reflektierende Kontaktlinsen. Bates 
findet es abstoend. Er kann den Gedanken nicht unterdrcken, da das typisch fr die Weien, los 
Blancos, ist, die am liebsten der harten Wirklichkeit aus dem Weg gehen und das Unechte auch in 
ihrer ueren Erscheinung bevorzugen. Dann schmt er sich, da er wieder in die alten Vorurteile 
verfallen ist. 

Kann ich was fr Sie tun? Mulligan deutet vage auf die Leiche. 

Wofr brauchst du das Geld? Dreamdust? 

Das Zeug nehme ich nie. Aber warum fragen Sie nicht nach meiner Miete? Mein Vermieter will mich 
rauswerfen. Ist das ein Grund? 

Bates schnaubt unglubig, dann zgert er und denkt nach. Mulligan hat das Glck, zum rechten 
Zeitpunkt hier zu sein, rechtzeitig genug, bevor die Schwingungen oder was auch immer die Paras 
wahrnehmen, abgeebbt und fr immer verschwunden sind. 

Ja, sicher. Komm. 

Mulligan trottet brav hinterdrein, whrend der Chief sich einen Weg durch die Menge bahnt, bis zum 
Gerichtsmediziner und seinen beiden Gehilfen vor der Leiche. Sie sind im Begriff, das grau 
eingehllte Bndel auf die Schwebetrage zu legen. 

Ich hab' hier einen staatlich anerkannten Para, sagt Bates, also lat ihn noch einen Moment hier. 

Die Gehilfen gehorchen und legen die Leiche wieder auf den Boden des Brunnenbeckens. Mulligan 
kniet nieder, kauert sich auf die Fersen, dann streckt er seine weien, langfingrigen Hnde ber der 
Leiche aus. Einen Augenblick sitzt er still da, whrend einer der Mnner ein Tonband hervorholt, um 
alles, was er sagen wird, mitzuschneiden. Der andere hat sich ein Stck Kaukraut aus der Hemdtasche 
geholt. Dann wird Mulligan pltzlich steif, sein Kopf schnellt nach hinten, der ganze Krper windet 
sich, und er 

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heult auf wie ein Tier, ein hoher, schriller Schmerzensschrei. Der eine Gehilfe verschluckt sein 
Kaukraut und verschwindet, um es unbeobachtet irgendwo im Rinnstein zu erbrechen. Der andere, der 
mit den Methoden der Paras besser vertraut scheint, schaltet das Tonband ein und ghnt. Bates hockt 
sich neben Mulligan. 

Was siehst du? 

Mit halboffenem Mund wendet Mulligan ihm den Kopf zu. Wegen der reflektierenden Kontaktlinsen 
dauert es eine Weile, bis der Chief merkt, da hier etwas grndlich schiefluft. Mulligan sieht ihn gar 
nicht, er versucht verzweifelt, etwas zu sagen, seine Arme zu heben. Als Bates ihn packt, heult er ein 
zweites Mal auf, aber diesmal klingt es, als drcke man ihm die Kehle zu. So gro und korpulent Bates 
auch ist, wenn es darauf ankommt, kann er uerst schnell sein. Er reit Mulligan mit sich, whrend er 
aufspringt, zerrt ihn zur Seite. Es ist, als wrde man einen Menschen von einer elektrischen Leitung 
reien. Erst krampft Mulligan noch, dann sackt er in Bates' Armen in sich zusammen. Trkisfarbene 
Schweibche laufen ihm bers Gesicht. 

Einen Arzt! gellt Bates' Stimme durch die Menge. Einen Arzt! Schnell! 

Mulligan erwacht auf dem Untersuchungstisch einer kargen Zelle der Notfallambulanz von Polar City, 
tief unter der Stadt. Die rosafarbenen Wnde sind schmutzig, entlang der Fubodenleisten erkennt man 
Urinflecke zweier verschiedener Spezies. Der Geruch nach Desinfektionsmittel schnrt Mulligans 
trockene Kehle noch mehr zusammen. Die grelle Lampe an der Decke ber dem Tisch macht ihm 
Augenschmerzen. Er versucht, sich auf den Bauch zu drehen, aber der Schmerz in seinem Kopf lt 
ihn laut aufsthnen. In einer Ecke der Zelle ist ein Waschbecken Wasser ...! wenn er es nur erreichen 


knnte. Aber Beine und Arme schmerzen so entsetzlich, da er daran zweifelt. So bleibt er einige 

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Minuten bewegungslos liegen und versucht sich zu erinnern, wie er hierhergekommen ist. Es kann 
nicht anders sein, ein vom Kurs abgekommener Gleiter mu ihn ber den Haufen gefahren haben, 
vielleicht auch einer dieser Verrckten auf einem dieser altmodischen Fahrrder. Er wei noch, wie er 
eine Strae berquerte, um mit Bates, dem Polizeichief, zu sprechen. Danach war alles dunkel. 

Drauen auf dem Korridor hrt er Schritte, groe, schwere, schlurfende Schritte. Dann sprt er, wie 
ein anderer Geist in sein Bewutsein dringt. 

Okay, kleiner Bruder, hier Nunks. Nach Hause ... sicher. Mein Zuhause ... sicher. 

Mulligans Augen fllen sich mit Trnen. Er wischt sie mit dem rmel ab, und jetzt erst wird ihm 
bewut, da jemand seine Fhigkeit, Signale zu senden, neutralisiert hat. Das macht ihn fast rasend 
vor Wut, obwohl er nicht sagen kann, warum. Aber nun berhrt milde Wrme seinen Geist. 

Krankenschwester gibt Nunks jetzt Tasche. 

Dabei ffnet sich die Tr, und Nunks trottet herein. Gut ber zwei Meter gro, sieht er mit seinen zwei 
Beinen, zwei Armen und dem Kopf oben auf dem Rumpf durchaus menschenhnlich aus. Er trgt 
einen schwarz-wei-gestreiften Overall, der an den Knien abgeschnitten ist, so da man das flauschige 
und dichte graue Fell auf den Beinen sehen kann. Wie immer ist er barfu. Am Kopf ist sein Pelz 
blulich - das heit, zuerst denkt man, es wren zwei Kpfe: zwei keilfrmige Elemente, jedes mit 
einem leicht rtlichen Ohrstreifen, die in der Mitte durch ein Gebilde aus Knochen und Fleisch 
verbunden sind. Ein Kopf mit drei Augen und einem kreisrunden Mund. Er bringt Mulligan einen 
Plastikbecher mit Wasser, hilft ihm beim Trinken, dann legt er eine der groen Hnde mit der 
unbehaarten Handflche auf Mulligans Stirn. Die Kopfschmerzen verschwinden. 

DM heilst ... oder betubst? fragt Mulligan. 

Betuben. Heilen wei nicht. 

Sehr gut. Danke. 

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Gehen nach Hause ... Wei Lacey? Wei Buddy? 

Lacey vielleicht. 

Nach Hause. Nunks nickt ganz ernst, vterlich. Wrter finden. Nicht hierherkommen. 

Doch der Krankenwrter kommt schon. Er strzt durch die Tr, als befrchte er, da Nunks seinen 
Patienten ermorden wolle. Sein dunkelbraunes Gesicht ist grimmig. In der einen Hand hlt er eine 
Funkbox, in der anderen ein Impfpistole. 

Okay, Bleichgesicht, fhrt er Mulligan an. Spricht dein ... h, Freund Merrkan? 

Er kann berhaupt nicht sprechen, aber er versteht Merrkan. 

Gut: Was hat er hier zu suchen? wendet er sich zu Nunks. Wer hat dich berhaupt reingelassen? 

Nunks sieht ihn unverwandt mit zwei seiner groen grnen Augen an. Dann geht er auf ihn zu und 
hebt eine Hand. 

Du hast hier nichts zu suchen! Heh ... was soll das? Rhr mich nicht an, Bldmann! La ... 

In dem Augenblick, in dem Nunks Hand seine Stirn berhrt, beginnt er zu lcheln. Leise seufzt er auf 
und gleitet besinnungslos zu Boden. 

Kleiner Bruder: Gehen, nicht gehen? 

Nicht gehen. Mulligan bermittelt ihm etwas von seinen Schmerzen. Mit einem leichten Winseln zeigt 
Nunks, da er verstanden hat. 

Kleiner Bruder blockiert? 

Kann sein. 

Nunks hebt ihn hoch, und Mulligan schlingt die Arme um seinen Nacken. Er lt sich tragen wie ein 
Kind. Sie vereinen ihre Psi-Krfte und senden zusammen ein Signal von solcher Strke aus, da sie 
gegen ihre Umgebung abgeschirmt sind. Niemand nimmt sie wahr, so gut wie unsichtbar sind sie auf 
ihrem Weg durch die Korridore: vorbei an der grau und silber gestrichenen Triage-Abteilung, vor der 
vier Weikittel stehen und tratschen. Durch das menschenwim- 

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melnde Foyer, hinaus auf die Plaza und hinber zur Haltestelle der Robotaxis. Niemand sieht sie 
gehen, niemand sagt ein Wort, um sie aufzuhalten - nicht einmal whrend der fnf Minuten, die sie auf 
ein leeres Taxi warten mssen, das in ihre Richtung fhrt. Nunks ffnet die Tr und setzt Mulligan auf 
den Sitz, doch mu Mulligan die Koordinaten fr Porttown eintippen, denn dafr sind Nunks' Finger 
zu dick. Doch strengt es ihn so sehr an, da er gleich auer Atem ist. 


Das eigentliche Porttown beginnt gut drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, dort, wo die First 
Avenue nur noch geradeaus zum Zollgebude fhrt. Hier bleiben auch die Robotaxis stehen, denn ihre 
Programmierung erlaubt nicht, da sie tiefer in diese Gegend vorstoen. Inzwischen haben sich 
Mulligans Muskeln wenigstens so weit entkrampft, da er humpelnd gehen kann, solange Nunks einen 
Arm um ihn gelegt hat und ihn sttzt. So trotten sie die D-Straen entlang, vorbei an den grauen 
Fassaden aus Plastbeton, den Pfandhusern und billigen Hotels, den Betrunkenen in den 
Hauseingngen, den Rauschgiftschtigen, die sich auf den Gehwegen ausgestreckt haben. Hin und 
wieder lt sich eine mde Nutte aus dem einen oder anderen Fenster vernehmen, mit einem ebenso 
mden Scherz, oder ein mnnliches oder weibliches Wesen in der Uniform der Raumflotte schwankt 
seines, ihres Weges, der nach einer Nacht Urlaub zum Raumhafen zurckfhrt. Zweimal werden sie 
von Lizzie-Gangs verfolgt, doch ist Nunks zum einen von beeindruckender Gre, zum anderen kann 
er sich in solchen Situationen mit einer von allen Wesen fhlbaren Aura von Feindseligkeit und 
Gefahr umgeben, die ihren Eindruck nie verfehlt. Nach einem oder zwei Blocks sind die Gangs 
verschwunden. 

Nun sind sie schon in Sichtweite des Tors zum Raumhafen, doch biegen sie in eine schmale Gasse, die 
vor einer Mauer endet; sie gehrt zu einem Lagerhaus, das sich ber ein ganzes Karree erstreckt. Eine 
Laderampe, groe Schiebetore - alles, was dazugehrt, doch erkennt man aus der 

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Nhe Vorhngeschlsser an den rostigen Toren, die Fenster sind bermalt, die Rampe fast zugeweht 
von dem, was der Wind an Abfall herbeigetragen hat. An einer Ecke ist eine ganz normale Tr, ber 
der ein 3-D-Schild verkndet: A-bis-Z-Unternehmungen. Obwohl Mulligan den Verdacht hat, da der 
Firmenname noch niemanden tuschen konnte, auer einige Touristen von anderen Planeten, die sich 
unglcklicherweise in diese Gegend verirrten, mu man doch zugestehen, da hinter dem Ganzen 
nicht eigentlich eine Tuschungsabsicht steckt. Es war eher so, da den Behrden damit signalisiert 
wurde, da Lacey willens war, ihrem Unternehmen den Anschein von Legalitt zu geben, und die 
Behrden ihrerseits den Anschein erwecken konnten, sie wten nicht, da man sie tuschte. Auf dem 
Planeten Hagar gab es zweifellos ganz eigene Wege, bestimmte Dinge zu tun. 

Nunks pret seine Handflche gegen das Lesefeld des automatischen Schlosses, und mit einem hohlen 
chzen gleitet die Tr auf. Schon mit dem ersten Schritt ins Innere fhlt sich Mulligan besser. Was 
von auen wie ein massives Gebude wirkt, ist in Wirklichkeit kaum mehr als eine Art Hlle, eine 
Einfriedung von der Gre eines kleinen Zimmers. Darinnen aber befindet sich ein Garten ppiges 
Grn, Reihe um Reihe Obstpflanzen und Stauden, Weinranken, Gemse. Und das alles eingerahmt, 
direkt an der Innenmauer, von Bumen, hauptschlich alten Apfelbumen, wie man sie von der Erde 
kannte. Sicher gab es eine Menge Beamter bei verschiedenen Behrden, die sich wunderten, woher 
Lacey die Extrarationen Wasser hatte, die man fr dieses Paradies brauchte, doch stellte niemand 
peinliche Fragen. Das war auch besser so, denn was wrden sie tun, wenn sie eine exotische Frucht 
wnschten, um eine Geliebte zu beeindrucken oder frisches Gemse, um die Wnsche ihrer 
schwangeren Frau zufriedenzustellen? Der Apfelschnaps, den Nunks und Lacey brannten, war 
hilfreicher als jedes Schmiergeld, zu unentbehrlich, als da man 

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ihn durch Haarspalterei ber irgendwelche Vorschriften aufs Spiel setzen wollte. Auerdem war ein 
groer Teil des Wassers vllig legaler Herkunft, denn Lacey war geradezu fanatisch, was die 
Rckgewinnung des im Hause verbrauchten Wassers anging. 

In der Nacht leuchtet das unaufhrliche Farbenspiel des Nordlichts ber dem Garten, fast scheint er im 
Rhythmus der aufblhenden Farben zu atmen. Vorsichtig bahnen sie sich einen Weg zwischen zwei 
Reihen graugrnen Brotfarns, da bemerkt Mulligan ein Mdchen, das in dem hellen Lichtschein vor 
seiner Zimmertr steht. Sie ist vielleicht sechzehn, sehr hbsch, klein und zart. Ihr Haar hat sie wei 
gebleicht und mit einem Hauch Purpur getnt, es hebt sich anmutig von der weichen dunklen Haut ab. 
Doch bemerkt Mulligan, da eine Seite ihres Gesichts blaugeschlagen ist, und sogar in diesem 
ungnstigen Licht erkennt er die roten Male an ihrem Hals, die genau die Gre von Fingerspitzen 
haben. 

Groer Bruder? Neues Mdchen hier? Freundin von Lacey? Wohnt sie hier? 

Ja. Nein. Ja. Auf der Strae gefunden, heute mittag. 

Als das Mdchen sie bemerkt, huscht sie zurck in ihr Zimmer und schlgt die Tr zu. Mulligan hrt 
die altmodischen Riegel knarren, eine Vorlegekette rasselt. Sicher ist sicher. Ihre Furcht, die er sprt, 
lenkt ihn von seinen eigenen Schmerzen ab, lange genug, um die Freitreppe zum ersten Stock 


hinaufzusteigen. Nunks stt die schwere Tr oben auf, und halb gehend, halb getragen gelangt 
Mulligan in den Korridor. Von allen Seiten tnt das Gesumme der Klimaanlage. Sieben, acht Schritte 
vor ihnen ist Laceys Tr, sie ist offen, und man hrt ihre heisere Stimme, etwas schrill vor rger. 

Hr gut zu, panchito! Ich habe dir gesagt, da du dich an die Regeln halten mut, wenn du hier 
bleiben willst. Regel eins: Wenn Nunks dir sagt, was im Garten zu tun ist, dann erledigst du das auch. 
Klar? 

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Jawohl! Die Stimme eines Jungen, aber zackig wie ein Soldat. 

Okay. Noch ein Versuch. Aber noch ein Patzer, und du bist drauen! 

Der Junge schiebt sich aus ihrem Zimmer, dann luft er den Korridor entlang. Vielleicht zwanzig, 
denkt Mulligan. Beim Laufen duckt der Junge sich, als suchte er Deckung vor einem unsichtbaren 
Laserfeuer. 

Mulligan erinnert sich dunkel, da er ein Deserteur irgendeiner Raumtruppe ist von den 
Landungstruppen der Allianz ja ... doch mit einem Mal dreht sich alles in seinem Kopf, und nun ist es 
ihm egal. 

Nunks fngt ihn auf und trgt ihn die letzten Meter in das Zimmer, legt ihn auf das graue 
Schaumstoffsofa an der hinteren Wand. berrascht blickt Lacey auf. Sie sitzt in einem grauen, mit 
Kunstleder bezogenen Sessel, hat die Fe auf die blaue Computerkonsole gelegt und sieht sich auf 
dem 3-D-Bildschirm an der Wand ein Baseballspiel an. Seines erbrmlichen Zustands wegen belt es 
Mulligan diesmal bei einem kurzen, recht abstrakten Anflug von Verliebtheit und Begehren, wie es 
ihn jedesmal berkommt, wenn er Lacey sieht. Obwohl eher durchschnittlicher gro, wirkt Lacey 
durch ihre kerzengerade Haltung recht stattlich. Dank des Verjngungsmittels sieht sie aus wie 
fnfundzwanzig, geradezu mdchenhaft mit den groen blauen Augen und dem breiten, burschikosen 
Lcheln. Doch ist sie in Wirklichkeit dreiig und eine Veteranin der interstellaren Flotte der Republik 
was man am Schnitt der blonden Haare unschwer erraten konnte. Obwohl sie es in jeder Flotte, die 
mehr als vier Fregatten, drei Kreuzer und ein rostiges Schlachtschiff umfate, zu einem hohen Rang 
htte bringen knnen, war sie vor nicht allzu langer Zeit nur als Kapitnleutnant ausgeschieden. Wer 
nicht die ganze Geschichte kannte, neigte zu dem blichen Schlu, da sie es sicher bis ganz nach 
oben gebracht htte, wenn nur ihre Hautfarbe nicht wei gewesen wre. Aber wie dem auch sei, 

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nun lebte sie von ihrer Pension hier in diesem Haus, das sie von einem Onkel geerbt hatte. 

Was, um Himmels willen, ist denn mit dir passiert? Lacey hatte den Ton des Fernsehers 
ausgeschaltet und kommt herber zum Sofa. Sie trgt Jeans mit abgeschnittenen Beinen und ein weites 
blaues Hemd mit dem Aufdruck auf dem Rcken: ZERO-GEE-BOWLING .LEAGUE. Hast du dich 
geprgelt? 

Wei nicht, murmelt Mulligan. Zu seiner berraschung schmerzt ihn das Sprechen. Ich dachte, du 
wtest es. 

Erstaunt sieht Lacey Nunks an, der die Achseln zuckt und fragend die Hnde hebt. Obwohl seine 
Spezies nie Sprechorgane entwickelt hat, weil sie von Natur aus telepathisch veranlagt war, hat er 
gelernt, die Mimik und Gestik von Menschen und Lizzies zu gebrauchen. Und was Lacey anging, so 
hat sie gelernt, die richtigen Fragen zu stellen. 

Wir wollen mal sehen, beginnt sie, du hast gewut, da Mulligan in Schwierigkeiten ist. 

Nunks nickt und ttschelt mit der Hand seinen Kopf, um ihr zu bedeuten, da er die Schmerzen seines 
Freundes telepathisch erfassen konnte. Dann hebt er eine Hand, da sie einen Augenblick warten soll. 

Kleiner Bruder: Sag Lacey starke Kraft, bse. Kann Geist zerstren. Du schreist ... (dort, dort, lange 
her). Mord, Carli, Freund von der Polizei. 

Keine Erinnerung. Wie sagen? 

Versuchen! 

Mit einem Seufzer sinkt Mulligan in die Kissen und sucht in seinem Gedchtnis nach der verlorenen 
Erinnerung. Ganz unvermittelt prallt er auf eine Mauer von Schmerz, die ihn fast betubt. Als er zu 
sthnen und keuchen beginnt, luft Nunks rasch zu ihm und legt eine Hand auf seine Stirn - aber nicht 
einmal das kann die Schmerzen unterdrcken. Mulligan gibt es auf, er mu sich von dieser Erinnerung 
fernhalten. Jetzt lt der Schmerz nach. 

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Blutgeruch, sagt Nunks, das ist es. Dort, heute abend, Blut. Ich rieche es, kleiner Bruder. 

Da ist etwas und blockiert meine Erinnerung, sagt Mulligan. Es ist kaum lauter als ein Flstern. Es 


tut entsetzlich weh, wenn ich es nur versuche. Aber Nunks meint, da ich fr die Polizei gearbeitet 
htte, ein Mord vielleicht, denn er hat etwas von Blutgeruch gesagt. 

Fr Bates, den Polizeichef? 

Freund von der Polizei, meldet sich Nunks sofort. 

Wird es wohl gewesen sein. Nein, Bates kein Freund, nur Polizist, den ich kenne. 

Nunks ist berrascht. Entschuldige. 

Aber man kann ihn doch anrufen. Ich werde sagen, da du wissen mchtest, was passiert ist. 

Ich bin gar nicht sicher, ob ich das will. 

Doch, kleiner Bruder. Mssen wissen, unbedingt wissen. 

Na gut, Lacey, natrlich sollte ich wissen, was passiert ist. 

Okay. Willst du was trinken? Ich habe einen echten Whisky von der Erde. 

Gerne! 

Sie geht hinber zur Bar, einem blitzblanken Ding aus grauem und knigsblauen Email. Zwischen 
schnurgeraden Reihen von Flaschen und Glsern, die der Gre nach aufgestellt sind wie zum Appell, 
steht eine Eiswrfelmaschine. Zwei Wrfel gesteht sie Mulligan zu, dann giet sie grozgig Whisky 
darber. Als sie Mulligan das Glas reicht, schttelt Nunks mibilligend den Kopf. 

rger. 

Bitte, groer Bruder, ist notwendig: Kopf betuben. 

Resignation, milde Verachtung. 

Du willst dich wirklich betrinken? fragt Lacey. 

Bis zum letzten Tropfen. Ich werd's bezahlen, Lacey, wenn ich wieder Geld bekomme. 

Kein Problem. Aber vom nchsten Glas an werde ich dir 

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billigen Schnaps geben, du wirst den Unterschied schon gar nicht mehr merken. 

Wenn du meinst, meinetwegen. 

Mulligan nimmt einen groen Schluck, dann seufzt er wohlig. Er wei, da es ihm bald besser gehen 
wird. Nicht lange, und er ist diese Last los, diese >Gabe<, die ihm sein halbes Leben vergllte. 

Ach, Lacey! Wer ist denn das Mdchen mit dem Purpurhaar? 

Heit Maria. Ihr Zuhlter hat sie zusammengeschlagen, als sie ihm weglaufen wollte. Er dachte, sie 
wre tot, und lie sie auf der Strae liegen. Nunks hat sie gefunden und hierhergebracht. 

Gott im Himmel. Das arme Ding. 

Wut. Ihn suchen, verprgeln! Aber: Angst vor Polizei. 

Ja, groer Bruder. rger mit Polizei: Zuhlter zahlen viel Geld an Polizei. Stehen unter Schutz. 

Ganz unvermittelt geht Nunks. Mit groen Schritten stapft er aus dem Zimmer und schlgt die Tr 
hinter sich zu. 

Wieso ist er so aufgebracht? fragt Lacey. 

Wir haben ber das Mdchen gesprochen, Maria, und da ihr Zuhlter wahrscheinlich die Polizei 
schmiert. 

Nunks hat ber unsere Spezies manchmal eine wirklich schlechte Meinung. 

Und gewhnlich liegt er damit genau richtig. Stimmt's? 

Mit einem Achselzucken setzt sich Lacey wieder an ihren Computertisch. Ihre Finger spielen ber eine 
Reihe von Knpfen, die an der Kante der Tischplatte eingelassen sind. 

Du willst eingeben, was ich dir gesagt habe? fragt Mulligan. 

Ja, sicher. Ein Mord ist immer ein schwerer Eingriff in ein funktionierendes System, das hat 
Konsequenzen. Und ich mchte das mit dieser Geschichte, da etwas deine Erinnerung blockiert, in 
Zusammenhang bringen. Vielleicht findet sich so eine Erklrung. 

Denke, da ich eine brauchen knnte. Aber Lacey, sag 

22 

mal - bist du nicht einfach neugierig, was die Leute so quatschen? 

Nie und nimmer. Du kennst den alten Witz: Du tratschst vielleicht, aber ich tausche wichtige 
Informationen aus. In dieser Stadt, mein Kleiner, bedeuten die richtigen Informationen bares Geld. 
Meine dmliche Pension beschert mir nicht das Luxusleben, das ich verdiene. 

Mulligan nimmt einen zweiten Schluck Whisky und sieht Lacey zu, die den blagrnen Bildschirm 
einschaltet. Eine Abdeckplatte auf dem Computertisch schiebt sich zur Seite, und eine Tastatur kommt 
zum Vorschein - eine richtig altmodische Tastatur wie im Museum, die auer ihr niemand reparieren 
kann. Natrlich gibt es an ihrem Computer wie bei jedem andern auch eine akustische Spracheingabe, 


doch bietet dieses antike Ding Lacey einige Vorteile: Mehr oder weniger unbemerkt von ihren 
Besuchern und ohne sie zu stren, kann sie jederzeit Daten eingeben. Immerhin, sagt sich Mulligan, 
jeder, der Laceys Datenbank anzapfte, knnte dadurch reich werden. Doch unglcklicherweise hat 
Lacey ihren Computer so programmiert, da er in einer Sprache antwortet, die nur sie versteht. 
Mulligan hat den Verdacht, da sie die Sprache erfunden hat. 

Was meinst du? Ist das, was du durch mich erfhrst, vielleicht ein Frhstck wert? 

Was, bist du schon wieder pleite? 

Ich bin immer pleite, das weit du doch. 

Du solltest dir mal eine vernnftige Arbeit suchen. Geh zum Staat dein Land braucht dich\< 

Groer Gott! Gnade ... Das hab' ich eine Zeitlang versucht. Wenn du eine Ahnung httest, wie elend 
langweilig das Gedankenlesen bei Bewerbern um einen Verwaltungsposten ist. Was fr 
Lebensgeschichten! Niemand, der sich fr so eine Stelle interessiert, scheint irgend etwas von Belang 
erlebt zu haben. Ich verstehe nicht einmal, warum sie sich die Mhe machen, Paras zu beschftigen. 

Vielleicht findest du es heraus, wenn du es noch einmal versuchst. 

Aber nun kann Mulligan sein schlechtes Gewissen nicht lnger unterdrcken. Da sitzt er und versucht, 
von Lacey zu schnorren, obwohl er sich geschworen hat, es nie wieder zu tun. Das mindeste, was er 
ihr schuldet, ist, da er ihr die Wahrheit sagt. 

Na ja, weit du .. Ich kann nicht zurck in den Staatsdienst. Sie haben mich rausgeschmissen. 

Ach. 

Ja, tatschlich. Ich habe da einfach nicht hingepat. Jedenfalls haben sie es so ausgedrckt, obwohl 
ich ihnen irgendwie recht geben mu. 

Ich beginne zu verstehen. Das heit im Klartext, da du immer zu spt kamst und dich unmglich 
aufgefhrt hast, und da du deinem Vorgesetzten patzige Antworten gegeben hast. 

Himmel! Wenn du dieses Weib gesehen httest, wrst du auch unfreundlich gewesen. Sie war, 
verdammt, eine von diesen Esoterik-Ladys, die hauchdnne Schals tragen und Kleider mit weiten, 
fliegenden rmeln und die sich mit einer Aura von Mysterium umgeben, whrend sie immerzu von 
der jenseitigen Welt reden und von ihrer begnadeten Gabe -und das alles im Brustton der 
berzeugung, verstehst du? 

Ja, das fllt mir nicht schwer. Sie schenkt ihm ein knappes Lcheln. Aber, zum Teufel, bei der 
Flotte hatte ich eine Menge Vorgesetzte, die ich nicht ausstehen konnte. Man fhrt ihre Befehle aus 
und ignoriert die Mistkerle, so gut es geht. 

Bei dir war das etwas anderes, du pat eben auch zum Militr. Aber ich habe nicht diese Disziplin. 

Man mchte beinahe Mitleid kriegen, du armes, schwaches Brschchen. 

Ach hr auf! Aber wirklich, ich habe es versucht mit diesem blden Job. 

Lacey hebt skeptisch eine Augenbraue, dann macht sie 

24 

sich an die Arbeit. Zwar kann Mulligan die Tastatur vom Sofa aus nicht sehen, aber ihr Gesicht sagt 
ihm genug: die Lippen einen Spalt geffnet, die Augenlider gesenkt sie sieht aus, als trumte sie, von 
einem fernen Geliebten vielleicht. Oder ist es einer, der beraus gegenwrtig ist, wenn sie die Tastatur 
bearbeitet? Manchmal hat er ihren Computer. 

Nicht bel, sagt sie schlielich. Ich werde jetzt den Chief anrufen und seine Informationen direkt 
eingeben. 

Tchtig, tchtig. Du bist einfach Spitze. Aber hr mal bevor ich weitertrinke, mu ich dich etwas 
fragen. Sonst werd' ich's noch vergessen. 

Dann schie los. 

Dieser Deserteur: War es nicht zu riskant, ihn hier aufzunehmen? 

Du und Nunks, ihr habt ihn berprft und gesagt, er wre in Ordnung. 

Das meine ich nicht. Ich meine, was passiert, wenn die Allianz herausfindet, da du ihn versteckst? 
Sie werden alles versuchen, um dich in ihre Gewalt zu bekommen, das weit du doch. Und dann? Die 
Giftspritze und ab in die Recyclinganlage, kein Zweifel. 

Ich wei. Ich besorge ihm falsche Papiere, damit er mit einem Handelsschiff von hier wegkommen 
kann. 

Groer Gott! Das kostet ja Tausende! 

Oh, ich kenne da Leute, die mir noch ein paar Geflligkeiten schulden. Und, mein Lieber, stell dir 
vor: Unser kleiner panchito hat es mir in seiner Unschuld schon ein halbes Dutzendmal zurckgezahlt. 
Was bin ich fr ihn denn? Eine Kameradin, auch wenn ich nicht mehr aktiv bin. Deshalb sitzt er gerne 


hier bei mir und erzhlt alles, was ihm durch sein kleines Kpfchen geht wo die Schiffe der Allianz 
kreuzen, was fr neue Waffen sie haben und was fr spezielle Schiffsmanver sie drauen im freien 
Raum ausfhren knnen, die er beobachten konnte. Ich kann jedes einzelne Byte gleich dreimal 
verkaufen. 

25 

Du lieber Himmel! Nunks und ich, wir waren einer Meinung, da dieses Baby zu dmlich ist, um zu 
lgen. Dann mu das alles stimmen, bis aufs i-Tpfelchen! 

Genau. Ganz sicher ist die Allianz ohne dieses Baby mit seinen bescheidenen Gaben besser dran. Die 
Handelsmarine ist genau das Richtige fr ihn. 

Aber wie kam es, da er weggelaufen ist? 

Eine Tracht Prgel zuviel. Sein Kommandant mu ein echter Soldat gewesen sein. Als ob das eine 
Art wre, eine Flotte zu fhren ... Leute mit der Prgelstrafe zu traktieren. 

Weit du, wenn es eines Tages wirklich knppeldick ber uns kommen sollte ich wrde mich lieber 
von der Konfderation als von der Allianz erobern lassen. Du nicht auch? 

Mal den Teufel nicht an die Wand! Aber da hast du nicht ganz unrecht. 

Na schn, sagt Bates, erfreulich, da es ihm besser geht. Aber dem Gesicht auf dem Bildschirm 
ist nicht das geringste Interesse an Mulligans Gesundheitszustand anzumerken. Mir ist der kalte 
Schwei ausgebrochen, Lacey, kannst du mir glauben. Dachte, er stirbt mir unter den Hnden weg. 
Hat Nunks herausgefunden, was er falsch gemacht hat? 

Leider nein, aber er wird es noch einmal versuchen. 

Sag mir Bescheid, wenn er etwas wei. Es knnte wichtig sein. 

Wird gemacht. Hasta la vista! 

Als Lacey das Gesprch beendet, hlt Mulligan ihr bittend und mit einem erbarmungswrdigen 
Seufzer sein Glas entgegen. Sie giet nach und nimmt sich auch selbst etwas zu trinken. Sie steht auf, 
nippt daran und sieht Mulligan zu, der den Whisky gierig wie ein durstiges Kind hinunterschttet. 

Nunks hatte recht: Es hat einen Mord gegeben, an einem 

26 

Carli, und du kamst dazu. Bates hat dich engagiert, um zu lesen, und irgend etwas hat deine 
Schaltkreise ruiniert, und zwar grndlich. 

Ich hasse das, wenn du so von meinem Hirn redest, als wre ich eine Maschine. Ich bin aus Fleisch 
und Blut, kein alberner Kasten mit Stromkreisen und so. 

Ach, das Prinzip ist doch das gleiche. 

Nein! Nie! Ich wnschte, es wre so. Dann wre ich nicht so ein verdammter Para. 

Mensch, was hast du nur eine Menge Leute wrden ihre rechte Hand fr so ein Talent eintauschen! 

Dann spinnen sie oder sind ganz einfach dumm. Herr im Himmel Lacey, das einzige, was ich immer 
wollte, war Baseballspielen, nichts anderes. 

Es war sicher hart fr dich, mein Kleiner. 

Mulligan blickt zur Seite, Trnen in den Augen, whrend Lacey im stillen hofft, da er nicht wieder 
die ganze Geschichte von Anfang an erzhlen wird. Manchmal, wenn er trinkt, mu er einfach darber 
reden. In der High School war Mulligan der Star der Baseballmannschaft, und jedermann dachte, da 
er nach dem Abschlu seinen Weg in eine Profi-Mannschaft machen wrde. Aber dann, als die 
Pubertt vorbei war und die Hormone ihre Arbeit verrichtet hatten, da lag das bisher verborgene Psi-
Talent offen zutage. Zwar versuchte er es zu verheimlichen, aber einige seiner Klassenkameraden 
zeigten ihn bei der zustndigen Behrde an; er wurde aus dem Verkehr gezogen und in das staatliche 
Parapsychologische Institut gebracht. Dort wurde er getestet, registriert und auf die bliche Weise mit 
einem Psi markiert. Damit war jede Aussicht auf eine Karriere im Profi-Baseball zunichte. Obwohl er 
absolut keine psychokinetischen Fhigkeiten besa und keine Gefahr bestand, da er etwa die 
Flugbahn eines Balls beeinflute, wrde man ihn immer unerlaubter Methoden verdchtigen. Kein 
Team des Planeten wrde Geld in einen Spieler investieren, bei dem man jederzeit mit einer Sperre 
rechnen mute; ein Aufschrei 

27 

ffentlicher Emprung, und die Offiziellen der Liga konnten gar nicht anders - so, wie es auch mit den 
Androidenspielern geschehen war. 

Es ist einfach nicht fair, sagt Mulligan fast unter Trnen. Ich meine, selbst wenn ich die Gedanken 
des Werfers lesen knnte und genau wte, wie er den Ball schleudern will, verdammt, dann mte 
ich ihn immer noch fangen, oder? Es ist nicht fair. 


Nun ja, sicher. 

Aber es hat mein Leben kaputt gemacht. Ein langer Schluck Whisky. Der ganze verfluchte Mist 
hat mein Leben ruiniert, nicht? Mir bleibt nichts brig als bei den Semiprofis mitzuspielen, fr lausige 
fnf Dollar pro Spiel. Dabei htte ich das Zeug zum Profi. 

Dieses Team, von dem du erzhlt hast sie haben dich genommen? 

Ja. Hab' ich's nicht gesagt? Ihnen ist egal, was mit meinem Kopf los ist, sie brauchen dringend einen 
Shortstop. Ein lausiges Team, die Mac's Discount Marauders ... 

Der Gedanke, da er vielleicht gleich weinen wird, macht Lacey nervs. Sie ist so schrecklich 
unsicher, wie man mit einem weinenden Menschen umgeht. Aber nach einer Minute seufzt er auf und 
murmelt etwas vor sich hin. 

Du drckst dich heute so klar aus. 

Eigentlich will ich nur in Ruhe gelassen werden ... Es ist nicht mehr als ein Murmeln. 

Aus Sympathie, nicht aus rger tut Lacey ihm diesen Gefallen. Zuerst nimmt sie die Whiskyflasche 
und stellt sie in seine Reichweite, dann geht sie zurck zum Computertisch und dem Sessel mit den 
Armlehnen. Auf dem Bildschirm an der Wand kann sie sehen, da die Polar City Bears die New 
Savannah Braves im siebten Inning mit acht zu zwei schlagen. Und weil die Bears ohnehin die besten 
Werfer der ganzen Interplanetarischen Liga haben und die Braves die schlechtesten, beschliet sie, das 
Gemetzel nicht weiterzuverfolgen, und schaltet aus. 

 Erfahrung wei sie, da Mulligan so lange trinken ^, bis er vllig apathisch geworden ist. Und weil er 
schon lngs* keine Gefahr mehr ist, schaltet sie ihren Computer auf akustische Ein- und Ausgabe. 
Doch vertraut sie Mulligan nicht genug, um nun mit Buddy Merrkan zu sprechen. Statt Jessen benutzt 
sie Kangolan, eine kaum bekannte Sprache, von der hchstens zwei Millionen denkende Wesen im 
erforschten Raumsektor wissen, da sie berhaupt existiert. Und hchstens fnfhunderttausend von 
ihnen knnen sie auch sprechen. Lacey hatte sie whrend eines Flotteneinsatzes gelernt; sie war 
damals Computeroffizier auf einer Fregatte, die eine Pforte in den Hyperraum in der Nhe des 
Planeten gegen Piraten bewachte. Sie hatte gengend Zeit, die Gebruche jener Welt zu studieren, weil 
in den ganzen fnf Jahren, die sie dort auf der Lauer lagen, nur zwei Piratenschiffe auftauchten, von 
denen eines auf der Stelle kehrt und sich aus dem Staub machte, als es die Fregatte geortet hatte. 

Ich bin wach und betriebsbereit. Buddy spricht mit einer angenehmen, manchmal etwas 
ungeduldigen Tenorstimme, die Lacey selbst programmiert hat, um nicht stndig die verfhrerische 
Frauenstimme anhren zu mssen, mit der die Fabrik die Maschine ausgestattet hat. 

Ich freue mich, das zu hren, Buddy. Hast du schon die neuen Informationen verarbeitet, die ich dir 
ber die Tastatur eingegeben habe? 

Das habe ich. Aber sie sind noch unvollstndig. 

Ich wei. Ich nehme an, da wir mit der Zeit noch weitere Quellen verwerten knnen. Einstweilen 
sollst du diese Informationen speichern und mit den Daten ber alle Morde in Polar City whrend der 
letzten zwlf Monate vergleichen. Dann sollst du nach Fllen suchen, in den Paras ihre Einne-rungen 
nicht abrufen konnten, weil sie durch Schmerzanflle gehindert wurden, und auch diese auflisten. 
Beide Recherchen erst einmal auf der ersten Zugriffsebene. 

28 

29 

Die Maschine gibt einen leisen Ton von sich, den Lacey stets als >vor sich hinsummen< bezeichnet. 

Ich bin fertig. Der Auftrag zum Datenvergleich ist vollstndig ausgefhrt. Weitere Beispiele fr 
Erinnerungsprobleme habe ich in meinen Datenspeichern nicht. Ist es mglich, da die Einheit 
Mulligan falsche Daten liefert? 

Das ist unmglich. Warum vermutest du, da die Daten falsch sind? 

Die Einheit Mulligan arbeitet nicht zufriedenstellend. 

In welcher Beziehung? 

In jeder Beziehung. Sie ist in schlechtem Zustand, arbeitet unkontrolliert und nhert sich dem 
Zusammenbruch der neutralen Schaltkreise. 

Sag >er<, Buddy, nicht >sie<. Er ist keine Sache! 

Wenn meine Programmiererin darauf besteht, werde ich das tun. 

Ich bestehe darauf. Und was die gestrten Schaltkreis^ betrifft, die korrekte Bezeichnung ist 
>Intoxikation< oder! >sich betrinken^ 

Nur ein vorausgegangener Zusammenbruch kann eine| intelligente Einheit dazu bringen, sich bis zur 
Funktionsunfhigkeit zu betrinken. 


Nun, mag sein, aber fr uns ist er immer noch brauchbar, auch wenn das alles stimmt, was du sagst. 

Wenn meine Programmiererin das sagt, dann betracht ich ihn als ntzlich. 

Tu das, ja. 

Befehl ausgefhrt. Die Einheit Mulligan ist neu definiert als ntzliches menschliches Wesen. 
Nchster Befehl? 

Bleib in Bereitschaft, bis ich darber nachgedacht habe. 

Lacey lt die Maschine angeschaltet, steht auf und geht zur Bar, um sich noch ein Glas zu holen. 
Mulligan ist schon lngst weggetreten, sein leeres Glas hlt er umgekippt in der Hand und ein dnnes 
Rinnsal wrigen Whiskys ist ber sein Hemd gesickert. Als sie ihm das Glas aus der Han< nimmt, 
seufzt er im Schlaf und windet sich wie in einem 

schlechten Traum. Lacey befeuchtet ein Tuch am Waschbecken und wischt ihm das Gesicht. Aber 
auch das kalte Wasser kann ihn nicht wecken. Er bewegt sich nur ein bichen und seufzt noch einmal. 

Armes Schwein, sagt Lacey, er kann froh sein, da er hier in der Republik geboren wurde. 

Meine Datenbank sagt mir, da auf den Planeten der Allianz alle Paras gettet werden. 

Gewhnlich schon als Babys, ja. Man kann auch nicht sagen, da sie in der Konfderation 
ausgesprochen beliebt sind. 

Ich habe diese Aussage berprft und festgestellt, da in der Konfderation die Menschen mit Psi-
Talent als geisteskrank betrachtet und in geschlossene, wenn auch sehr komfortable Anstalten gebracht 
werden, bis ihr Talent durch psychotrope Medikamente zerstrt ist. 

Wie ich schon sagte, er kann froh sein, da er hier geboren wurde. Obwohl er es nicht immer zu 
schtzen wei. Mulligan sagt immer wieder, da er dieses Talent am liebsten los wre. 

Die Einheit Mulligan ist in ihrer Struktur instabil. Keine funktionsfhige Intelligenz kann den Verlust 
primrer Programmiermglichkeiten wnschen. 

Mir wr's recht, wenn du nicht immer schlecht ber Mulligan reden wrdest. Er ist mein Freund. 

Buddy summt kurz vor sich hin. 

Ich habe die Definition dieses Begriffs noch einmal abgerufen. Warum sorgst du dich um sein 
Wohlergehen auch dann, wenn er nicht von Nutzen fr dich ist? 

Hr blo auf! Du weit verdammt gut, da das Verstndnis fr Gefhle wie Freundschaft in deine 
zentrale Recheneinheit eingebaut ist. Was glaubst du, wer du bist? Mister Spock vielleicht? 

Nein. Es liegt mir nicht, mein Persnlichkeitsmodul in Begriffen einer vergessenen Trivialkultur zu 
definieren. 

Du wirst dich jedenfalls vorsehen, mein Lieber, sonst 

30 

31 

werde ich dich schneller, als du denkst, auf automatische] Funktionen umschalten ... 

ber den Monitor zuckt eine Reihe farbiger Blitze, dann] stellt sich das normale Dunkelgrau wieder 
ein. 

Ich bin bereit fr den nchsten Befehl, wenn meine Programmiererin es wnscht. 

So ist es schon besser. Also: Definiere die Datenbanken,] die hinsichtlich der Begrbnisbruche der 
Carlis und ihrer] Gesetze betreffs Mord relevant sind, werte alles zur gegenwrtigen politischen 
Situation in Polar City aus, ber Morde der letzten Zeit und so weiter. Frage die Datenbanken ab! und 
trage alle Informationen zusammen, bis zur vierten Zugriffsebene, die erstens fr den Mord und 
zweitens fr den Zwischenfall bei Mulligans Versuch zu lesen relevant] sind. Mach mir einen 
Ausddruck davon. 

Habe ich richtig verstanden? Relevante Datenbanken definiere ich so: nicht nur meine eigenen, 
sondern auch alle jene, in die ich mich mit einem Kennwort oder einem Code einschalten kann. 

Genau das meine ich. Wenn du dich in fremde Datenbanken einschaltest, dann benutze eine falsche 
Identitt. 

Programmiererin, ich habe verstanden. 

Whrend Buddy damit beschftigt ist, sich durch die elektronischen Labyrinthe zu arbeiten, geht 
Lacey ruhelos im Zimmer hin und her. Sie fragt sich, warum sie sich berhaupt mit Mulligan abgibt. 
Er platzt bei ihr herein und strt sie bei der Arbeit. Er trinkt Unmengen Alkohol und bedankt sich 
kaum einmal. Er bettelt um Essen oder braucht eine Bleibe fr die Nacht. Mehrere Male hat er schon 
Geld von ihr geliehen, ohne es je zurckzuzahlen. Er tut ihr leid - ein Para, der an einer Begabung 
leidet, die ihn zum Auenseiter in dieser Gesellschaft machte und ihn buchstblich brandmarkte. Aber 
da war auer Mitleid noch etwas: Sie mu zugeben, da sie seine Gesellschaft schtzt. Ein nchterner 


Mulligan konnte einen ganz gewhnlichen Morgen zu einer Party werden lassen, einen Spaziergang in 
die City zu einem 

32 

regelrechten Abenteuer. Es gab Augenblicke, meistens hatte sie dann selbst schon einige Glser 
getrunken, in denen sie sich fragte, ob sie ihn nicht weit mehr mochte, als da man es Freundschaft 
nennen konnte. Er war fr einen Weien ein sehr gutaussehender Mann, mit einem weichen, vollen 
Mund und schmalen Augen. Aber gewhnlich verbietet sie sich solche Gedanken in dem Augenblick, 
in dem sie auftauchen. 

Ach, Buddy: Schau doch mal in den Fernsehkanlen nach, ob es noch irgendwo ein Spiel gibt? Gib 
es mir auf den Fernsehschirm. Ich brauche etwas Abwechslung. 

Es gibt nirgendwo ein Ballspiel. Buddy klingt leicht verrgert und etwas abwesend, wie immer, 
wenn man von ihm verlangt, eine seiner Nebenfunktionen zu aktivieren. Aber das hier knnte dich 
interessieren. 

Darauf folgt eine Sondermeldung des Nachrichtenstudios. Die Prsidentin der Republik steht im 
schmucklosen Pressesaal der Residenz vor ihrem imposanten Pult. Das Haar ist hastig zu einem Zopf 
geflochten, das Make-up eine kleine Spur verwischt - ein geschickt kalkulierter Effekt, so da 
jedermann sehen kann, da sie von wichtigen Amtsgeschften sich hat losreien mssen, um diese 
nichtssagende, beschwichtigende Erklrung abzulesen. Ein Mitglied der Botschaft der Konfderation 
sei ermordet worden; sein Name sei Imbethka Gren, was man grob mit >Der, der den Weg ebnet< 
bersetzen konnte. Er pate ganz gut zu einem Untersekretr der Botschaft. Die Prsidentin versichert 
jedermann, da die Polizei alle verfgbaren Mittel einsetze und da auch die Staatspolizei sich in die 
Ermittlungen eingeschaltet habe. 

Das wird Bates gefallen, bemerkt Lacey auf Merrkan, wenn er an jedem rmel so einen Typen 
von denen hngen hat. 

Sicher, sagt Buddy, Chief Bates hat seine Ansichten ber die Staatspolizei schon hufiger 
klargemacht. 

Und so, erklrt die Prsidentin und blickt geradewegs in 

33 

die Kamera, die groen, schwarzen Augen so beraus aufrichtig, da Lacey am liebsten etwas gegen 
den Bildschirm geworfen htte, appellieren wir an alle in dieser Republik, die Polizei in ihren 
Bemhungen zu unterstrzen. Es ist ungeheuer wichtig, da diese Sache aufgeklrt wird, so schnell 
wie irgend mglich. 

Damit die Kons uns nicht in Grund und Boden bombardieren, wollte sie sagen. Lacey greift nach 
der Fernbedienung und stellt den Ton ab. 

Nicht unntig aufregen, Programmierer in. Die Allianz wrde das nicht zulassen. 

Eines schnen Tages werden es die einen oder anderen darauf ankommen lassen, wie die anderen 
reagieren. Dann werden wir wirklich und wahrhaftig befreit sein von allem bel weil es uns nicht 
mehr geben wird. 

Das wird nicht wegen dieses Mordes geschehen. Nach meiner Berechnung bleiben uns noch vierzehn 
Komma sechs Jahre, bevor die zunehmenden Spannungen eine Konfrontation unvermeidlich machen. 

Du bist ein echter Trost, mein Schatz. 

Weil seine Programmiererin auch feine nderungen des Tonfalls bercksichtigt, bleiben Ironie und 
Sarkasmus Buddy nicht verborgen. Er antwortet mit einem leichten Summen. Die Kamera in der 
Residenz schwenkt herum und bringt in Groaufnahme das Staatswappen; irgendein groer Raubvogel 
mit einem Bndel Laub in der einen Klaue, einem Raumschiff in der anderen und einem gestreiften 
Schild vor der Brust. Um den Rand des Wappens windet sich ein Schriftzug:  steis pluribus una. 

Pltzlich ziehen sich eisblaue Streifen ber den Bildschirm, bis nur noch Rauschen zu sehen ist. Von 
drauen hrt man ein Grummeln, das zu einem Brllen wird und schlielich zu einem schrillen 
Getse. Lacey steht auf und geht zum Fenster. Vom Raumhafen ist ein Zubringerschiff gestartet und 
zieht eine Silberschnur hinter sich her. Mulligans Stimmung mu auf sie bergesprungen sein, denn 
ihre 

34 

Augen fllen sich mit einigen wenigen Trnen, die sie rasch beiseitewischt. Mulligan htte wohl eine 
Chance beim Baseball gehabt, aber sie hat viel mehr aufgeben mssen: die endlose Weite des 
interstellaren Raums. Abgedroschene Bilder kommen ihr in den Sinn, von Vgeln, die in Kfigen 
gehalten werden. Sie verscheucht sie mit einem weiteren Schluck Whisky. 


Die Carlis, die magebliche Spezies der Konfderation, waren Augenwesen und schtzten jede 
Kunstform, die man mit dem Auge genieen konnte. So ist es nicht verwunderlich, da die Botschaft 
der Konfderation ein wunderschner Bau ist, ein anmutig geschwungener Halbkreis aus blabeigem 
Plastbeton, mit einer Oberflche, die das Fugenmuster einzelner Steinblcke nachahmt. Das Halbrund 
des Vorplatzes schmcken routenfrmige Blumenbeete, voller roter und blauer Blumen vom 
Heimatplaneten der Carlis, und sorgfltig beschnittene Dornenbume, die irgendwie symmetrisch 
angeordnet sind. Vor dem riesigen Tor, zwei Flgel aus echtem braunen Holz, importiert von Sarah, 
stehen zwei Menschen in steifen grauen Uniformen Wache. Als Chief Bates kurz nach Mitternacht 
auftaucht, salutieren sie mit uerster Przision und ffnen dann das Tor. 

Beim Eintreten in die groe Empfangshalle hat man das Gefhl, da es hier an die zwanzig Grad 
khler sein mu. Die Wnde sind von blassem Blaugrn, der dicke Teppichboden ebenfalls, und in der 
Mitte der Halle murmelt ein richtiger Brunnen vor sich hin und lt das Wasser ber purpurne 
Kacheln in ein elfenbeinfarbenes Becken pltschern. An den Wnden ber und ber Metallskulpturen, 
die bevorzugte Kunstform der Carlis dnne, bizarr geformte Platten aus Gold, Silber, oxidiertem 
Kupfer und hin und wieder einem Edelstein, die zu einem komplizierten Muster zusammengefgt sind. 
Jede der Skulpturen ist gut drei mal zwei Meter gro. Bates ist aufrichtig froh darber, da er fr den 
Schutz 

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dieser Schmuckstcke nicht verantwortlich ist. Gleich neben dem Brunnen steht ein groer 
Schreibtisch aus importiertem Rosenholz, so glatt poliert, da der Computer darauf bis zur letzten 
Taste widergespiegelt wird. 

Auch am Schreibtisch sitzt ein Mensch, eine Frau diesmal. Sie ist jung, hat rotblondes Haar und grne 
Augen. Obwohl viele der Menschen, die innerhalb des Territoriums der Konfderation lebten (und das 
umfate mehr als zwanzig Systeme), wei waren, so betrachtete Bates sie als etwas ganz anderes als 
die Weien seiner Republik. An den Weien der Konfderation fielen ihm immer die dnnen Lippen, 
die kalten Augen und ein ausgeprgter Mangel an Humor auf. Diese junge Frau bildet keine 
Ausnahme. Er versucht es mit seinem aufmunterndsten Lcheln, aber die einzige Reaktion ist ein 
Blick, der die Einzelheiten seiner Uniform zu registrieren scheint. 

Sie mssen dieser Polizist sein. 

Ich bin der Polizeichef von Polar City. 

Ich habe Anweisung, Sie sofort hineinzuschicken. Ihr Tonfall sagt, da sie das fr einen groen 
Fehler hlt. Wrden Sie bitte durch die linke Tr gehen? 

Die linke Tr trgt ein Messingschild mit einer Aufschrift in Carli und Merrkan, auf dem zu lesen ist, 
da sich hier das Bro des Protokollchefs befindet. Weil er erwartet hat, den Botschafter persnlich zu 
sprechen, ist Bates ein wenig verrgert. Dann erinnert er sich, da in der Welt der Carlis kein 
hochgestellter Beamter jemals kurzfristig zu sprechen ist wenn es nicht gerade um Krieg und Frieden 
ging. Da der Protokollchef ihn empfangen will, ohne ihn eine Stunde in der Halle warten zu lassen, 
spricht schon von uerster Kooperationsbereitschaft. Nach kurzem Klopfen tritt er in einen zweiten 
groen Saal, der ganz in braunen Farbtnen gehalten ist, ein rtliches und sehr helles Braun, mit 
Ausnahme eines groen blaugrnen Teppichs an der gegenberliegenden Wand. Der Schreibtisch des 
Protokollchefs ist noch grer und glnzt weit strahlender als der in der Ein- 

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gangshalle. Davor geht nervs ein mnnlicher Carli mit goldenem Fell auf und ab, der die lange grne 
Robe der Kriegerkaste trgt. Seine Ohren sind nur halb aufgerichtet, was bedeutet, da er wirklich 
bekmmert ist. 

Exzellenz, sagte Bates, erlauben Sie mir, Ihnen zu diesem Verlust mein aufrichtiges Mitgefhl 
auszusprechen. 

Ich danke Ihnen. Eine Pause. Wir haben mit Ka Gren einen vielversprechenden Mann verloren, der 
zu groen Hoffnungen Anla gab. Seine Aussprache des Merrkan ist erstaunlich gut; er vermeidet die 
leichten Knurrlaute beim r, wie sie fr die Carlis typisch sind. Aber schlielich ist dies eine 
hochoffizielle Gelegenheit. Mein Name ist Hazorth ka PralliFrankmo. 

Ka Pral, ich wei die Ehre zu schtzen. Ich bin Albert Bates. 

Bates, die Ehre ist ganz meinerseits. 

Sie verbeugten sich, dann musterten sie sich gegenseitig einen Augenblick lang, nicht ohne Argwohn. 
Der Polizeichef ist geneigt, diesen Carli zu mgen. Dieser Name, den er sich zugelegt hatte, bedeutete: 
Der, der ber schmale Brcken geht. Auf Merrkan wrde man sagen: ein Haarspalter. Offensichtlich 


besa der Protokollchef die Fhigkeit, seine Arbeit mit Humor zu betrachten - und Humor war unter 
Carlis sehr selten. Seine Ohren richten sich langsam bis zur vollen Lnge auf. Das ist ein Zeichen, da 
er Bates akzeptiert. 

Mchten Sie Platz nehmen und etwas trinken? Der Protokollchef deutet auf einen niedrigen grnen 
Diwan unter dem Wandteppich. 

Abzulehnen htte als unhflich gegolten. Also verbeugt sich Bates noch einmal und setzt sich 
vorsichtig auf die Kante des mit Kissen berhuften Diwans, whrend der Protokollchef nach einem 
Diener klingelt. Eine junge Carli in grauem Overall erscheint und bringt eine Kristallkaraffe und zwei 
Glser auf einem Bronzetablett. Sie stellt das Tablett auf das Serviertischchen neben dem Diwan und 
ver- 

37 

beugt sich dann so tief, da sie mit der Nase fast den Erdboden berhrt. Der Protokollchef zischt ein 
Wort in seiner Sprache, worauf sie sich umdreht und rasch verschwindet. 

Sie bemht sich, sagt der Carli anerkennend, als sie hier anfing, war sie sehr nachlssig. 

Ach ja, sagt Bates. Vielleicht war es schwierig fr sie, so weit von ihrem Heimatplaneten weg zu 
sein. 

Wissen Sie, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Vielleicht haben Sie recht. 

Der Protokollchef giet eine hellgrne Flssigkeit ein und gibt Bates ein Glas; dann nimmt er das 
seine und setzt sich in die andere Ecke des Diwans. Sie heben beide die Glser, bewundern flchtig 
das Hellgrn und nehmen einen kleinen Schluck. Bates ist hocherfreut, da es s schmeckt und nur 
wenig Alkohol enthlt. Es gab bei den Carlis alkoholische Getrnke, von denen sogar ein Drache auf 
Beta-Pic flach auf seinen stacheligen Rcken fallen konnte. 

Ich bewundere den Geschmack Eurer Exzellenz in der Webkunst, sagt Bates mit einem Nicken zu 
dem grnen Monstrum hinter seinem Rcken. Ich vermute, da ein so schnes Stck nicht von 
unserem armseligen kleinen Planeten stammen kann. 

Er stammt von unserem Heimatplaneten. Mit einem zufriedenen Seufzer macht es sich Ka Pral in 
den Polstern bequem. Er ist auf eine ganz besondere Weise gewebt. 

Eine Stunde spter nhert sich die Konversation ganz allmhlich dem Grund fr Bates Besuch. Der 
Polizeichef erfhrt, da der Ermordete damit begonnen hatte, eine Sammlung von Teppichen im 
Webstil der guten alten Erde zusammenzutragen, und schlielich berichtet Ka Pral, da Ka Gren 
gestern die Botschaft verlie, um eine geheimnisvolle Besorgung zu machen, zwei Stunden nach 
Sonnenaufgang, und nie mehr zurckkehrte. 

Weil er dienstfrei hatte, hatte ich natrlich nichts dagegen, aber es war doch merkwrdig. Wie die 
meisten unserer jngeren Leute brauchte er viel Schlaf und ging normaler- 

weise sofort nach dem Abendessen zu Bett und schlief, bis er zum Frhstck geweckt wurde. 

Das ist interessant, Exzellenz. Ist es erlaubt zu fragen, wer ihn gewhnlich weckte? 

Unsere Hausmeisterin, Kaz Trem. Der Hausverwaltungscomputer ist programmiert, automatisch 
Wecksignale an die Terminals in den Wohnrumen des Botschaftspersonals zu schicken, doch 
berprft die Hausmeisterin gewhnlich am Monitor, ob das Wecksignal beantwortet wird. Wie ich 
schon sagte, unsere jungen Leute schlafen sehr fest; es hat, soviel ich wei, mit unserer Natur als 
fleischfressende Wesen zu tun. Als Ka Gren nicht antwortete, ging Kaz Trem zu seinem Zimmer. Alle 
Schlsser, mit Ausnahme jener in der Suite und den Amtsrumen des Botschafters, reagieren natrlich 
auf ihren Handabdruck, und als sie ffnete, fand sie das Bett unberhrt. Sie kam sofort zu mir. Wir 
haben gerade beratschlagt, was zu tun sei, als wir Ihren Anruf erhielten. Seine Ohren werden schlaff 
und hngen traurig herunter. In dem Augenblick, in dem Sie sagten, da es sich um einen unserer 
Leute handele, war ich sicher, da es Ka Gren war. Niemand sonst war auer Haus. 

Und natrlich kam Ihr Sicherheitschef, um ihn zu identifizieren. Es tut mir leid und beschmt mich 
zutiefst, der berbringer einer so traurigen Nachricht gewesen zu sein. 

Ich teile Ihre Betrbnis, aber Sie haben keinen Grund zur Scham. 

Ich danke Eurer Exzellenz. Ich wei, da es vermessen ist, Sie und Ihre Landsleute in Ihrer Trauer zu 
stren, aber es ist notwendig, einige Fragen zu stellen ... 

Wir werden gerne Ihre Fragen beantworten, so weit wir knnen. Bates, meine Spezies gleicht der 
Ihren in dem Bedrfnis nach Vergeltung. Ich wnsche, da der Mrder Ka Grens gefunden und vor 
Gericht gebracht wird - das heit natrlich, wenn dieses Wesen Ihrer Gerichtsbarkeit untersteht. 

Bates stutzt, dann versteht er die Andeutung. Ka Pral 

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meint, da der Mrder vielleicht in der Botschaft der Allianz zu finden ist und da er diplomatische 
Immunitt geniet. 

Ich freue mich, das zu hren, Exzellenz. Was fr einen Grund knnte der junge Ka Gren denn gehabt 
haben, in die Stadt zu gehen, ohne jemandem etwas zu sagen? 

Ich kenne den Grund nicht, aber ich habe zwei Vermutungen. Erstens, er knnte sich in der Stadt mit 
Spielern getroffen haben. Wie Sie sicher nur zu gut wissen, sind unsere jungen Leute in die 
Kartenspiele der Menschen geradezu vernarrt. Zweitens, und das ist etwas schwieriger zu erklren, 
knnte es mit Ka Grens Diensteifer zu tun haben. Er war fr uns so unersetzlich, weil er, wie man es in 
Ihrer Sprache sagt, ein Draufgnger war und stets bereit, Aufgaben zu bernehmen, die nicht zu seinen 
unmittelbaren Pflichten gehrten. Natrlich haben wir hier in der Botschaft die Aufgabe, gute 
Beziehungen mit Ihrer bewundernswerten und ruhmreichen Republik herzustellen und 
aufrechtzuerhalten. 

Natrlich. 

Der Carli zgert, die Ohren halb gesenkt, als sei er unsicher, ob Bates ihn berhaupt verstehen knne. 
Weil Bates nicht sicher ist, ob er die Andeutung verstanden hat, beschliet er, eine uerst versteckte 
Andeutung seinerseits anzubringen. 

Natrlich gibt es noch andere souverne Staaten, die weniger bewundernswert sind. 

Natrlich. 

Wieder zgert Ka Pral. Es ist zu offensichtlich, da er etwas zu verstehen geben mchte, ohne es - um 
Himmels willen! - auszusprechen. 

Haben wir Dinge zweifelhafter Natur in unserer Mitte, sagte Bates, dann ist es wichtig, da wir 
wachsam und jederzeit zum Handeln bereit sind. 

Ka Pral seufzt erleichtert auf. 

Das ist nur zu wahr, Mr. Bates, und wunderschn gesagt. 

Verflucht, der Kleine hatte wohl auf eigene Faust Spionage bei der Allianz betrieben. War es das? 
Dann war es ein Tanz auf dem Vulkan. 

Von der Tr her hrt man ein tiefes Pfeifen, das war bei den Carlis ein Signal wie das Anklopfen bei 
den Menschen. Ka Prals Ohren richten sich auf und werden spitz vor rger. 

Mchten Sie bitte meine Unhflichkeit und die meiner Mitarbeiter entschuldigen, Mr. Bates? 

Selbstverstndlich, Euer Exzellenz. Ich wei nichts von einer Unhflichkeit. 

Mit raschelnder Robe durchquert der Protokollchef den Raum und stt die Tr auf. So erschrocken, 
da sie nur stammeln kann, bringt die junge Dienerin ein paar Stze auf Carli hervor. Der 
Protokollchef hebt berrascht die Hnde. 

Chief Bates, es gibt Neuigkeiten. Mit einem Fingerschnipsen entlt er die Dienerin und schliet die 
Tr. Ein Botschaftsangehriger, ein Koch namens Gri Bronno, ist verschwunden, und mit ihm einer 
unserer Gleiter. 

Bates wuchtet sich vom Diwan in die Hhe und eilt herbei. 

Wenn Sie mir eine Beschreibung der Maschine geben knnen, Euer Exzellenz, dann werde ich sofort 
meine Leute alarmieren. 

Es ist zwei Stunden nach Sonnenuntergang, und Little Joe Walker mu sich nun daran machen, seinen 
zerbeulten alten Gleiter im Gestrpp zu verstecken, etwa fnfzehn Kilometer sdstlich von Polar 
City. Obwohl er nun einige Kilometer zu gehen hat und diese Art der Fortbewegung von Herzen 
verabscheut - die Strae ist unwiderruflich zu Ende, denn hier beginnt das Gebiet, das man fr das 
Rehydrierungsprojekt reserviert hat. rgerlich vor sich hin murmelnd ist er 

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ausgestiegen und hat die Kabinentr verschlossen. Jetzt ffnet er den Kofferraum und holt einen 
lichtabsorbierenden Tarnberzug hervor. Es ist ein Ausrstungsgegenstand, den man eigentlich bei 
einem Zivilisten nicht zu finden erwartet. Doch Little Joe hat so manches Stck fortschrittlichster 
Technik in seinem Fundus, das fr gewhnliche Brger auf Hagar eigentlich nicht zu haben ist. Zwar 
wird es von den Generalstben in schner Regelmigkeit dementiert, doch gibt es eine Menge 
Offiziere und einfache Soldaten bei Flotte und Bodentruppen, die reichlich Rauschgift konsumieren 
und dafr alles aus den Arsenalen verkaufen, was nicht niet- und nagelfest ist. 

Nachdem er den Tarnberzug ber den Gleiter ausgebreitet hat, tritt Little Joe einige Schritte zurck, 
um das Ergebnis seiner Mhe zu betrachten. Aus zwei Meter Entfernung scheinen sich die Konturen 


der Maschine aufzulsen und mit den unregelmigen Schattenfiguren unter den Dornenbumen zu 
verschmelzen; vier Meter, und man htte geschworen, da es hier nicht einmal etwas gab, das man 
htte tarnen knnen. Little Joe erlaubt sich ein kleines Lcheln. Der Tarnberzug hat ihn ein Kilo 
seines besten Stoffs gekostet, aber er war es wert; und er schreibt sich ins Gedchtnis, da er bei 
nchster Gelegenheit Ismail Inballah, den Gehilfen des Quartiermeisters, fragen mu, ob er ihm nicht 
eine superleichte Jacke aus dem gleichen Material besorgen knne. In Little Joes Gewerbe wre ein 
solches Ding uerst ntzlich. 

Der Gleiter lag hier sicher. Little Joe lt die Strae hinter sich. Er findet einen schmalen Pfad durch 
das Gestrpp, kaum breit genug fr seine wuchtigen Schultern. Dieser stachlige Dschungel ist die 
einzige natrliche Vegetation auf diesem Teil des Planeten: Dornenbume, Hakenbsche, dazu eine 
niedrig wachsende Schlingpflanze, die man Schmutzrebe nennt; den Boden bedeckt das 
allgegenwrtige >Gras< mit seinen fleischigen Blttern, die beim Auftreten hlich knirschen. Und 
das alles ist verwoben zu einem fast 

undurchdringlichen Geflecht, das die Einschnitte und Grben auskleidet, dunkle Streifen im Gelnde, 
die das Vorhandensein von Wasser tief unter den sonnenverbrannten Hgeln von Hagar verraten. In 
dem Dornendschungel leben hauptschlich Insekten, einige wenige Pseudoreptilien und hier und da 
flugfhige Warmblter. Kleine Nagetiere nicht zu vergessen, die den grauen Hausratten auf der guten 
alten Erde so verblffend hneln, da niemand sie anders als >Ratten< nennt und die genaue 
Bezeichnung den Wissenschaftlern berlt. Die Fossilienfunde auf Hagar belegten, da vor langer 
Zeit die bliche Artenvielfalt hier gedieh, doch starben die meisten Arten aus, als der Planet den 
grten Teil seines Wassers bei jener rtselhaften Katastrophe eine Million Jahre zuvor verlor. Die 
vergleichsweise wenigen berlebenden Spezies waren nun kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu 
bringen, sie waren auch nur vordergrndig an den jetzigen Zustand des Planeten angepat. Nur anhand 
von Fossilien war eine zusammenhngende Entwicklungslinie herauszufinden. 

Der Pfad fhrt am Rand eines riesigen Kraters entlang, der vor der Katastrophe ein See gewesen war - 
und der, wenn man Erfolg haben sollte, eines gar nicht so fernen Tages wieder zum See werden 
wrde. Dort in der Mitte des Kraters, wo die blauen Flutlichtstrahler ber den Arbeitern schweben, 
kann Little Joe sehen, wie die Schutzhlle von den riesigen Brocken Kometeneis geschnitten wird, die 
man im Orbit eingefangen und mit Gravitationsgeneratoren zu Boden gebracht hat. Man lt sie hier 
unten einfach verdunsten oder das Schmelzwasser in den Untergrund eindringen; den Ingenieuren ist 
das gleich, solange das kostbare Wasser in den Kreislauf des Planeten gelangt. Nach siebenundvierzig 
mhevollen Jahren scheint das Projekt erste Erfolge zu zeigen: Im letzten Winter hat es doch 
tatschlich in der Polarregion geregnet, zum ersten Mal seit einer Million Jahren. Little Joe war zwar 
wie alle anderen nach drauen getreten, feierlich stand man in dem kurzen Niesel- 

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regen, als wre es Allahs Segen, der da vom Himmel fiel doch war ihm gar nicht wohl in seiner Haut. 
Er war in Polar City geboren und aufgewachsen, und da Wasser einfach vom Himmel fiel, das 
irritierte ihn: Das war die pure Verschwendung, und auerdem war es absolut unnatrlich. 

Einen halben Kilometer voraus folgt der schmale Weg nicht weiter dem Kraterrand, sondern wendet 
sich jh hgelabwrts. Hier ist das Gestrpp besonders dicht, und es geht nun in Richtung des langen, 
staubigen Tals, das man damals fr die erste Kolonie auf diesem Planeten ausgewhlt hatte. Die alten 
Bauten aus Betonplatten und geschumten Kunststoff sind halb zerfallen, eine Ruinenwelt von 
mehreren tausend Hektar, in deren Gassen sich Schrott und Abfall aus hundert Jahren angehuft 
haben. Whrend Little Joe bergab geht, kann er schwache Lichtpnktchen sehen, die sich durch das 
>Rattennest< bewegen; so hat man diese Gegend getauft. Hier leben Angehrige der verschiedensten 
Spezies zusammen, vielleicht hundert alles in allem. Aus Tren verschrotteter Gleiter und 
herumliegenden Kunststoffplatten haben sie sich Htten gebaut, oder sie hausen in Erdhhlen, die sie 
mit allerlei Fundstcken aus der nahen Stadt eingerichtet haben. Die meisten sind schlicht und einfach 
verrckt, einige wenige verstecken sich hier auch vor der Polizei. Bevor er das Rattennest erreicht, 
macht Little Joe die Laserpistole im Schulterhalfter schubereit. Obwohl die Slumbewohner ihn 
kennen, weil er regelmig hier zu tun hat, kann es nicht schaden, auf der Hut zu sein. 

Doch als es rger gibt, liegt es keineswegs an den Verrckten hier. Er hat fast die ersten Ruinen des 
Rattennests erreicht, als silbernes Licht den Himmel erhellt; starke Scheinwerfer streichen ber das 
Gelnde und verfehlen ihn nur knapp. Jetzt hrt er auch das heulende Gerusch von zwei 
Polizeigleitern, die tief heruntergehen und das Tal absuchen. Mit einem hlichen Fluch luft Little 


Joe los, duckt sich, so tief er kann, und rennt im Zickzackkurs auf die Htten zu. Von dort hrt man 
Schreie und wtendes 

Gebrll, gelegentlich auch ein Scheppern, wenn einer der Bewohner mit einem Stein einen Gleiter 
trifft. Er atmet jetzt stoweise, keucht, die Beine schmerzen. Er ist verzweifelt: Wenn sie nach ihm 
suchten - heute knnten sie Glck haben. 

Ein Lichtstrahl erfat ihn, verharrt und huscht dann suchend weiter. Die Gleiter fliegen eine Kurve, 
steigen auf und kommen im Tiefflug wieder zurck. Sie nehmen Kurs auf das andere Ende der 
Ruinenstadt. Doch whrend sie vorbeisausen, beginnen sie zu feuern - Plastikgeschosse, die angeblich 
niemanden tten knnen, sondern nur betuben, aber Little Joe mitraut dieser Theorie ganz und gar. 
Deshalb nimmt er seine letzten Krfte zusammen und spurtet hinber zu einem hohen Stapel aus 
Plastikabfllen. Doch pltzlich sprt er, da der Boden unter seinen Fen nachgibt; mit einem Schrei 
will er anhalten, aber es ist zu spt. Mit Gepolter gibt der Boden nach, eine Hhle tut sich unter ihm 
auf, so da er gut drei Meter inmitten eines Bergs von Abfall hinunterrutscht. Fluchend rollt er sich zur 
Seite, noch rechtzeitig genug, um nicht von den schweren Schrotteilen einer Klimaanlage erschlagen 
zu werden. 

Einige Minuten liegt er einfach da und schnappt nach Luft. Er befhlt seine Knochen, sie sind noch 
heil. Sicher hat er einige ble Prellungen und Blutergsse abbekommen, aber im groen und ganzen 
scheint er unversehrt zu sein. Er steht auf. ber sich kann er die Farbenpracht des Nachthimmels 
erkennen, sie dringt durch ein Loch vielleicht drei Meter ber dem Boden, wenn nicht mehr. Weil 
Little Joe genau zwei Meter gro ist, bleibt da ein nicht unbetrchtlicher Rest. Er mu sich etwas 
einfallen lassen. Er findet seine kleine Taschenlampe, stellt einen schmalen Lichtstrahl ein, dann tastet 
er damit den Rand der ffnung ab, durch die er eingebrochen ist. In dem Unrat kann er einige 
verrottete Holzplanken erkennen; offensichtlich hat jemand diese Hhle vor langer Zeit mit Brettern 
berdacht, sie mu aber schon lange aufgegeben worden sein. 

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Er lt den Strahl der Taschenlampe langsam und stetig ber seine Umgebung gleiten; es stinkt hier 
als htte jemand versucht, eine ganze Reihe der belsten Gerche an einem Ort zu versammeln. Zum 
Glck gibt es eine Unmenge Schrott und Gerumpel in diesem Loch. Neben dem Kasten der 
Klimaanlage findet er mehrere dicke Bruchstcke von Plastbetonplatten, eine stabile Kiste aus 
Schaumstoff und allerlei Steinbrocken und anderes, das er auftrmen kann. So mte er aus seinem 
Gefngnis herausklettern knnen. Er sagt sich, da eine Pyramide wohl das stabilste wre, und sucht 
nach einem kleinen Absatz oder einer Stufe in der Wand, wo er die Taschenlampe deponieren kann. In 
einer Ecke entdeckt er einen glnzenden Gegenstand. Als er ihn aufhebt, huschen raschelnd Ratten 
davon. Ihn schaudert. 

Sein Fund entpuppt sich als ein poliertes, metallenes Kstchen von grauer Farbe. Auf einer Seite sind 
Zeichen einer fremdartigen Schrift eingeprgt; an einer Schmalseite ist ein dnner Schlitz. Weil Little 
Joe so etwas noch nie gesehen hat, lt er es unter sein Hemd gleiten. Es ist die reine Neugier, da er 
es an sich nimmt. Dann findet er auch eine geeignete Stelle fr seine Taschenlampe, nun auf breiten 
Strahl eingestellt, und kann anfangen, seine Pyramide zu bauen. Der erste Meter aus den 
Plastbetonplatten und der Schaumstoffkiste, die er der Stabilitt halber mit Abfall fllt, ist einfach. Als 
er hinaufsteigt, kann er den Rand der Grubenffnung erreichen, doch zerbrechen die morschen 
Planken, sobald man krftig zupackt. Er steigt wieder von der Pyramide, holt den Kasten der 
Klimaanlage und benutzt ihn als Rammbock, um die wachsweichen Holzreste loszuschlagen, bis er 
auf festes Material stt. 

Aber nun ist das Loch so gro geworden, da der feste Rand weitab von seiner Pyramide liegt. Er 
steigt herunter, flucht leise vor sich hin und bringt das Gerumpel Stck fr Stck in eine neue Position. 
Obenauf legt er den Kasten der Klimaanlage. Whrend er wieder hinaufklettert, fhlt er kal- 

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ten Schwei seinen Rcken herunterrinnen. Wenn er nicht aus diesem Loch herauskommt, knnte er 
hier glatt verhungern, bevor ihn jemand findet jemand, der nicht verrckt ist. Aber zu verhungern 
wre immer noch besser als das, was er von einigen der Verrckten zu erwarten hatte, wenn sie ihn als 
unerwnschten Besucher betrachteten. Zwar kann er jetzt den Rand der ffnung erreichen, aber der 
Winkel ist noch immer ungnstig, und so beschliet er, noch etwas zu suchen, das er auf die Pyramide 
legen kann. In der Ecke, in der er das geheimnisvolle Kstchen gefunden hat, liegt auch ein 
feuchtgewordener Karton. Als er ihn aufhebt, lst er sich in seinen Hnden auf. Er riecht muffig wie 


nach modrigen Pilzen. Er lt das Zeug fallen und macht einen Schritt zurck. Es ekelt ihn, er wischt 
sich die Hnde an seiner Jeans ab. 

Verdammt, was ist das? 

Der Gegenstand liegt auf dem Boden in einer Pftze aus silbrigem Schlamm, der nach verdorbenem 
Weinessig riecht. Es ist vielleicht ein Meter lang und sieht aus wie das Bein eines Rieseninsekts. Mit 
einer Chitinschicht, mehreren Gelenken und einem Paar Greifzangen am Ende. Kurz hinter den 
Zangen spannt sich ein metallenes Band um das Bein, und an dem Band befindet sich ein kreisrunder 
Gegenstand, der ein wenig einem Chronometer hnelt. Obwohl Little Joe nie ein College von innen 
gesehen hat, wei er genug ber die Welt, in der er lebt, um zu erkennen, da dieses Bein zu keiner 
Spezies gehrt, von der man in der Republik oder in den angrenzenden Imperien je gehrt hat. In 
seiner Phantasie sieht er drei Meter groe Insektenwesen vor sich, die aus den dsteren Tiefen des 
Planeten hervorkrabbeln. Bestien, die seit Urzeiten voller Mordlust dort lauern. Als Junge begeisterte 
sich Little Joe an Horrorfilmen der schlechtesten Sorte; damals fand er das lustig. Aber das wrde er 
jetzt nicht mehr so sehen. 

Mit einem erstickten Aufschrei springt er auf die Mllpyramide, bekommt den Rand der ffnung zu 
fassen und bau- 

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melt jetzt hin und her. Verzweifelt versucht er, mit den Fen an der Wand der Grube einen Halt zu 
finden. Seine Arme schmerzen, er ist am Ende seiner Kraft. Schwei brennt in seinen Augen. Schon 
geben die mrben Planken unter seinen zerschundenen Fingern nach, und hinter sich hrt er ein 
Rascheln, ein Scharren: Insektenbeine, das mu es sein. Sie kommen, aus der Tiefe kommen sie herauf 
gekrochen. Er nimmt all seine Krfte zusammen und zieht sich in die Hhe, schon ist er halb aus dem 
Loch, um Kopf und Schultern blst die frische Nachtluft; doch die Planken geben nach, und lnger 
kann er sich nicht mehr festhalten. Jammernd, fast in Trnen, fllt er zurck. Als er ber die Schulter 
blickt, sieht er die Augen einer Ratte im Licht der Taschenlampe rot aufleuchten. 

Noch ein Versuch, noch ein Klimmzug - und dieses Mal packt etwas von oben seine Handgelenke. 
Little Joe schreit laut auf. 

Ich bin' doch! Es ist Sallys Stimme, und sie macht sich lustig ber seine Angst. Ich und Ibrahim ... 
wir haben dich gesehen und wollen dir helfen. Also halt dich fest! ... Halt dich an mir fest, du Esel, 
und nicht an diesem dmlichen Brett und dem andern Zeug! 

Keuchend tut Little Joe, was man ihm sagt. Eine groe weie Frau kniet am Rand des Lochs und 
streckt ihm ihre Arme entgegen, krftige Arme, denn sie ist eine Karateka. Sie sagt, er solle ihre Arme 
oberhalb der Ellbogen greifen. Dieses Mal hat er besseren Halt. Mit den Fen scharrt er an der Wand, 
und Sally zieht ihn hoch. Hinter ihr hockt Ibrahim, der ihre Waden fest gegen den Boden pret, damit 
sie nicht fllt. 

Scheie, sagt Little Joe. Das ist das einzig richtige Wort: Scheie!! 

Wie, zum Teufel, bist du da reingekommen? Sally lt ihn los und bleibt noch einen Augenblick 
sitzen, um sich den Staub von ihrer lavendelfarbenen Bluse zu klopfen. Hat dich die Polizeipatrouille 
da reingescheucht? 

Diese Bretter haben nachgegeben, Mensch, als ich vor den Bullen weggerannt bin. Da unten mu mal 
jemand gewohnt haben. 

Wir haben dich gesucht, sagt Ibrahim. Und dann kam dein Kopf hier aus dem Loch geschossen, 
wie ein Sandwurm, der Insekten fngt. Wir dachten, da du in Schwierigkeiten bist. 

Ach ja, eine brillante Idee. Da du darauf berhaupt gekommen bist! 

Wir knnen dich ja wieder reinwerfen, wenn dir irgendwas nicht pat. 

Ihr zwei Bldmnner, haltet blo eure Klappe! Sally ist rgerlich. Hast du die Kohle? 

Sicher. In republikanischen Zwanzigern, wie du es wolltest. Wo ist der Stoff? 

Komm mit. Ich habe auch eine Thermoskanne Kaffe. Du siehst aus, als knntest du welchen 
brauchen. 

Allah sei mit dir. 

Danke! Ich brauche selber eine Tasse. War wirklich eine blde Nacht. Als ich unterwegs war, um den 
Stoff zu besorgen, da begegnete mir doch ein Kerl, ein Blanco, der sich mitten auf der Strae die 
Kleider vom Leib reit! Er hatte darunter noch Hemd und Hose an, und es sah aus, als wollte er das 
Zeug in den ffentlichen Recyclingbehlter stopfen. 

Little Joe nickt zustimmend. Er berlegt, ob er ihnen von dem Kstchen mit der fremden Schrift und 
dem Insektenbein erzhlen soll, aber er kann sich nicht dazu entschlieen. Seit drei Jahren schon 


macht er Geschfte mit Sally Pharis und Ibrahim, in Drogen - aber in Polar City zahlt es sich nicht aus, 
zuviel zu reden, auer natrlich, wenn man dafr bezahlt wird. 

Der Autopsiebericht ber Imbeth ka Gren ist einfach und klar: Der Carli war bei bester Gesundheit; er 
hatte nicht die geringste Spur irgendwelcher Drogen in seinem Blut, nicht 

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einmal ein Bier hatte er getrunken. Es gab keine Prellungen ein Hinweis, da er nicht gefallen war, 
sondern aufgefangen und vorsichtig zu Boden gelegt wurde. Der Hals war von rechts nach links 
durchschnitten worden, und zwar von einem Wesen, das extrem krftig war und berhaupt nicht 
zitterte: Der Schnitt war vllig glatt und gerade. Weil man sich das meiste davon denken konnte, wenn 
man nur die Leiche richtig angesehen hatte, lscht Bates rgerlich den Bildschirm und holt sich die 
Aufstellung ber die Utensilien des Toten, die man bei der Einlieferung in die Gerichtsmedizin 
gemacht hatte. Das meiste, was er bei sich trug, war ganz gewhnlich und unbedeutend, bis auf eines: 
Er hatte ber tausend Dollar in der Whrung der Republik bei sich, die ziemlich leichtsinnig in eine 
Innentasche seiner Robe gestopft waren. Weil die Republik der einzige Staat im bisher erforschten 
Raumsektor war, in dem noch mit Bargeld bezahlt werden konnte, gingen auslndische Besucher mit 
richtigem Geld gewhnlich recht sorglos um: Sie konnten nicht recht glauben, da es, anders als ihre 
elektronischen Kreditkarten, wirklich weg war, wenn es gestohlen wurde. 

Bates berdenkt kurz die beiden Theorien Ka Prals, Glcksspiel oder Spionage. Geld pate zu beidem, 
doch ist der Polizeichef geneigt, auf die Andeutungen Ka Prals einzugehen und das Geld als Entgelt 
fr einen Informanten zu betrachten. Weil es sich nun in einem versiegelten Umschlag in der 
Leichenhalle befindet, ist anzunehmen, da Ka Gren gettet wurde, bevor er seinen Kontaktmann traf, 
vielleicht auf dem Weg zum Treffpunkt. Zog man eine gerade Linie von der Botschaft der 
Konfderation bis zum Fundort der Leiche, dann ergab das einen Pfeil, der direkt in die belste 
Gegend von Porttown zeigte. Bates seufzt, er htte es wissen mssen. Er lscht das Bild und denkt an 
die >A-bis-Z-Unternehmungen< und an Lacey, die eigentlich immer wei, was gerade so luft in dem 
grtenteils weien Ghetto. Aber noch ist er zu stolz und beschliet, es erst einmal ohne sie zu 
versuchen; klein beigeben und sich auf den Weg zu Lacey 

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machen, das kann er schlielich immer noch. Er brauchte einen gutgetarnten Mann in Porttown, und 
zwar schnell. 

Als er nach dem Telefon greift, zgert er. Wen will er eigentlich anrufen? Naheliegend wre natrlich 
das Sittendezernat, denn die kennen sich in Porttown aus - aber es gibt nichts Korrupteres im 
Polizeidienst als diese Kerle, und er hat es bis heute nicht geschafft, dort fr Ordnung zu sorgen. Die 
meisten Beamten dieser Abteilung waren Proteges von Politikern, die so fr unsaubere Geflligkeiten 
belohnt wurden, denn nirgendwo sonst konnte man so leicht den einen oder anderen ebenso 
unsauberen Dollar verdienen. Als Bates sein Amt bernahm, schrfte ihm der Commissioner ein, da 
das Sittendezernat nicht in seiner Zustndigkeit lge. Dann erinnert er sich an die Anweisungen aus 
dem Bro der Prsidentin und lchelt genlich. Die Staatspolizei sollte sich also in die Ermittlungen 
einschalten? Sehr schn. Dann sollten sie mal selber in Porttown nachsehen und herausfinden, wer Ka 
Gren Informationen verkaufen wollte, die einen Mord wert waren. 

Um diese Zeit der Nacht kommt so langsam Leben in Kellys Bar und Restaurant. Es ist ein recht 
buntes Publikum, hier am Rand von Porttown; da sind die wohlhabenderen Ghettobewohner auf der 
einen Seite und auf der anderen die Geschftsleute - Schwarze und Lizzies -, die etwas Slum-
Atmosphre schnuppern wollen und auerdem von Kellys guter Kche angelockt werden. Eine Hlfte 
des Lokals ist fr das Restaurant reserviert, es ist geschmackvoll zurechtgemacht mit Tischdecken und 
Servietten aus echter Baumwolle, ber die Wnde rundherum zieht sich ein Gemlde: eine 
Raumregatta im Asteroidengrtel. Die andere Hlfte gehrt der Bar, der Plastbeton ist von Hand 
bearbeitet, da man glaubt, gemasertes Holz vor sich zu haben. Kelly ist ein untersetzter Mann, der 
dank des Verjngungsmittels scheinbar bei dreiig stehengeblieben ist, wenn man auch 

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einige graue Strhnen im dunklen Haar sieht. Wie gewhnlich geht er unruhig hin und her, rckt 
Tischdecken und Servietten zurecht, starrt mitrauisch auf die Robotkellner an der Bar, als ob man 
befrchten msse, da sie jederzeit sich selbstndig machen knnten; dann wischt er ein Stubchen 
von dem Kaukraut-Automaten und streicht ein Hologramm an der Wand glatt. 

Ein buntes Publikum. Viele der Leute an der Bar hat Kelly noch nie gesehen. Doch die meisten Gste 


kennt er, sie kommen regelmig, darunter zwei Assistenten von der Finanzbehrde, die etwas zu stolz 
ihre Miniterminals am Grtel tragen. Aber wie alle Stammkunden sind sie Baseballfans und 
verschmhen auch nicht die Spiele der Semiprofi-Liga. 

He, Kelly, sagt Nkrumba. Ich hab' gehrt, da die Mac's Discount Mamuders Jack Mulligan einen 
Vertrag gegeben haben. 

Mensch, du mut aber auch alles ausplaudern! sagt Kelly mit einem Grinsen, um seine 
Enttuschung zu verbergen. Ich wute nicht, da er zu haben ist, vielleicht htte ich ihn in mein 
Team geholt. 

Man sagt, da er ein Para ist. Vielleicht kannst du Protest einlegen. 

Ach was, was soll das? Und wenn er schon vorher wei, wohin der Ball fliegen wird fangen mu er 
ihn trotzdem, oder? Auerdem frage ich mich, ob es nicht viel eher ein Handicap ist, wenn man 
hellsehen kann. Du mut dich zwingen, auf den Ball zu achten, anstatt in die Zukunft zu sehen, nicht 
wahr? 

Da knntest du recht haben. Ich sehe ihn wirklich gern auf dem Spielfeld. Fr einen Weien ist er 
verdammt gut. 

Kellys Grinsen wird etwas suerlich. Seiner Meinung nach ist Mulligan als Shortstop genauso gut wie 
irgendein schwarzer Spieler, aber er mchte keinen rger mit der schwarzen Kundschaft. Also 
schweigt er. Einer der Zufallsgste, ein blonder Weier, mittelgro, aber ausgesprochen 

muskuls, mischt sich beilufig ein. Ein Raumfahrer hchstwahrscheinlich, denkt Kelly. 

Entschuldigung, was war das fr ein Team, das Jack engagiert hat? 

Die Mac's Discount Marauders. Kelly spricht es langsam und deutlich aus, es sind seine Erzrivalen 
in der Semiprofi-Liga, und darum macht es ihn etwas rgerlich. Mistkerl. Ich meine Mac, nicht 
Mulligan. 

Nicht bel. Der Fremde nickte beifllig. Wann ist das nchste Spiel? 

Die Saison beginnt erst nchste Woche, mein Lieber. Wo haben Sie die ganze Zeit gesteckt? 

Drauen im Asteroidengrtel. Der Mann schenkt ihm ein kurzes Grinsen. Ein Raumfahrer, also 
doch. Nchste Woche? 

Ja, am Donnerstag. Wir haben die Ehre, meine Sportskanonen und ich. Wird sicher ein gutes Spiel. 

Prima. Werde versuchen, mir die Zeit dafr zu nehmen. Er lchelt, dann weicht er Kellys Blick aus. 
Ich kenne Mulligan ein wenig. Wird mich freuen, ihn wiederzusehen, wenn ich ihm nicht schon 
frher ber den Weg laufe ... man wird sehen. 

Es lohnt sich immer, ihm zuzusehen, sagt Nkrumba. Gehrt eigentlich in die Profiliga, der arme 
Kerl. Aber wenn wir schon von weien Shortstops reden, da wird es nie wieder einen geben, der es mit 
Wally Davies von der alten Nationalliga aufnehmen knnte. 

Das fhrt zu einer ermdenden, nicht enden wollenden Diskussion, was der Fremde dazu nutzt, seine 
Zeche zu bezahlen und sich davonzumachen. Etwas an ihm hat Kelly gestrt. Einige Zeit spter fllt 
ihm ein, was es war: An seinem linken rmel waren Flecke, Bier oder vielleicht Kaffee. Und weil 
Kelly nichts hher schtzt als Sauberkeit, strt ihn das. Diese verdammten Raumfahrer sind allesamt 
Schmutzfinken, und dieser eine bringt noch seine weien Brder in Verruf. 

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Weil jedermann in den weniger feinen Gegenden von Polar City wei, da Lacey immer bereit ist, fr 
eine gute Geschichte gutes Geld auszugeben, ist sie keineswegs berrascht, als Little Joe Walker bei 
ihr auftaucht und verkndet, da ihm etwas wirklich Ungewhnliches passiert sei. Um diese Zeit, etwa 
Mitternacht, hat Mulligan es geschafft, in seinen wilden Trumen von der Couch zu rollen und sich in 
einer Ecke des Zimmers zu verkriechen. Lacey berlegt, ob sie ihn wecken soll, damit er sich einen 
anderen Platz zum Schlafen sucht, aber da sich Little Joe offensichtlich nicht gestrt fhlt, lt sie es 
sein. Mulligan hat sich um das Kissen in seinen Armen herum zusammengerollt, den Kopf in einem 
unmglichen Winkel nach vorn geknickt wie eine schlafende Katze. So, wie Little Joe spricht, hastig, 
in abgehackten Stzen, kann Lacey erkennen, da er wirklich aufgeregt ist, und nachdem sie die 
Geschichte gehrt hat, ist sie mit ihm der Meinung, da ungewhnlich tatschlich das richtige Wort 
dafr ist. 

Aber nun hr mal, mein Lieber. Lacey lehnt sich in ihrem Sessel zurck und schwingt die Beine auf 
den Computertisch. Wenn du behauptest, da da etwas aus der Tiefe kam und sich ber dich 
hermachen wollte, dann mut du doch einen Grund haben! Du bist doch nicht irgend eo ein 
Bldmann, der nicht merkt, wenn er phantasisert! 


Gracias. Es schien von Herzen zu kommen. Ich wute schon gar nicht mehr, wer ich war, da unten 
im Loch. 

Ach Mensch, jeder wrde kalte Fe kriegen, der in einer Hhle festsitzt, whrend oben die Bullen 
rumschwirren und neben ihm Leichenteile herumliegen - ich denke, da man etwas als Leiche 
bezeichnen kann, das ein Chronometer trgt oder hnliches. Aber jetzt rei dich zusammen und denk 
nach. Geh alles noch einmal durch. 

Little Joe beit in einen Apfel und macht es sich auf dem Sofa gemtlich, whrend er denkt. Lacey hat 
die Computertastatur auf dem Scho und legt einen neuen File fr Little 

Joes Bericht an. Buddy lt eine Frage ber den Monitor huschen. 

Keine akustische Eingabe? Ist noch jemand im Zimmer? 

Ja, ein Freund, aber ich wei nicht, wie weit ich ihm vertrauen kann. 

Verstehe. Ich bin bereit. 

Whrend Little Joe noch immer vor sich hingrbelt, tippt sie eine gute halbe Seite, einen groben 
Bericht ber sein Erlebnis, bis hin zu seinen panischen Versuchen, aus der Grube zu entommen. 

Ich hab's! Du hast recht, Lacey. Wenn ich an das Bein denke der Boden war weich, als wre er vor 
kurzem umgegraben und wieder eingeebnet worden. 

Dachte ich mir. 

Schau dir das hier mal an. Ich habe das verrckte Ding dort gefunden. 

Er reicht Lacey das metallene Kstchen, und sie betrachtet es eingehend. Die Schriftzeichen sind ihr 
fremd. Sie schiebt das Kstchen in die ffnung ihres Schreibtischs, hinter der sich Buddys Scanner 
befindet, dann drckt sie rasch einige Tasten. 

berprfen, ob es sich um Schriftzeichen handelt. Wenn ja, identifizieren und bersetzen. Gib die 
Funktion dieses Gegenstands an. 

Eine ganze Weile hrt man Buddy nur summen. 

Befehle undurchfhrbar. Habe keine Daten, die einen Vergleich ermglichen. 

Keine, Buddy? 

Nicht ein einziges Byte, Programmierer in. Ich kann nur einige logische Schlsse ziehen: Dieser 
Gegenstand wurde von einer unbekannten Rasse hergestellt. Er ist Produkt einer fortgeschrittenen 
Technologie, deren Computertechnik aber noch auf Siliziumchips basiert. Sein ... 

Das reicht. Solche Schlsse kann ich selber ziehen. Bitte bleib in Bereitschaft. Ich mu mich erst um 
meinen Besuch hier kmmern. 

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Little Joe, der sie die ganze Zeit beobachtet hat, bekommt einen gierigen Blick. 

Was Interessantes? 

Ja, sehr interessant. Was willst du dafr haben? 

Kommt drauf an, was es ist. 

Buddy kann uns nicht ein einziges verdammtes Wort darber sagen. 

Oh. Fr einen Augenblick sieht Little Joe besorgt aus. Sag blo, du glaubst, da das Ding 
gefhrlich ist? 

Nicht sehr vertrauenswrdig, bestimmt. 

Mir ist es auch unheimlich. Hr mal, Lacey, jeder wei, da du reell bist. Kann ich es dir hier lassen, 
auf Kredit sozusagen? Ich meine, du gibst mir das Geld, wenn du weit, was es ist. 

Damit es im Falle eines Falles vor meiner Nase in die Luft fliegt und nicht vor deiner, richtig? 

Heh, so habe ich das nicht gemeint! 

Ja sicher, aber ich werd's auf jeden Fall behalten. Einstweilen wird dich interessieren, da Nunks 
frischen Apfelwein auf Flaschen gezogen hat. 

Was? Sag blo, kann ich ein paar Liter haben, dafr, da ich dir die Geschichte erzhlt hab' ... 

Das lt sich machen, Amigo. Und schnen Dank. 

Lacey bringt ihn die Treppe hinunter und gibt ihm seinen Lohn. Als sie zurckkommt, ist Mulligan 
aufgewacht und sitzt in seiner Ecke. Verschlafen reibt er sich die Augen. 

Bist du okay? 

Ich bin mir nicht sicher. Verdammt, ich hab' den belsten Mist getrumt, den man sich denken kann. 
Jemand wollte mich totschlagen. 

Tatschlich? Wer? 

Keine Ahnung. Ich konnte sie nicht einmal deutlich sehen, sie waren unheimlich, mit ihren kaputten, 


verquollenen Gesichtern, und wie sie angezogen waren ... 

Menschen? 

Zwei davon waren Menschen, aber auch ein ekliger Lizzie war dabei. 

Als er aufschaut, kann sie sehen, da seine Augen rot und verquollen sind; ansonsten ist sein Gesicht 
von einer ganz eigenartigen Blsse. 

Was wrdest du von einer Dusche halten? 

Herr im Himmel, darf ich? Mensch, das wre super. Das ist was anderes als dieser Ultraschallmist, 
kannst du mir glauben. 

Gern, und du siehst wirklich aus, als knntest du etwas heies Wasser vertragen. Aber ich warne 
dich: Ich werde mit dem Computer nachprfen, wieviel du verbrauchst. Keine Dauerdusche, klar? 

Sicher. Ich werde brav sein. ' 

Abwechselnd ghnend und fluchend arbeitet sich Mulligan in die Hhe, bis er schlielich auf die 
Beine kommt. Eine Weile bleibt er dann stehen und reibt sich das Genick. 

Ich hab' ein frisches Hemd fr dich. Du hast es hier vergessen, als du das letzte Mal betrunken 
warst. 

Danke, keine schlechte Idee. Er sieht sie mit diesem typischen Grinsen an, das sein etwas schiefes 
Gesicht unwiderstehlich macht. Du bist wirklich ein Schatz, im Ernst. 

Ja? Warum nicht. Sie unterdrckt schon im Ansatz das Lcheln, das ihr fast entschlpft wre. Du 
warst oft genug hier, um zu wissen, wo du ein sauberes Handtuch findest. 

Whrend Mulligan duscht, lt sie Buddy noch einmal die geheimnisvollen Schriftzeichen abtasten, 
damit er einen Ausdruck machen kann. Es sind sechs Zeichen: ein dick gezeichneter rechter Winkel, 
der einen dnnen Halbkreis schneidet; ein weiterer rechter Winkel, dessen Spitze auf der Wlbung 
eines Halbkreises ruht; dann ein Zeichen aus zwei kunstvollen Schnrkeln, als wrden dreikpfige 
Schlangen sich paaren; dann dieselben Schnrkel mit einem schmalen Zwischenraum; schlielich ein 
letztes Paar, zwei eckige Spiralen, die zueinander Spiegelbildlich verlaufen. 

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Drei Paare, nicht wahr? Ich knnte wetten, da sie AN und AUS bedeuten. 

Das ist keine schlechte Idee, Programmiererin. Es sind ja | auch einfache Symbole. 

Genau. So einfach, da jedes Kind damit umgehen knnte. Ein Wesen mit einer Greifklaue als Hand 
jedenfalls ! wrde das Gert bedienen knnen, wenn man diese Felder berhren mu. Aber vielleicht 
ist es nichts weiter als ein \ Name: >Dr. Summ-Summ's Chitinpolitur, Patent angemeldete Sie legt 
das Kstchen in die oberste Schreibtischschublade. Bitte sichere diese Schublade, Buddy. 

Befehl ausgefhrt. Kraftfeld eingeschaltet. Meinst du, da dieses Kstchen wertvoll ist? 

Ich wei es nicht. Aber lieber sichergehen als nachher Haare raufen. 

Heies Wasser und echte Seife - ein so berwltigender Luxus mu doch seinen Kater mit einem 
Streich hinwegwischen. Sein Bewutsein erscheint ihm wie eine Landschaft; es hat eine Ausdehnung, 
und seine Gedanken und Vorstellungen haben einen festen Platz darin - nur, da alles ein wenig 
weitlufiger als in irgendeiner gewhnlichen Landschaft ist. Ein Problem zu lsen - ein ganz 
gewhnliches oder eines, wofr er sein Psi-Talent einsetzen mu -, das bedeutet fr Mulligan, da er 
die richtige Stelle in der Landschaft seines Bewutseins aufsucht, wo er die ntigen Hilfsmittel 
vorfinden wird. Wenn er das Vorleben eines anderen Menschen lesen soll, stellt er sich vor, da er 
einen langen, dunklen Korridor hinuntergeht, bis er vor einer Tr mit der Aufschrift >Archiv< 
angekommen ist. Dort drinnen sind Millionen von Datenboxen, doch findet er leicht die richtige Box, 
wenn er nur an die Person denkt, die er durchleuchten soll. Also braucht er sich nur an ein Sichtgert 
zu setzen und diese Box einzulegen - aber was er auf dem Bildschirm sieht, sind nicht Wrter; denn 
nun kommt der nicht erlern- 

bare Teil seines Talents zum Tragen: Eine Flut von Bildern strmt wie in einem Traum auf ihn ein, 
und das Leben eines anderen Menschen luft vor seinen Augen ab. 

Hat er sich durch reichlich Alkohol einen Kater eingehandelt, dann erscheint ihm auch dieser Schmerz 
so konkret wie ein materieller Gegenstand, etwa ein groer, gefhrlicher Glassplitter in seinem Krper 
- und wenn es ihm gelingt, sein Unwohlsein zu berwinden, dann ist ihm, als wrde er den Splitter 
herausziehen. (Leider funktioniert es nicht immer; sein Talent ist manchmal strker, manchmal 
schwcher und verweigert sich manchmal auch ganz und gar.) An diesem Morgen empfand er seinen 
Kater als einen Berg Mll, der sich um ihn angehuft hatte, und das Wasser unter der Dusche splte all 
den Unrat beiseite. Erleichtert und guter Dinge pfeift er vor sich hin, whrend er sich Laceys Brste 


nimmt und sein wirres Haar zu gltten versucht; die natrliche Farbe ist fahles Blond, wie verdorrtes 
Gras. Ohne die farbigen Kontaktlinsen sind seine Augen grau. Die Barthaare hat er sich vor langer 
Zeit schon dauerhaft entfernen lassen, wie es die meisten Weien machen. Etwas zgernd zieht er 
seine schmutzigen Shorts wieder an; er hat nie das Geld, sich Unterwsche zu kaufen. Dann macht er 
sich in Laceys Schlafzimmer auf die Suche nach dem frischen Hemd. Ein karg eingerichtetes 
Schlafzimmer: ein schmales Bett, darber eine graue Decke, so sauber geglttet und untergeschlagen, 
da man eine Mnze darber rollen knnte; eine ebenfalls graue Kommode und ein Schrank, dessen 
Tr niemals unordentlich offensteht. Der einzige Schmuck an der Wand ist der Sbel von Laceys 
Galauniform, der an einem Nagel aufgehngt ist. Mulligan findet sein Hemd, glatt und wei mit 
einigen Schlitzen am Rcken, an einem Haken an der Innenseite der Schranktr. Er zieht es an und 
bleibt einen Augenblick stehen, Laceys Kleider haben es ihm angetan. Zrtlich streicht er ber ihre 
Blusen, er beneidet sie, weil sie ihrer Haut so nahe sind. Mit einem Seufzer wendet er sich ab, ohne 
sich um die offene 

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Schranktr und sein schmutziges Hemd auf dem Fuboden zu kmmern. 

Als er durch den Flur geht, hrt er Stimmen aus Laceys Bro - Lacey und Buddy, aber da ist noch eine 
Frauenstimme: Carol. Auf der Stelle bleibt er stehen und berlegt, ob er sich im Bad verstecken soll, 
bis sie gegangen ist. Aber sie ist doch Laceys beste Freundin - sie haben zusammen in der Flotte 
gedient -, also wrde es vielleicht Stunden dauern, und das Bad war ziemlich eng. Er reit sich 
zusammen und betritt das Zimmer so selbstverstndlich, als wre er hier zu Hause. Carol trgt noch 
den hellblauen Hosenanzug der Mediziner, sie mu direkt von der Arbeit kommen; und so, wie sie 
sich auf der Couch rkelt, ist sie auch ziemlich mde. Sie ist gro und krftig; sie knnte durchaus mit 
widerspenstigen Patienten fertig werden, wenn es sein mte. Das schwarze Haar fllt bis ber ihre 
Schultern, eine Kaskade von Rastafari-Zpfchen und Locken umrahmt ihr dunkelbraunes Gesicht. Sie 
wirft Mulligan einen kritischen, leicht angewiderten Blick zu, als wrde sie notgedrungen eine eben 
entdeckte Art von Darmparasiten betrachten. 

Du hier? Dann mu es bald Essen geben! 

Mulligan bringt ein mdes Lcheln zustande und hockt sich auf den Fuboden, in die Ecke neben 
Laceys Computertisch. Dann geht ihm auf, da es ein Hund nicht anders machen wrde, aber es ist zu 
spt, Carol hat es lngst bemerkt. 

Ach Lacey ... wenn du wirklich einen Hund brauchst, dann schenke ich dir einen zum Geburtstag. 

Ach, la ihn in Ruhe! Aber Lacey mu doch lcheln, als sie sich jetzt ihm zuwendet. Was macht 
dein Kater? 

Vorbei, sagt er mrrisch. Er mag es nicht, da man vor Carols neugierigen Ohren ber seinen 
Alkoholkonsum redet. War kaum der Rede wert. Ich werde nachher ein paar Kilometer laufen, dann 
ist es vergessen. 

Sehr gut. Dann kannst du nach dem Essen mit uns zum Rattennest kommen. 

Wie bitte? Bist du von allen guten Geistern verlassen? Von wegen! Habe ich ganz vergessen: Du 
hast ja von 

Little Joes Besuch nichts mitbekommen. Hr dir mal das an, 

das ist vielleicht eine Geschichte ... 

Die Nacht geht langsam zu Ende, die Morgendmmerung ist nicht mehr weit, und Sally betritt die 
sndhaft teure Bar nicht weit vom Rathaus. Hier trifft sie ihre Kunden, es ist ihr Stammplatz. Wenn 
der Morgen kommt, dann geht auch die Brozeit zu Ende, und die Verwaltungsmenschen und 
Geschftsleute trudeln ein. Ganz hinten in der Bar sitzt Sally auf einem Hocker, sie trgt ihr apartes 
graues Minikleid aus Seide und schwarze Stiefel, die bis an die Oberschenkel reichen, und nippt an 
ihrem Mineralwasser. Sie sieht zu, wie Ibrahim Drinks serviert; diese Sorte Mensch hier, Mnner und 
Frauen, wre beleidigt, wenn ein Robotkellner sie bedienen wrde. Ihre Stammkunden wissen, da sie 
sie hier finden knnen, wenn sie ihre speziellen Dienste in Anspruch nehmen wollen. In dem riesigen 
Spiegel hinter der Bar kann sie zwischen den Flaschen ihr Spiegelbild sehen, und sie wendet den Kopf 
hin und her, um ihre neue Frisur betrachten zu knnen: das naturblonde Haar aufgetrmt und mit 
einem Hauch von Blau getnt. Anders als viele Biancas in ihrem Gewerbe hat Sally nie versucht, ihre 
Haut stark zu brunen und die Haare schwarz zu frben; sie hat herausgefunden, und da weie Haut 
einen gewissen exotischen Reiz haben konnte, fr bestimmte Mnner jedenfalls. 

Es ist ein recht gewhnliches Publikum in der Bar, und es ist auch recht gewhnlich gekleidet: graue 


oder dunkelblaue knielange Shorts, glatt oder in Falten, dazu makellos weie oder hellblaue Hemden 
mit Knopfleiste. Hier und da sieht man sogar noch einen eigensinnigen lteren Mann, der trotz der 
Sommerhitze eine Weste oder eine Fliege am Hemd trgt. Der gutaussehende, muskulse Blanco in 
dem rot- 

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braunen Overall, der jetzt durch die glserne Drehtr^ kommt, pat berhaupt nicht hierher. Er strt, 
das ist Sallys erster Eindruck. Ein wenig besorgt beobachtet sie, wie Ibra-1 him ihn herberwinkt, um 
ihm etwas zu sagen. Der Fremde sieht aus wie ein Raumfahrer, und betrunkene Raumfahrer waren 
bekannt dafr, da sie die elegantesten Bars in Stcke schlagen konnten, wenn man ihnen die gute 
Laune verdarb. Doch nach ein paar Worten wirkt Ibrahim sichtlich entspannter, er lchelt sogar, und 
der Weltraumcowboy bestellt ein Glas Wasser und verdrckt sich in eine ruhige Ecke. Anscheinend ist 
er noch nchtern genug, um die Spielregeln zu verstehen. 

Sally versteht nicht, warum er sie so beschftigt vielleicht ist es der muskulse Krper, der sich unter 
dem Overall abzeichnet. Irgendwie kommt er ihr auch bekannt vor, wie jemand, den man vor langer 
Zeit einmal kannte. Er schaut sich um in der Bar, fter bleibt sein Blick an einer jungen Frau hngen 
bis er Sally bemerkt. Und nun wendet er den Blick nicht mehr ab, starrt sie an, den Kopf merkwrdig 
zur Seite geneigt. Und dann spricht Ibrahim kurz mit ihm und eilt zu ihr herber. 

He, ich hab' was fr dich. 

Der Skipper? Willst du mich auf den Arm nehmen! 

Nee. Er kommt gerade vom Asteroidengrtel und hat jede Menge Geduld. Hat bestimmt seinen Lohn 
fr das letzte halbe Jahr auf einmal gekriegt, mach' ich jede Wette. Jedenfalls ist es so blich. 

Na gut. Mal etwas Abwechslung. Und die Figur ist nicht bel. 

Ibrahim ist gekrnkt, sie ttschelt ihm die Hand. . Nimm's nicht persnlich, Kleiner. Du hast dafr 
anderes zubieten. 

Sie nimmt ihre Handtasche und geht, mit gesenktem Blick und einem sprden Lcheln zu dem Mann 
hinber. Er lt sie die ganze Zeit nicht aus den Augen. 

Der Polizeihypnotiseur ist eine Frau mit Namen Linda Jefferson, eine Bianca in den besten Jahren, 
etwas mollig um die Hften und mit durchdringend rot gefrbtem Haar, das sie zu einem riesigen 
Knoten aufgetrmt hat, der durch Haarspray zusammengehalten wird. Nun gut, wenn sie damit die 
Aufmerksamkeit ihrer Opfer auf sich lenken konnte, denkt Chief Bates. In ihrem dmmrigen Bro 
sitzt sie auf einem harten Stuhl mit gerader Lehne Corporal Ward gegenber, der es sich auf einem 
Sofa gemtlich gemacht hat. Leise Musik rieselt aus den Lautsprechern, synthetische Streicherklnge, 
schwebend und verschwommen, und berlagert jedes Gerusch, das von drauen hereindringen 
knnte. Bates schaltet den 3-D-Recorder an und nimmt sich einen Stuhl, von dem aus er beide im 
Auge behalten kann, als Linda einen tropfenfrmigen Kristall an einer Goldkette aus der Brusttasche 
ihres Uniformhemds zieht. 

Okay, Chief, sehen Sie blo nicht nach dem Kristall, sonst werden Sie auch noch in Trance geraten. 
Ward, haben Sie die Erklrung unterschrieben? 

Sicher. Aber es ist doch nur, um mein Gedchtnis aufzufrischen. Er wendet sich zu Bates. Ich 
wei, da ich die Frau auf der Plaza gesehen habe ... aber ich kann mich einfach nicht erinnern, wie sie 
ausgesehen hat. 

Deshalb sind wir ja hier. Linda spricht ganz ruhig, wie die Lieblingstante, die verspricht, in einer 
schwierigen Sache einmal mit den Eltern zu reden. Sie mssen jetzt einfach entspannen, Corporal. 
Lehnen Sie sich zurck und schauen Sie auf den Kristall hier. 

Nach einigen Minuten ist Ward in tiefer Trance. Wenn man von dem schlaffen Mund und seinem 
etwas stumpfen Blick absieht, knnte man meinen, da er vllig wach ist. Und Linda Jefferson fhrt 
ihn, Schritt fr Schritt, ganz langsam zurck bis zu jenem Augenblick, als er an der Mauer der 
Bibliothek lehnte und das Klappern der hochhackigen Stiefel auf der Plaza hrte. 

Es ist noch angenehm khl, sehr angenehm, sagt er 

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brav, fast ngstlich, bisher ist nichts passiert. Ach, die Lampen gehen an. Ja, da kommt sie, und sie 
hat es wirklich eilig. 

Wie sieht sie aus, Corporal? Knnen Sie sie sehen? 

Sicher, ja ... sie ist gro und schlank, aber recht muskuls fr eine Frau. Sie trgt Jeans und eine 


graue Bluse nein, es kann auch lavendel sein, ich habe nicht an die Bogenlampen gedacht. Sie trgt 
auerdem Stiefel mit den hohen Abstzen. Warten Sie - ich glaube, ich kenne sie. Es ist Sally Pharis, 
ich habe sie einmal festgenommen. Es kam aber nie zu einer Verhandlung, weil ... 

Das ist jetzt nicht wichtig, Amigo. Linda Jefferson spricht noch ruhiger, weicher als zuvor, eine 
Stimme, fast schon klebrig vor Se. Sind Sie sicher, da es Sally ist? Dieses Licht kann doch sehr 
tuschen, nicht wahr? Sie mssen sich wirklich sicher sein, ganz sicher. 

Ward runzelt die Stirn, gehorsam konzentriert er sich. 

Nun, ich knnte es nicht beschwren. Aber sie sieht verdammt wie Sally aus. 

Das reicht fr den Augenblick, unterbricht Bates. Wir werden sie uns vornehmen und ein wenig 
mit ihr reden. Wecken Sie ihn wieder auf, ja? In ein paar Stunden mu er seine Sergeantenprfung 
machen. 

Whrend sich Ward auf den Weg zur Cafeteria macht, um etwas zu essen und ein letztes Mal die 
Prfungsfragen durchzugehen, bringt Bates das Magnetband der Hypnosesitzung hinber zu Data, der 
es in den Computer berspielen soll. Der Verwaltungsmensch ist ganz aufgeregt, es gibt Neuigkeiten: 
Die Mnner, die die Umgebung des Tatorts durchkmmt haben, haben zehn Straen weiter einen 
Stiefel gefunden: einen einzelnen braunen Stiefel, der eines Mannes oder auch eines mnnlichen 
Lizzies - mit einem Spritzer Carli-Blut an der Spitze. 

Ist er schon im Labor? 

Nein, Chief. Sie haben ihn eben erst gebracht. 

Geben Sie mir sofort das Ergebnis auf meinen Bildschirm, wenn es so weit ist. 

Ja, Sir. Kein Problem. 

Bates kehrt in sein Bro zurck, ein stickiges Kmmerchen im zweiten Stock, das gerade Platz fr drei 
Sthle, einen Computertisch und einige Regale bietet, die vollgestopft sind mit Datenboxen, 
Aktenordnern und Hologrammen abgelegter Flle. Als Privileg seines hohen Rangs findet man in 
einer Ecke noch einen Khlbehlter mit Wasser. Bates giet sich ein groes Glas von dem 
importierten Quellwasser ein und setzt sich an den Tisch. Er lehnt sich zurck und lt den Blick 
durch die hohen Fenster schweifen, hinaus auf die Plaza, die rechts und links durch blagrne 
Hochhuser begrenzt wird. Sie ist hellerleuchtet, es wimmelt von Leben unter dem pulsierenden, 
knatternden Nordlicht am Himmel. Er befrchtet, da dieser Arbeitstag noch lange dauern wird, aber 
es wre nichts Neues, wenn er bis Mittag arbeitet und erst in der schlimmsten Nachmittagshitze eine 
Siesta hlt. Dann wird er eine Stunde nach Sonnenuntergang wieder an seinem Schreibtisch sitzen. 

Seit seine Frau ihn vor acht Monaten verlassen hat, gibt es eigentlich keinen Grund, nach Hause zu 
gehen. Einige Minuten sitzt er da und fragt sich, was ihn wohl dazu getrieben haben konnte, sie auf 
diesen Hinterwldlerplaneten zu bringen, auf dem es an allem fehlte. Keine Spur von jenem Komfort, 
den seine Frau gewohnt war. Hat er jemals im Ernst sich gefragt, wie das funktionieren konnte? Nach 
zwanzig Jahren htte er wissen mssen, da, wenn ihr etwas fehlte, es eine Eigenschaft mit Sicherheit 
war: Pioniergeist. Mit einem Kopf schtteln verscheucht er seinen Kummer und wendet sich einem 
anderen Problem zu: Sally Pharis. 

Obwohl er so sicher ist, wie man ohne konkreten Beweis nur sein kann, da sie so nebenbei mit 
Haschisch aus Sarah handelt und auerdem eines der teuersten Callgirls ist, kann er unmglich 
glauben, da sie etwas mit dem Mord an 

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Imbeth ka Gren zu tun hat. Er hat sie immer bewundert, wie klug sie sich aus allem heraushielt, was zu 
Gewalt fhren konnte. Ganz zweifellos war sie wegen einer anderen Sache auf der Plaza. Nur war es 
hchstwahrscheinlich kein legales Geschft, so da sie vermutlich abstreiten wrde, berhaupt dort 
gewesen zu sein, obwohl sie vielleicht etwas gesehen oder gehrt hat, das fr die Aufklrung des 
Mordes wichtig war. 

Bates greift nach dem Intercom und gibt Anweisung, Sally Pharis herzubringen, dann fragt er bei der 
Gleiterstaffel nach, ob man bei der Luftattacke ber dem Rattennest etwa den Koch von der Botschaft 
gefunden hat. Als der Mann von der Gleiterstaffel auf dem Bildschirm erscheint, weicht er seinem 
Blick aus. 

Also gut, knurrt Bates, wie habt ihr es dieses Mal versaut? 

Nun, Chief ... wir haben den Carli. 

Das war die gute Nachricht, schn. Und jetzt die schlechte! 

Er ist tot. 


Scheie. Wieso? 

Nun, die Maschinen haben ihn entdeckt, als er vom Rattennest aufstieg, und folgten ihm. Sie haben 
ihn aufgefordert, anzuhalten, mit Lichtsignalen und ber Lautsprecher, aber er hat Vollgas gegeben. 
Deshalb ... 

Warte. Haben sie ihn auf Carli oder Merrkan angerufen? 

Carli natrlich. Verdammt, die richtigen Bnder gehren zur Standardausrstung. Sie haben ihn auf 
jeden Fall gejagt, und ich frchte, er konnte nicht richtig umgehen mit dem Ding. Der Gleiter streifte 
einen Gerllhaufen und kippte ber den Rand des Rehydrierungskraters. 

Mist. War er schon tot, als die Leute bei der Maschine eintrafen? 

Hatte das Genick gebrochen, ja. 

Obwohl ein Genickbruch eine logische Folge eines Absturzes ber dreihundert Meter sein konnte, ist 
Bates uerst beunruhigt. Auch der andere Carli hatte Probleme mit seinem Hals. 

Ist er im Leichenschauhaus? 

Ja, Chief. Der Mann sah auf seine Uhr. Er mte inzwischen dort sein. 

Werde es mir mal anschauen. Und Sie erzhlen Ihren fliegenden Teufelskerlen, da ich einen 
vollstndigen formellen Bericht wnsche ber diesen Unfall! Ich mchte wissen, ob hier jemand Mist 
gemacht hat. Haben Sie verstanden? 

Ja, Sir! 

Mit einem bsen Knurren schaltet Bates das Intercom aus. Er freut sich nicht gerade, Ka Pral mitteilen 
zu mssen, da ein weiterer Botschaftsangehriger tot ist besonders, weil er wei, da eine Stelle 
anzunehmen bei den Carlis fast so viel bedeutet, wie in die Familie des Arbeitgebers aufgenommen zu 
werden. Obwohl Ka Pral einer hohen Kaste angehrte, Gri Bronno hingegen einer niedrigen, 
betrachten sie sich in gewissem Sinne als die Shne des Botschafters und damit als Brder. Bates 
beschliet, diese unangenehme Pflicht aufzuschieben, bis er den vollstndigen Bericht des 
Gerichtsmediziners vorliegen hat. Vielleicht ist es Intuition, vielleicht Erfahrung: Etwas scheint 
uerst faul zu sein am Unfalltod von Gri Bronno. 

Carols hellroter Transporter ist fast schon eine fahrbare Klinik: vollgestopft mit Gerten, den 
wichtigsten Medikamenten und Materialien, dazu noch Datenboxen fr jene, die man ber die 
einfachsten Dinge aufklren mute. Dann ein groer Khlbehlter mit sterilisiertem Wasser, sogar 
einen kleinen Brutkasten gibt es, fr den Fall, da man bei einer Frhgeburt helfen mu oder beim 
Ausbrten eines kranken Lizzie-Kindes. Obwohl nirgendwo mehr Platz ist, schafft es Lacey, Mulligan 
und ein Paar Sonnenschutzumhnge in den Raum hinter den Sitzen zu quetschen, zwischen den Com- 

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puter und die gestapelten Kisten mit synthetischer Haut. Sie selbst kann sich auf den Beifahrersitz 
setzen, nachdem sie einen Stapel Krankenakten und eine Tasche mit geheimnisvollen Flschchen 
weggerumt hat. 

Warum nehmen wir Mulligan mit? Carol kmmert sich nicht darum, ob er es hrt. 

Weil ein Para uns vielleicht weiterhelfen kann. Bist du sicher, da du mitmachen willst, Carol? 
Vielleicht ist es gefhrlich. 

He, es knnte noch viel gefhrlicher werden, wenn ihr beide alleine loszieht. 

Da hat sie recht, denkt Lacey, und das ist ja auch der Grund, warum sie Carol gefragt hat. Sie fhlt 
sich nur verpflichtet, ihrer Freundin Gelegenheit zum Rckzug zu geben, wenn sie das vorziehen 
sollte. Auer ihr gab es keinen Arzt in der ganzen Stadt, der sich auch nur in die Nhe des Rattennests 
wagte; tatschlich fuhr Carol einmal in der Woche dorthin, um die Slumbewohner zu versorgen, die 
ihre Hilfe brauchten, doch hatte es Monate gedauert, bis sie ihr Vertrauen gewonnen hatte. Wenn sie 
so etwas wie Vertrauen berhaupt kannten, manchmal zweifelte sie daran. Auer einigen wenigen, die 
sich im Rattennest vor der Polizei versteckten und nichts weiter zu befrchten hatten, als dingfest 
gemacht zu werden, gab es eine viel grere Zahl, die in panischer Angst lebten, da man sie zurck 
in die Psychiatrie brachte, um sie mit Psychopharmaka gefgig zu machen. 

Es gengte, da einer in seiner krankhaften Angst zu weit ging, schon konnte ein Messer im Rcken 
Carols medizinische Karriere abrupt beenden. 

Carol startete den Transporter, mit einem Satz erhebt er sich in die Luft und schiet mit 
bengstigender Geschwindigkeit davon; scharf biegt sie um die Ecke und folgt dann der D-Strae. 
Von Mulligan hinter den Sitzen hrt man einen Aufschrei. Lacey dreht sich um und sieht, da er sich 
die Stirn hlt. 


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Alles okay? Sie mu schreien, um den Motorenlrm zu bertnen. 

Sicher, mir ist ja blo so eine Kiste gegen den Schdel geflogen. 

Pa blo auf, Mann! kreischt Carol. Das Zeug ist teuer! 

Mulligan schneidet hinter ihrem Rcken eine Grimasse. 

Die Sonne geht jetzt auf, eine langwierige Sache auf Hagar, denn sie ist ein roter Riese, der immerhin 
einen Sehwinkel von fnfundvierzig Grad einnimmt. Lacey drckt auf den Schalter am 
Armaturenbrett, der den Polarisationsfilter fr die Fenster aktiviert. Je heller drauen das Licht wird, 
desto mehr davon wird automatisch absorbiert. Hin- und herschlingernd flitzen sie durch Porttown und 
biegen dann auf die sdstlich fhrende Landstrae ein. Sie ist leer, bis auf den unvermeidlichen 
Frachtzug, der die Strae entlangrhrt und sie mit seiner Druckwelle ins Schaukeln bringt. Die meisten 
Gleiter funktionieren nur ber einigermaen planierten Flchen, doch Carols Transporter ist ein 
gelndegngiges Modell, das sie dem schlechten Gewissen einiger Brokraten der Stadtverwaltung zu 
verdanken hat: Man kann ihnen jetzt nicht mehr vorwerfen, sie wrden nichts fr die Leute im 
Rattennest und die Weien im Ghetto von Porttown tun. Nach ungefhr drei Kilometern biegt Carol 
von der Strae ab und schlgt einen Kurs quer durch das de Hgelland ein.  

Wir drfen nicht zu lange nach Sonnenuntergang ankommen, schreit Carol durch das Brummen und 
Heulen des Motors, sonst werden sie alle schlafen. 

Sie schweben an braunen Abhngen hinunter, berqueren Tler, die einmal Flubette waren, folgen 
den geschwungenen Ufern lngst vertrockneter Seen. Der Gleiter macht gute hundert Kilometer in der 
Stunde, und Lacey hngt in den Gurten und fragt sich, ob sie luftkrank wird - ein beschmendes 
Gefhl fr eine Veteranin, die unzhlige Kampfeinstze bei Schwerelosigkeit hinter sich hat. Sie wagt 

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nicht einmal daran zu denken, wie es wohl Mulligan ergeht, der wie ein Stck Fracht hinter den Sitzen 
eingeklemmt ist. Weil eine Unterhaltung kaum mglich ist, beginnt Carol, vor sich hinzusingen. Oh, 
oh, mein Baby, es hat doch keinen Sinn der Polar City Blues, der kriegt dich einfach hin ... So singt 
sie mit ihrer heiseren Stimme, in endlosen Wiederholungen. 

Irgendwann erreicht die lrmende Maschine den schmutzigbraunen Krater des Rehydrierungsprojekts, 
und etwas widerwillig verlangsamt Carol die Fahrt. Es ist Schichtende, und die Arbeiter trotten 
hinber zu den Lastwagen einige Meter neben den unansehnlichen, schmutzigweien Eisklumpen. Als 
der rote Transporter ber ihre Kpfe fliegt, schauen sie auf und winken. Man kennt Carol hier 
drauen, denkt Lacey. Vielleicht ist es der Fahrstil. Ein Kilometer weiter sehen sie oben am 
Kraterrand einen kleinen Fahrzeugpulk, darunter zwei Polizeigleiter, ein Abschleppwagen und ein 
groer Kran. Carol verlangsamt, damit sie einen Blick auf die Szene werfen knnen. Am Haken des 
Krans hngt ein blaugrner Gleiter mit eingedrckter Front. 

Mensch, das ist ein Botschaftsgleiter der Konfderation! sagt Lacey. 

Vielleicht haben sie die Verletzten schon vor Stunden herausgeholt, aber ich sollte trotzdem mal 
nachfragen. 

Nichts dagegen. 

Carol zwingt den schleudernden Gleiter in eine jhe Kurve und stoppt im Schatten eines groen 
Dornengestrpps. Hinter den Sitzen hrt man Mulligan unfltig fluchen. 

Was bist du nur fr ein Jammerlappen! Carol grinst. Weit du, was du brauchst? Einen 
vernnftigen Fitnessplan lange, flotte Spaziergnge, ein bichen Gewichtheben, eine vegetarische 
Dit und kalte Duschen, so oft es nur geht. Komm mal zu mir in die Praxis, dann knnen wir das 
eingehend besprechen. 

Mulligans Kommentar ist nicht wiederzugeben. 

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Lacey steigt etwas unsicher aus, dann beugt sie sich hinter die Sitze, um Mulligan herauszuhelfen. 
Carol ist schon bei den Polizisten, zwei Menschen und ein Lizzie, dessen fahlgraue Haut besonders gut 
zu der gelbgrnen Uniform pat. Als Mulligan mit Lacey zu ihr hinbergehen will, verkrampft er sich 
pltzlich, wirft den Kopf zurck und krmmt sich wie vor Schmerz. 

Was, zum Teufel ... 

Ein Toter ... da in dem Wrack. Ich will da nicht nher ran. 

Schon gut, warten wir hier. 

Carol kommt schon wieder zurck, sie schttelt traurig den Kopf, als htte sie in dem Toten ihren 
langjhrigen Lieblingspatienten verloren. 


Nada. Kann fr den armen Kerl nichts mehr tun. Ein Carli, haben sie gesagt, und er ist schon im 
Leichenschauhaus. 

Und was ist mit dem anderen? fragt Mulligan. Es waren zwei Personen in der Maschine. Auch 
wenn nur einer tot ist, der andere mte sich doch schwer verletzt haben, ganz sicher. 

Tatschlich? Jetzt ist Carol sehr interessiert. Was immer sie auch von Mulligan hlt - einen 
Fachmann, der gute Arbeit leistet, respektiert sie. Die Polizei wei nichts von einem zweiten Mann, 
du solltest es ihnen sagen. 

Ich geh' da nicht nher ran, ich kann es nicht. 

Carol hat schon seinen Arm gepackt und htte ihn unweigerlich hinbergeschleppt, aber der Lizzie-
Polizist kommt ihnen jetzt entgegen. Eine gedrungene Masse, ein Meter achtzig gro, bewegt sich 
schlurfend auf sie zu. Eine plumpe, unbewegliche Spezies, doch in der Morgenhitze ist der Mann von 
einer fast manischen Erregtheit. Die lange Schnauze kruselt sich, er zeigt lchelnd die Zhne und 
streckt Mulligan die Hand mit den blauen, sorgfltig polierten Klauen entgegen. 

He, Mulligan, du kommst wieder mal gerade richtig, 

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was? Kannst du uns was sagen? Ich sorge dafr, da du das bliche Honorar kriegst. 

Da waren zwei Personen im Gleiter/bevor er in den Krater strzte. Mulligan redet sehr leise, er sieht 
ihn nicht an, sein Blick ist in eine unbestimmte Ferne gerichtet. Sie waren Todfeinde. Sie haben 
gekmpft. Mehr kann ich von hier aus nicht erkennen, ich werde auf keinen Fall nher rangehen. Das 
letzte Mal, als ich fr die Polizei gearbeitet habe, bin ich in der Notaufnahme wieder aufgewacht. 

Was? Der Polizist sieht ihn an. Er ist erstaunt. Nun ja ... dies ist ein freies Land, nicht? Um deine 
Bezahlung werd' ich mich kmmern, okay? Zwei Kerle ... ich wette, das wird den Chef mchtig 
interessieren. 

Bates ist gerade in der Leichenhalle, als ihn Offizier Zizzistres Anruf erreichte. Er hrt sich 
aufmerksam an, was Mulligan herausgefunden hat, und lt Zizzistre das Ganze wiederholen, damit er 
es in das Terminal an seinem Grtel einspeichern kann. Er darf auch nicht vergessen, da der Mann 
fr sein schnelles Schalten eine Belobigung verdient hat. 

Aber sag' mir noch eins, Izzy. Was, zum Teufel, hatte Mulligan dort drauen zu suchen? 

Keine Ahnung, Chief. Er war mit Dr. Carol gekommen, vielleicht hat jemand im Rattennest einen 
Para gebraucht? Er gestattete sich einen kleinen, zischenden Lizzie-Lacher ber seinen Witz. Ach 
so, da war noch diese Lacey bei ihnen. 

Da haben wir also die Bescherung! Aber das ist nicht dein Problem. Danke, Izzy, das war gute 
Arbeit. Das wr's dann. 

Als er das dster graue Gebude der Gerichtsmediziner verlt und zu seinem Gleiter geht, ist Bates 
ziemlich stolz auf sich. Seine Intuition, was Gri Bonno anging, hat ihn nicht getuscht. Der Bericht des 
Gerichtsmediziners ist eindeutig: Die meisten uerlichen Verletzungen waren dem Mann beigebracht 
worden, als er schon tot war. Kein Gericht 

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konnte anders befinden, als da er schon vor dem Absturz tot gewesen war. Und wer immer ihn 
gettet hat, ist ein lausiger Amateur, der keine Ahnung hat, wie man einen Unfall vortuscht. Dafr 
spricht auch Mulligans Hinweis auf einen Kampf zwischen den beiden Insassen des Gleiters. Aber 
blitzartig kommt es Bates in den Sinn, ob es nicht doch einen Zusammenhang zwischen den beiden 
Morgen gibt. Der Mrder Ka Grens war sicher kein Amateur. Auf der anderen Seite ist aber die 
Wahrscheinlichkeit, da in einer einzigen Nacht zwei Angehrige der gleichen Botschaft ganz zufllig 
ermordet werden, schrecklich gering. Zwei Mrder - eine Verbindung zwischen beiden Taten scheint 
ihm ziemlich sicher. 

Bates klettert in seinen Gleiter und tippt die Koordinaten fr die Botschaft der Konfrderation. Es wird 
Zeit, da er zu Ka Pral geht und ihm die allerneueste schlechte Nachricht berbringt. 

Die Groe Psi-Mutation, wie sie genannt wird, hatte sich rund zweihundert Jahre zuvor ereignet, in 
einem Land der guten alten Erde, das Kalifornien hie. Zwar hatte es immer schon Menschen 
gegeben, die die - rezessiven - Gene fr sogenannte bernatrliche Fhigkeiten in sich trugen, und 
wenn zwei von ihnen ein Paar wurden, dann konnte eines ihrer Kinder ein mehr oder weniger 
ausgeprgtes Psi-Talent entwickeln. Doch hatten diese Menschen es meist recht schwer: Die eine oder 
andere gerade dominierende Religion verfolgte und unterdrckte sie, und selbst in aufgeklrteren 
Zeiten gab es von Seiten der Wissenschaft nur Spott und Hohn. Auch jene, die der Verfolgung und 
chtung entgin- 


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gen, hatten kaum Gelegenheit, ihre Begabung voll zu entwickeln. Sie waren Sonderlinge, lebten zu 
weit entfernt von ihresgleichen und muten ihr Talent verbergen. Keine Frage, da es so keinen 
Austausch von Wissen gab und keine Mglichkeit, dieses Talent weiterzuentwickeln und nutzbar zu 
machen. 

Gegen Ende jenes Jahrhunderts, das man in der alten Zeitrechnung das >Zwanzigste< nannte, war 
jenes Kalifornien ein dichtbesiedeltes Land, in das Einwanderer aus buchstblich jeder Ecke des 
Planeten gestrmt waren. Sicher war es nicht verwunderlich, da sich bei solcher genetischer Vielfalt 
viel hufiger jene seltenen rezessiven Gene paaren konnten, bis tatschlich um die Mitte dieses 21. 
Jahrhunderts ein beachtlicher Teil der Bevlkerung ber Psi-Fhigkeiten verfgte. Und weil dieses 
Kalifornien einer der tolerantesten Staaten berhaupt in der Geschichte war, brauchten sich diese Paras 
nicht zu verbergen; sie konnten in aller ffentlichkeit ihr Talent beweisen, sich treffen und 
austauschen, und schlielich ernsthafte Forschung an diesem so lange vernachlssigten menschlichen 
Potential treiben. Natrlich gab es viele Betrger und Menschen, die sich selbst etwas vormachten, 
doch hielten sich die echten Talente von ihnen fern; sie schtzten dagegen den engen Kontakt 
untereinander und siedelten sich bevorzugt im nrdlichen Kalifornien an, hauptschlich bei einem 
Berg mit dem Namen Shasta und in der Stadt San Francisco. 

Als die Lage auf der alten Erde whrend des 21. Jahrhunderts immer unertrglicher wurde, hrte man 
aus den Reihen dieser Paras immer wieder Warnungen vor einer drohenden Katastrophe, lange bevor 
der Lebensraum Erde endgltig zerstrt war. Nach dem ersten Zusammentreffen mit auerirdischen 
Intelligenzen, nachdem die junge Menschheit von den uralten Zivilisationen im benachbarten 
Weltraum in die Geheimnisse der interstellaren Raumfahrt eingeweiht worden war, bewarben sich 
ganze Gemeinschaften von Paras um die Erlaubnis zum Auswandern. Und als die 

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Katastrophe kam, waren sie auf einem der Planeten der von Menschen dominierten Republik in 
Sicherheit. Dort war man froh ber jeden Einwanderer und empfing sie mit offenen Armen, auch jene, 
die von der Allianz und der Konfderation, wo Auerirdische das Sagen hatten, abgewiesen worden 
waren. Gewhnliche Menschen machten meist einen Bogen um die Psi-Begabten, so da sie unter sich 
heirateten, besonders in der ersten Zeit, und ihr Talent an die Kinder weitergeben konnten. Natrlich 
haben nicht alle Psi-Begabten auch Eltern mit solchen Fhigkeiten. Das galt auch fr Mulligans Eltern, 
und auch bei seinen vier Brdern fand sich nicht die Spur eines Psi-Talents. Er hatte eben die 
rezessiven Gene auf die schlichte altmodische Art mitbekommen. Es gab jedoch nicht den geringsten 
Zweifel, da Mulligans Talent einzigartig war. Auch in der qualvollen Enge hinter den Sitzen des 
Transporters, whrend er sich zwingen mu, seinen durchgeschttelten Magen vor dem Schlimmsten 
zurckzuhalten, empfngt er Psi-Signale. Es ist eine Menge, was auf ihn einstrmt: undeutliche Bilder, 
Gefhle, Wortfetzen und ganze Stze - das, was er als >Hintergrundrauschen< bezeichnet. Und 
manchmal ist es sogar ein berdeutliches Bild oder ein so starkes Gefhl, da es sich wie ein Alp auf 
seine Seele legt: Angst und Entsetzen. Und obwohl er wnscht, niemals hierhergekommen zu sein, 
wei er genau, da er Lacey nicht allein htte gehen lassen. Und selbst wenn Carol ihn fr nutzlos hlt 
- er mchte dabei sein, um nach Krften helfen zu knnen, anstatt sich irgendwo zu verkriechen. Doch 
trotz seiner Entschlossenheit ist die Furcht allgegenwrtig, so stark, da er sich schlielich einredet, es 
wre die auf ihn bertragene Furcht eines anderen Paras und nicht seine eigene. Er konzentriert sich 
und empfngt ein starkes, aber undeutliches Signal - ein Geist, der aus zwei Ichs zu bestehen scheint; 
vielleicht auch zwei Wesen, die sehr eng verbunden sind ... Er kann erkennen, da eines von ihnen 
sehr hungrig ist. Da macht der Gleiter einen Schlenker und bumt sich leicht auf, er verliert den 
Kontakt. 

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Vergeblich versucht er dieses doppelte Bewutsein wiederzufinden, es geht nicht. Das Signal ist im 
Rauschen untergegangen. 

Im Zentrum des Rattennests liegen die berreste einer Startbahn, rissig und uneben, die sich wie eine 
graue Narbe durch diese Anhufung von Ruinen und Mll zieht. Die Hitze des spten Vormittags lt 
die Luft ber dem Beton zittern. Carol stoppt neben einem rostigen Laternenmast. Lacey seufzt; es 
klingt, als wre sie erleichtert. 

Das ist mein Stammplatz, sagt Carol. Man mu feste Gewohnheiten entwickeln, wenn man mit 
solchen Leuten zu tun hat. berraschungen verkraften sie nicht - und einige knnen sich ganz einfach 
nicht an dich erinnern, wenn du was Ungewohntes tust. 


Mulligans anfngliche Erleichterung ist schon verflogen. Wie immer bedrckt ihn die Gegenwart 
seelisch kranker Menschen er sprt ihr Leid ganz unmittelbar; ihre Schmerzen schneiden auch in sein 
Herz. Als Carol und Lacey aussteigen, bleibt er in der Maschine hocken und wnscht sich sehnlich, 
statt Baseballspieler ein Karateka zu sein. 

He, Mulligan! fhrt Carol ihn an. Bist du eingeschlafen? Kannst du mal die Schutzumhnge 
reichen? 

Er reicht Lacey den blauen Sonnenschutz, den sie beim Start neben ihm verstaut hat, und findet nach 
einigem Suchen auch den von Carol, wei mit einem roten Kreuz, an dem man rzte und Sanitter 
erkennt. Er reicht ihr auch die Arzttasche, dann zgert er wieder, schaut zu, wie sie sich die festen 
Helme in der Mitte der Reflektorplane ber den Kopf ziehen. 

Ich hab' auch einen fr dich mitgenommen, sagte Lacey. Er mu genau neben dir liegen. 

Nun war der Augenblick gekommen. Er knnte sagen, da er mit dieser verrckten Sache nichts zu 
tun haben wolle, da er im Transporter bleibe, und zwar bei geschlossenen Tren aber Lacey mustert 
ihn prfend durch die Sicht- 

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platte ihres Helms. Wenn er jetzt kneift, wird sie ihm das ewig belnehmen. 

Bin schon unterwegs. Wenn ich mich erst herausgefdelt htte ... verdammt eng hier. 

Du kannst auf dem Rckweg meinetwegen vorn sitzen. 

Nein, so hab' ich's nicht gemeint. La nur. 

Nun lat das Getue und beeilt euch! sagt Carol. Ich will endlich die Kiste abschlieen. Sonst 
stehlen sie mir die Medikamente. Einige von diesen Typen wrden alles schlucken, wenn es nur wie 
eine Pille aussieht. 

Mulligan springt mit einem Satz heraus und zieht den Sonnenschutz hinter sich her. Er findet die 
Helmffnung unter dem endlosen, bauschigen Gewebe und schlpft rasch hinein. Das war ratsam, 
denn Hargars Sonne kann auf der bloen Haut schon nach wenigen Minuten Blasen erzeugen. Als er 
die weie Reflektorplane aufgefaltet und bis zu den Fen ausgebreitet hat, drckt er auf den Schalter 
innen am Helm, und sobald die Sonnenzellen aufgeladen sind, die in langen Reihen auf der Rckseite 
des Umhangs angebracht sind, beginnt der Ventilator zu laufen, der die Luft im Helm zirkulieren lt. 
Es dauert noch ein bichen, bis die Sichtscheibe wieder klar ist, die der Schwei auf seiner Haut hat 
beschlagen lassen. 

Nun komm endlich, Mulligan, keift Carol. Willst du hier Wurzeln schlagen? 

La ihn doch in Frieden! Lacey ist etwas verrgert. 

Mulligan freut sich, da sie ihn in Schutz nimmt, dann erst kommt ihm der Gedanke, da er ja 
eigentlich sich selber zur Wehr setzen mte. Strker noch als sonst fhlt er sich als Laceys kleines 
Hndchen. Aber er folgt ihnen jetzt die holprige Betonbahn entlang, die wie ein Pfeil aus dem Herz 
des Rattennest zu ragen scheint. 

Irgend jemand hat sicher gesehen, da wir angekommen sind, sagt Carol. Die Leute hier sind 
immer auf der Hut, sie stellt Wachen auf, und einige von ihnen kennen mich sogar. Es gibt hier eine 
Frau, Del heit sie, mit einem Baby, 

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das keinen Namen hat. Gewhnlich taucht sie bei jedem meiner Besuche auf. Nicht einmal Paranoia 
kommt gegen Mutterliebe an, knnte man meinen. 

Ein Baby? Lacey ist schockiert. Wird es gesund sein? 

Wer wei ... Im Moment ist es noch gesund. Ich glaube, wenn die Mutter der Meinung wre, da das 
Kind hier nicht gut aufgehoben ist, dann wrde sie es mir in die Stadt mitgeben. 

Ich dachte nicht an diese Art von Gesundheit. Ich meine, wie es sich geistig entwickeln wird, wenn 
es hier aufwchst. 

Carol zuckt die Achseln, da die Reflektorfolie raschelt. Darauf hat auch sie keine Antwort. 

Wer ist der Vater? fragt Mulligan. 

So ein riesiger Blanco, den sie hier John Hancock nennen. Das ist natrlich ein Witz. Aber ich wrde 
trotzdem nicht ber ihn lachen. Er sieht aus, als knnte er einem mit einer Hand den Kopf abreien. 

Du meine Gte, sagt Lacey. Und wovon leben diese Leute berhaupt? 

Ganz genau wei man es nicht. Sie fangen Ratten. Sie machen auch Geschfte mit den Leuten im 
Krater. Es finden sich immer wieder antike Gegenstnde in den Ruinen, die recht wertvoll sind. 
Manche bauen in den Schluchten, in denen es noch etwas Wasser gibt, Obst und Gemse an. Aber das 
alles reicht eigentlich noch nicht. Mir scheint, da sie allerlei kleine Geheimnisse haben. Trotzdem 


habe ich den Stadtrat dazu gebracht, da man ihnen Vitamin- und Mineraltabletten spendiert. 

Ist sicher schwerer als Kinderkriegen, murmelt Lacey. 

Kannst du mir glauben. Politiker sind ein egoistisches Pack. Doch schlielich brauchte ich jemanden 
zum Tyrannisieren. Darum hab' ich die Sache angefangen. Wenn man erst mal pensioniert ist und 
keine Untergebenen mehr um sich hat ... Ich habe mich entsetzlich gelangweilt. 

Mulligan hrt Carol, die so ganz selbstverstndlich, ganz 

sachlich von ihrer Arbeit spricht, eigentlich einer Mission, die sie aus freien Stcken auf sich 
genommen hat: diese Irren am Leben zu erhalten, fr ihre Gesundheit zu sorgen, so gut es eben geht. 
Er hat pltzlich Schuldgefhle. Was hat er denn je fr einen anderen Menschen getan ... Am liebsten 
wrde er jetzt wieder anfangen zu trinken, besonders, da er unter dem Sonnenschutz schwitzt und sein 
Kater zurckzukehren scheint. Er ist jetzt ein ganzes Stck hinter den anderen zurck, er ist immer 
langsamer geworden, whrend sie sich vorarbeiten, vorbei an zerborstenen Rohren, Gleiterwracks, 
Kisten und Plastikteilen und natrlich immer wieder auch an frischen Abfallhaufen. 

Ganz unvermittelt wird ihm bewut, da er die beiden Frauen nicht mehr sehen kann, da er ganz 
allein ist. Auerdem ist er auch nicht mehr im Rattennest. Er wandert durch ein Gebirge, wie er es 
noch nie im Leben gesehen hat. Groe grne Pflanzen bedecken die Hnge, das mssen diese Bume 
sein, die er von Holos von der alten Erde kennt. Weit unter ihm in einer Schlucht windet sich ein 
silberner Bach durch sein felsiges Bett. Die Gipfel sind von einem weien Zeug bedeckt, das 
wahrscheinlich Schnee ist. Und dieses merkwrdige Sonnenlicht, gelblich, fast farblos. Er macht einen 
Schritt zurck von dem Abgrund und hrt, wie sich jemand hinter ihm hflich ruspert. Er dreht sich 
um und sieht einen alten Mann, der sich auf einen langen Krummstab sttzt. 

Buenos dias, sagt Mulligan, denn sonst fllt ihm nichts ein. Schne Aussicht hier, nicht wahr? 

Der alte Mann lchelt, dann verschwindet er. Erst wird er durchsichtig, dann verflchtigt sich immer 
mehr von seinem Krper. Jetzt bemerkt Mulligan, da das Ganze eine Halluzination ist. 

Verfluchter Mist, Lacey braucht mich vielleicht. Ich mu damit aufhren! 

Aber die Vision ist hartnckig, und so beschliet Mulligan, erst einmal den Abgrund hinter sich zu 
lassen und tal- 

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wrts zu steigen. Je weiter er geht, desto schneller sinkt die Sonne, bis er schlielich zu einem groen 
flachen Gelnde oder einer Wiese kommt, die in dem Purpurlicht der Dmmerung kaum zu bersehen 
ist. Aber mitten hindurch fliet ein Flu. Klares Wasser, das ber die Felsen pltschert, ein 
angenehmes Gerusch. Fast ehrfrchtig kniet er nieder und schpft sich eine Handvoll Wasser aus 
dem Flu. Er trinkt. Es ist kalt, schmeckt frisch und sauber. Trotzdem wei er sofort, da er das 
Trinken htte lassen sollen jetzt ist er dazu verdammt, fr alle Ewigkeit hier weiterzuwandern, unter 
den wachsamen Augen der alten Frau, die nun pltzlich erschienen ist, sich neben ihn kniet und ihm 
ber das Gesicht streicht. Dann gibt sie ihm noch mehr zu trinken; aus einer gesprungenen alten Tasse 
flt sie ihm eine ranzig schmeckende Flssigkeit ein. 

Er kommt zu sich, Dr. Carol, sehen Sie? Er kommt zu sich. Die alte Hexe wei, wie man das macht. 

Alt sieht diese Frau tatschlich aus; das Gesicht zerknittert wie eine alte Papiertte, und mit Scken 
unter den Augen, so gro wie Nsse des Dornenbaums, und kaum weniger schwarz ist ihre Haut. Das 
graue Haar hat sie sich in einem dnnen, schmuddeligen Zopf um den Kopf gewickelt. Hinter ihrer 
Schulter kann er Carol erkennen, die besorgt, mit einer Spritze in der Hand, wartet. 

Lacey? flstert er. 

Hier bin ich. 

Jetzt bemerkt er, da sie direkt neben ihm auf dem unebenen, nicht sehr angenehm riechenden Berg 
aus Kissen sitzt und seine Hand hlt. Da sie seine Hand hlt, da echte Sorge in ihrem Gesicht zu 
lesen ist, dafr allein hat sich dieser grliche Ausflug zum Rattennest gelohnt. 

Mulligan, bist du okay? fragt Carol. Ich kann dir eine Spritze geben, wenn es ntig ist. 

Er braucht Ihre Spritze nicht, Doktor Carol, sagt Meg und saugt schmatzend an ihren Zahnstmpfen, 
ich hab' ihn zurckgeholt. 

Ja, genau. Mulligan versucht sich aufzurichtendes macht keine Schwierigkeiten. Sie hat recht. 

Ich mute es tun, mein Junge. Hab' dich mit dem Kartenspiel eingefangen. Tut mir leid, war nicht 
meine Absicht. Ich war nur auf der Suche, das ist alles. 

Lacey und Carol tauschen einen wissenden Blick aus. 

Was fr Karten? fragt Mulligan. Kann ich sie sehen? 


Ob du sie sehen kannst? Meg kichert. Die Frage macht ihr unerhrten Spa. Ich kann sie holen, 
ohne Frage, aber ob du sie sehen kannst das wei ich nicht. 

Als sie aufgestanden ist und davonschlurft, kann Mulligan sehen, da sie in einer Htte sind, die aus 
einer Vertiefung im Boden, nicht mehr als ein Meter, besteht, ber der man ein Dach aus Schrotteilen 
und Plastbetonplatten errichtet hat. Die Polster, auf denen er sitzt, stammen offensichtlich aus 
ausrangierten Gleitern. Eine Hlfte einer Blechtonne dient als Herd. Megs Kleidung besteht aus 
mehreren Schichten bereinander gelegter Stofflappen, alle ziemlich schmutzig. Sie ffnet einen 
lchrigen Karton, whrend Lacey und Carol mit wachsender Verwunderung zusehen. 

Wenn wir erst in der Stadt sind, flstert Carol, werd' ich dich mal genau unter die Lupe nehmen, 
mein Lieber. 

Bleib mir vom Leib! Mulligan ist berrascht, wie gut es tut, zu widersprechen. Hr blo auf 
damit! 

Bevor noch Carol ihn angiften kann, ist Meg zurck. Obwohl das kleine Bndel, das sie trgt, in ein 
schmutziges, schon mrbe gewordenes Unterhemd eingewickelt ist, kann Mulligan sehen - im 
bertragenen Sinn -, da von dem Inhalt eine starke Kraft ausstrahlt, einem Lichtenstein vergleichbar. 
Als er danach greifen will, reit Meg es zurck. 

Du fat es nicht an, Weier, ich sagte, du kannst es sehen. Von Anfassen habe ich nichts gesagt. 

Entschuldigung, tut mir wirklich leid. Natrlich fa ich es nicht an. 

Mit einem zufriedenen Grunzen kniet sie sich wieder zu 

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ihm hin und ffnet das Bndel; zu sehen ist etwas wie ein Kartenspiel, fettig und abgegriffen. 

Karo, sagt Meg, dieses Spiel ist uralt und heit Karo. Es kommt von der alten Erde. 

Mit raschen Bewegungen, wie ein Profi, mischt sie die Karten, dann macht sie wieder einen 
ordentlichen Stapel und legt ihn auf das Stck Sackleinwand, das in der Htte als Teppich dient. 

Also, du kannst abheben, wenn du willst, sagt sie mit einem schalkhaften Augenzwinkern zu 
Mulligan, aber ungefhr in der Mitte! 

Widerwillig lt er Laceys Hand los. Als er nach dem Kartenspiel greift, zittern seine Hnde, als 
frchte er, da er sich daran verbrennen knnte. Mit einem energischen Kopfschtteln rafft er sich auf 
und teilt den Spiegel; Meg kichert wieder. Dann dreht sie den oberen Stapel um und zeigt ihm die 
Karte, die nichts anderes darstellt als seine Vision: ein hellhaariger junger Mann am Rand eines 
Abgrunds im Hochgebirge. 

Aber da war kein Hund bei mir, sagt Mulligan und zeigt auf etwas, das aussieht wie ein Spaniel, fast 
untergegangen in einem Fettfleck. 

Nein? Bist du sicher, mein Junge? 

Und jetzt wird Mulligan klar, da er selbst der Hund ist, zumindest hat er diesen Gedanken gehabt, 
kurz bevor die Vision begann. 

Du hast recht. Er war da. 

Dachte ich mir. 

Lacey und Carol starren sich an, es ist nicht nur Verwirrung - Mulligan wird klar, da sie Angst haben. 
Er hat keine Angst, und das macht ihn stolz. Meg legt die Karten wieder zusammen und verteilt sie 
dann einzeln auf vier Stapel, ohne sie aufzudecken. Die schmutzigen Karten rascheln aneinander. Als 
sie fertig ist, deckt sie die oberste Karte auf jedem Stapel auf, von rechts nach links. Oben auf dem 
zweiten Stapel ist wieder der hellhaarige junge Mann, aber dies- 

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mal reitet er auf einem Pferd am Rand einer riesigen Wasserflche ein Meer, vermutet Mulligan. 

Das bist du. Meg legt ihren knochigen Finger auf den Reiter. Du hast immer rger mit der Liebe, 
hab' ich recht? Als nchstes zeigt sie auf die Karte rechts daneben, zehn lange Stbe, die sich 
kreuzen. Hast es nie zu etwas gebracht, nicht wahr? Hattest immer schon verloren, bevor das Spiel 
begann. Links von dem blonden Reiter ist eine ganz besondere Karte zu sehen: ein ziegenkpfiger 
Mann, auf einem Stein hockend, mit einem nackten Menschenpaar vor sich. Meg zgert, dann wendet 
sie sich rasch dem vierten Stapel zu. Fnf antike Mnzen sind auf der Karte zu sehen. Du wirst nie 
Geld haben, es sei denn, du heiratest nach Geld. 

Als sie die Karten zusammenschieben mchte, hlt Mulligan sie am Handgelenk fest und lt nicht 
los, selbst als sie zu schimpfen beginnt und sich loszureien versucht. 

Was ist das fr ein Kerl auf dem Stein, Meg? Du mut es mir sagen. 


Ich sag's nicht. La mich los, Weier! Dr. Carol, er soll mich loslassen! 

Als Carol einen Schritt auf sie zu macht, steht Lacey hastig auf und stellt sich ihr in den Weg. Drohend 
schttelt sie den Kopf. Mulligan zerrt an Megs Arm. 

Du mut es mir sagen! 

Es ist der Teufel. Da - jetzt ist es gesagt, und wir werden es alle ben mssen. Ihre Stimme wird zu 
einem Flstern, sie beugt sich vor zu Mulligan, ist wieder ganz ruhig und freundlich, eine Komplizin. 
Sie haben ihn umgebracht, mut du wissen. Vor zwei Tagen war es. John Hancock, wilder Mann und 
alter Veteran. Sie haben gesehen, wie er dahergeschlichen kam, da haben sie ihn gettet. Den Schdel 
haben sie ihm eingeschlagen, und es hat zum Himmel gestunken, sagte mir wilder Mann. Haben ihn 
begraben, ja. Den Teufel begraben! Sie lacht. Ist das nicht ein guter Witz, Weier? Den Teufel 
begraben? 

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Mit einem Knurren lt Mulligan sie los und lehnt sich zurck. Er sieht zu, wie sie die Karten 
einsammelt, dann folgt das ausgedehnte Ritual, sie mit einem Lappen einzuwickeln. Obwohl er Lacey 
und Carol aufgeregt flstern hrt, kann er seine Augen nicht von dem schmutzigen Bndel abwenden. 

Besorg dir selber welche, fhrt ihn Meg an. Meine kriegst du nicht. 

Ich kme nie auf die Idee, sie zu stehlen. Aber du hast recht, ich htte gern so ein Kartenspiel. 

Dann viel Glck. Du hast ja gehrt, sie kommen von der guten alten Erde. Sicher gibt es nicht mehr 
viele davon, aber du mut dir schon deine eigenen suchen. Du hast mich doch verstanden? Meine 
kriegst du nicht! 

Weil er sieht, da sie immer aufgeregter wird, zwingt er sich, den Blick abzuwenden, und steht auf, 
und pltzlich sprt er, da sein Kopf schmerzt: ein dumpfes Klopfen irgendwo zwischen Nacken und 
den Ohren. Lacey und Carol beobachten ihn, besorgt, aber auch mit einer gewissen Bewunderung. 

Vamos, sagt er zu ihnen. Danke, Meg. 

Gern geschehen. War vielleicht gar nicht so falsch, dich mit meinen Karten einzufangen. Mir tut die 
Frau des Teufels leid ... so seinen Mann zu verlieren. 

Mulligan hebt seine Sonnenpelerine vom Boden auf und klettert aus der Htte. Nicht, da er gehen 
will - aber es war zu befrchten, da Meg noch durchdrehen wrde in ihrer Angst um die Karten. Es 
ist ihm klar, da sie eine Para ist, mit sehr ausgeprgten Fhigkeiten, nur eben total verrckt. Aber sie 
sprte verdammt gut, wie sehr er die Karten haben wollte. So sehr, wie er sich noch nie etwas 
gewnscht hat, nicht einmal den zweihundert Jahre alten Baseball mit dem Autogramm von Willie 
Mays, den er einmal im Museum von Polar City ansehen konnte: Verwirrt und unzufrieden geht er 
rasch davon, ohne auf den Weg zu achten; berall liegt Unrat, Gerumpel. Aber nun hrt er Lacey, die 
ihm rgerlich 

etwas zuruft, und gehorsam bleibt er stehen, bis die beiden Frauen ihn eingeholt haben. Immer noch 
denkt er an die Karten, daran, da man vielleicht in einem Antiquittenladen solche Karo-Karten 
bekommen knnte, und auch daran, wie er das Geld dafr zusammenbringen knnte. Denn er hat 
schon alles von Wert verkaufen mssen, was er je besessen hat. 

Obwohl sie es sich ungern eingesteht Lacey macht sich Sorgen ber Mulligan. Sie hat schon frher 
erlebt, wie er in Trance fiel, aber da es auch passieren konnte, whrend er so dahinging ... Sie hatte 
sich einmal umgedreht und gesehen, da er ihnen folgte. Und keine Minute spter sah sie ihn am 
Boden liegen, und die alte Meg kam aus ihrer Hhle, um ihn aufzulesen wie ein Beutestck. So weit 
sie das Gesprch nach seinem Erwachen verstanden hatte, hatte ihn Meg auf irgendeine Weise, aber 
versehentlich, in diese Lage gebracht. Sie nahm sich vor, ihn nach der Rckkehr in die Stadt zu fragen 
- und nachdem er sich erst einmal ausgeschlafen hatte. 

Carol, sollten wir ihn nicht direkt nach Hause bringen? Ach, der vertrgt mehr, als man meint. 
Auerdem mache ich jede Wette, da dieser komische Teufel etwas mit dem Bein zu tun hat, das 
Little Joe gefunden hat. 

Na ja, so etwas hab' ich mir auch gedacht. Lacey hat einen Lageplan dabei, eine grobe Skizze jenes 
Teils des Rattennests, in dem sich die Hhle befindet. Sie holt sie aus der Tasche ihrer Bluse und 
schiebt sie durch den Schlitz der Sonnenpelerine, damit Mulligan und Carol sie sehen knnen. Little 
Joe ist nicht gerade ein Knstler, aber man kann gut erkennen, da er durch die Strae Richtung Sden 
hereingekommen ist. Weil er rannte wie der Teufel, als die Polizeigleiter kamen, wei er natrlich 
nicht mehr genau, wie weit er kam; doch nachdem Sally und Ibrahim ihn herausgeholt hatten, hat er 
sich grndlich umgeschaut und diesen halbzerfal- 

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lenen Turm gesehen, keine zwanzig Meter entfernt. Wir mten diese Schlangengrube schnell 
gefunden haben. 

Schnell gefunden! Carol knurrt rgerlich. Ich hab' nicht das Gefhl, da irgend etwas hier so 
einfach klappt. Bist du nicht diejenige, die mir dauernd erzhlt, wie gefhrlich unsere Expedition ist? 

Na, wenn schon. Lacey legt die Hand auf die Reflektorfolie. Ich hab' meinen alten Dienstlaser 
eingesteckt, und er ist voll geladen. 

Ach, du lieber Himmel! Carol verdreht die Augen. Da du mir blo nicht fr neue Kundschaft 
sorgst! Ich hab' schon genug hoffnungslose Flle von hier bis Porttown zu verarzten. 

In diesem Teil des Rattennests ragen schief und krumm groe Blcke aus hellgrauem Plastbeton aus 
dem Boden, von Mauern aus Ziegelsteinimitation sind lange Haufen geblieben. Es besteht immer die 
Gefahr, da ein Hohlraum unter einer Ruine nachgibt und sie hinunterstrzen. Darum gehen sie 
langsam, Carol voraus, Lacey als Nachhut mit der rechten Hand unter dem Umhang, dort, wo die 
Laserpistole steckt. Sie hlt die Augen offen, schaut immer wieder nach hinten, denn es knnten ja 
Slumbewohner auftauchen, die nicht so freundlich wie die alte Meg sind. Dieses netto Trio, John 
Hancock, wilder Mann und alter Veteran vielleicht ..... Unangenehm, denkt Lacey, wenn sie uns fr 
des Teufels Gehilfen halten wrden. 

Nach einem Kilometer etwa kommen sie auf eine kleine Anhhe und knnen unter sich den 
zerfallenen Turm sehen, eine gezackte Ruine aus weiem Plastbeton, vielleicht einmal ein Signalturm 
fr die Shuttlelandungen jener Zeit. Sogar nach ber hundert Jahren, in denen der Wind daran 
scheuerte und die grelle Sonne alle Farbe verblassen lie, kann man eine verwitterte Schrift daran 
entziffern: Ein Teil eines N, dann ein A und ein S, wieder ein bruchstckhaftes A. Zwei Meter hohe 
Buchstaben. Man kennt sie von anderen Ruinen und Altertmern, berall in der Republik. Man 

sollte einmal einen gelehrten Menschen fragen, was es bedeutete. 

Also gut. Lacey zieht noch einmal ihre Skizze hervor. Da ist der Turm ... dann mte das Loch 
dort sdlich davon sein. Seht mal, da ist es! 

Gleich neben einem mannshohen Berg aus Schaumstoffabfllen klafft ein dunkles Loch, etwa drei 
Meter im Durchmesser. Vorsichtig nhern sie sich. Der Boden gibt nicht nach. Am Rand der Grube 
legt sich Lacey auf den Bauch und starrt hinunter. 

Ich wette, da nach Little Joe noch jemand anders hier war. Da sind komische Spuren auf dem 
Boden, und der Germpelhaufen da unten scheint noch hher zu sein. Ich geh' jetzt runter. Ihr bleibt 
hier, um mich rauszuziehen. 

Noch bevor jemand widersprechen kann, hat sich Lacey aufgesetzt und ist auf den Berg von Gerumpel 
gesprungen; kleinere Stcke rollen davon. Sie zieht ihre Pistole, dann springt sie auf den Boden der 
Grube und beginnt zu suchen. Der Geruch leitet sie. Ein Geruch von Moder, dabei scharf wie Essig, 
kommt von der Stelle, wo Little Joe das Bein oder was auch immer gesehen haben mu. Aber es ist 
nicht mehr da, jemand scheint den Boden sogar gekehrt und festgetreten zu haben; ein Kreis aus 
langen, schmalen, ovalen Spuren fhrt um die Stelle - eine Hand, die den Boden gltten wollte? Fe, 
die trauernd ein Grab umrundeten? In der Nhe der Grubenwand ist eine Plastbetonplatte in den Boden 
gerammt, auf die mit irgendeinem Strahler seltsame Zeichen eingebrannt wurden. 

Herr im Himmel! sagt Lacey. Das war kein Tier, was sie da gettet haben. 

Sollen wir das arme Schwein wieder ausbuddeln? Carol hockt auf Hnden und Knien am Rand des 
Lochs. 

Nein. Wir mssen es der Polizei melden, das ist nichts fr Amateure. 

Lacey, komm sofort raus! Es ist fast ein Schrei, wie Mul- 

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ligan es hervorstt. Komm raus! Die Fresser sind da unten, sie wollen dich kriegen! Bitte ... komm 
sofort raus! 

Was? Hast du ein Signal aufgeschnappt? 

Ja, verdammt! Lacey ... 

Okay, beruhige dich. Zieht mich raus! 

Gleich hat Lacey wieder festen Boden unter den Fen, trotz der Behinderung durch die wehende 
Sonnenpelerine. Sie streift den grbsten Schmutz ab und wendet sich Mulligan zu, der leichenbla 
geworden ist und zittert. 

Also, was ist das mit diesen Fressern? 


Wei ich nicht. Da unten ist ein Bewutsein, irgendein Tier, kein intelligentes Wesen. Er macht eine 
Pause, noch immer zittert er. Ich hab' es jetzt abgeblockt, aber es knnte mich glatt wahnsinnig 
machen. Fressen, fressen, fressen das ist alles, was es denkt ... wenn man das denken nennen kann. 

Schaudernd wendet er sich ab und geht einige Schritte voraus, in Richtung des Gleiters. Lacey denkt 
angestrengt nach. Eigentlich mte sie die Polizei noch in der Sekunde benachrichtigen, in der sie zu 
Hause ankommen. Aber werden sie nicht unangenehme Fragen stellen? Woher sie denn wisse, da da 
eine Leiche gelegen habe! Aber da hrt sie schon Mulligan laut und hemmungslos schluchzen. 

Das darf doch nicht wahr sein, schimpft Carol. Was ist denn jetzt wieder! 

Mulligan zieht den Helm vom Kopf und hockt sich auf den Boden, verkriecht sich unter der Pelerine. 
Wie ein Fallschirmspringer, der beim Landen von seinem Schirm zugedeckt wird. Lacey kann ihn 
nicht sehen, aber man hrt ihn laut und deutlich weinen. Lacey tritt einen Schritt zurck, sie fhlt sich 
mit einemmal vllig hilflos. Carol mu sich sichtlich berwinden, als sie sich neben ihn kniet. 

He, du. Was ist denn los? Was hast du? Bist du mde? Du hast schon allerhand mitgemacht heute. 

Hat nichts mit mir zu tun, hrt man seine gedmpfte 

Stimme unter der Plane. Wer immer dieses Wesen begraben hat, hat es geliebt, verdammt geliebt. 

Und mit einem kalten Schauer erinnert sich Lacey, was die alte Meg ber die Frau des Teufels gesagt 
hat. 

Nunks macht sich Sorgen. Mulligans Trauer hat ihn mitten im schnsten Schlaf aufgeweckt, dann war 
das Signal verschwunden, so schnell, wie es gekommen war. Und weil er sehr mde ist nach der 
harten Gartenarbeit einer ganzen Nacht, ist er auch etwas rgerlich. Manchmal mochte man glauben, 
da Kleiner Bruder immer in irgendwelchen Schwierigkeiten steckte und da niemand auer ihm ihn 
da herausbringen konnte. Eine Weile wlzt er sich in seinem Bett hin und her - eine riesige, 
quadratische Matratze, mit dicken Kissen an den richtigen Stellen -, aber so sehr er sich auch bemht, 
er kann nicht mehr einschlafen. Er steht auf, justiert das Polarisationsfilter am Fenster, damit ein 
wenig Licht hereinfllt, dann fngt er an, seinen Pelz mit einer steifen Brste zu bearbeiten, bis er sich 
halbwegs wach fhlt. In der winzigen Kochecke macht er sich eine Tasse Krutertee und berlegt, was 
er jetzt tun soll. Wenn man nicht sprechen kann, kann man ja nicht einfach einen Freund anrufen und 
um Hilfe bitten. Auf einem Planeten mit sprechenden Wesen zu leben, konnte hchst frustrierend sein; 
aber als politischer Emigrant kann er nicht nach Hause zurckkehren nicht, so lange das derzeit 
regierende Herrscherhaus auf seinem Heimatplaneten an der Macht ist, und das kann noch sehr, sehr 
lange dauern, vielleicht sogar noch Generationen. 

Er leert die Tasse und zieht seine alte, grne Shorts an, dann trottet er hinaus in den Garten. Er liegt im 
Schatten, Sonnensegel aus Musselin, die vom Computer gesteuert werden, schirmen die grelle Sonne 
ab. Nunks kontrolliert die Einstellung jedes einzelnen Segels. Obwohl Mulligan seine Gedanken ins 
Merrkan bersetzt, so da er Buddy 

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haargenau seine Anweisungen geben kann, mitraut er dem . Computer. Er mitraut jedem 
Bewutsein, das nicht ber Psi-Talent verfgt, oder wenigstens ber richtige Emotionen. Und Buddy 
hat er noch mehr als die anderen intelligenten Maschinen, weil >er< ber einige, sehr oberflchliche 
Gefhle verfgt, Arroganz zum Beispiel, und weil er sich einseitig an Lacey gebunden fhlt. Wenn es 
nach Nunks ging, dann sollte eine intelligente Maschine eine Maschine sein und nichts anderes. 

Er setzt sich in den dichten Schatten eines Apfelbaums, lehnt sich bequem an den Stamm und macht 
sich auf die Suche nach Mulligan. Er ist bei vollem Bewutsein, nichts in seiner Umgebung, was ihm 
entgeht, und doch gelingt es ihm, einen Teil seines Bewutseins loszulsen und, indem er sich 
vorstellt, er wrde einen Lichtstrahl aussenden, auf die Suche nach dieser berwltigenden Trauer zu 
schicken, die ihn aufgeweckt hat. Nach wenigen Minuten findet er Mulligan, der wie ein Murmeltier 
schlft. Er kann sich in dessen Krper einfhlen, und so erfhrt er, da Mulligan eingezwngt in einen 
engen Raum sich befindet und da sein Krper unwillkrlich Erschtterungen und Bewegungen 
kompensiert, wie man ihnen in einem fliegenden Apparat ausgeliefert ist. Nunks berlegt, wie gut es 
zu Mulligan pat, da er ihn zuerst weckt und anschlieend selbst einschlft. 

Aber er kann diesen durchdringenden Schmerz, geradezu ein Aufschrei, den er gesprt hat, nicht 
vergessen. Es mu ein Schmerz gewesen sein, den Mulligan von einem anderen Wesen empfangen 
hat, nicht sein eigener. Nunks versucht Mulligans Spur zurckzuverfolgen, zu der Stelle, von der der 
Aufschrei kam. Weit entfernt, sehr schwach -ja, da ist der Schmerz. Der Schmerz eines Wesens, das 
einen bitteren Verlust beklagt und seinen Schmerz anderen Psi-Wesen mitteilen mchte. Nunks 
versucht, ein Gefhl der Sympathie auszusenden, doch zuckt das andere Wesen zurck, es empfindet 


entsetzliche Furcht, gemischt mit Ver- 

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zweiflung. Aber warum sich frchten, wovor sein Leben schtzen wollen, scheint dieses Bewutsein 
jetzt zu sagen, in einem Universum, das so grausam und schrecklich ist wie dieses? Nunks versucht, 
ein Gefhl von Hoffnung, Liebe und etwas wie Freude ber das Erscheinen des Lichts nach einer 
langen Nacht zu bermitteln, aber das Wesen unterbricht den Kontakt. 

Nun ist er wieder allein. Einige Zeit sitzt er da und denkt nach. Nicht einmal die kleine Maria, die der 
Vater, ein Trinker, ins Bordell verkaufte und die von ihrem Zuhlter fast totgeschlagen wurde, strahlt 
eine solche Verzweiflung aus wie dieses fremde Wesen. Er ruft sich in Erinnerung, was ihm 
bermittelt wurde, und erlebt noch einmal die tiefe Trauer, ja, das ist der Kern der Sache, aber es ist 
eine doppelte Trauer, zwei Dinge sind verwoben durch etwas Schreckliches ... Es ist schwer, so 
fremdartig sind die Gedanken, aber er kann es in Worte fassen: ein grausamer Scherz! Irgendwie 
scheint dieses fremde Wesen zu glauben, da sein Verlust ein bser, verrckter Scherz ist, den ihm das 
Universum als Ganze gespielt hat. Eine Welle von Mitleid bemchtigt sich Nunks', es wird immer 
strker, bis seine Brust schmerzt und sein Atem schwer geht. Er versucht, seine Gedanken so zu 
formulieren, da Mulligan sie Lacey bersetzen kann. Irgendwie muten sie dieses Wesen finden und 
ihm helfen. 

Kurz vor Mittag sitzt Bates an seinem Schreibtisch und arbeitet sich durch einen Stapel Papiere. Zwei 
Morde, das heit zwei ausfhrliche Autopsieberichte, dann der Bericht ber die technische 
Untersuchung des Botschaftsgleiters, mit dem Gri Bronno seinen Ausflug zum Rattennest machte. 
Bates' Intuition hat rechtbehalten: Gri Bronno ist ermordet worden. Jemand hatte den Autopiloten des 
Gleiters programmiert, bevor er ihn mit einem Toten am Steuer in die Nacht hinausschickte. Der 
Kampf, den Mulligan tele- 

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pathisch erfate, mu schon eine Stunde vor dem >Unfall< stattgefunden haben. 

Beunruhigend ist vor allem die Kurzmeldung einer Streife, die ihm mitteilt, da Sally Pharis nicht 
mehr an der Adresse wohnt, die sie zuletzt, angegeben hat. Theoretisch sind nun alle Streifenpolizisten 
alarmiert und halten nach ihr Ausschau, aber wenn er daran denkt, da sie Gri Bronno auch erst 
gefunden haben, als er tot war ... Er braucht Sally dringend, um so mehr, als der Laborbericht ber den 
braunen Stiefel besttigt, da das Blut von Ka Gren stammt -und er wurde dort gefunden, wo Ward 
Sally gesehen hat. 

Am interessantesten ist jedoch, was Sergeant Parsons bei der Befragung des Botschaftspersonals 
herausgefunden hat. Bates leitet zwar die Ermittlungen in wichtigen Fllen, aber er verschwendet nicht 
seine Zeit mit Routinearbeiten. Sergeant Parsons' Bericht ist wie immer von peinlicher Sorgfalt. 
Zusammen mit zwei anderen Beamten ist er jeder erdenklichen Spur nachgegangen und hat eine 
Unmenge Details zusammengetragen; darunter fand sich auch das erhoffte Bindeglied zwischen den 
beiden Morden: Zu Gri Bronnos Arbeit als Hilfskoch gehrte es auch, nach dem Abendessen die 
Abflle wegzubringen, was er genau in jenem Augenblick tat, als Imbeth ka Gren das Gebude durch 
die Hintertr verlie. Zufllig sah eines der Serviermdchen aus dem Fenster und bemerkte, da Ka 
Gren mit dem Hilfskoch sprach; allerdings konnte sie nicht hren, was gesprochen wurde. Bates 
wrde darauf wetten, da es irgendeine harmlose Bemerkung war, der man entnehmen konnte, wohin 
Ka Gren ging. 

Parsons zog daraus den Schlu, da der Mrder zur Botschaft gehrte und auch wute, da Ka Gren 
mit Gri Bronno gesprochen hatte. Aber Bates mchte ihm so weit nicht folgen, blo keine voreiligen 
Schlsse. Er fordert vom Computer einen Grundri des Botschaftsgebudes an; auf dem Monitor sieht 
er besttigt, was er vermutet hat: Die Recycling-behlter stehen gleich neben der Hintertr, die in 

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jenem Augenblick sicher weit offen war. Die Hintertr fhrt auf eine der Belebtesten Straen dieser 
Gegend. Es war gut mglich, da der Mrder dort wartete, einer von zahlreichen Passanten auf den 
Transportbndern und den Gehwegen, und sah, da sein Opfer die Botschaft verlie. Dann konnte er 
ebensogut gesehen haben, wie Ka Gren mit dem Koch sprach - was dessen Todesurteil bedeutete. Auf 
der anderen Seite darf er nicht den Gesichtsausdruck des toten Carli vergessen, der von Furcht keine 
Spur zeigte. Er mu den Mrder gekannt haben, und es gab fr ihn keinen Grund anzunehmen, da 
ihm Gefahr drohte. 

Bei diesem Gedanken wird Bates etwas bewut, was ihm schon eine ganze Weile im Magen liegt. Die 
Kehle des Carli war bis auf den Knochen aufgeschlitzt. Er mu gesehen haben, wie der Mrder das 


Messer zog, und erst recht, wie er krftig ausholte. Warum lief er nicht weg? Warum schrie er nicht, 
oder erschrak? Und es fllt Bates auch ein, da, weil die Halsschlagadern der Carlis kaum dnner sind 
als die der Menschen, der Mrder von purpurrotem Carli-Blut nur so triefen mute. Selbst wenn die 
Plaza zu jener Tageszeit menschenleer war, irgendwer htte es schon bemerkt, wenn ein Mensch oder 
sonst ein Wesen blutberstrmt vorbeigekommen wre. Oder ist das der Grund, warum von Sally 
Pharis keine Spur zu finden ist? 

Verdammt! Wenn er Gri Bronno nur wegen einer hingeworfenen Bemerkung gettet hat ... 

Er greift zum Intercom ein und gibt Alarm fr alle Dienststellen; fast schreit er seinen Befehl in das 
Mikrophon: Jeder einzelne Beamte, der nur Augen im Kopf habe, solle nach Sally Pharis Ausschau 
halten. Diesmal weist er auch darauf hin, da ihr Leben mglicherweise in Gefahr ist. Und als er sich 
wieder beruhigt hat, wird ihm klar, da er wieder bei seiner alten Idee angelangt ist, da es fr beide 
Morde nur einen Tter gibt. Was sprach dagegen? Wenn der Mrder ein Profi war, dann wute er 
auch, wie man eine Sache so anstellte, da es nach einem Amateur aussah. Ein Profi. 

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Lange sitzt Bates an seinem Schreibtisch und starrt aus dem Fenster; er berdenkt alles noch einmal, 
versucht, jenes entscheidende Detail zu finden, jenen entscheidenden Schritt zu tun, der ihm noch 
nicht gelingt. Doch er sprt, wie es in ihm arbeitet. 

Er beschliet, es sein zu lassen und erst einmal essen zu gehen, als das Intercom summt. Er schaltet 
ein. 

Bates. 

Hallo, Bates. Es ist Akeli von der Staatspolizei. Haben Sir irgend etwas herausgefunden, das von 
Interesse ist? 

Ich wute gar nicht, da Sie mein Vorgesetzter sind. 

Akelis fettes Gesicht grinst vom Bildschirm. 

Meine offizielle Funktion ist natrlich nur die eines Verbindungsmannes zwischen Ihnen und dem 
Prsidialbro. 

Er mu es ihm auch noch unter die Nase reiben, dieser Bastard. Laut sagt Bates: Nun, Sie werden 
der Prsidentin sagen mssen, da wir hier nichts Neues haben. Und Sie? Wie sieht's aus mit der 
Botschaft der Allianz und dem Kontaktmann von Ka Gren? 

Das, was ich habe, eignet sich nicht fr eine bermittlung auf diesem Weg. Wenn Sie vielleicht in 
meinem Bro vorbeischauen, so gegen acht heute abend? Adios. 

Er schaltet ab, bevor Bates noch etwas sagen kann. Ein paar Minuten bleibt der Polizeichef an seinem 
Computertisch sitzen und grbelt voller Groll ber die gleich mehrfachen Beleidigungen in diesem 
kurzen Wortwechsel nach, besonders die infame Unterstellung, da alle Informationen, die er zu 
bieten hat, ohne weiteres ber das normale Telefonnetz gehen knnten, whrend Akelis unglaubliche 
Resultate unter vier Augen ausgetauscht werden mssen. Aber er zwingt sich, ruhig zu bleiben, und so 
gelingt es ihm dann tatschlich, aus seinem Bro zu gehen, ohne die Tr hinter sich zuzuschlagen. 

Mitten am Tag ist das Hauptquartier wie ausgestorben. Die Cafeteria ist zwar geffnet, aber man 
bekommt nichts als Synkaffee, muffige alte Sandwichs und Sojagulasch, das 

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von der Hauptmahlzeit um Mitternacht briggeblieben ist. Bates nimmt sich ein paar Brote mit Eipaste 
und einen groen Kaffee und setzt sich an einen Tisch neben dem Eingang. Whrend er it, schaut er 
dem Angestellten zu, der mit einem feuchten Lappen die Robotkellner abwischt; so, wie der Lappen 
aussieht, hat man den Eindruck, da es hygienischer wre, wenn er sie nicht abwischen wrde. Bates 
hat gerade das erste Brot gegessen, als er sprt, da jemand ihn beobachtet. Er schwingt sich herum 
auf seinem Stuhl und sieht eine junge Frau am Eingang stehen, schlank und hbsch, mit 
bronzefarbener Haut und rabenschwarzem Haar, das zu dnnen Zpfchen geflochten ist. Sie kommt 
ihm auch irgendwie bekannt vor. 

Chief? Ich wollte sie nicht stren, aber ich mache mir so groe Sorgen, und sonst habe ich hier 
niemanden getroffen. 

Die weiche Stimme hilft seinem Gedchtnis auf die Sprnge: Cindy, die Verlobte von Corporal Ward; 
er hat sie letzten Winter bei dem jhrlichen Picknick zum Unabhngigkeitstag kennengelernt. 

Nur keine Umstnde! Was haben Sie auf dem Herzen? 

Ich kann Bastian nirgends finden. Er hatte doch sein Examen heute, er wollte nach Hause gehen und 
sich umziehen und mich danach anrufen. Wissen Sie, wir kennen uns seit zwei Jahren, und er hat noch 
nie vergessen, mich anzurufen, wenn er es mir versprochen hatte. Deshalb habe ich gedacht, da die 


Prfung vielleicht lnger gedauert hat, und bin hierhergekommen, um ihn abzuholen. Die Prfung war 
aber vor vier Stunden zu Ende. 

Das Sandwich, das Bates gegessen hat, scheint sich in einen Stein zu verwandeln. Er stt den Teller 
von sich und springt aus. 

Kommen Sie mit. Wir geben eine Meldung an alle Streifen und Reviere durch, dann sehen wir in 
seiner Wohnung nach. Knnte es zufllig sein, da sein Trschlo auch auf Ihre Hand reagiert? 

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Ihr Gesicht ist grau geworden. Sicher tut es das. Doch sie mssen feststellen, da Ward nie zu 
Hause angekommen ist. Ein Streifenpolizist hat ihn gefunden, in einer Gasse zehn Straen vom 
Hauptquartier entfernt. Man hat ihn unter einen Schuttcontainer geschoben, seine Kehle ist 
durchschnitten worden. Whrend die Leiche abtransportiert wird, steht Bates in der blendenden Sonne 
und schwrt Rache. Im Polizeigleiter weint Cindy leise vor sich hin. 

Als Carol sie endlich am spten Nachmittag bei A-bis-Z-Unternehmungen abgesetzt hat, ist Mulligan 
so mde, da er Lacey kaum folgen kann, als sie ihm in den khlen, schattigen Garten vorausgeht. Sie 
wird ihn wohl den ganzen Tag da schlafen lassen mssen, denkt sie, aber letzten Endes ist sie ja 
diejenige, fr die er sich so verausgabt hat. Das mindeste, was sie ihm schuldet, ist ein Pltzchen zum 
Ausruhen. Zwar hat er nichts davon gesagt, aber langsam kommt ihr der Verdacht, da sein Vermieter 
ihn wieder einmal rausgeworfen hat. Mit Nunks' Hilfe schafft sie ihn die Treppe hoch und aufs Sofa. 
Dann giet sie sich ein Glas ein, whrend Nunks unruhig an der Tr hin- und hergeht. 

Du willst mich etwas fragen? 

Er nickt, aber seine riesigen Hnde winken traurig ab. 

Es ist kompliziert, und wir mssen warten, bis Mulligan wieder aufwacht? 

Wieder ein Nicken. 

Aber es ist so dringend, da es keinen Aufschub duldet! 

Genau. Sie htte es wissen mssen. Zwar ist sie versucht, Mulligan wachzurtteln, doch ein Blick auf 
sein totenblasses Gesicht hlt sie davon ab. Er schnarcht schon und hat sich wieder um ein Kissen 
gerollt, wie er das immer tut, auch wenn es noch so schrecklich unbequem scheint. Lacey ghnt, auch 
sie ist mde nach einem Tag ohne Schlaf. 

Gut, ich sag' dir Bescheid, wenn er aufwacht. Oder willst 

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du hier bei mir warten? Vielleicht gibt es im Fernsehen irgendein Ballspiel. 

Nunks schttelt seinen riesigen Kopf und stapft aus dem Zimmer. So laut hallen seine Schritte auf der 
Treppe, da Lacey klar wird, da es kein unbedeutendes Problem ist, was ihn beschftigt. Sie nimmt 
einen Schluck und geht hinber zum Computertisch, wo sie sehen mu, da Buddys Signalleuchte 
heftig blinkt. Mit einem Seufzer der Erleichterung setzt sie sich in den Sessel. Das ist endlich etwas 
anderes, als in Carols Transporter zu sitzen. Dann drckt sie einige Tasten. 

Ich freue mich sehr, da du zurck bist, Programmiererin. Es ist einiges an neuen Daten 
angekommen. 

Ordne sie nach Dringlichkeit, dann la hren. 

Hier die Schlagzeilen in chronologischer Reihenfolge. Die Programmiererin kann dann ber die 
Dringlichkeit entscheiden: Ich habe eine mgliche Ursache fr die Schmerzattacke der Einheit 
Mulligan gefunden. Chief Albert Bates von der hiesigen Polizei hat angerufen. Das Leben von Sally 
Pharis ist sehr wahrscheinlich in Gefahr. Mulligans Leben knnte in Gefahr sein. Die Sicherheit der 
Republik ist mglicherweise betroffen. 

Du lieber Himmel! Fang mit Mulligan an, dann sprich ber Sally. 

Beider Leben ist in Gefahr, weil sie etwas ber den Mord an dem Carli Imbeth ka Gren wissen. Die 
Einheit Mulligan versuchte, am Tatort telepathisch ttig zu werden. Die Einheit Sally kam 
hchstwahrscheinlich zufllig am Tatort vorbei. 

War es das, was Bates gesagt hat? 

Ein guter Schlu. Er mchte dich auch sehen, vor acht Uhr heute abend, wenn irgend mglich. Er 
sagte nicht, warum. 

Lacey ist ein wenig irritiert. Wenn Bates kein Polizist wre, dann fnde sie ihn gar nicht bel. Aber 
wie alle Angehrigen der Flotte, die zum groen Teil ihren mageren Sold 

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durch Schmuggel aufbesserten, hat sie eine instinktive Abneigung gegen jede Art von Polizei, gleich 
auf welchem Planeten. Auf der anderen Seite mute wegen des ermordeten fremden Wesens im 


Rattennest etwas geschehen. 

Ruf Bates an, Buddy. 

Eine Weile summt und klickt es. Dann meldet sich Buddy: 

Ich habe die Verbindung, er ist aber nicht da. 

Dann hinterla ihm diese Nachricht: Lacey ist zu Hause und will mit Ihnen sprechen, wann immer 
Sie knnen. 

Erledigt, Programmiererin. 

Gut. Dann der nchste Befehl. Frag beim Raumhafen an, ob das Handelsschiff >Montana< schon das 
System erreicht hat. Wenn ja, wende dich an Sam Bailey - kannst du dich an ihn erinnern? 

Natrlich. Ein Freund von dir, erstaunlich tchtig, auerdem durch und durch seris. 

Na, wenn das von dir kommt, dann mu es ein Kompliment sein. Aber zur Sache: Frag ihn, ob er 
irgend etwas Ungewhnliches im Bereich unseres Systems bemerkt hat, besonders etwas, was man als 
Hinweis auf die Gegenwart eines fremden Schiffs werten knnte. Wenn er irgend etwas wei, dann 
soll er es sofort in Grn-04 senden. Und sag ihm, ich brenne drauf, ihm einen Drink zu spendieren. 

Befehl verstanden, doch mu ich meine Programmiererin darauf aufmerksam machen, da der Code 
Grn-04 seit fnfzehn Jahren nicht mehr benutzt wird. 

Und das ist genau der Grund, warum Sam ihn benutzen soll. Wir beide kennen ihn auswendig, aber 
ein Lauscher wird ihn erst identifizieren mssen. Wollen wir wetten, da fast niemand mehr das 
Dechiffrierprogramm in seinem Computer hat? 

Das wre ein logischer Schlu, Programmiererin. 

Mit einem Mal ist sie entsetzlich mde, sie kann das Ghnen nicht lnger unterdrcken. Sie schttelt 
heftig den Kopf, um sich wachzuhalten. 

Verdammt, Buddy, ich mu jetzt schlafen. Pa auf Mulli- 

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gan auf, leg eine Lichtschranke ber ihn und gib Alarm, wenn er sich davonmachen mchte, whrend 
ich schlafe. Und weck mich auch, wenn Bates sich meldet. 

Wie du mchtest. 

Buddy hrt sich ein wenig verstimmt an. Kurz bevor sie richtig eingeschlafen ist, fllt ihr ein, da er ja 
noch mehr Neuigkeiten fr sie hatte. Aber da ist sie schon zu weit hinber, um sich noch einmal 
aufzuraffen. 

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Erstes Zwischenspiel: Der Jger 

Wohin er auch geht, diese tdliche Wut folgt ihm immer auf dem Fue. Sie ist sein Lebensinhalt. 
Tomasos Wut ist immer zugegen, vielleicht verborgen wie ein zusammengerolltes Tier in seinem Bau, 
vielleicht unsichtbar in der nchtlichen Schwrze seiner abgrndigen Seele. Doch lt die Wut niemals 
seine Hnde zittern, wenn er ttet, lt ihn nie ungeduldig fluchen, wenn er ohne einen Laut, reglos in 
seinem Versteck wartet. Nie erlaubt er seiner Wut, da sie sich auch nur in einem Zucken seiner 
Lippen verrt. Doch wenn er unterwegs ist auf seiner mrderischen Reise, dann folgt ihm die Wut wie 
ein treuer Begleiter, lt ihn mit kaltem Blick die Menschen, denen er begegnet, mustern: Er sucht 
Opfer, lohnende, ihm Genu verschaffende Opfer wenn nur seine Arbeit es ihm erlauben wrde. 
Manchmal spricht die Wut zu ihm, aber er weigert sich, zuzuhren, denn er hat diese Stimme. Das 
hohe, schrille Jammern eines verngstigten Kindes. Viel eher mag er den Gedanken, da dieses Kind 
nicht mehr existiert, weil seine Seele ununterscheidbar mit jener des Mannes, der er geworden ist, 
verschmolzen sein mu. Es durfte nicht mehr existieren, dieses nach der Mutter winselnde und 
bettelnde Gr, wie es schrie und weinte und um sich schlug bei der Nachricht vom Tod der Mutter. 
Gettet durch jene Hnde, die den Kleinen durch de, kalte Korridore zerrten und ihn in ein Zimmer 
sperrten, auch wenn er noch so sehr an die Stahltr hmmerte und seinen ganzen Ha hinausschrie. Er 
erinnert sich sehr gut an dieses Zimmer, auch an die Blutflecke an der Tr, von den kleinen 
zerschundenen Hnden, die hmmerten und hmmerten, unaufhrlich, so endlos wie der Schrei aus 
Furcht und Wut. Der Fuboden des Zimmers war mit einem abgewetzten blauen Teppich ausgekleidet. 
Ein Fenster gab es nicht, nur ein groes Hologramm an einer Wand, das eine Gebirgslandschaft mit 
einem Wasserfall zeigte. Endlos schumte die weie Gischt zu Tal, endlos kruselten sich die weien 
Wolken, ohne sich je von der Stelle zu bewegen. Sonst gab es nichts in diesem Raum: kein Bett, kein 
Fernsehgert, keinen Stuhl, kein Buch oder Tonband. Als der Kleine aufgehrt hatte zu schreien, 
schob ein Roboter durch eine Klappe in der Tr ein Tablett mit Essen herein. Er richtete seine 
Sensoren auf die blutigen Hnde, doch niemand kam, um sich um ihn zu kmmern und ihn zu 


verbinden. Schlielich wusch er sie in dem Badezimmer nebenan und wickelte Klopapier darum. Es 
war das erste Mal, da er sich um seine Gesundheit selbst kmmern mute, aber nicht das letzte Mal. 

Das Essen bestand aus einem Kanten Brot, einer Schale Suppe und einem Glas wriger weier 
Flssigkeit, die er nicht kannte. Es war viel zu wenig, doch weil er nie zuvor hatte hungern mssen, 
glaubte er, da der Roboter ihm mehr bringen wrde, wenn er darum bat. Doch nahm er nur das 
Tablett mit sich und schlug die Trklappe hinter sich zu. Der Kleine wartete an der Tr eine ganze 
Weile, doch gab es erst am nchsten Tag wieder zu essen. In dieser Nacht versuchte er, so gut es ging, 
auf dem Fuboden zu schlafen, whrend sein knurrender Magen ihn qulte. Er schlief und trumte 
doch nur von seiner Mutter. Trnenberstrmt wachte er auf. 

Die Zeit verging, und nur ein Gedanke beschftigte ihn, wurde zur fixen Idee: Essen. Nie wute er, 
wann der Roboter kommen wrde, wute auch nicht, wieviel er ihm zu essen brachte. Manchmal gab 
es mehrere reichliche Mahlzeiten hintereinander, dann wieder sa er tagelang, wie es ihm schien, 
hungrig in seinem Gefngnis. Essen. Noch ein anderer Gedanke lie ihn nicht los: die Zeit. Er 
versuchte, eine Mglichkeit zu finden, die Zeit zu messen, doch es gelang ihm nicht. Unmglich zu 
sagen, wie lange er weinte, wie lange er schrie, wie lange er stumm in einer Ecke lag. Eines Tages 
kamen zwei Menschen durch die Tr, ein 

Wchter mit einer Betubungspistole und ein anderer Mann, der seiner schwarzen, glnzenden 
Uniform nach ein wichtiger Beamter sein mute. Tomaso wnschte sich, sie hassen zu knnen, doch 
es waren Menschen, Gesichter, menschliche Gesichter, die zu ihm in sein einsames Gefngnis 
gekommen waren. Der Wchter sagte kein Wort. Der gepflegte schwarze Bart des Beamten hpfte ein 
wenig, wenn er sprach. 

Willst du ein braver Junge sein, Tomaso? 

Ihr habt meine Mutter gettet! 

Wir waren es nicht. Die Meister haben es getan. Willst du ein braver Junge sein? Wenn nicht, werden 
sie auch dich tten. Deine Mutter war eine Para, auch du hast Psi-Talent. Weit du, was das ist, 
Tomaso? 

Ich habe gesprt, wie sie starb. 

Der Beamte brachte vor Unsicherheit das Wort nicht heraus, das ihm auf der Zunge lag. Nur sein 
Mund ffnete sich, ein feuchter Fleck Rosa inmitten des schwarzen Barts, und sein Blick war einen 
Augenblick lang traurig. Doch als der Wchter ihn ansah, fate er sich. 

Dann weit du, wie es sein wird, wenn man auch dich ttet. 

Nein, er schrie nicht, er weigerte sich einfach zu schreien, whrend er sich immer mehr 
zusammenrollte. Den Schrei konnte er unterdrcken, aber er konnte nichts dagegen tun, da diese 
Stimme immer weiter in seine Ohren drang. 

Nun, Tomaso, wenn du ein braver Junge bist, werden sie dich nicht tten. Statt dessen wirst du etwas 
Besonderes werden. Weit du, was die Meister mit dir vorhaben? Sie werden dich auf eine sehr gute, 
sehr besondere Schule schicken, wo du lernen wirst, deine Begabung richtig zu gebrauchen. So 
besonders ist diese Schule, da die meisten Leute gar nicht wissen, wo sie ist. Es ist ein Geheimnis, 
und du wirst zu diesem groen Geheimnis gehren. Ich denke, da dir das gefallen wird. 

Alles, wirklich alles wrde besser sein als dieses Zimmer. 

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Jede Aussicht mute angenehmer sein als dieser bis zur belkeit sich ihm aufdrngende Wasserfall 
mit dem unaufhrlich auf der Stelle flieenden Wasser. Tomaso streckte sich auf dem Boden aus und 
betrachtete den Beamten. 

Gibt es zu essen an dieser Schule? 

Sicher, so viel du magst. Der Mann hockte sich neben ihn. Und weit du was? Deine Mutter hat 
die Meister belogen; das ist der Grund, warum sie sterben mute. 

Sie hat mir erzhlt, da sie jede Frau tten, die eine Para ist. Sie hat mir gezhlt, da sie auch alle 
Jungen tten. 

Nein, das ist nicht wahr. 

Du lgst! Ich kann immer sehen, wenn jemand lgt. 

Ich htte daran denken mssen. Also gut, sie hatte recht. Sie haben sie gettet, sobald sie sie 
gefunden hatten. Aber sie tten nicht alle Jungen, sondern nur die krnklichen. Aber du bist doch ein 
krftiger Bursche, aus dir kann ein richtiger Mann werden, nicht wahr? Also, was hast du vor willst 
du sterben oder tun, was sie von dir verlangen? 

Erst will ich wissen, was ich auf dieser Schule lernen soll! 


Du gefllst mir, Kleiner. Du redest, als ob du eine Wahl httest. Der Mann lchelte, es war ein 
ehrliches Lcheln. Also gut, du wirst lernen, wie man Menschen ttet, heimlich und unauffllig. Hast 
du je das Wort Assassinen gehrt? 

In seiner berraschung setzte er sich auf, zog die Beine an und legte die Arme darum. 

Ich habe davon gehrt. Sind diese Geschichten wahr, die man sich erzhlt? 

Nur zu wahr. Nun, was meinst du wrde deine Mutter wollen, da du stirbst? Wrde sie dir nicht 
raten, ja zu sagen! 

Na ja ... ich glaube, das wrde sie tun. 

Und die Stimme des Jungen erstickte in einem Weinkrampf. 

Es war noch an demselben Tag, nachdem er gebadet hatte und mit einem guten Essen und neuen 
Kleidern versorgt 

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worden war, da er zum ersten Mal einen der Meister sah. Im Imperium der Allianz gab es zwei den 
Menschen vorbehaltene Planeten, und nur, wer sich als besonders vertrauenswrdiger Diener der 
Meister erwiesen hatte, durfte auch die brigen betreten. Zwar hatte Tomaso whrend seines ganzen 
Lebens (immerhin sieben Jahre) von den Meistern gehrt, hatte Bilder von ihnen gesehen doch hatte 
er nie einem von ihnen gegenbergestanden. Das lag zweifellos daran, da er sich mit seiner Mutter 
auf der Farm der Gromutter versteckt hielt, bis zu jenem Tag, an dem sie von der Polizei aufgesprt 
wurden. Denn die H'Allevae scheuten keineswegs den Kontakt zu ihren menschlichen Untertanen, 
obwohl immer wieder einer ihrer Beamten ermordet wurde. Der Mann mit dem schwarzen Bart, Senor 
von Hartzmann, schrfte ihm ein, sich ja nicht daneben zu benehmen, und brachte ihn in einen groen 
Kuppelbau, der hchst seltsam eingerichtet war: Streben, Plattformen und Leitern aus Aluminium, die 
alle miteinander verbunden waren, bedeckten die Wnde. Auf den Plattformen und waagerechten 
Streben saen vielleicht zwanzig H'Allevae, jeder etwa eineinhalb Meter gro, mit langen, dnnen 
Armen und sehr kurzen, eigenartig gebauten Beinen. Sie trugen reichverzierte Gewnder, die geradezu 
berst waren mit Edelsteinen und Muscheln. Auf ihren haarlosen Gesichtern wlbten sich groe 
Facettenaugen ber langen, beweglichen Nasen von weier Farbe. Die Lippen darunter erinnerten so 
sehr an einen menschlichen Mund, da man meinen mochte, Menschen, die Masken trugen, vor sich 
zu haben. Auf der untersten Plattform, die immer der Platz des Anfhrers war, weil dies die 
verwundbarste Position war, sa ein besonders prchtig geschmckter H'Allev'jan. Als er sprach, war 
jedoch nichts Menschliches an dieser Stimme: ein auf- und abschwellendes, wie aus Kicherlauten 
bestehendes Singen. 

Eure Methoden haben ihn nicht brechen knnen, Senor von Hartzmann? 

Dieser Kleine, Sir, hat mehr Mumm als viele Erwachsene. Er ist widerstandsfhig, er drfte es 
schaffen. 

Der Meister drehte den Kopf einmal rasch hin und her, um Tomaso mit den smaragdgrnen 
Nebenaugen zu mustern, die an jeder Kopfseite unmittelbar ber den von Haarkrnzen umgebenen 
Ohrffnungen lagen. Er zog ein Sprhflakon aus einer Tasche seines roten und violetten Gewands und 
hllte den Jungen in eine Wolke aus slichem, blumenartigem Duft. Jahre spter erst erfuhr Tomaso, 
da dieses Duftsignal bedeutete, da er von jenem Tag an zum Clan dieses Meisters gehrte. In 
primitiven Zeiten, als die H'Allevae noch kichernd und heulend durch die Berge streiften und von 
Frchten und Insekten lebten, htte der Anfhrer ihn jeden Morgen mit seinem Urin markiert. Nur ein 
so ausgezeichnetes Clanmitglied konnte am Abend seinen Anteil an der Nahrung bekommen, die man 
den Tag ber gesammelt hatte. Nun waren die Meister (sie hatten dieses Wort nicht ohne Ironie einer 
irdischen Sprache entnommen) Herren ber ein Drittel des erforschten Raumsektors; zu essen gab es, 
soviel man wollte, und markiert wurde ein Clanmitglied nur ein einziges Mal, und zwar mit erlesenem 
Parfm. Doch an jenem Tag htte Tomaso am liebsten geniest. Er hate den sen Geruch nicht 
weniger als das schmuckbehngte Wesen, das ihn eingesprht hatte. Und in der Nacht, als er sich in 
einem richtigen Bett in den Schlaf weinte, da wurde der Duft eins mit der schluchzenden, 
verngstigten Kinderstimme, so da selbst Jahre spter, immer wenn er den kleinen Jungen tief da 
drinnen wimmern hrte, auch diese Se in seine Nase zu steigen schien. 

Aber er achtet nicht mehr auf diese Stimme, vielleicht manchmal beim Einschlafen. Fr einen kurzen 
Augenblick sprt er dann den Schmerz in den blutigen kleinen Hnden, hrt den heiseren Schrei des 
Hasses, doch nur so lange, bis sein in solchen Dingen gebtes Bewutsein diese Strung wie auf 
Knopfdruck ausschaltet. Klick, dann war angenehme Stille. Wenn er wach ist, so wie jetzt, whrend er 
die 


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H-Strae entlanggeht, nachdem er Sally Pharis' berreste in ' einen Mllbehlter hinter einem 
Restaurant geworfen hat, , da erinnert er sich nicht. Er weigert sich einfach, sich an diesen Jungen zu 
erinnern. Aber die Wut, das ist etwas anderes. Diese Wut ist ein Freund, ein hilfreicher Begleiter, der 
seinen Geist klar und wach hlt und ihn seine Bestimmung nie vergessen lt: zu tten. Als die Zeit 
kam, um die Mittagsstunde, da tat es ihm leid, da er Sally nach den schnen Stunden, die sie ihm 
bereitet hat, tten mute; aber es war die Wut, die sie ttete, die sein Messer dafr benutzte. 

Er bleibt vor dem Schaufenster eines nun geschlossenen Ladens stehen, das polarisierte Glas macht es 
zu einem idealen Spiegel, und rckt den Helm der Sonnenpelerine zurecht. Dieser Sonnenschutz ist 
eine perfekte Tarnung. Solange er nicht sprechen mu, ist er so gut wie unsichtbar, nur eines dieser 
weivermummten Gespenster, die durch die fast menschenleeren Straen unter der Glut der spten 
Nachmittagssonne huschen. Sollte die Polizei Sallys Leiche finden, bevor ihr Krper in der 
Recyclinganlage verwertet worden ist, die das kostbare Wasser wiedergewinnen soll, wer knnte dann 
sagen, welches der weien Gespenster der Tter war? Die schweren Stiefel, die unter der Pelerine 
hervorlugen, konnten ebensogut einem Lizzie wie einem Menschen gehren, obwohl er natrlich fr 
einen Carli oder einen Hpfer (wie die anderen Spezies etwas respektlos die H'Allevae nennen) zu 
gro ist. Mit einem Grinsen hinter der reflektierenden Sichtscheibe geht er weiter, ein gewhnlicher 
Brger dieser Stadt, der nichts zu verbergen hat und darum auch keinen Grund zur Eile. Als er in die 
Gasse zu dem billigen Hotel einbiegt, in dem er seine Ausrstung zurckgelassen hat, fragt er sich, ob 
berhaupt jemand die Leiche finden wird. Wahrscheinlich schon ... Die Recyclingleute paten auf, gut 
mglich also, da ihnen der merkwrdige Geruch bei jenem Behlter auffllt. Er bemerkte ihn erst, 
nachdem er Sally darin verstaut hatte; doch als er wegging, da zog es wie ein Schwaden hinter ihm 
her, ein schar- 

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fer Geruch, wie nach verdorbenem Essig. Wahrscheinlich veranlate das die Abfalltechniker, den 
Inhalt zu berprfen, denn es konnte ja etwas in dem Behlter sein, das den ganzen Inhalt verdarb und 
fr die Wiedergewinnung von Proteinen untauglich machte. Whrend er darber nachdenkt, steigt ihm 
dieser Geruch noch immer in die Nase, vielleicht haftet er noch an seinen Hnden oder dem Overall. 
Er nimmt sich vor, die hohen Gebhren fr eine Extradusche in Kauf zu nehmen, obwohl er alle diese 
Kleinigkeiten verabscheut, die unausweichlich dazu fhren, da man im Computer registriert wird und 
die Aufmerksamkeit der Hotelangestellten erregt. 

Als er das kleine, rmliche Zimmer betritt, ist der Geruch noch strker geworden. Er wirft die 
Sonnenpelerine auf das Bett, kickt seine Stiefel ber den Boden und zieht den rotbraunen Overall aus. 
Das seidenartige Gewebe ist sehr dicht, so da er den ganzen Tag tchtig schwitzen mute -und jeder 
Tropfen Schwei scheint nach Essig zu riechen, mit einem kleinen Hauch von Parfm. Sallys Parfm. 
Er wirft den Overall auf den blaugekachelten Fuboden des Bads, das kaum grer als ein 
Kleiderschrank ist - blo nicht auf den Teppichboden des Zimmers, damit er nicht den Geruch 
annimmt. Aus seiner Reisetasche holt er einen Plastikbeutel; der Overall lt sich zu einem kleinen 
und leichten Bndel zusammenrollen und pat mhelos in den Beutel. Spter wrde er sich seiner 
entledigen. 

Die Dusche und viel Seife haben den Geruch verschwinden lassen; er fhlt sich gut jetzt, ist so 
entspannt, wie er eigentlich immer ist. Sallys Gesicht hat er schon beinahe vergessen, und die Wut hat 
jedes Gefhl des Bedauerns berdeckt. Er zieht sich an, graue Shorts und ein weies Hemd, und stellt 
fest, da er immerzu ans Essen denkt. Nicht, da er hungrig wre - nein, es sind nur flchtige Bilder: 
Beien, Kauen, Schlucken, die ihm immer wieder durch den Kopf gehen. Als er sich darauf 
konzentriert, bemerkt er, da er ein Psi-Signal empfngt. Es kommt aus nchster Nhe. Er 

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setzt sich auf die Bettkante, er ffnet sich den Signalen, die auf ihn eindringen. Wer oder was auch 
immer dies sendet, es ist ein so primitives Wesen, da es nicht einmal ber Worte zu verfgen scheint. 
Nur Bilder gehen von ihm aus und dumpfe, wirre Sinneseindrcke, die nur von Essen, Schlucken, 
Verdauen handeln. Das Zimmer ist doch leer, hier ist niemand auer ihm aber dieses Wesen ist nah, 
sehr nah. Dieser Vielfra, er schmatzt, knirscht mit den Zhnen. Die Unersttlichkeit in Person. 

Das erste Mal seit vielen Jahren fhlt er Panik aufsteigen, kalte Finger auf seiner Haut oder sind es 
Zhne, die an ihm nagen? Er blockt den Gedanken ab, dieses verdammte Bild, was fr ein Unsinn ... 
Kauen, Saugen, Schlucken, diese ewige Suche nach Nahrung ... Lange genug hat er trainiert, seinen 


Geist zu kontrollieren. Nichts zu fhlen, wenn es sein mute, nichts sich vorzustellen, nichts zu 
formulieren, nur an seinen Atem zu denken und sonst nichts. Aber jetzt erscheint ihm sein Atmen wie 
Essen, ein Verschlingen von Luft, ein Einsaugen und Verdauen von Sauerstoff. Die Panik bemchtigt 
sich seines Verstandes. Mit einem lauten Fluch springt er auf die Fe, doch auch der Fluch beschreibt 
nichts anderes als die Ttigkeit der Verdauung, die Ausscheidung. Das uere, sichtbare Resultat der 
unsichtbar im Krper ablaufenden Verdauung. 

Das Signal wird strker. Er zittert nun, ganz allein in diesem Zimmer mit dem abgewetzten 
Teppichboden, den Purpurblumen auf den Vorhngen, die die Stoffbahnen hinunterrieseln zu 
scheinen, ohne sich doch zu bewegen. Der Essiggeruch ist wieder da. 

Er wei es noch nicht, aber alle Umstnde, die es braucht, sind eingetreten, da der Wahnsinn Besitz 
von ihm ergreifen kann. 

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Von Laceys Anruf erfhrt Bates erst eine Stunde vor Sonnenuntergang, als er in sein Bro 
zurckkehrt; er hat sich nicht nehmen lassen, den Autopsiebericht ber Ward eigenhndig beim 
Gerichtsmediziner abzuholen. Eigentlich hat er vorgehabt, ein wenig zu schlafen, doch ffnet er statt 
dessen die mit einer Sperre versehene Schreibtischschublade und nimmt sich einige von den 
verbotenen Pillen ein berbleibsel von jenem Schlag gegen einen Drogenring, einige Monate zurck. 
Das wird gengen, ihn fr den jetzt beginnenden Arbeitstag wach und bei Konzentration zu halten. Er 
splt sie mit Mineralwasser hinunter und bespricht sich mit dem Mann in der Einsatzzentrale. 

Okay, Ricardo. Ich mu da einer Sache nachgehen, bei A-bis-Z-Unternehmungen. Das ist in einer 
Seitenstrae der D-Strae, gleich bei den Toren zum Raumhafen. 

In Ordnung, Chef. Ich werde alle Meldungen an Ihr tragbares Terminal durchgeben. 

Whrend er in Richtung Porttown fhrt, fragt er sich, ob es richtig ist, sich an Lacey zu wenden. Er 
hat es, Lacey fragen zu mssen weil ihre Hilfe so ntzlich ist, da er sie nicht ber Gebhr 
beanspruchen mchte. Er wei auch genau, da sie auf die Polizei nicht gut zu sprechen ist und 
mglicherweise jede weitere Zusammenarbeit verweigert, wenn er ihr lstig wird. Auerdem - wenn 
sich herumsprechen sollte, da sie der Polizei Tips gibt, dann wrde ein guter Teil ihrer Quellen 
versiegen. Auf der anderen Seite geht es um Mulligan, einen Freund von ihr, und er kann auf die 
Gefahr hinweisen, in der er schwebt, wenn sie sich strubte. 

Als er beim Lagerhaus angekommen ist, fhrt Nunks ihn gleich herein und bringt ihn durch den 
Garten zur Treppe von Laceys Wohnung. Durch das ppig wuchernde Grn zu spazieren ist erholsam, 
verschafft ihm eine kleine Atempause. Ein Glck, da die meisten denkenden Wesen ganz 

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andere Interessen als Mord und Totschlag haben ... Am anderen Ende des Gartens erblickt er ein 
atemberaubend schnes Mdchen, ein Purpurschimmer auf dem Haar, das eifrig damit beschftigt ist, 
Tomatentriebe an Drhten zu befestigen. Bates bleibt stehen, kann den Blick kaum abwenden von ihr, 
doch Nunks lt ein leises Brummen hren und drngt ihn mit unwirscher Geste, weiterzugehen. 

Schon gut, mein Lieber, sagte Bates, ich habe kapiert. Ich soll sie in Ruhe lassen ... Ein Jammer. 

Nunks' Brummen wird zu einem bsen Knurren, und Bates lt das Thema fallen. 

In einer Ecke von Laceys Wohnzimmer schnarcht Mulligan vor sich hin; wie ein Bndel schmutziger 
Wsche liegt er auf dem Fuboden. Nur kurz fragt sich Bates, wie ein menschliches Wesen derart 
zusammengekrmmt schlafen kann, dann wendet er sich Buddy zu, der ihn anblinkt und summt, denn 
seine Butler-Funktion ist jetzt aktiviert. 

Guten Abend, Chief Bates. Ich habe Laceys Wecker eingeschaltet, sie wird gleich hier sein. Bedienen 
Sie sich doch an der Bar, wenn Sie mchten. 

Danke, Buddy, diesmal verzichte ich. Hat sie dich beauftragt, etwas ber diesen Carli-Mordfall 
herauszufinden? 

Meine Programmiererin hat mich nicht ermchtigt, darber zu sprechen. 

Klar. Erst will sie sich ein Pfund von meinem Fleisch herausschneiden, nicht? 

Buddy blinkt ganz aufgeregt. 

Ich denke nicht, da meine Programmiererin zum Kannibalismus neigt. 

War nur ein Scherz. Vergi es ... Kannst du mir sagen, ob Mulligan schon lange hier ist? 

O ja, das sind keine vertraulichen Daten. Er ist hier, aktiviert und inaktiviert, seit insgesamt 
neunundzwanzig Stunden. 

Gut. Wenn er aufwacht, dann la ihn nicht gehen. 

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Meine Programmiererin hat mir einen hnlichen Befehl gegeben. 

In diesem Moment kommt Lacey aus ihrem Schlafzimmer geschwankt, die Haare wie Stroh nach allen 
Richtungen, die Augen rotumrandet. 

Keine Zeit zum Schlafen, Lacey? 

Nur zwei Stunden, hchstens zweieinhalb. Setzen Sie sich, Chief. Mulligan scheint das Sofa ja nicht 
mehr zu brauchen. 

Schlft er immer wie so ein Gummiakrobat? 

Wie, zum Teufel, soll ich das wissen? 

Ach, Entschuldigung ... So hab' ich's nicht gemeint. 

Sie wirft ihm einen wirklich bsen Blick zu und stolpert zur Bar hinber, dreht den Wasserhahn auf 
und benetzt sich das Gesicht. Und Bates verflucht sich im stillen fr seine Taktlosigkeit. Das muten 
die Hyperpillen sein, die nun langsam zu wirken begannen. 

Was kann ich fr Sie tun, Chief? Sie kommt zurck und lt sich auf den Lehnstuhl vor ihrem 
Schreibtisch fallen. Geht es um die beiden Carli-Morde? 

Genau das. Aber inzwischen gibt es noch eine Leiche, diesmal ein Mensch. Einer meiner besten 
Beamten, verdammt! 

Tut mir leid fr Sie. Nun schwingt Mitgefhl in ihrer Stimme, ebenso spontan und echt wie ihre 
Verrgerung eine Minute zuvor. Einen guten Mann zu verlieren ist hart. 

Ja, das ist es. Er blickt zur Seite. Ich werde Sie nicht fragen, was Sie wissen, und auch nicht, woher 
Sie es wissen. 

Gracias. Dann knnen wir vielleicht ins Geschft kommen. Ich denke, da das der Grund fr Ihren 
Besuch ist. 

Ja sicher, aber ich kann nicht handeln, was den Preis angeht. Wir haben feste Tarife fr unsere 
Informanten. 

Oh, an so etwas Gewhnliches wie Geld habe ich gar nicht gedacht. 

Woran denn sonst? 

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Sie wirft ihm ein kurzes, belustigtes Lcheln zu, das sie wie eine Fnfzehnjhrige aussehen lt. " 

Es gengt mir vorerst, wenn Sie in meiner Schuld stehen. Ich werde dann bei Gelegenheit darauf 
zurckkommen. 

Nun ist die Falle zugeschnappt. Bates zgert. Wenn er etwas berhaupt nicht mag, dann ist es so ein 
Damoklesschwert ber seinem Kopf; aber weigert er sich, dann knnte sie ihn abblitzen lassen. 

Nun ... Dann machen wir es auf diese Art. Wissen Sie, was Ihr Problem ist, Lacey? Sie langweilen 
sich, seit Sie im Ruhestand sind. Warum, in aller Welt, kommen Sie nicht zu meiner Truppe, da gibt's 
Arbeit genug. 

Vielleicht tu ich das eines Tages. Also, was wollen Sie wissen? 

Das wei ich noch nicht so genau, am besten fangen wir mit Sally Pharis an. Sie ist mglicherweise 
eine wichtige Zeugin. 

Ach ja, Buddy hat mir gesagt, da Sie um ihr Leben frchten. Haben Sie sie gefunden? 

Nein, wir haben nicht die geringste Spur von ihr. 

O nein ... Herr im Himmel. 

Genau das meine ich, verdammt. 

Gut, dann wre es das beste, wenn ich mich auf die Suche nach ihr mache. 

Ich habe gehofft, da Sie das sagen werden, genau das. Auch Mulligan steckt mit drin, doch drfte er 
hier einigermaen sicher sein. Nunks wrde bestimmt niemanden hereinlassen, der seinem Freund 
gefhrlich werden kann. 

Auerdem kann Mulligan auch selbst spren, wenn jemand hinter ihm her ist. Aber was ist mit Ihrem 
Beamten passiert? 

Es schmerzt, darber zu reden, doch Bates erzhlt die Geschichte ruhig und ohne Stocken und lt 
auch die Feststellung des Gerichtsmediziners nicht aus: da der Tter ungewhnlich krftig sein 
mute, um die Kehle mit einem Schnitt so tief aufzuschlitzen. Und dann kommt er in Fahrt 

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und berichtet Lacey alles, was er ber den Fall wei. Whrend er redet, huschen ihre Finger ber diese 
altmodische Vorrichtung, eine Tastatur. Der Bildschirm lt merkwrdige Lichtreflexe ber ihr 
Gesicht tanzen. 

Haben Sie das Fernsehen informiert? Kommt es in den Abendnachrichten? fragt sie schlielich. 


Am hellen Tag sind nicht viele Leute unterwegs, und dieser Killer mte doch aufgefallen sein, 
madre! Was fr eine Methode, Leute umzulegen! Wer ihn gesehen hat, wird ihn in Jahren nicht 
vergessen, das wette ich. 

Fr den Rest seines Lebens nicht! Ich frage mich, ob es einen Grund gibt, da er ausgerechnet ein 
Messer benutzt ... Es ist lautlos, aber das sind die Laser des Militrs auch, und ich bezweifle nicht, da 
man sie auf dem Schwarzen Markt kaufen kann, wenn man die richtigen Verbindungen hat. 

Lacey lchelt kurz und wendet sich wieder dem Bildschirm zu. 

O Mann! sagt sie unvermittelt. Danke, Buddy. Sie dreht sich zu Bates. Er hat mich gerade an 
etwas erinnert, das vielleicht wichtig ist. Sie erinnern sich an Mulligans Anfall? Als er versuchte, bei 
dieser ersten Leiche zu lesen? Sicher. Hat Buddy herausgefunden, was schiefging? Er hat ins 
Schwarze getroffen. Ist ber eine Verffentlichung des Nationalen Parapsychologischen Instituts 
gestolpert, in der zu lesen ist, da es nicht ausgeschlossen ist, direkt auf die Psi-Fhigkeiten anderer 
Paras einzuwirken, sie zu blockieren und auch noch die Erinnerung an die Blockade auszulschen. 
Mulligan konnte sich nicht an das geringste erinnern, als er zu sich kam. 

Du lieber Himmel! Aber mu nicht jemand ziemlich nahe sein, um so auf einen anderen Para 
einwirken zu knnen? Verdammt nahe. Nicht weiter als irgendein Gaffer in der Menge um den 
Tatort. 

Bates lt einen knappen, aber um so unbeschreiblicheren Fluch hren. Als sein Blick auf Mulligan 
fllt, bemerkt er, 

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da er wach geworden ist und sich aufsetzt, um ihnen zuzuhren. Sein Gesicht ist totenbla, die Augen 
geweitet wie die eines staunenden Kindes. 

Versuche mich zu erinnern, wissen Sie, sagt er. Es schmerzt hllisch. 

Ja, Buddy hat gesagt, da das die Folge der Blockade ist. 

Dann mu es jemand sein, der seinen Eid gebrochen hat. Mulligan wird ganz aufgeregt. Ich meine: 
Wenn man registriert wird, mu man die Eidesformel unterschreiben. Und der erste Satz heit, da 
man nie jemanden durch seine Psi-Fhigkeiten verletzen wird. 

Als ob einer, der rumluft und Kehlen durchschneidet, sich wegen eines lausigen Eids den Kopf 
zerbrechen wird, sagt Bates schroff, und sofort tut es ihm leid, als er sieht, wie Mulligan 
zusammenzuckt. Nun, jedenfalls scheint es ein einzelner zu sein und keine ganze Bande. 

Ja, aber ich glaube, Mulligan ist da einer wichtigen Sache auf der Spur, Chief. Sehen Sie, dieser 
Aufsatz aus dem Parapsychologischen Institut ist doch sehr theoretisch, jedenfalls keine 
Gebrauchsanweisung. Das knnte doch heien, da wir es mit einem Para zu tun haben, der nicht hier 
in der Republik ausgebildet wurde? . Wo dann? Auf einem Planeten, von dem wir noch nie gehrt 
haben bei den kleinen grnen Mnnchen vielleicht? Das wird ja immer schner! ... Tut mir leid, ich 
hab' diesen Tag kein Auge zugemacht, ich wollte euch nicht krnken. 

Kein Schlaf und eine Purpurpille, hab' ich recht? Lacey wirft ihm ein Lcheln zu. Da sollte man 
ein bichen vorsichtig sein, Chief. Es hat doch sicher einen Grund, da sie verboten sind, nicht wahr? 

Bates macht ein finsteres Gesicht. 

Aber zur Sache, fhrt Lacey fort, es macht Sinn: ein Mrder mit Psi-Fhigkeiten. Das ist der 
Grund, warum er die Leiche mitten auf der Plaza zurckgelassen hat; sie sollte rasch gefunden werden, 
so hatte er auch Gelegenheit, den 

von der Polizei herbeigerufenen Para zu manipulieren. Ich meine, je lnger er sich dort aufhielt, desto 
grer war die Wahrscheinlichkeit, da er jemandem auffiel. Also mute der Tote mglichst bald 
entdeckt werden. Und da kam auch schon der arme Ward, gab Alarm, dann tauchte Mulligan auf - 
besser konnte es gar nicht funktionieren. Er versetzte Mulligan diesen Schock und verschwand dann in 
der Menge. Und Sie standen da und trauten sich nicht, einen anderen Para an diese riskante Sache 
ranzulassen. 

Ja, natrlich, wie konnte ich! Mulligan, ich habe fast einen Herzschlag gekriegt ... So weit, so gut. 
Dann hat er Ward gettet, denn es war ihm nicht entgangen, da der Sally Pharis gesehen hatte und sie 
als Zeugin benennen konnte ... Nein, es geht nicht auf. Das konnte er nicht wissen! 

Sie haben doch sicher eine Meldung an alle Dienststellen und Streifen durchgegeben? Eine Menge 
Leute hrt den Polizeifunk ab. 

Ja, aber es ist doch unlogisch, da er Ward gettet hat, nachdem er Sally identifiziert hatte. 

Verdammt richtig! 

Wenn er ein Para ist, meldet sich Mulligan zu Wort, braucht er nicht den Funkverkehr abzuhren, 


um an Sally heranzukommen. 

Als Lacey und Bates sich zu ihm umdrehen und ihn anstarren, verstummt Mulligan verlegen. 

Nun mach schon, sagt Lacey, wie meinst du das? 

Na ja ... nehmen wir an, er macht sich nach der Tat aus dem Staub. Er bemerkt, da Sally ihn gesehen 
hat, aber er kann fr den Augenblick nichts tun vielleicht, weil Ward gerade auftaucht oder andere 
Leute. Also merkt er sich Sallys Aura. Es ist nicht leicht zu erklren; man kann sich eine Vorstellung 
von einem fremden Bewutsein machen, die so unverwechselbar ist wie ein Geruch. Jeder hat so eine 
Aura, man kann sie sogar aus einer Menschenmenge herausfiltern. Also hat er sich erst um mich 
gekmmert, dann hat er sich auf den Weg gemacht, Sally zu finden. Er konnte aber nicht wissen, da 
Ward Sallys Namen schon weitergegeben hatte, so etwas ist unmglich. 

Dann sind wir also wieder bei unserem Killer mit Psi-Talent, sagt Bates. Shit. 

Wirklich bel, sagt Lacey. Aber es hat den Vorteil, da wir nur fr einen einzigen Mord ein Motiv 
finden mssen, nmlich den Mord an Ka Gren. Durch die anderen beiden Morde wollte der Killer 
seine Spuren verwischen. 

Gut. Damit knnten wir recht haben, ich mchte es fast glauben. Aber sicher habe ich nicht die 
geringste Chance, euch zum Stillschweigen zu verpflichten? 

Warum? Weil Ka Gren von der Konfderation bei der Allianz herumspioniert hat und Sie 
diplomatische Verwicklungen frchten? 

Woher, zum Teufel, wissen Sie das? 

Bis eben wute ich es nicht. Es war nur logisch, und Sie sind mir prompt in die Falle getappt. 

Einen Moment ist Bates sprachlos; er wei nicht, ob er wtend sein oder diese Frau bewundern soll. 

Nun tun Sie nicht so. Darauf htte doch jeder kommen knnen. Dieser ganze verfluchte Planet wei 
doch, da die von der Allianz und der Konfderation fast nur zu dem Zweck hier sind, um sich 
gegenseitig auszuspionieren. Lacey unterbricht sich, um Buddy etwas einzutippen. Warum regen 
Sie sich denn auf? 

Bates holt tief Luft und sagt sich, da sie ja recht hat. Einige Minuten ist sie damit beschftigt, einen 
Text auf dem Bildschirm zu lesen, und Mulligan lt sie nicht aus den Augen. 

Okay, Chief, sagt sie schlielich, ich habe was fr Sie wenn Sie die Hand auf einen ganzen Stapel 
Bibeln legen und schwren, da Sie nicht fragen werden, woher ich es habe. Es sind sogar zwei 
Dinge. 

Zwei Stapel und noch einen Koran obendrauf. 

Fein. Sie macht eine Pause, tippt, liest, gibt wieder 

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etwas ein. Erstens: Seit einigen Wochen verfolgen die Alliierten die Spur eines Objekts, das sich auf 
einer Umlaufbahn um die Sonne befindet. Mein Informant wei nicht genau, was es ist. Was seine 
Gerte messen knnen, lt auf einen Kometen oder etwas, das sich auf einem Kometen befindet, 
schlieen. Nehmen wir an, da Ka Gren davon wute und mehr herausfinden wollte. Das ist sicher 
weit hergeholt, klar, aber es ist unsere einzige brauchbare Vermutung. 

Es reicht jedenfalls aus, um bei seiner Botschaft ein paar Andeutungen machen zu knnen. Und was 
ist das andere? 

Es hat vielleicht mit den Morden nichts zu tun, aber ich wette, da es mit der anderen Sache 
zusammenhngt. Drauen im Rattennest gibt es ein frisches Grab. Ein paar dieser Irren haben ein 
Vernunftwesen gettet, und ich wette alles, was ich habe, da es zu einer noch nie gesehenen Spezies 
gehrt. Knnen Sie dafr sorgen, da es exhuminiert wird? 

Nichts leichter als das! Knnen Sie Buddy sagen, da er fr mich telefonieren soll? Ich will es sofort 
erledigen. Woher wissen Sie ... Entschuldigung, ich werde mein Versprechen halten. 

Gut. Dann werde ich Ihnen einen Plan geben, mit dem Sie die Stelle finden knnen. Und vergessen 
Sie nicht, genug Bewaffnete mitzunehmen. Die Irren werden glauben, da Sie den Teufel wieder 
ausgraben. 

Nunks ist berrascht, wie ausdauernd Maria arbeitet. Es hat etwas Energisches, fast Wildes, wenn sie 
sich ber einen Tomatenstock bckt und mit vor Konzentration grimmigem Gesicht die Klettertriebe 
am Maschendraht befestigt zuerst herumwindet, dann mit einer dnnen Schnur festzurrt. Als wre 
diese Arbeit das Heilmittel, das sie braucht, um die Erinnerung an ihr frheres Leben loszuwerden. 
Weil sie gewisse Psi-Fhigkeiten hat, kann Nunks einiges aufschnappen, was in ihrem Kopf vorgeht; 
ein wahrer Tumult, ein Hin und Her aus ngsten, die letztlich darin gipfeln, da 

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ihr Zuhlter auftauchen wird, um sie aus diesem eher gewhnlichen Leben, das ihr wie eine Idylle 
erscheinen mu, zu reien und sie in die muffige kleine Absteige am anderen Ende von Porttown 
zurckzubringen. Nunks mchte sie gerne beruhigen, aber sie kann natrlich seine Gedanken nicht 
lesen noch nicht, jedenfalls. Das macht ihn nervs, und in seiner Ungeduld sucht er nach einem Signal 
von Mulligan, findet heraus, da er wach ist und da Chief Bates noch immer in Laceys Bro ist. 
Nachdem Mulligan ihm erklrt hat, da die Polizei sich von den Zuhltern bestechen lt, ist er auf 
Bates sehr schlecht zu sprechen. Wenn er nur schon verschwunden wre ... 

Mulligan hat jedoch seinen Kontaktversuch bemerkt und meldet sich jetzt. 

Groer Bruder: Braucht mich? Mu mit Lacey reden. Aber: Polizei mu weg. Gut. Aber: Wenn 
Polizist geht, Lacey geht. Verrgerung. Kann Lacey warten? 

Kann nicht warten. Groer Bruder: Frau mit Namen Sally, Freundin von Lacey, in groer Gefahr. 
Angst. Messer, Kehle. Lacey mu finden, unbedingt finden, bevor. 

Schock. Verstehe, kleiner Bruder. Spter reden mit Lacey. Mit dir frher oder auch spter reden ? 
Frher. Sie gehen. Ich bleibe. Erleichterung. 

Nunks berlt die Tomaten der fleiigen Maria. Langsam geht er durch den Garten, der fast reglos-
leblos in der spten Abenddmmerung liegt. Bald wird er die Schwebelampen aufsteigen lassen, damit 
seine Helfer ihre Nachtarbeit nicht unter dem Geflacker des Nordlichts tun mssen, doch fr den 
Augenblick geniet er den Sonnenuntergang aus Orange und Aprikosengelb, mit einigen roten Tupfen 
dazwischen. Der junge Rick, der Deserteur der Allianz-Flotte, kommt die Treppe herunter, er ghnt 
und streckt sich. Heute abend ist er pnktlich, kein Wunder nach diesem Rffel, den Lacey ihm 
gestern verpat hat. Zwar ist der 

118 

Junge Nunks uerst unsympathisch, doch macht es die Aussicht ertrglicher, da er sich in ein, zwei 
Tagen mit seinen falschen Papieren davongemacht haben wird. Er hat auf der Montana einen Posten 
als Kommunikationstechniker bekommen. 

Was soll ich heute nacht machen, Nunks? 

Nunks zeigt erst auf eine Schaufel, die an der Wand lehnt, dann auf den Komposthaufen, der 
umgeschichtet werden mu. Rick sthnt und macht sich an die Arbeit. Nunks sieht ihm eine Weile zu: 
ein sehr groer Bursche, mit krftigen Schultern und langen Armen. Er besitzt eine Laserpistole, die er 
bei seiner Flucht hat mitgehen lassen. Eigentlich sollte er einen hervorragenden Beschtzer fr Maria 
abgeben, wenn tatschlich ihr von Drogen aufgeputschter Zuhlter auftauchen sollte. Dafr mute 
gesorgt sein, denn Nunks hat vor, mit Mulligan und Lacey zum Rattennest hinauszufahren, sobald das 
brige erledigt war. Noch immer sprt er diese Verzweiflung des fremden Wesens, es ist wie der 
metallische Nachgeschmack eines Giftes in seinem Mund. 

Kurz darauf kommen Bates und Lacey geruschvoll die Treppe herab. Sie lt den Chief vorauseilen 
und bleibt stehen, um mit Nunks zu reden. Ihre Lippen sind sehr schmal, so aufgeregt und beunruhigt 
hat er sie noch nie gesehen. ber Shorts und Bluse trgt sie eine dunkelblaue Jacke, ein Teil ihrer 
Flottenuniform. Darunter kann sie sehr gut ihre Laserpistole verbergen. 

Nunks, mir ist eingefallen, da du mir etwas sagen wolltest. Kann das warten? 

Er nickt, macht eine wegwerfende Handbewegung, damit sie versteht, sie solle sich darber keine 
Gedanken machen. 

Gracias. Mulligan hat mir gesagt, da du das von Sally schon weit, aber es geht nicht nur um sie. Da 
scheint so ein Irrer in der Stadt herumzulaufen, der reihenweise Leute umbringt. Nunks wirst du bitte 
auf Mulligan aufpassen und ihn nicht aus den Augen lassen? 

Nunks nickt wieder und ttschelt ihr beruhigend die 

119 

Schulter. Er beschliet, die einzige Tr zum Garten zu verschlieen und Rick dort als Wache zu 
postieren, die Pistole in der Hand. Nach allem, was er wei, suchen Irre das leichte Opfer und gehen 
einem Kampf aus dem Wege. 

Es gab in Porttown zwei Einkaufsviertel. Das eine, nicht weit von A-bis-Z-Unternehmungen, ist fr 
Raumfahrer und Touristen gedacht und bietet alle die Attraktionen, die man berall auf der Welt an 
solchen Pltzen findet: viel zu teure Restaurants, Souvenirlden, Bars, Sex fr jeden Geschmack, und 
hier und da natrlich auch ein Geschft, in dem der Reisende ntzliche Dinge wie Handtcher und 
hnliches kaufen kann. Die Bewohner von Porttown, gleich welcher Spezies, nennen dieses Viertel 
>Basar< und machen einen groen Bogen darum, wenn sie nicht gerade mit einem dieser 
Unternehmen zu tun haben, dessen Zweck darin besteht, die Fremden um ihr Geld zu erleichtern. Fuhr 


man dagegen um den Hafen herum bis zur anderen Seite von Porttown, dann kam man in das andere 
Einkaufsviertel, grtenteils an der Strae F-Nord gelegen. Dort kaufte man Ultraschallduschen, dort 
gab es Lebensmittelmrkte, Reparaturwerksttten fr Gleiter und viele andere ganz profane oder schon 
etwas speziellere Dienstleistungen wie die Kneipe an der Ecke oder den Dealer mit allen nur 
gebruchlichen Drogen. Da man an der F-Nord niemals einen Parkplatz findet, lt Lacey ihren 
Gleiter zu Hause und fhrt mit der U-Bahn. 

Little Joe hat so eine Bemerkung gemacht, da Sally gerade umgezogen sei, in eine Wohnung ber 
einem Lizzie-Restaurant, doch hat er nicht gesagt, wie es heit. Weil diese Restaurants auch bei 
Menschen sehr beliebt sind, gibt es allein an der F-Nord eine Menge davon, und es ist keineswegs 
ungewhnlich, da oben drber noch ein paar Wohnungen liegen. Lacey steigt an der 
Dreiundzwanzigsten Strae aus und geht einen Block weit, bis zu einer Kneipe, die >Freier Fall< heit 
und ihrer Tante Maureen gehrt. Ihre 

120 

Tante ist eine groe, etwas plumpe Frau mit blonden Haaren und einer ewig roten Unterlippe, weil sie 
immerzu Kaukraut im Mund hat. Maureen war schon vierzig, als das Verjngungsmittel endlich 
einsatzbereit war, so da sie nun mit Krhenfen um die Augen und einigen Falten um die Lippen 
herum leben mu, doch - wie sie zu sagen pflegte -war das fr eine versoffene Schlampe von siebzig 
gar nicht so bel. 

Lacey findet sie hinter dem knallroten Plastbetontresen, an dem es noch eine richtig schne 
Haltestange aus Messing gibt: Das schafft eine vllig andere Atmosphre in diesem Raum. Auf dem 
riesigen 3-D-Fernsehschirm, der eine ganze Wand einnimmt, luft ein Baseballspiel, eine bertragung 
von irgendeinem anderen Planeten, und die meisten Gste schauen zu, whrend sie ihr Alfalfa-Bier 
trinken. Hier und da hrt man einen unterdrckten Fluch, wenn ein Wurf danebengeht. Lacey sucht 
sich ein freies Pltzchen an der Bar, bestellt beim Robotkellner einen Whisky mit Soda und wartet, 
da Maureen sie bemerkt. 

Bobbie! Donnerwetter! Aber sag mal, bist du krank? Wie kommst du darauf? 

Du trinkst den Whisky mit Wasser. Steck deine verdammte Karte wieder ein, das geht auf meine 
Rechnung. Aber nein, ich werde nicht mit dir streiten! ... Was treibst du denn hier? 

Ich suche eine Freundin. Sie ist gerade umgezogen, und ich habe weder ihre neue Telefonnummer 
noch die Adresse. Aber ich mu sie unbedingt finden. Geschftlich, ich kenn' dich doch. So 
ungefhr. Lacey beugt sich zu ihr hinber und flstert. Sally Pharis, weit du. 

Ich hab' gehrt, da die Grnen wie der Teufel hinter ihr her sind. 

Hr zu, das ist nur zu ihrem Schutz. Sie ist in groen Schwierigkeiten. Ein Killer ist hinter ihr her. 
Oh. Maureen beginnt sich mit dem rotlackierten klei- 

121 

nen Finger an der Oberlippe zu kratzen, ohne dabei dem Leberfleck am Mundwinkel zu nahe zu 
kommen. Also, kein Mensch wei, wo sie ist. Ibrahim war hier, gerade als ich aufgemacht habe, und 
trank ein paar Glser Gin. Er war stinksauer und sagte, da sie den ganzen Tag nicht nach Hause 
gekommen wre. Vielleicht hat sie einen Kunden fr einen ganzen Tag gehabt, sage ich ihm. Ja, sagt 
er, aber normalerweise ruft sie mich in so einem Fall an. Nun hr mal, sage ich, wie stellst du dir das 
vor? Da sie dem Freier sagt: >Nun mach mal Pause, Liebling, ich mu eben telefonieren. Das macht 
dir sicher nichts aus?< Da hat er ausgetrunken und ist gegangen. Keine Ahnung, wohin. 

Von drauen kommt ein langgezogenes, tiefes Grollen: Ein startendes Schiff lt die Triebwerke an. 
Sie warten wie gewohnt; Lacey nimmt einen Schluck Whisky. Man brauchte nur den Satz, den man 
hatte sagen wollen, im Gedchtnis behalten, bis das Schiff verschwunden war. Dann konnte die 
Unterhaltung ganz normal weitergehen. 

Hat ihn jemand gesehen seither? 

Nicht da ich wte. 

Scheie! 

Maureen ist erschrocken; es ist selten, da Lacey flucht. 

So schlimm, Se? \ 

Genau das. Kann sein, da sie jetzt beide tot sind. Hr mal, wenn Sally oder Ibrahim hier auftauchen 
oder irgend jemand, der wei, wo sie sind, dann sollen sie sich an die Polizei wenden. 

Herr im Himmel, das werd' ich tun. Sallys Wohnung ist ber einem Laden, der >Knusperhuschen< 
heit. Ist unten an der Fnfzehnten, gleich an der Ecke zur F. Aber ob sie jetzt da ist ... 

Darauf wrde ich auch nicht wetten, aber ich werde reinschauen. Danke fr den Whisky. 


Gern geschehen. Du solltest deine arme alte Tante fter besuchen. 

Werde ich machen. 

122 

Lacey winkt und eilt davon. Warum nur geht es ihr so auf die Nerven, da jemand aus ihrer groen 
Verwandtschaft sie >Bobbie< nennt, was schlielich ihr richtiger Vorname ist. Aber immerhin fngt 
Maureen nie mit dem alten Familienkram an, was die Lieblingsbeschftigung des ganzen brigen 
Clans ist und auch der Grund, warum Lacey sich von ihnen fernhlt. Die ganzen Jahre hat sie ihre 
Kindheit so gut es ging verdrngt. Obwohl es in Porttown nicht gerade ein Nachteil war, einen Vater 
zu haben, der die meiste Zeit im Gefngnis sa - sie hate es, und sie hate ihn dafr. Und auch fr 
sein Gerede, diese endlose Grotuerei, diese Plne, die immer so klglich endeten: An der 
Wohnungstr standen Polizisten, um ihn zu holen, oder um seiner Frau Bescheid zu sagen, da sie ihn 
schon hatten. Zweimal sogar hatte die Rehabilitationsbehrde ihn fr geheilt erklrt; in einer anderen 
Stadt der Polarregion sollte er, mit einem richtigen Job, ein neues Leben beginnen - und beide Male 
endete es damit, da die Familie nach Polar City zurckkehrte, um bei Verwandten Zuflucht zu finden, 
whrend er wieder im Knast sa. Als die Mutter endgltig genug hatte, war Lacey erst dreizehn, aber 
sie kann sich noch gut an das Gefhl der Erleichterung erinnern, als sie wute, da Daddy nie wieder 
nach Haus kommen wrde. Damals hatte Tante Maureen sie in ein Restaurant gefhrt, wo es 
Hamburger mit echtem Rindfleisch gab, um die Scheidung zu feiern. 

Sie bleibt einen Augenblick stehen, vor dem Schaufenster eines Gebrauchtkleiderladens der 
Wohlfahrt: Kleidung, die die wohlhabenden Schwarzen nicht mehr tragen wollten, die weit ab vom 
Lrm des Hafens mit seinen Abgasen wohnten. Ihre Mutter hatte die Kleidung fr die Kinder hier 
besorgen mssen, wie so viele andere Mtter in Porttown. Auch das war etwas, was Lacey hate. Die 
Flotte war die Mglichkeit, dem weien Ghetto zu entkommen: Am besten meldete man sich, sobald 
man das Mindestalter erreicht hatte, dann bemhte man sich um musterhafte Fhrung, danach war der 
Platz in der Kadettenschule zum Greifen nahe. Sie 

123 

sieht sich um: die schmutzigen Straen, die Kinder mit dem Ball, die um den Betrunkenen 
herumturnen mssen, der der Lnge nach vor dem Postamt liegt; dieser mde Blick der Frauen, die an 
einer Ecke stehen und tratschen. Und sie wundert sich, warum sie nach ihrem Ausscheiden aus dem 
Dienst nach Porttown zurckgekommen ist, wo ihr doch jeder andere Planet der Republik 
offengestanden htte. Vielleicht, denkt sie, htte sie sich einfach nicht wohl gefhlt, dort, wo das 
Leben angenehmer war - immer die Angst, ihren gutsituierten Nachbarn nicht fein genug zu sein. Aber 
vielleicht war Bates der Wahrheit viel nher gewesen, als er dachte: Vielleicht htte sie sich in einer 
ruhigen, gepflegten Stadt, deren Brger sich an die Gesetze hielten, ganz schlicht zu Tode gelangweilt. 
Und als sie zum Nachthimmel aufschaut, ber den Nordlichter unaufhrlich ihre Bonbonfarben 
Flickern lassen, wird ihr bewut, da Polar City einer der wenigen Orte im erforschten Raumsektor ist, 
an dem man auch bei Nacht die Sterne nicht sehen kann. Vielleicht war es das. Sie mute nie in einen 
sternenbersten Himmel starren und wehmtig an die Weite, die erhabene Groartigkeit des endlosen 
Alls denken. 

Mit einem Achselzucken verscheucht sie die trben Gedanken und geht weiter. Nun ist es ein anderes 
Schaufenster, ein winziges Ldchen, in dem es Kaukraut, Kekse und ein kunterbuntes Allerlei zu 
kaufen gibt - alles, was Mister Chen billig hat auftreiben knnen. Kindersocken (heute besonders 
gnstig), Schreibpapier und Kugelschreiber fr die Leute, die sich nie im Leben einen Computer 
leisten knnen. Dann kommt sie zu dem Spirituosengeschft, wo man im Hinterzimmer die 
Wohlfahrtsschecks gegen eine Provision von zehn Prozent ohne Umweg in Alkohol umsetzen kann. 
Wieder eine winzige Ladenfront, hinter der sich eine Moschee verbirgt - fr die wenigen Jnger 
Allahs in diesem Morast von Unglubigen. All das scheint sich seit ihren Kindertagen kaum verndert 
zu haben, dreiig lange Jahre ist das her. Scheint es nur so, oder nderte sich hier nie etwas? 

124 

Oder sind die Mglichkeiten der Vernderung jenen vorbehalten, die genug Geld haben, um neue 
Geschfte zu erffnen, neue Lden zu beziehen - nichts fr jene, die ber die Jahre hinweg die alte 
Ladentheke, dieselben Waren und auch die Schulden in der Familie weiterreichen. 

Die Erfolgreicheren konnten sich natrlich auch das Verjngungsmittel leisten, und so sehen sie noch 
immer aus wie damals, so wie auch sie noch Gesicht und Krper jenes Mdchens hat, das sich bei der 
Flotte einschrieb. Niemand sieht ihr an, da sie auf die Fnfzig zugeht. Einige winken ihr zu, als sie 
vorbeigeht: He, ist das nicht Bobbie Lacey? Das ist ja ein Ding ... Schn, dich zu sehen. Hast du 


immer noch Onkel Mels alten Schuppen? Und die Antwort heit natrlich: Ja, sicher habe ich das, 
whrend sie lchelnd weitergeht und sich fragt, ob jemand von diesen Mnnern und Frauen, oder auch 
Lizzies, irgend etwas getan oder gesehen hat, das die Aufmerksamkeit von Ka Grens Mrder erregte. 
Wie Bates ist auch Lacey in groer Sorge, nicht ihretwegen, nein, sie frchtet fr die ganze Stadt. Ein 
unglaublich geschickter Killer ist entschlossen, seine Spur zu verwischen - koste es so viele Leben, 
wie es wolle. 

Das >Knusperhuschen< ist gleich das dritte Haus in der Fnfzehnten; fr ein Lizzie-Restaurant ist es 
ziemlich gro, mit einer blitzblanken glsernen Fassade. Lacey bleibt stehen und schaut zu, wie die 
Leute, die zum Frhstcken hierhergekommen sind, sich in einer langen Schlange an der Theke 
vorbeischieben. Auf den Tabletts sieht man Sojagulasch, Zwiebelscheiben und Glser mit Fruchtsaft, 
Sandwrmer, Kle aus Insektenmehl, importierte Fischpasteten; damit geht man zu den runden 
Tischchen mit dem Topf aus siedendem l, der in der Mitte eingelassen ist. Das Lizzie-Personal 
huscht geschftig umher, ihre Schuppen glitzern im Licht, whrend sie Brotkrbe und die kleinen 
Essigkrge auffllen, Servietten verteilen und kleine, sparsame Becher mit Wasser auf die Tische 
stellen. Niemand bemerkt den Zaungast vor dem groen Fenster. Und sicher htten sie 

125 

auch nicht bemerkt, wenn irgendein anderer hier gestanden htte, der Sally auf den Fersen war, um sie 
zu tten. 

Zur Treppe nach oben fhrt ein Durchgang an der Seite des Restaurants, die Eingangstr liegt in einer 
dunklen Nische; auch hier riecht es nach Gebratenem. Als Lacey klingelt, kann sie das Aufleuchten 
des Abtaststrahls erkennen, mit dem der Hauscomputer den Besucher registriert. Doch niemand 
antwortet auf ihr Klingeln. Sie klopft krftig an die Tr, mglicherweise funktioniert der Computer 
dieses heruntergekommenen Hauses nicht richtig. Nichts. Sie wartet unschlssig einige Minuten, 
mchte am liebsten gehen, aber der Gedanke, da Sally tot da drinnen liegen knnte, hlt sie zurck. 
Sie nimmt ihr Terminal vom Grtel und schaltet ein. 

He, Buddy? 

Bin schon da, Programmiererin. Buddys Stimme klingt aus dem winzigen Lautsprecher dnn und 
spitz. 

Gut. Ich mu hier durch eine Tr, aber der Hauscomputer will mich nicht einlassen. 

Dann la mich mit ihm Kontakt aufnehmen, Programmiererin, und wir werden sehen. 

Lacey wirft einen raschen Blick hinter sich; zum Glck ist niemand zu sehen. Dann drckt sie ein 
winziges Sendemodul gegen den Trbeschlag. Sie hrt ein leichtes Summen, als Buddy die Elektronik 
der Tr aktiviert, am Optiksensor blitzen ein paar Lichter auf. 

Ich habe dafr gesorgt, da der Hauscomputer die Daten ber deinen Besuch nicht speichern kann. 
Du kannst eintreten, Programmiererin. 

Auf einen leichten Druck hin geht die Tr auf. Als Lacey in den engen Flur getreten ist, schliet sie 
sich wieder. Ein warmes, gelbliches Licht leuchtet auf, und die Klimaanlage beginnt zu arbeiten. 

Sallys Wohnung ist so unaufgerumt wie immer. Lila Plschmbel, leere Flaschen, Porzellannippes, 
Kartons und Pappteller mit Essensresten. Im Wohnzimmer summt ein 

126 

staubsaugender Roboter vor sich hin, vergebliche Mhe inmitten dieser Unordnung. Sonst ist es still, 
zu still. 

Sieht aus, als ob sie den ganzen Tag noch nicht hiergewesen ist, Buddy. 

Meine Sensoren geben mir Hinweise auf undisziplinierte Zustnde in diesem Haushalt. Wrdest du 
mich mit ihrem Computer verbinden? Vielleicht findet sich dort eine wichtige Information. 

ber das Ende des Universums? 

Habe ich richtig verstanden? 

War blo ein Witz, Buddy. Entschuldige. 

Sallys hellrosa Computer steht in der Kche auf der Anrichte, zwischen Bergen von schmutzigem 
Geschirr. Lacey schliet ihr kleines Terminal an, dann nimmt sie all ihren Mut zusammen und geht 
durch den Flur zur Schlafzimmertr. Sie bleibt kurz stehen, um einen flchtigen Blick ins Bad zu 
werfen - es riecht nach Parfm und ist makellos sauber, trotz der achtlos herumliegenden leeren 
Kosmetikflakons. Die Tr zum Schlafzimmer ist offen; mit ein paar groen, mutigen Schritten ist sie 
drinnen und seufzt erleichtert auf. Weder auf dem herzfrmigen Bett mit dem dunkelroten Satinbezug 
noch auf dem lavendelfarbigen Teppichboden liegt eine Leiche. Nur schmutzige Jeans und eine 
plissierte Bluse liegen herum und vor dem Kleiderschrank einige Plastikbeutel mit Haschisch von 


Sarah. Das beweist, da Sally noch einmal hier war, nachdem sie im Rattennest 

war. 

Ein Beweis. Etwas arbeitet in ihr, was ist es nur? Es hat mit Bates' Bericht zu tun ... Spontan geht sie 
in die Kche und holt ihr Terminal. 

Buddy, aktiviere deine Sensoren und mach eine optische Aufzeichnung dieses Zimmers hier. Wieviel 
kannst du auf einmal berblicken? 

Nur fnfundvierzig Grad. Du brauchst das Terminal nur ein wenig hin- und herzudrehen. 

Whrend sie so Schlafzimmer und Bad fotografieren, 

127 

berichtet Buddy ihr, was er von Sallys Computer erfahren hat: nichts von Bedeutung, bis auf jenen 
anonymen Anruf; jemand hat ihre Nummer gewhlt, ohne jedoch auch nur ein Wort zu sagen, nur eine 
dreiviertel Stunde zuvor. Das konnte natrlich ein Kunde sein, der nicht wollte, da irgend jemand 
seinen Namen erfuhr, doch Lacey gefllt das gar nicht. Denn, wie sie Buddy erzhlt, sie beginnt 
langsam zu glauben, da Sally tot ist. 

Das ist zwar ein zulssiger Schlu, Programmiererin, doch haben wir keinerlei Beweis. Und 
zwischen einem mglichen Schlu und dem Beweis liegt das, was ihr Menschen >Hoffnung< nennt. 

Da hast du recht, Buddy. Okay, ich werde jetzt gehen. 

Dann werde ich abschalten. Ach, Programmiererin? 

Ja? 

Vergi nicht, deine Fingerabdrcke abzuwischen, und sei vorsichtig. 

Ich werde sehen, was ich machen kann. Als nchstes werde ich zu Carol in die Praxis gehen. Wenn 
ich mich von dort nicht melde, dann benachrichtige die Polizei. 

Es dauert einige Stunden, bis Bates alles fr den Trip zum Rattennest zusammen hat: ein zehnkpfiges 
Kommando auf offenen Einmanngleitern, zwei bewaffnete Transporter (einen fr die 
Gerichtsmediziner, der mit einem Roboter fr die Erdarbeiten ausgestattet ist, und sein eigener mit 
Sergeant Parsons, zwei Technikern und der ganzen Ausrstung) und schlielich den 
Exhuminierungsbeschlu, den ein Richter fast unleserlich beim Frhstck unterzeichnet hat. Er 
mchte mit dem Papier in der Hand gerade aus seinem Bro gehen, als ihm einfllt, noch rasch Akeli 
zu benachrichtigen. Er macht es so geheimnisvoll wie mglich: Er wrde erst spter zu ihrem Treffen 
kommen, einer ganz unerwarteten Entwicklung der Dinge wegen. Und wieder ist er an der Tr, als 
Buddy ihn anruft, um ihm mitzuteilen, 

128 

da Sally Pharis ihre Wohnung vielleicht fnf Stunden nach Mitternacht verlassen hat und seitdem 
nicht zurckgekommen ist. 

Meine Programmiererin befrchtet, da sie von diesem Killer oder Assassinen gettet wurde. 

Das befrchte ich auch. He, Buddy, warte noch: Erklr mir mal das Wort Assassine. 

Ein Profikiller, der im Dienste einer bestimmten Sache oder einer Regierung steht und der nicht etwa 
fr beliebige kriminelle Auftraggeber arbeitet. Gewisse schwer zugngliche Datenbanken haben 
Hinweise darauf, da die Allianz schon seit lngerem ber ein Korps von Assassinen verfgt, obwohl 
es nicht bewiesen werden konnte. 

Gewisse schwer zugngliche Datenbanken? 

Ich darf die Quelle nicht nennen. Jeder Versuch, mich dazu zu zwingen, wrde zu einer ernsten 
Strung fhren. 

Okay. Besteht die Mglichkeit, da solche Assassinen Paras sind? 

Die meisten Quellen stimmen darin berein, da im Herrschaftsbereich der Allianz alle Psi-Talente 
gettet werden, sobald man sie entdeckt. 

Das wute ich. Was mich interessiert, ist diese schwer zugngliche Datenbank. Ist sie eventuell 
anderer Meinung? 

Nicht, da ich wte. Haben Sie einen bestimmten Verdacht, oder folgen Sie Ihrem Riecher, wie 
meine Programmiererin zu sagen pflegt? 

Genau das tu ich, und da gibt es etwas, was mir keine Ruhe lt. Irgendeine alte Geschichte, die ich 
nicht mehr zusammenbringe. Ich habe versucht, meinen Computer darauf anzusetzen, aber er konnte 
nichts herausfinden. Bates unterbricht sich und schaltet die Spracheingabe seines Gerts aus. Er 
wollte es nicht krnken. Buddy, hr mal ich glaube, du bist ein schnes Stckchen gerissener als so 
ein Standard-Polizeicomputer. 

129 


Die allgemein bekannten technischen Daten sprechen dafr. 

Htte deine Programmiererin etwas dagegen, wenn du fr mich etwas erledigst? 

Sie hat mir aufgetragen, mit Ihnen zu kooperieren, so weit es mglich ist. 

Prima. Dann suche mir jede Information, die du kriegen kannst, ber psi-begabte Assassinen auch in 
Romanen und im Film. Trag alles zusammen und versuche, herauszufinden, woher dieses Wissen 
kommt, ob es vielleicht einen wahren Hintergrund gibt. 

Das werde ich tun. Es wird aber einige Zeit dauern. Natrlich. Ich werde mich spter wieder 
melden. Bates schaltet seinen Computer wieder ein, dann eilt er die Treppen hinunter, wo sein 
Expeditionsteam wartet. Aufgereiht steht der Konvoi in der grauen Hhle der Garage. Sergeant 
Parsons sitzt schon auf dem Fahrersitz des ersten Transporters, dahinter die Techniker. Bates hievt 
sich auf den Beifahrersitz und schliet die Tr. 

Okay, Sergeant, fahren Sie los, wenn Sie soweit sind. Die Kompressoren beginnen zu drhnen, der 
Transporter hebt vom Boden ab und nimmt Fahrt auf. Die Garagentore gleiten auf, schon sind sie 
drauen und gewinnen rasch an Hhe. Bates lehnt sich zurck und versucht nachzudenken, aber 
inzwischen ist die Wirkung der Hyperpillen so stark, da das Blut in seinen Schlfen nur so drhnt. Er 
kann sich nicht konzentrieren. Als ob dieser verzwickte Fall nicht schon schwierig genug wre! Es ist 
eines, diese Idee mit dem Psi-Killer aufzubringen, sich ein Motiv und den Tathergang auszudenken, 
und etwas anderes, einem Tter Gesicht und Namen zu geben, wie man ihn fr einen Haftbefehl 
braucht. Im Augenblick konnte jeder in Polar City dieser Assassine sein, jeder Brger der Republik, 
der Allianz oder der Konfderation - eine gute Million, auch wenn man die Kinder und Lizzies nicht 
mitzhlte. Das ist das Problem mit den Profikillern, denkt er, da sie kein persnliches Motiv fr die 
Tat 

130 

haben; so gibt es kaum einen Anhaltspunkt, an dem die Ermittlungen ansetzen knnen. Keine 
unglckliche Ehe, keine Spielschulden, keinen verhaten Schwager und keine reiche alte Tante. Ein 
Killer ist naturgem anonym, so anonym wie das Messer in seiner todbringenden Hand. 

Und jetzt soll er sich auch noch um diese andere Leiche kmmern. Eine Geschichte mit 
mglicherweise unabsehbaren Folgen, auch politischen. Wenn Lacey recht hat und dieser traurige 
Vorfall der erste Kontakt mit einer unbekannten intelligenten Spezies ist, dann wird es in Krze in 
Polar City von Spionen und Medienleuten von aller Herren Planeten nur so wimmeln. Er hofft zwar, 
da er die Sache so lange geheimhalten kann, bis der Mordfall abgeschlossen ist, doch bei der 
Geldgier der Brger dieser Stadt kann es nicht lange dauern, bis einer seiner Leute die Information 
verkauft hat, lange bevor er berhaupt an eine Verhaftung denken kann. Manchmal bereut er, diesen 
Posten hier angenommen zu haben, obwohl er nur zu gut versteht, da man fr die Polizei in Polar 
City Leute von anderen Planeten rekrutiert, wo immer es mglich ist. 

Carols Praxis nimmt den ganzen Keller eines Holo-Kinos am Rand des Basars ein, das vorbergehend 
geschlossen war, so lange, bis der Besitzer das Geld fr die notwendige Dachreparatur hatte. Obwohl 
er den Keller nie fr etwas anders als zum Lagern von Vorrten fr die Snackbar benutzt hat, gibt es 
flieendes Wasser und Toiletten. Als bekannt geworden war, da Carol eine Praxis fr die Armen 
dieser Gegend aufmachen wollte, fanden sich Helfer ein, die Zwischenwnde einzogen und alles 
herrichteten, so da es nun eine Reihe von Untersuchungszimmern nebst einem Wartezimmer gab. 
Verschiedene Religionsgemeinschaften beschafften ber Spenden die medizinischen Gerte, und 
irgendein Schngeist hatte es sich nicht nehmen lassen, das 

Wartezimmer mit einer Sammlung Holos von Naturwundern anderer Planeten zu schmcken. 

Die Schwebeplattform bringt Lacey nach unten. Das Wartezimmer ist weniger voll, als sie erwartet 
hat. Um diese Tageszeit hat Carol gewhnlich viel zu tun, doch heute sind es nur ein paar Strichjungen 
mit hellgrn gefrbtem Haar und hautengen Shorts und ein Lizzimdchen, das etwas sehr 
Merkwrdiges eingenommen haben mu, denn alle ihre Augenlider flattern unaufhrlich und immerzu 
ghnt sie und bewegt die lange Schnauze, als versuchte sie verzweifelt, einen Fremdkrper zwischen 
den Zhnen loszuwerden. ber dem Raum hngt ein Aroma aus Schwei, Urin, Desinfektionsmittel 
und billigem Parfm. Am Empfangsschalter an der Wand gegenber sitzt ein Mensch, eine Frau. Sie 
starrt auf einen Fernseher. 

Ist Carol da? 

Ach, Sie sind's, Lacey? Sie blickt nie auf. Ja, im Sprechzimmer. Sie hat versucht, Sie anzurufen. 
Wissen Sie das? 

Nein. Kann ich reingehen? 


Sie nickt, ohne den Bildschirm aus den Augen zu lassen. Dort albert ein Paar im Abendkleid und 
Smoking in einem Brunnen herum, das kostbare Wasser spritzt ber den unglaublich grnen Rasen. 
Was fr eine Verschwendung! 

Carols Sprechzimmer ist genauso vollgestopft wie ihr Gleiter. Berge medizinischer Utensilien, 
veraltete Gerte und ein wackliger Computertisch in einer Ecke. Daneben ein paar Schaumstoffsessel. 
Sie sitzt gerade am Computer, murmelt allerlei lange medizinische Wrter vor sich hin, doch ist sie 
ziemlich aufgeregt; sie starrt auf den Bildschirm, dann knurrt sie rgerlich und gibt etwas Neues ein. 

Lacey! Gott sei Dank, hast du meine Nachricht bekommen? 

Nein. Ich wollte Buddy von hier aus abfragen. Que pasa? 

Es geht um Little Joe Walker. Er mu unbedingt ins Kran- 

132 

kenhaus, aber er spielt verrckt. Wirklich unmglich. Ich habe gedacht, du knntest mit ihm reden. 

Was ist denn los mit ihm? 

Wenn ich das wte. Genau das ist das Problem. Komm mit. 

Carol fhrt sie durch einen schmuddeligen Korridor, vorbei an rosagestrichenen Stellwnden, bis zu 
einer Tr, hinter der man Schreie hrt. Lat mich raus! Als Carol die Tr ffnet, strmt Little Joe 
auf sie los. Aber weil er nichts als ein rosa Kliniknachthemd trgt, das am Rcken offen ist, ist der 
Versuch halbherzig und nur von kurzer Dauer. 

Lacey! Um Gottes willen, fleht er, du mut Dr. Carol zur Vernunft bringen. Ich kann doch 
niemandem im Krankenhaus erzhlen, wo ich mir das hier eingefangen habe. 

Er hebt seine rechte Hand. Als sie genauer hinschaut, erkennt sie, da die ganze Handflche, die Haut 
zwischen den Fingern und ein unregelmiger Streifen bis hin zum Unterarm wie von Kunststoff 
berzogen ist. Matt glnzender, ledriger Kunststoff, wie Vinyl. Und von der Hand geht der Geruch 
von verdorbenem Essig aus; es ist wie ein Echo dessen, was sie in dieser Hhle im Rattennest riechen 
konnte. 

Es sieht im Moment recht harmlos aus, sagt Carol. Aber ich hab' keine Ahnung, was als nchstes 
passiert. Es ist sicher eine Art Bakterium, klar, aber ich kann es weder im Perez-Katalog noch in 
irgendeiner Datenbank finden. An den Hautproben unter dem Mikroskop konnte man sehen, da es 
alle abgestorbenen Zellen frit, die ihm in die Quere kommen, und die lebenden mit einer Wand 
umgibt, die so steif wie Kork ist. 

Wo hast du dir das geholt, Little Joe? Im Rattennest. Ich hab' etwas vom Grab dieses 
Insektenmannes angefat, wie Folie oder ein Stck Stoff. Ich kann doch keinem Polizisten sagen, was 
ich da drauen gemacht habe. Die Angst ist zunchst ein kleines Kribbeln am Ende der 

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Wirbelsule, breitet sich dann ber Laceys ganzen Krper aus. Sie war auch in dieser Hhle, auch sie 
hat etwas aus der Hhle angefat - das geheimnisvolle Kstchen mit den fremden Schriftzeichen. 
Heimlich wirft sie einen Blick auf ihre Hnde: Noch ist nichts zu sehen. 

Dann denk dir eine gute Lge aus, schimpft Carol. Ich habe doch schon die Rettungszentrale 
angerufen, die Ambulanz ist unterwegs. 

Ambulanz? jammert Joe. 

Mit Isolierkabine. Mensch, du hast noch immer nicht kapiert, habe ich recht? Ich wei nicht, was das 
fr ein Zeug ist. Es reagiert auf keinen Test, es ist in keiner Datenbank zu finden. Wie ich schon sagte, 
im Moment sieht es nicht so schlimm aus ... 

Es juckt hllisch, Doc! Es hrt sich emprt an, als wte er sein Leiden nicht ausreichend 
gewrdigt. 

Das ist es, was mich beunruhigt, verstehst du das? Wenn wir nicht herausfinden, wie man es stoppt, 
dann kann eine Epidemie daraus werden. 

Hr zu! Lacey zwingt sich, ganz ruhig zu sprechen, erzhl ihnen doch, da du nach irgendwelchem 
altem Kram gesucht hast. Das machen doch viele Leute. Die Antiquittenhndler auf Sarah zahlen viel 
Geld fr Sachen aus der alten Kolonie. 

Little Joe pfeift durch die Zhne. 

Warum hab' ich daran nicht selber gedacht? 

Weil du vor Angst nicht mehr klar denken kannst, und das kann man gut verstehen. brigens, Carol 
ich war auch da drauen. 

Ach tatschlich. Ich werd' mir gleich eine Hautprobe anschauen, warte eine Minute. Aber zu dir, Joe, 
hr gut zu und denk nach. Ich brauch' die Namen aller Leute wirklich alle -, mit denen du irgendeinen 


krperlichen Kontakt gehabt hast, seit du da drauen warst, oder denen du etwas gegeben hast, was du 
angefat hast. 

Little Joe nickt. 

134 

Sag mal, Carol, fragt Lacey, ist diese Datenbank wirklich auf dem neuesten Stand? Und ist sie 
vollstndig? 

Aber ja, es war das Quker-Hospital, wo ich mich einklinken durfte. Warum? 

Wie gro ist die Chance, da diese Bakterien nicht von hier stammen? Ich meine, ob es eine vllig 
fremde Lebensform sein knnte? 

Eine Chance nennst du das? Was fr eine Chance, zum Teufel, sollte das sein!!! 

Mulligan und Nunks sitzen im Garten unter einem Apfelbaum, whrend Maria ein wenig beiseite 
kauert und das Leuchten am Himmel betrachtet. Im Schatten neben der Eingangstr wacht Rick, die 
Laserpistole in der Hand. Mulligan kann schon an seiner selbstbewut aufrechten Haltung sehen, da 
ihm der Wachdienst weit eher liegt als das Wenden von Kompost. Mulligan hat schreckliche Angst. 

Kleiner Bruder: Beruhigen. 

Geht nicht. Killer sucht mich, will Kehle durchschneiden. 

Rick pat auf. Ich passe auf. Beruhigen. Nein, besser arbeiten, wir beide. Ablenkung. 

Gartenarbeit? Freude. 

Keine Gartenarbeit. Geistige Arbeit. 

Schmerz, Unlust, Zgern. 

Kleiner Bruder! rger. Mu lernen, Talent kontrollieren. Sonst Wahnsinn. 

Zu spt. Bin schon verrckt. 

Grte Verrgerung. 

Einlenken. 

Es stellt sich heraus, da Nunks Verbindung zu jenem Bewutsein aufnehmen mchte, mit dem er an 
diesem Tag Kontakt gehabt hat. Er mchte Mulligans Gehirn als eine Art Verstrker benutzen, so 
reichen seine Antennen viel weiter und knnen dieses fremdartige Bewutsein genauer beschreiben. 
Vielleicht bringen sie sogar einen Austausch von 

135 

Botschaften zustande, wenn dieses Wesen dazu bereit ist. Weil jedes in Telepathie gebte Wesen den 
Inhalt seines sprachlichen Denkens vollstndig auf ein anderes von vergleichbarer geistiger Struktur 
bertragen kann, hlt Mulligan eine Kommunikation durchaus fr mglich, auch wenn es sich um eine 
vllig unbekannte Lebensform handelt. Natrlich mu das andere Gehirn in gewisser Weise 
gleichartig sein - und er kann nur hoffen, da dem so ist. Schlielich gab es auch innerhalb des 
erforschten Raumsektors Spezies, die fr die brigen Intelligenzen telepathisch nicht ansprechbar 
waren, obwohl es auch bei ihnen Psi-Talente gab. Ihr Wahrnehmungs- und Denkapparat hatte so 
einzigartige Konzepte entwickelt, da sie keinerlei Denkkategorie mit den brigen Bewohnern des 
Alls gemeinsam hatten, ja, da allein schon der Begriff >Kategorie< ihnen gnzlich unbekannt war. 
Da sie beide, Nunks und er, die Trauer dieses Wesens fhlen konnten, sprach immerhin fr gewisse 
Gemeinsamkeiten. 

Wie so oft in Psi-Angelegenheiten hat auch diesmal Nunks die Fhrung bernommen. Mulligan mu 
lediglich reglos dasitzen und Bilder und Gefhle durch seinen Geist strmen lassen. Obwohl er davor 
zurckschreckt, diesen abgrundtiefen Schmerz noch einmal zu spren, stimmt er seinem Mentor zu, 
da sie diesem Wesen helfen mssen, das er in Ermangelung des richtigen Namens >Insektenfrau< 
nennt. Denn so weit sie das beurteilen knnen, ist dieses Wesen weiblich, und nach Little Joes Bericht 
mu es sich um , eine insektenartige Spezies handeln. Zwar wei Mulligan, wie inadquat solche 
Begriffe sind, wenn man vllig neue Lebensformen beschreiben will, doch kann er nicht anders, als an 
ein Insektenpaar zu denken, wenn die Rede von den bedauernswerten Opfern der Verrckten im 
Rattennest ist. Nunks hat diese Bezeichnung bernommen. 

Kleiner Bruder: Bereit? 

Bereit. 

Signale strmen auf sie ein, zuerst wie ein Zischen und 

Rauschen; ein Hintergrund aus wirren Gedanken, verschrobenen Bildern, die aus dem Rattennest zu 
kommen scheinen. Groll und Ha: Mutter hat mich nie geliebt, Vater hat mich geschlagen. Die rzte 
helfen nicht, sie wollen mich mit Medikamenten kaputtmachen. Eine endlose Litanei aus Sorgen, aus 
Klagen ber Lieblosigkeit und Einsamkeit, die sich auf ausgetretenen Pfaden immer aufs neue durch 


Hunderte von Gehirnen arbeitet. Nunks bleibt unbeeindruckt, als wate er durch seichtes Wasser, 
Mulligan an der Hand, ihn mit sich ziehend. Sie suchen eine andere, schrillere Stimme. Einmal taucht 
vor Mulligan ein Bild auf, prchtig bunt wie ein illuminiertes Gebude im farbigen Licht: eine schne 
Frau, hochschwanger, die in einem Rosengarten sitzt; ber ihr hngt in der Luft ein Flammenschwert, 
und sieben goldene Becher schweben dabei, aus denen kleine Gesichter lugen zu Grimassen verzerrt. 
Dann erkennt er den Geist der alten Meg wieder und wei, da sie vor ihren Karten sitzt. 

Der Schmerz kommt wie ein Schrei, ein verzweifeltes Aufheulen, ein bitteres Aufbumen gegen die 
Ungerechtigkeit des Universums, ein Ausbruch von Ha, gerichtet gegen jene, die den geliebten 
Gefhrten gettet haben, und flammend wie das Schwert auf der Spielkarte. Mulligan greift 
blitzschnell diesen Gedankenstrom auf, doch berwltigt er ihn. Die Verzweiflung wird zu seiner 
eigenen, Trnen rinnen ber sein Gesicht. Doch Nunks bleibt unbeeindruckt; er sendet seinen Wunsch 
zu trsten, ist jedoch vorsichtig genug, kein bestimmtes Trostwort auszusprechen. Der fremde Geist 
zgert, ist fast bereit zu sprechen, zieht sich dann aber zurck in die Einsamkeit. Als Mulligan laut 
aufschluchzt, sprt er eine Reaktion, fast ist das Wesen erschrocken, weil es nicht glauben kann, da 
andere an seinem Schmerz Anteil nehmen. 

Schwester, sendet Nunks, denn das Wesen ist tatschlich weiblich, nicht alle hier sind Barbaren. 
Schlechte Wesen, Ver- 

136 

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rckte, verwirrte Geister haben gettet. Auch freundliche, gute Wesen hier. Wir helfen. La uns helfen. 

Der fremde Geist zgert wieder, dann lt sie ein kalter, wtender Schwall von Bitterkeit aufsthnen. 

Freundliche Wesen? Unglubigkeit, Wut. Schaut her, schaut her! 

So lebendig, als schwebe er in einem Gleiter ber der Szene, sieht Mulligan unter sich die Grube im 
Rattennest. Schwebelampen tauchen sie in blendendweies Licht. Ringsum die Polizeigleiter, die 
Mnner mit ihren Waffen haben einen Absperrkreis gebildet, whrend die Techniker an einer Leiter 
hinuntersteigen zum Grab. 

Lat ihn in Frieden1. Lat ihn ruhen. O ihr meine Gtter, lat ihn doch ruhen. Warum ihn stren? 

Schwester: Hr mir zu, warte und hre. Sie wollen helfen, die Mrder finden. Sie bestrafen. Dann ein 
neues Grab, endlich Ruhe. 

Zweifel, Zgern. 

Bitte: Glaub uns! 

Wut. Sie sollen aufhren, dann glaube ich. Ich kenne die Mrder, ich sehe sie. Ich beschreibe sie. Lat 
ihn ruhen! 

Obwohl Nunks seine Gefhle vor der Insektenfrau verbergen kann, sprt Mulligan, wie verzweifelt er 
ist. Vllig ausgeschlossen, Bates dazu zu bewegen, da er auf die Exhuminierung und die 
anschlieende Autopsie verzichtet. Er hlt das fr notwendig. Mulligan kann den Polizeichef sehen, 
der vor einem der Transporter auf und ab geht und das Terminal in der Hand hlt. Doch mit einem Mal 
lauscht Bates angespannt, er wirft den Kopf zurck, das Gesicht wird fahl, er luft hinber zur Grube. 
Er schwenkt die Arme wie ein Irrer, brllt etwas, das Mulligan nicht ganz verstehen kann. Die 
Polizisten, die Techniker, der Gerichtsmediziner alle schrecken auf und hren zu. Dann klettern die 
Mnner in der Grube hastig heraus, Angst auf ihren Gesichtern. Die, die oben gestanden haben, ziehen 
sich zurck, fliehen zu den Fahrzeugen, schlagen die Tren zu. Bates brllt und gestikuliert, bis es ihm 
gelingt, die Ordnung wiederherzu- 

138 

stellen. Er teilt die Leute in zwei Gruppen ein: Die, die unten in der Grube waren, steigen zusammen 
in einen Transporter, die anderen verteilen sich auf die brigen Gleiter. Als der Konvoi davonbraust, 
meldet sich die Insektenfrau. 

Dankbarkeit, Dankbarkeit. Ich glaube dir jetzt. Dankbarkeit. 

La uns helfen, Schwester. Sprich weiter, wir wollen helfen. 

Aber sie hat sich zurckgezogen, nur ein Echo ihrer Trauer ist noch zu spren, wie ein paar letzte 
Staubwirbel, nachdem der Sturm lngst vorbeigezogen ist. 

Enttuschung. Kleiner Bruder, du hast Bates weggeschickt? 

Erstaunen. Nein, hast nicht du ...? 

Geh zu Buddy, erzhl es Lacey. Wichtig, da sie es erfhrt. Frag, ob sie davon wei! 

Gut, groer Bruder. Ich werde fragen. 

Tu es sofort. 


Gehorsam. 

Obwohl es Mulligan selbst strt, da er vor einem Computer Angst hat - er tut es nur, um Nunks' 
Verachtung zu entgehen. Er steigt die Treppe hinauf und betritt Laceys Zimmer, wo Buddy, der 
irgendeiner komplizierten Aufgabe nachgeht, leise vor sich hin summt. Auf dem Monitor huschen 
Textzeilen vorbei, zu schnell, als da man sie lesen knnte. 

h ..., Buddy? Kann ich dich um einen Gefallen bitten? 

Das kannst du gern, Mulligan. Aber es ist nicht sicher, ob ich deiner Bitte nachkommen werde. 

Mann, da ist vielleicht was los, das mtest du unbedingt Lacey beibringen. 

Ich verstehe deinen Dialekt nicht. Bitte neu formulieren. 

Mit einem Knurren zwingt sich Mulligan dazu, so zu sprechen, wie er es in der High School gelernt 
hat. 

Also, ich mu unbedingt Lacey sprechen; bitte stell eine Verbindung her. 

Warum mut du mit der Programmiererin sprechen? 

139 

Ich habe eine Nachricht fr sie ... sag ihr, da etwas passiert ist. 

Dir? 

Nein, dem Polizeichef, drauen im Rattennest. 

Das wei Lacey schon. Dein Input ist berflssig. 

Also verdammt ... Dann sag mir doch, warum die Polizei pltzlich abgehauen ist. 

Nein. Meine Programmiererin hat mich nicht ermchtigt, Daten an untergeordnete Einheiten 
weiterzugeben. 

He, pa auf, du lausige Plastikschssel! 

Das ist unzutreffend. Es gibt keine Schdlinge in meinem Gehuse. 

Ach ja? Aber was hltst du von einigen Eimern Wasser in deine Lftungsschlitze? Kannst du gleich 
haben! 

Dafr, da er behauptet hat, Mulligan schlecht zu verstehen, ist Buddys Reaktion sehr beredt. Ein 
hohes Jaulen ertnt, und auf dem Bildschirm blitzen Lichtkaskaden in vier verschiedenen Farben auf. 

Chief Bates wurde von Dr. Carol benachrichtigt, da die Leiche im Rattennest mit einer bisher 
unbekannten, infektisen Bakterienart verseucht ist. Er zog seine Leute ab, um eine Ansteckung zu 
verhindern. Ich werde diese Ntigung unter Androhung von Gewalt meiner Programmiererin melden, 
sie wird fr eine angemessene Bestrafung sorgen. 

Was? Steck dir lieber ein paar Kilowatt in den ... 

Whrend Mulligan geht, lchelt er zufrieden vor sich hin. Es ist so viel einfacher, eine schlagfertige 
Antwort zu finden, wenn man nchtern ist. 

Wie lange wird es noch dauern? schimpft Lacey. 

Da kommt es schon. Carol sieht auf ihre Uhr, dann wieder auf den Bildschirm. Ich kann's dir ja 
nicht verbeln, da du ungeduldig bist. Sie wendet sich an den Computer. Bitte die Ergebnisse der 
Hautprobe Nummer zwei. 

140 

Auf dem Monitor erscheint eine Liste mit den Namen verschiedener Bakterien. 

Gott sei Dank! Du bist clean, Herzchen. Blo ganz ordinre Bakterien. 

Lacey lt einen langen, langen Seufzer hren. 

Das knnte von Belang sein, fhrt Carol fort. Du hast diese Metallkiste angefat, die Little Joe dir 
gebracht hat, richtig? Dann knnte das heien, da das Zeug nicht von metallischen Oberflchen auf 
den Krper bertragen wird, zumindest nicht so leicht. Wo ist dieses mysterise Kstchen jetzt? 

Bei mir, eingeschlossen in eine Schublade. 

He, das ist gut. 

Ja, ich hatte irgendwie das Gefhl, da ich es unter Verschlu nehmen sollte. Das Terminal an 
ihrem Grtel blinkt. Sie nimmt es ab. Was ist los, Buddy? 

Sam Bailey ist am Telefon. Buddy scheint sich ehrlich zu freuen. Mchte meine Programmiererin 
mit ihm reden? 

Aber sicher, Buddy. Schalte ihn durch. Hallo, Sam? 

Da bin ich, Se. Die Stimme ist undeutlich, das Bild auf dem Monitor kaum zu erkennen. Ein 
wackliges Liniengitter mit einem dunkleren Fleck, wo das Gesicht sein mte. Verdammtes 
Nordlicht! Fast nichts zu sehen von dir. 

Mir geht es nicht besser. Wo bist du? 


Auf der Station. Ich bringe jetzt das Shuttle runter. Die Zollabfertigung haben wir hier oben erledigt, 
so da wir uns in etwa drei Stunden sehen knnen. Vielleicht bei Kelly? 

Gute Idee, gern. Treffen wir uns am Eingang? 

Besser an der Bar. Ich war einige Monate im Raum, hast du das vergessen? 

Wo denkst du hin. Also an der Bar. 

Als Lacey die Praxis verlt, geht sie auf direktem Weg in Richtung Basar. berall in der Vierten 
Strae schweben 3-D-Reklamen vor den Lden und Bars in der Luft und tauchen die Gehwege und 
Transportbnder in buntes Licht. Stndig 

141 

wiederholen sich die immer gleichen Werbespots. Alkoholika werden wie von Geisterhand in 
blitzende Glser gegossen; hbsche Frauen spielen mit den Reiverschlssen ihrer Overalls, Steaks 
aus echtem Fleisch brutzeln auf einem Grill, Boys in hautengen Hosen knpfen ihr Hemd auf, 
Spielkarten arrangieren sich von selbst zum Gewinn in der Hand eines Pokerspielers - und alles huscht 
vorbei mit einer Geschwindigkeit, als gelte es, das irrlichternde Nordlicht oben am Firmament noch zu 
bertreffen. Ein unaufhrliches Pulsieren von Licht und Farbe ergiet sich ber die Passanten und 
macht auch die rmlich gekleideten zu Figuren eines prchtigbunten Karnevals. Aus den Clubs hrt 
man Musik, stampfenden Schlagzeugrhythmus und Synthesizerklnge. Es wimmelt von Raumfahrern, 
unbersehbar in ihren reflektierenden Overalls. Sie wissen, da dieser slich nach Haschisch 
duftende Garten der Lste nur ihretwegen existiert, und sie zeigen es auch. 

Das beste Wettbro mit staatlicher Lizenz in Polar City findet man in einer Gasse zwischen der Dritten 
und Vierten Strae, im zweiten Stock eines Geschftshauses aus hellblauem Plastbeton. Gegenber 
liegt die Tag und Nacht geffnete Praxis eines Rostratologen, und genau darunter ist ein Laden, in 
dem man Holo-Pornofilme kaufen kann und Sachen zum Anziehen, die fast nur aus schwarzen 
Plastikriemen bestehen. Auf der Schwebeplattform ist auer Lacey noch ein Lizzie, der unablssig 
herumrechnet: Komplizierte Formeln tippt er in seinen tragbaren Computer und murmelt etwas von 
Schiffen im System, Asteroiden und Trajektorien vor sich hin. Lacey sagt sich, da sie, wenn sie 
jemals wetten sollte, niemals Geld auf ein Schiff setzen wird, wo doch ein nicht einmal faustgroer 
Steinbrocken auf dem falschen Kurs das Ergebnis stundenlanger Berechnungen zunichte machen 
kann. 

Die Wettschalter sind in einem langen, schmalen Raum, grn gestrichen und mit einem riesigen 
Monitor an einer Wand. Drei Schalter sind es, und dabei stehen zwei Wach- 

142 

mnner mit Betubungspistolen. Heute ist AI, der Besitzer, ausnahmsweise einmal selbst im 
Schalterraum; er sitzt an einem Computer und gibt die neuesten Quoten ein, lt Zahlenreihen ber 
den Wandmonitor huschen. Whrend Lacey wartet, verbessern sich die Polar City Bears um einen 
Punkt; die Wette steht nun zwei eins, da sie die Crusaders aus Neu-Jerusalem im Kampf um den 
Meistertitel ihrer Division besiegen. Der Lizzie wirft einen kurzen Blick auf den Bildschirm, dann 
geht er rasch zum nchsten Schalter, seinen kleinen Rechner noch immer in der Hand. Entweder hat er 
einen Tip bekommen, oder er spielt nach einem System, sagt sich Lacey. 

Sieh an, Lacey! sagt AI. Willst du dich auf deine alten Tage tatschlich von deinem schwer 
verdienten Geld trennen? 

Das kann ich dir nicht antun, AI. Ich wette doch nur, wenn es eine todsichere Sache ist. 

Das bringt nicht viel. 

Man verliert auch nicht viel. 

Sie geht zum Schreibtisch und setzt sich auf die Kante, whrend er weiter Zahlen eintippt. Vor ihm 
liegen Berge schmuddeliger Notizbltter. AI ist ein Weier und hat dnnes graues Haar. AI geht nie in 
die Sonne, nicht einmal whrend der ersten Stunde nach Sonnenaufgang, in der es vllig ungefhrlich 
ist. Als er alles eingegeben hat, zerreit er die Bltter in klitzekleine Stcke und wirft sie in den 
Mllschlucker. 

Was willst du dann, amiga? Ich hab' einen heien Tip fr die nchsten Wahlen. 

Das ist nicht nach meinem Geschmack, aber gegen ein Wrtchen mit dir htt' ich nichts 
einzuwenden. 

Sie gehen hinber in Als kleines Bro, das vom Boden bis zur Decke mit Elektronik vollgestopft ist. 
Computer und die neuesten Abhrsicherungen. Er bietet ihr einen Stuhl an, setzt sich an den 
Schreibtisch und legt gemtlich die Beine hoch. Lacey kann leises Piepsen und hohe Summtne 

143 


hren. AI hat seine Abhr Sicherungen selbst gebaut. Lacey wrde ohne weiteres wetten, da es im 
gesamten erforschten Raumsektor niemanden gibt, der raffiniert genug wre oder ber die ntige 
Technik verfgte, um sie hier belauschen zu knnen. 

Ich mchte etwas Stoff kaufen, sagt Lacey. Das beste Sarah-Haschisch, das du kriegen kannst. 
Hundert Gramm. 

Ein ganzes Hekto? Du? 

Ich habe nicht vor, es selber zu rauchen. Ich will's unter die Leute bringen. 

Verstehe. Einen Augenblick kaut AI auf seiner Unterlippe. Um dir die Wahrheit zu sagen: Ich 
wei nicht, ob ich es besorgen kann. 

Das mu das erste Mal in der Geschichte dieses Planeten sein! 

Nun, es gibt da ein Problem. Wieder kaut er an der Lippe und starrt an ihr vorbei auf die Wand. Es 
knnte sogar sein, da du etwas darber weit. Hr zu, ich werd' dir einen guten Preis machen, wenn 
du mir hilfst. 

Gut, was kann ich fr dich tun? 

Du kennst doch Sally Pharis, nicht wahr? 

Sicher kenne ich sie. Sie unterdrckt ein Lcheln. AI hat angebissen. Ich habe gehrt, da die 
Grnen hinter ihr her sind. 

Aber ja. Die Frage ist nur, warum. Und ob sie Sally inzwischen geschnappt und den Stoff gefunden 
haben, den sie mir bringen sollte. 

Sie haben sie noch nicht. ber den Stoff wei ich nichts. Aber pa auf: Es ist ein Killer hinter ihr her. 
Die Grnen wollen nichts anderes als ihr Leben retten. 

Groer Gott! AI starrt sie erschrocken an. Weit du, wer es ist? 

Niemand wei seinen Namen, aber er ist sicher nicht von diesem Planeten. Sally hat etwas gesehen, 
was mit einem Mord zusammenhngt, und er mchte sie zum Schweigen bringen. 

144 

AI schaudert. 

Er ist also nicht von hier? 

Nein, er ist von einem anderen Planeten gekommen, um uns rger zu machen. 

AI sieht nun nicht mehr erschrocken aus; kalte Wut spiegelt sich in seinem Gesicht. 

Sieh an, sagt er. Wenn ich etwas hren sollte, gebe ich dir Bescheid, und du gehst zu den Bullen. 

Gut. Es ist wirklich eine gespenstische Sache, Mann. 

Hast du recht. Himmel, wie gern wte ich nur, wo sie steckt! 

Und damit hat er ihre Frage beantwortet, ohne da sie sie berhaupt stellen mute. Keine Frage, AI 
erwartete von Sally eine groe Lieferung, und es gab nur weniges, was sie daran hindern konnte, die 
Ware auch abzuliefern. Sally hatte ihre Fehler, aber auf keinen Dealer in Porttown war mehr Verla. 

Aber mal zurck zum Stoff, sagt AI, soll ich ein bichen herumfragen fr dich? 

Nein, ich wei da noch eine Quelle ... Warte mal - wenn es dort nicht klappt, dann komm' ich noch 
mal zu dir, sagen wir in zwanzig Stunden. 

Okay, ich verstehe. Wenn du sagst, du brauchst es, dann brauchst du es sofort. 

Genau. Sie steht auf, sie lchelt. Aber ich danke dir, ich wei dein Angebot zu schtzen. 

Ist schon gut. Aber ich mach' mir langsam Sorgen wegen Sally. Wo steckt sie blo? 

Da bist du nicht der einzige, der sich Sorgen macht. 

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Die Abteilung der Staatspolizei war in den obersten Stockwerken eines Turms untergebracht, der noch 
andere Behrden beherbergte: ein schwarzer Monolith, dessen Architekt die berwltigende Idee 
hatte, das mehr als nchterne uere mit Reliefs aus Acanthusblttern zu verzieren. Also winden sich 
Girlanden um jedes Fenster, jede Tr, die einer Guform fr Plastbeton entstammen. Kein 
intelligentes Wesen in Polar City, gleich welcher Spezies, das den Architekten deswegen nicht hate. 
Bates mu sich berprfen lassen; Ultraschallabtastung, Handabdrcke, bis man seiner Identitt genug 
vertraut, um ihn ins Chefbro eintreten zu lassen; seine Laune wird immer schlechter. Aber was heit 
Bro - Akeli, der Chef, hat eine ganze Suite mit Klimaanlage fr sich allein. Hellbeiger Teppichboden, 
Sessel aus echtem Leder, eine richtige Bar - natrlich auch ein Schreibtisch und Regale an den 
Wnden. Im ersten der Bros stolpert man beinahe ber eine Assemblage aus patiniertem Styropor, 
eine neue Kunstform, wie man sie auf der alten Erde gerade schtzte. Als Bates eintritt, gibt sich Akeli 
so beflissen und entgegenkommend, hat ihn in Windeseile zum Sitzen gentigt und eigenhndig einen 
Drink eingeschenkt, da Bates sofort Verdacht schpft. 


Es gibt ein Problem? 

Akeli grinst ihm kumpelhaft zu, es ist nicht echt, und setzt sich hinter seinen Schreibtisch, auf dem der 
Computer summt und immer neue Ausschnitte des Stadtplans von Polar City ber den Bildschirm 
huschen lt. 

Bates, hren Sie. Gewisse Reibungen zwischen uns sind ganz unvermeidlich, und die eine oder 
andere Meinungsverschiedenheit hatten wir in der Vergangenheit auch. Zwei energische Mnner wie 
wir, deren Arbeitsgebiete sich berschneiden, da mu es doch hin und wieder mal Konflikte geben, 
nicht wahr? 

146 

Na ja, sicher. Bates nippt vorsichtig von seinem Gin Tonic. Man knnte sagen, jeder von uns tut 
die Dinge gern auf seine Weise. 

Ja, genau so meine ich es. Aber diesmal haben wir wirklich ein schwerwiegendes Problem zu lsen. 
Wir mssen zusammenarbeiten, aus Grnden der Staatssicherheit und der interstellaren Freundschaft 
wegen. Ist es nicht so? 

Sicher. Und wenn ich richtig verstanden habe, du aufgeblasener Arsch, geht es wirklich um die 
Republik. Tatschlich so ernst? Haben Sie einen Hinweis auf eine Beteiligung der Allianz in dieser 
Sache? 

Auch das ... Akeli starrt mit gerunzelter Stirn in sein Glas und schttelte es, da die Eiswrfel 
klappern. Aber zunchst wre noch etwas zu klren ... Ich wei, man knnte mich manchmal fr 
bertrieben vorschriftenglubig halten. Aber es geht hier um Informationen, die normalerweise unter 
einer Geheimhaltungsstufe klassifiziert werden, die Ihnen nicht zugnglich ist. Das hat in der 
Vergangenheit schon manchen rger gemacht. 

Na ja, sicher. 

Also. Akeli beugt sich mit einem raschen Lcheln vor, das wohl entwaffnend wirken soll, doch 
erinnern die entblten Zhne an ein Haifischmaul. Dann sagen Sie mir doch, von Mann zu Mann, 
wie Ihre Leute es geschafft haben, in unsere Datenbank einzudringen. 

In Ihre was? 

Ach lassen Sie das! Von Mann zu Mann ... ehrlich! Wieder das Haifischgrinsen. Spielen Sie doch 
nicht den Unwissenden! Ich gebe zu, die Leistung Ihrer Leute ist bewundernswert. Unsere Experten 
haben ein System entworfen, von dem sie meinen, da es vor jedem unbefugten Zugriff sicher ist. 
Aber Ihre Leute haben uns angezapft, so oft sie wollten - und alles, was passierte, war, da das 
Alarmsignal ausgelst wurde, als es zu spt war und nicht einmal mehr der Zugriffscode des 
Eindringlings festgehalten werden konnte. 

147 

Gewisse schwer zugngliche Datenbanken, o Buddy Laut sagt Bates: Woher wollen Sie dann wissen, 
da wir es waren? 

Wer denn sonst? Es ist nicht die Allianz, nicht die Konfderation, denn ihre Verbindungen zum 
Kommunikationsnetz unterliegen einer gewissen Kontrolle. Sie wollen mir sicher nicht einreden, da 
wir es mit einem Amateur zu tun haben, der mit seinem Maschinchen in das am besten gesicherte 
Computer System der Republik eindringen kann. 

Bates berlegt, nimmt noch einen Schluck, um Zeit zu gewinnen. Wenn er befrchten mte, da die 
Staatspolizei Lacey und Buddy auf die Schliche kommen knnte, dann wrde er jetzt lgen, um sie zu 
decken. Aber er ist sich ziemlich sicher, da Buddy imstande ist, seine Spur zu verwischen erst recht, 
wenn er ihm ein Wrtchen davon sagte, da das Herumschnffeln nicht unbemerkt geblieben war. 

Akeli, Ihr Problem ist wahrscheinlich grer, als Sie denken. Ich schwr's Ihnen, von Mann zu 
Mann, oder was immer Sie wollen: Niemand von meinen Leuten hat versucht, Ihr System anzuzapfen. 
Es ist wahr, glauben Sie mir! Sie sollten sich dringend einige Experten von Sarah kommen lassen, 
denn Sie haben es mit einem ernsten Defekt zu tun. 

Einen langen Augenblick starrt ihn Akeli aus schmalgewordenen Augen an, dann nickt er. 

Also gut. Ich glaube Ihnen. Ich werde es unverzglich in Ordnung bringen lassen. 

Das sollten Sie tun! 

Sie entschuldigen mich einen Moment? 

Akeli nimmt sein Glas und verschwindet im hinteren Bro, lt Bates allein mit seinem Gin. Als er 
zurckkommt, ist seine Miene uerst grimmig. Dagegen mte er schleunigst etwas tun, denkt Bates. 

Nun ... Was diese mgliche Verbindung zwischen Ka Gren und einem Informanten, vielleicht 
Doppelagenten, der Allianz angeht, so habe ich meine beste Beamtin darauf angesetzt, und sie hat in 


der Krze der Zeit schon gewisse 

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aufschlureiche Resultate erzielt: So zum Beispiel, da Ka Gren in letzter Zeit hufig in Kellys Bar 
und Restaurant gesehen wurde. 

Ach ja? Hat er dort jemanden getroffen? Nein. Aber er kam jeden Abend, bestellte etwas zu 
trinken, das er gleich bezahlte, und suchte sich dann einen Platz, von dem aus er das Fenster zur Strae 
berblicken konnte. Es kam vor, da er nicht einmal austrank, sondern wie der Blitz hochfuhr und 
hinauseilte. Bei anderen Gelegenheiten dauerte es eine ganze Zeit, so da er noch etwas nachbestellen 
konnte, bis er - allerdings kaum weniger berstrzt - das Lokal verlie. 

Also kam jemand vorbei, gab ihm ein vereinbartes Zeichen, und er folgte zu einem Treffpunkt, wo 
man sich sicher fhlte. 

Das ist der Eindruck, der sich aufdrngt, Wir sollten diese Spur verfolgen, ohne Zeit zu verlieren, 
Bates. Er macht eine Pause und legt die Hnde zusammen, Fingerspitze gegen Fingerspitze. Gerade 
als Sie kamen, habe ich ber die Regierungsleitung ein Gesprch mit der Prsidentin gefhrt. Sie ist 
auer sich. Die Konfderation hat nun schon mehr als eine unfreundliche Note an sie gerichtet, und 
ihre Noten an die Botschaft der Allianz sind eher noch unfreundlicher. Und der Botschafter der 
Allianz hat sich bei ihr ber die, wie er sagt, unbegrndeten Verdchtigungen seitens der 
Konfderation beschwert. Einige wichtige Klauseln des jngsten Vertrages sind noch nicht formuliert. 
Wir mssen diese Sache endlich aufklren, oder sie wird gezwungen sein, Porttown unter das 
Kriegsrecht zu stellen. 

Bates Magen scheint mit einem Mal der Gin nicht mehr zu bekommen; in seinem Magen brennt es wie 
Feuer. 

Die Armee hierher? Was fr eine Scheie! Dann htten wir tagelang Aufruhr in den Straen. Die 
Leute auf Sarah haben keine Ahnung von dieser Stadt. Hatten sie noch nie! 

Oh, die Prsidentin kennt Porttown gut genug. Die Frage 

149 

ist doch nur, ob Porttown oder der neue Vertrag wichtiger ist. Nun bertreiben Sie nicht, Bates, jeder 
wei, da Sie die Blancos mit Samthandschuhen anfassen, aber ... 

Diese Leute sind Brger der Republik, nicht anders als wir auch. Haben Sie und die Prsidentin das 
vergessen? 

Natrlich nicht. Ein verbindliches Lcheln, zu verbindlich, um echt zu sein. Wir sprechen nicht 
von dem, was wnschenswert ist, sondern von Eventualitten, wenn alle Stricke reien. Wr's Ihnen 
denn lieber, wenn die Allianz hier landet? Es ist so gut wie sicher, da die Konfderation dann ihre 
Flotte schickt, um uns, wie sie sagen werden, zu' beschtzen. 

Und warum sollte die Allianz hier Leute absetzen? 

Ich wei es wirklich nicht. Akeli macht ein gequltes Gesicht. Die Prsidentin hat kein anderes 
Wort davon verlauten lassen. 

Wenn Sie mich fragen - die Allianz ist nichts weiter als eine leere Drohung. Da steckt etwas anderes 
dahinter. Die Typen auf Sarah haben schon viele Jahre versucht, mit Porttown aufzurumen. Was 
wollen sie mit den Blancos machen? Sie in Besiedlungsprojekte stecken? Das ist doch schlimmer als 
jedes Ghetto, das man sich denken kann. 

Das ist nicht mein Ressort, el jefe. Akeli zuckt die Achseln, hebt entschuldigend die Hnde. Ich 
bin nicht der Minister fr Stdtebau. Ich wei nur eines: Entweder Sie finden den Mrder, oder 
Porttown wird dichtgemacht, dichter als jede Luftschleuse. Haben Sie mich verstanden? 

Sie waren recht gut zu hren. Bates richtete sich auf seinem Sessel auf und stellt sein Glas ab. Jetzt 
hren Sie mal zu, und am besten erzhlen Sie auch der Prsidentin, was ich Ihnen sagen werde. Wenn 
sie Porttown unter das Kriegsrecht stellt, dann wird sie ganz schn alt aussehen. Denn unter den 
Leuten dort hlt sich etwas versteckt, was sie dringend brauchen knnte, eine neue Trumpfkarte in 
diesem Spiel, in dem lausigen Spiel zwischen der Allianz und der Konfderation. Und ich wette, da 
die Alliierten das wis- 

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sen, und deshalb wollen sie auch Zeit schinden, denn ihre Lage ist ganz schn bld. 

Tatschlich? Akeli hat sich in seinem Sessel zurckgelehnt; nun verzieht er rgerlich das Gesicht 
und richtet sich auf, um Bates in die Augen zu sehen. Und was soll das fr eine weltbewegende 
Sache sein? 

Wie wr's denn mit einem Erstkontakt? Mit einer noch nie gesehenen Spezies, absolut neu und 


einmalig? Und dieser Fremde hat sich ausgerechnet in unserer schnen Stadt versteckt, weil die 
Alliierten sein Schiff auf der Bahn um die Sonne verfolgt haben? 

Akeli sitzt reglos da, nur ein groer Schweitropfen rinnt langsam ber seine Backe. 

Okay, Mann, sagt Bates, ganz schn delikat, nicht? Ich wei noch nicht einmal, wo dieser Fremde 
jetzt steckt. Und wenn irgend jemand uns die Porttowner verrgert, dann werden wir es vielleicht nie 
wissen. Ist das klar? 

Scheie, erwidert Akeli leise. Aber was ist, wenn sie die Truppen trotzdem herschickt? Was 
knnte sie davon abhalten, Porttown einfach auseinandernehmen zu lassen, Haus fr Haus? 

Nicht was, sondern wer? Und Sie sind derjenige, der das besorgen mte. Wenn erst mal die Armee 
hier ist, was hat dann die Staatspolizei noch zu sagen? Sie haben doch hier ein Agentennetz in 
Porttown, das bis in die Botschaften reicht. Was soll daraus werden, wenn erst der militrische 
Geheimdienst berall herumschnffelt? 

Akeli flucht so gotteslsterlich, da man annehmen mu, da er verstanden hat. Bates erlaubt sich ein 
ganz kleines Lcheln. 

Sie sollten also noch einmal mit der Prsidentin reden. Sagen Sie ihr, was Sie wollen, aber sagen Sie 
es deutlich. 

h ... scheint ja unvermeidlich zu sein, nicht wahr? Na schn, ich werd's versuchen. Sonst bleiben 
uns nur noch drei Tage, bis die Armee landet. 

151 

Drei ...? Bates ist zu erschttert, um noch zu fluchen. Dann sollten wir uns besser an die Arbeit 
machen. 

Bates kann es kaum erwarten, endlich mit Lacey zu reden, doch fhrt er erst einmal ein Stck, bis er 
gut zwei Kilometer vom Turm der Staatspolizei entfernt ist. Von hier aus knnen sie den Funkverkehr 
nicht mehr so einfach abhren. Er parkt den Gleiter in einer ruhigen Gasse, dann ruft er ber sein 
privates Telefon Buddy an. 

Chief Bates, ich bin sehr froh, von Ihnen zu hren. Ich habe die Ergebnisse der Nachforschung, die 
Sie gewnscht haben. Ich bin eben dabei, den vollstndigen Bericht an Ihren Computer durchzugeben. 
Mchten Sie inzwischen eine kurze Zusammenfassung hren? Aber verdammt gerne. Gracias, 
Buddy. Schie los. Vor sechsunddreiig Jahren ist ein Buch erschienen, das eine weltweite 
Kontroverse auslste. Es hie Dem Terror entronnen, und der Autor, ein Mensch, war ein berlufer 
der Allianz, der um politisches Asyl ersuchte. Er gab an, da er gezwungen werden sollte, seine Psi-
Begabung als Killer im Staatsauftrag einzusetzen. Er gebrauchte dabei das Wort Assassinen. Nachdem 
er sich zur Religion des Galaktischen Bewutseins bekehrt hatte, trieb ihn sein Gewissen dazu, sich 
von diesem Tun loszusagen. Sprecher der Allianz dementierten seine Beschuldigungen, er sei nichts 
weiter als ein geldgieriger Romanschreiber. Spter gab es dann mehrere Holo-Filme und ein 
dokumentarisches Drama ber diese Geschichte, ganz abgesehen davon, da das Motiv der psi-
begabten Assassinen seither aus der Schundliteratur nicht mehr wegzudenken ist. Die Allianz rief in 
mehr als hundert Fllen die Gerichte an, um eine weitere Errterung dieses Themas zu unterbinden, 
und hatte auch einen gewissen Erfolg damit. 

Daran erinnere ich mich, damals war ich allerdings noch ein Kind. Gibt es irgendeinen Hinweis, ob 
der Mann log oder die Wahrheit sagte? 

152 

Keinen, Sir. Er starb kurz nach Erscheinen des Buchs. Es war Selbstmord, aber was besagt das schon 
... 

Du meinst, wenn ein Profi das arrangiert hat? 

Genau, Sir. Ich bertrage das ganze Buch in eine der Resexve-Speicherboxen Ihres Computers. Ihre 
Einheit und Sie werden sehen, da es viele erstaunliche Details enthlt, fr wie phantastisch man die 
Geschichte auch halten mchte. 

Sehr gut, Buddy. Jetzt haben wir endlich einen Haken, an den wir unsere Hemden hngen knnen. 
Etwas, das die Prsidentin den Alliierten unter die Nase reiben kann, wenn es ntig sein sollte. 

Sir? Ich verstehe nicht. 

Tschuldige, Buddy. Hr zu - erst erzhl' ich dir, was los ist, dann mut du Lacey fr mich ausfindig 
machen. Sie sollte erfahren, da jemand den Einsatz in unserem Spiel gewaltig erhht hat. - Ach, 
bevor ich's vergesse: Die Staatspolizei hat gemerkt, da jemand in ihr System eingedrungen ist. 

Danke, Sir. Ich werde bestrebt sein, in Zukunft keine Spuren mehr zu hinterlassen. Ich bin jetzt auf 
Input geschaltet und nehme gern Ihre Daten auf. 


Wie versprochen erwartet sie Sam bei Kelly an der Bar. Gelangweilt verfolgt er die Aufzeichnung 
eines Baseballspiels an der Videowand, whrend er hin und wieder einen Schluck aus dem groen 
Glas mit auf Hagar gebrautem >Tequila< nimmt, pur bis auf eine einzige Limonenscheibe. Er ist gro 
und schlank, mit schwarzem, lockigem Haar und dunkelbrauner Haut - ein gutaussehender Mann mit 
jener typischen athletischen Figur der Raumfahrer, die in der Enge ihrer Schiffe die von 
Wissenschaftlern entwickelten bungen absolvieren. Und wie die meisten Raumfahrer trgt er einen 
Overall, knigsblau bis auf den silbergrauen linken rmel. Als er Lacey erblickt, fllt er mit einem 
Jubel- 

153 

schrei ber sie her und zieht sie an sich. Die umstehenden Gste amsieren sich. 

He, Lacey, ruft einer, was wird denn Mulligan dazu sagen, na? 

Lacey macht nur eine wegwerfende Handbewegung. 

Bei Kelly gibt es einige gemtliche Nischen im hinteren Teil des Restaurants, speziell fr jene Gste, 
die mehr die Intimitt als die laute Gesellschaft lieben, und Lacey fhrt Sam zu jenem Tisch, der am 
weitesten vom Eingang entfernt ist. Lchelnd nimmt er die dunkle Holzverkleidung und das sauber 
gebgelte Tischtuch zur Kenntnis, dann setzt er sich ihr gegenber und schaltet die Speisekarte ein. 

Alles, was du magst, mein Kleiner, sagt Lacey, ich lade dich ein. 

Himmel, nein! Ich werde bezahlen! 

Dann wieder das alte Spielchen? 

Na gut, werfen wir eine Mnze - aber erst nach dem Essen. 

Sie tippen ihre Bestellung ein, Sojasteak fr Sam, Fischbllchen aus getrockneten Lachsflocken fr 
Lacey, dann schalten sie die elektronische Karte wieder aus. Kelly kommt hchstpersnlich herbei und 
bringt eine Flasche Wein und zwei Glser; er macht aus dem Eingieen fast ein Ritual. 

Hallo, Lacey, que pasa? Ich hab' gehrt, da dein Mulligan bei den Maurauders den Shortstop spielen 
wird? 

Er ist nicht mein Mulligan. Die leichte Schrfe in ihrem Ton bereut sie sofort. Sie lchelt, als ob es 
ein Scherz gewesen wre. Und was erwartest du von mir? Soll ich ihm sagen, da er deinetwegen 
schon mal einen Ball fallen lassen soll? 

So verzweifelt ist unsere Lage nicht, erwidert Kelly lachend. Ich wette, da wir sie diese Saison 
ohne weiteres schlagen knnen. 

Der Wein ist eingeschenkt, Kelly geht, er wischt seine sauberen Hnde immerzu an einem ebenso 
sauberen Handtuch 

154 

ab. Sam nimmt einen Schluck und wirft Lacey ber den Rand des Glases ein freches Grinsen zu. 

Schau mich an! sagt er. Er ist also nicht dein Mulligan? Aber jeder Mensch hier redet von 
Mulligan, wenn er dich sieht. Halb Porttown scheint ihn fr deinen Freund zu halten. 

Er ist etwas zwischen einem guten Bekannten und einem streunenden Hund. 

Ja, sicher. Sag das deiner Tante. 

Er ist wahrscheinlich viel eher dein Geschmack als meiner. Stehst du nicht auf dnne blonde Typen? 
Aber du wirst bei ihm kein Glck haben, ist nicht sein Fall. 

Dann liebt er dich, ohne Zweifel, ganz egal, was in dem Stck rostfreiem Stahl vorgeht, das du dein 
Herz nennst. 

Sei still! 

Ich hab's erraten, nicht wahr? 

Lacey braucht nicht zu antworten, denn der Robotkellner rollt an ihren Tisch und bringt ein Tablett mit 
Appetithappen. Auf Rechnung des Hauses, sagt er mit seiner nasalen Stimme. Lacey fragt sich, wer 
blo die Robotkellner so programmierte, da sie sich wie stark verschnupfte kleine jungen anhren. 

Nicht bel. Sam hat sich schon eine Kohlroulade genommen und spricht nun zwischen den 
einzelnen Bissen. Verglichen mit anderen Planeten ist das Essen hier nicht besonders, aber die 
Schiffsrationen schlgt es allemal. 

Ein kleiner Ausgleich, immerhin. 

Sam starrt sie erschrocken an. 

He, amiga, que pasa? Alles in Ordnung hier bei den Landratten? 

Mu es wohl sein, nicht? Oder hab' ich eine Wahl? 

Nun gut. Er nimmt die nchste Roulade. Hr zu, wenn wir beide an den richtigen Fden ziehen, 
dann knnen wir vielleicht deine Papiere zurckbekommen, dann kommst du mit mir als mein Chef 


Operator. 

Und wie, in aller Welt, wollen wir das schaffen? 

155 

Die Chancen stehen nicht gut. Seine Stimme klingt mde und traurig. Verdammt, ich fhle mich 
verpflichtet, etwas zu tun. Schlielich bin ich auch einer von denen, die dir das Leben verdanken. 

Du verdankst mir nicht die Bohne. Ich hab' meinen eigenen verdammten Hintern gerettet! 

Gut, gut ... ich wei. Das sagst du doch immer. Aber trotzdem, wenn du nicht gewesen wrst, war' 
ich jetzt tot, und fnfhundert andere gottverdammte Leute noch dazu. Es macht mich immer ganz 
krank, wenn ich daran denke, wie sie dich dafr geschat haben. 

Nun vergi nicht, nach dem Gesetz htten sie mich an die Wand stellen mssen. Die richtigen Fden 
ziehen! Denk an Eisenschnauze und seine Admiralsterne, ohne ihn wre es aus gewesen mit mir. 

Das meine ich doch, wir sind dir etwas schuldig. 

Chinga tu madre! 

Sam zuckt zusammen und gibt nun endlich Ruhe. Lacey nimmt sich ein Stck Toast mit leuchtendrosa 
Krabbencreme. Langsam kaut sie und hofft im stillen, da Sam nicht auch noch den Rest der alten 
Geschichte aufwrmt. Damit sie jenes Wort nicht hren mu, den Grund dafr, da sie den Dienst 
quittieren mute und niemals wieder zur Besatzung eines Schiffs gehren kann. Er fhlt sich 
mitverantwortlich, es lie ihm einfach keine Ruhe, wann immer sie sich trafen. Einige Menschen das 
galt auch fr andere Wesen - gehren einfach in den Raum; andere gewhnen sich eigentlich nie 
daran, in einem kleinen Metallgehuse gefangen zu sein und durch den endlosen Wirbel von 
Lichtpunkten zu gleiten. Captain Rostow von der Avalon gehrte zu solchen Leuten. Zwanzig Jahre 
war er schon im Dienst, doch strubte sich sein Innerstes dagegen, formierte sich zu einem einzigen 
lautlosen Aufschrei, wenn ihm bewut wurde, da er sein Leben einer dnnen Hlle und etwas 
Technik anvertraut hatte der schiere Wahnsinn in dieser fremden Welt des kosmischen Staubs und der 
Sterne, die 

156 

mit ihren Protuberanzen nach dem vorbeischwebenden Schiff zu greifen scheinen. Bei einem 
Routineeinsatz gegen Piraten brach er dann zusammen. Als die Avalon sie schon in die Flucht 
geschlagen hatte, befahl er pltzlich, die Schutzschirme abzuschalten, um sich mit voller Kraft 
zurckziehen zu knnen. Ohne die Schutzschirme konnten die Piraten die Avalon mit einem einzigen 
guten Schu atomisieren, aber in seiner Panik hatte der Captain nur noch den Wunsch, so schnell wie 
mglich festen Boden unter die Fe zu bekommen, dem erbarmungslosen Raum zu entkommen und 
unter dem blauen Himmel des nchsten Planeten Zuflucht zu suchen. 

Meuterei. Ein hliches Wort, denkt Lacey, fr eine hliche Tat. Sie war der einzige Offizier auf der 
Brcke, der es wagte, die Laserpistole auf Betubung einzustellen und auf Rostow zu richten. 
Nachdem sie ihn in seine Kabine eingeschlossen hatte, verhngte sie als diensthabender Offizier ber 
sich selbst Arrest und bergab das Kommando an Sam. Hinter vorgehaltener Hand sagte man sich bei 
der Admiralitt, da sie das einzig Richtige getan htte, aber um der Disziplin willen wurde die 
Todesstrafe beantragt. Nur das Eingreifen von Eisenschnauze, Admiral Wazerzis, verhinderte das 
Schlimmste. Aber er konnte auch nicht mehr erreichen, als da man ihr erlaubte, von sich aus den 
Dienst zu quittieren, um einer unehrenhaften Entlassung zuvorzukommen. Ihre Schiffspatente wurden 
unter Verschlu genommen. 

Was Lacey niemandem so ganz erklren kann, ist, da sie im Grunde mit dem Oberkommando 
bereinstimmte. Nicht, da sie sterben wollte. In der Nacht, als sie von der Begnadigung hrte, lachte 
und bebte sie im Wechsel, zwei Stunden lang, aus purer Erleichterung. Eigentlich hatte sie ja nur 
zwischen zwei Todesarten gewhlt, damals, auf der Brcke, als Rostow zu schwitzen und toben 
begann. Und ihr Leben gegen das von fnfhundert anderen schien ihr ein vernnftiger und gerechter 
Preis, ein Preis, den sie durchaus zu bezahlen bereit war im Namen jener Disziplin, die dem 

157 

Kriegsgericht so am Herzen lag. Eines der wichtigsten Bollwerke gegen jenen Raumkoller, dem 
Rostow zum Opfer fiel, ist eine rigide Disziplin mit ihren Routineverrichtungen -eine knstlich 
festgefgte Welt, in der alles geregelt ist, was ebenso beruhigend wirken kann, wie es lstig ist. Auf 
einem Schiff ist man vllig dem ausgeliefert, was die anderen tun. Ein einziger Verrckter mit einer 
Pistole bedroht nicht nur einzelne Menschen, sondern das ganze Schiff. Ein unertrglicher Gedanke, 
da eines Tages sich jemand finden knnte, der durch ihr Beispiel ermutigt einen Grund zum Meutern 
zu haben glaubt obwohl er nichts weiter als irrsinnig ist. 


Weit du, sagt Sam, vielleicht kommst du eines Tages in die Lage, irgend jemanden ein bichen 
erpressen zu knnen. Ich werd' die Ohren offenhalten; vielleicht ergibt sich etwas, mit dem man diesen 
Viersternetypen Beine machen kann, da sie deine Papiere herausrcken. 

Gracias, Amigo. Scheint mir etwas unwahrscheinlich. 

Das Essen kommt, und sie essen schweigend, bis sie fast am Ende sind, wie es zur Etikette einer 
Offiziersmesse gehrt. Wenn eine Mahlzeit jederzeit durch die Alarmsirenen unterbrochen werden 
kann, dann ist Essen wichtiger als eine Unterhaltung bei Tisch. Schlielich verteilt Sam den Rest Wein 
so gerecht wie mglich und lehnt sich behaglich zurck, das Glas in der Hand. 

Du hast mir nicht gesagt, was es mit diesem Mulligan auf sich hat. 

Hab' ich wohl. Hab' dir gesagt, du sollst den Mund halten, nicht wahr? Es gibt nichts zu sagen. 

Warum gibst du dir dann so viel Mhe, nichts zu sagen? Bekomm' ich ihn zu sehen? 

Teufel, du kannst ihn haben. 

O ja, ganz bestimmt. Das hast du schon einmal ber einen Typ gesagt, ich erinnere mich sehr gut 
daran. Und du warst stinksauer, als ich dich beim Wort genommen habe. 

Ich dachte nicht, da er darauf eingehen wrde, du Mist- 

158 

kerl. Trotz des Schimpfwortes lchelte sie. Man kann nicht immer gewinnen, nicht? 

Du hast das eine Mal gewonnen, als es wirklich zhlte. Sam sagt es recht melancholisch, er hlt sein 
Glas ins Licht, da der se Wein blutrot aufleuchtet. Wenigstens sah es damals so aus. Wirklich, als 
httest du den ersten Preis gewonnen. Eher ein faules Ei im Nest, nicht wahr? Wenn ich daran denke, 
was dieser Hurensohn dir angetan hat! Der melancholische Unterton ist verschwunden, er grinst sie 
an. 

Geschah dir ganz recht, nachdem du ihn mir weggenommen hattest. 

Ich hab' dir einen Gefallen getan, das weit du ganz genau. 

Heute wei ich es. Aber ist es nicht verrckt, wie die Dinge sich entwickeln? Sobald er dich 
verlassen hatte, wute ich schon, da wir beide Freunde wrden denn schlielich waren wir beide 
blde genug, um auf einen Bastard wie ihn hereinzufallen. Die klassische Dreiecksgeschichte: Ich 
liebte ihn, du liebtest ihn, und er liebte sich. 

Lacey lacht laut auf, dann macht sie sich an der Speisekarte zu schaffen, um Wein zu bestellen. Nach 
zwanzig Jahren kann sie auf die einzige groe Liebe ihres Lebens mit einer milden, fast schon 
komischen Gelassenheit zurckblicken, kaum anders als Sam, obwohl sie damals vom Selbstmord 
nicht mehr weit entfernt war. Es war wohl die strenge Disziplin der Flotte, die sie davon abhielt, die 
berzeugung, da ein Offizier, der sich ttete, nicht nur sich selbst, sondern auch der Flotte Schande 
bereitete. 

O mein Gott! sagte sie unvermittelt. Sam, sag blo, wie hie er doch? Alvarez oder Alvarado? 

Sam berlegt, das Glas in der Hand. 

Alvarez. Wie die Zeit vergeht. Ich mute auch erst nachdenken. Was wohl aus unserem guten Jaime 
geworden ist? Ich werde alles, was du willst, darauf wetten, da er noch immer mit der verdammten 
Flotte herumschippert. Madre de Dios, was war er schn! Ist es vielleicht noch immer. Die- 

159 

ses verfluchte Verjngungsmittel es bringt die verlassenen Geliebten um ihre spte Genugtuung. 
Wenn es eine Gerechtigkeit gbe, dann mte er jetzt schlaff und welk sein, aber wahrscheinlich 
bricht er immer noch die Herzen, wo immer er auftaucht. 

Ja, sicher. Aber es war nicht nur sein Aussehen, Mann. Wie er sich gab, dieser Gang ... Ich war hin 
und weg, sobald ich ihn sah. Manchmal hatte ich das Gefhl, da es schon etwas Besonderes war, 
irgendwo herumzustehen und auf ihn warten zu drfen, wenn er mich wieder einmal versetzt hatte. 
Und nie verga man, da er ein Held war. Es hrt sich albern an, wenn man es sagt, aber er war 
wirklich einer. 

Orden von der Schulter bis zur Taille, nicht wahr? Sam blickt an ihr vorbei, er hngt seinen 
Erinnerungen nach. Und er hat jedes verfluchte Stck Blech verdient. Mir fllt nicht mal eine 
zynische Bemerkung ein. Er hat sie verdient, wirklich. Er nimmt die offene Weinflasche vom Tablett 
des Robotkellners. Wollen wir auf die Vergnglichkeit der Liebe trinken? 

Warum nicht? Mach die Glser voll, amigo. 

Sie prosten sich zu, leeren dann die Glser bis zur Hlfte, ein anderer Brauch aus der Offiziersmesse. 
Als Lacey eben einen zweiten Trinkspruch anbringen mchte, sieht sie Bates, der durch die 
Tischreihen mit groen Schritten auf sie zukommt. So dster ist sein Gesichtsausdruck, da sie 


erschrocken aufspringt, noch bevor er sie erreicht hat. 

Wir haben Sally Pharis gefunden. Kein schner Anblick. 

Das ist das, was ich schon die ganze Zeit befrchtet habe, Chief. Ist es wie bei den anderen? 

Bates mu schlucken, als er daran erinnert wird. Dann holt er tief Luft. 

O je ... tut mir leid, euch beim Essen zu stren. Aber wollen Sie mit mir ins Leichenschauhaus 
kommen? Wir mssen auch reden, Lacey. Ich schwr's: Wir brauchen Ihre Hilfe wirklich dringend. 

160 

Wenn Bates das eingestand, dann mute die Lage schlichtweg katastrophal sein. 

Okay, ich werde mitkommen. He, Sam wirst du zu Hause auf mich warten? 

Wenn du mchtest, komme ich auch mit. Bates schttelte den Kopf. 

Je weniger davon wissen, um so besser, sagt er. Tut mir leid, Captain, ist nicht persnlich 
gemeint. 

So hab' ich es auch nicht aufgefat, Chief. Sam steht auf und trinkt sein Glas aus. Ich werd' 
bezahlen, Lacey. Wir sehen uns dann bei A-bis-Z. 

Whrend der Fahrt zum Leichenschauhaus berichtet Bates Lacey, da er die Polizei-Hypnotiseurin 
angewiesen hat, sich Little Joe vorzunehmen; vielleicht fiel ihm noch das eine oder andere Detail zu 
Sally und der Nacht ein, in der Ka Gren ermordet wurde. Dann kommt er auf Akeli zu sprechen, auf 
dieses Fllhorn von Drohungen, das er ber ihn ausgeschttet hat. Lacey ist berrascht, wie gro die 
Wut ist, die sie mit einem Mal packt; eigentlich ist sie ber das Stadium hinaus, in dem man sich ber 
Regierungsentscheidungen noch aufregt. 

Schwachsinnige Kuh, sagt sie und meint damit die Prsidentin der Republik. 

h, der Gedanke ist mir nicht ganz fremd. Hren Sie mal, ich wollte dort im Restaurant nichts sagen, 
aber es ist etwas wirklich Schreckliches mit Sally passiert. Wenn Sie die Leiche nicht sehen wollen, 
sagen Sie es nur. 

Ich hab' das Gefhl, ich sollte es mir anschauen. Wofr halten Sie mich eigentlich? Mensch, 
schlielich war ich Soldat, haben Sie das vergessen? Ich hab' mehr als einen Menschen gesehen, den 
es ber den ganzen Geschtzturm verteilt hatte, wie Himbeermarmelade. 

Als sie in der langen, kalten Halle stehen, jedes Gerusch ein vielfaches Echo, und auf die Bahre 
starren, die vom Rest der Welt durch eine Plastikplane hermetisch abgetrennt ist, kann Lacey Bates 
Besorgnis verstehen. Ohne die Erfahrun- 

161 

gen aus ihrer Dienstzeit, die sie abgehrtet haben, htte sie nicht da stehen und dieses Bild in sich 
aufnehmen knnen. Sogar der Gehilfe des Gerichtsmediziners scheint mit der belkeit zu kmpfen, er, 
der wohl ber zwei Dutzend Mordopfer im Laufe seiner Karriere gesehen haben mute, ganz zu 
schweigen von den unzhligen Toten, die man aus zertrmmerten Gleitern geboren hatte. Aber da sie 
nun Ekel fhlt, kaum Trauer, das liegt daran, da sie dieses Wesen, das vor ihr liegt, nicht als Sally 
begreift. Die Kehle ist von einem Ohr zum anderen durchschnitten worden; ein Sturzbach von Blut hat 
sich ber den Leib ergossen, doch was einmal Brust und Bauch war, das ist ein verkrustetes Etwas, 
eine schumende Masse aus silbergrauen Fden, die sich in das Fleisch eingewoben haben. Auch die 
Oberarme existieren nicht mehr, sind zerfressen, freigelegt bis auf den Knochen. Und das Gesicht ist 
kaum wiederzuerkennen als htte jemand eine Bste von Sally machen wollen, aber die graue 
Tonerde war zu na, um die Form halten zu knnen. Ein zerlaufenes Gesicht. Laceys Kehle ist wie 
zugeschnrt, wie gern htte sie geflucht, doch gibt es kein Wort fr das, was Sally zugestoen ist. 

Ich habe Sie gewarnt, sagt Bates leise. 

Aber ja. Sieht aus, als wre dieses Zeug da am aktivsten, wo es frisches Blut findet. 

Der Gerichtsmediziner hat sich hnlich geuert. Er arbeitet an seinem Bericht, zusammen mit Dr. 
Carol. Es J mssen diese exotischen Bakterien sein, meint er, in einem weiteren Entwicklungsstadium 
wahrscheinlich. Er legt sich nicht gern fest. 

Und wo ist Carol jetzt? 

Im Quker-Hospital, sagte man mir zuletzt, immer noch mit Little Joe Walker beschftigt. Wenn sich 
das Zeug tatschlich so entwickelt, er deutet auf die Leiche, dann wird er wohl bald einen 
Kunstdarm brauchen. 

Lacey stt einen Seufzer aus und wendet sich ab. 

Also, Chief, wie war das mit der Armee? Da sie die 

Stadt besetzen wollen? Lassen Sie doch einfach etwas durchsickern, von dem, was wir hier gesehen 
haben. Ich wette Ihren Hintern, da die Typen desertieren werden, bevor sie noch einen Fu in die 


Stadt gesetzt haben. 

Ein paar Bilder in den Abendnachrichten wrden gengen, denke ich. Ich werd's mir berlegen. 

Sie haben einen Durchsuchungsbeschlu fr Sallys Wohnung? 

Sicher. Sie sehen so besorgt aus, warum? Liegt dort Stoff herum? 

Wie, zum Teufel, kommen Sie darauf? 

Durch meinen Hang zum logischen Denken und weil ich offensichtlich richtig geraten habe. Aber 
keine Sorge, ich kann keine Toten einsperren, nicht wahr? Kommen Sie mit, wenn Sie wollen. 

Die Wohnung ist ein wstes Durcheinander, von der schmalen Trnische bis zum Wohnzimmer, vom 
Wohnzimmer bis zur Kche am anderen Ende. Man tritt auf Scherben, Sallys Nippeskram ist zu 
Boden geworfen. Ein umgestrzter Sessel beim Fernseher, Sallys Kleider, Datenboxen, 
Musikspeicher, Kchengeschirr, alte Pizzakartons und hnliches alles, was ihr gehrte, scheint 
ringsum verstreut. Doch es fehlen der 3-D-Fernseher, der Mikrowellenherd und der nagelneue sehr 
teure Computer. Der alte Putzroboter, den sie vor Jahren gebraucht gekauft hat, liegt ohne 
Lebenszeichen in einer Ecke. Sein Genick ist gebrochen. 

Wirklich clever, sagt Lacey laut. Ich wette, da auch ihr Schmuck fehlt. Ein gelungener 
vorgetuschter Einbruch, aber wozu die Mhe? 

Bates zuckt mit den Schultern, nicht weniger erstaunt als sie. Doch die Verwstung scheint wie eine 
Spur hinber ins Schlafzimmer zu fhren. Pltzlich wird Lacey die Absicht klar, sie sollen ihr folgen. 
Und sie sprt einen Stich im Herzen, denn sie glaubt zu wissen, was sie finden werden. 

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Schweinekerl, sagt sie, das wirst du mir ben. 

Was ist los? 

Kommen Sie, el jefe. 

Im Schlafzimmer liegt, wie sie befrchtet hat, Ibrahim -ausgebreitet auf dem Bett, mit einem sauberen 
kleinen Loch im Hinterkopf. Der arme alte fette Ibrahim, in einem zerrissenen Unterhemd und 
blutgetrnkten Shorts. 

Ach so ist das! platzt es aus Lacey heraus. Was fr ein Zufall, man hat ihn berfallen und die 
Wohnung ausgerumt, genau an dem Tag, an dem sie umgebracht wurde. Ein sehr wahrscheinliches 
Zusammentreffen, ganz zweifellos. Ibrahim mu etwas gewut haben, also mute auch er sterben. Ich 
denke, wir sollten glauben, da die Einbrecher ihn gettet haben, nicht wahr? 

Ja, klar doch, die Einbrecher. Man braucht sich nur anzusehen, wie er gettet wurde - anders als die 
brigen Opfer. Aber es ist wirklich stmperhafte bertreibung, ein Overkill - das sollte kein Witz sein, 
Entschuldigung. 

Vor dem Kleiderschrank liegen die Beutel mit dem Sarah-Haschisch, die Jeans und die 
lavendelfarbene Bluse, genau so, wie sie es in Erinnerung hat und Buddy es fotografierte. Nur da die 
Bluse jetzt mit Blut beschmiert ist. 

Das htte der Mrder nicht liegen lassen drfen, sagt Bates. Entweder hlt er uns fr bld, oder er 
ist inzwischen so in Bedrngnis, da er nicht mehr klar denken kann. 

Da mu ich zustimmen. Es ist wirklich dmlich, den Stoff hier liegen zu lassen - kein Einbrecher 
wrde so etwas bersehen. Auer wenn er nicht wei, wie wertvoll das Zeug ist. Und in diesem Fall 
ist er tatschlich nicht von diesem Planeten. 

Richtig. Also unser psi-begaber Killer? 

Knnte sein. Der Gedanke macht sie schaudern. Aber, Chief - sorgen Sie dafr, da niemand hier 
etwas ohne Handschuhe anfat, unbedingt! 

Was? 

Sally war von diesen Bakterien infiziert, und ich wette, 

164 

da es diesen Kerl kaum weniger erwischt hat. Er mute Sally erst berwltigen, bevor er sie ttete, 
und sie war sehr krftig. Sie hatte immerhin den schwarzen Grtel, Mann. Es mu von diesen 
Bakterien hier nur so wimmeln. 

Himmel, Sie haben recht! brigens, wir haben die Geschichte ans Fernsehen gegeben, die ganze 
Nacht luft es schon in den Nachrichten. Die Leute werden aufgefordert, alles Auffllige zu melden. 
Der Kerl mu doch von Blut nur so triefen, jemand mu das gesehen haben. 

Das sollte man meinen, Teufel noch mal. 

Ich werd' das Einbruchsdezernat anrufen. Wird Zeit, da sie sich hier an die Arbeit machen. Sie 


gehen jetzt nach Hause? 

Ja, bald. Aber Sie knnen mich ber den Computer jederzeit erreichen. Sagen Sie mal, dieser Stoff, 
Chief ... dieser Beutel ist noch verschlossen, und die einzelnen Pckchen darin kann man sicher ohne 
Risiko anfassen. Knnen Sie mir etwas davon berlassen? Ich brauche es, um einige Leute zum Reden 
zu bringen. 

Sicher. Ist besser als Geld, nicht wahr? Nehmen Sie, was Siebrauchen. 

Lacey stopft sich die Taschen voll, vielleicht hundert Gramm kann sie so unterbringen. Als sie durch 
den Flur geht, wirft sie zufllig einen Blick ins Bad. 

Verdammt, Chief, sehen Sie mal. Hier hat jemand gebadet, und ich wette, es war nicht Ibrahim, so, 
wie er gerochen haben mu: Jede Seife, jede Lotion hat er ausprobiert. 

So sieht es aus. Lacey - scheint, als htten Sie recht mit diesen verrckten Bakterien. 

Mulligan arbeitet im Garten, er jtet das Unkraut in einem Beet Brotfarn. Das ist eine der wenigen 
Pflanzen der gemigten Zonen von Sarah, die auf Hagar gedeihen. Zwar werden die blaugrnen 
Farnwedel in dem trockenen Klima nur ein Meter hoch, nicht sechs wie auf Sarah, doch erntet man 

165 

auch hier die begehrten Knollen, einige Kilo schwer und reich an wertvollen Kohlenhydraten und 
Proteinen. Das Wasser, das man dafr opfern mu, ist keineswegs verschwendet. Mulligan jtet gerne; 
Unkrauttriebe und Pilze zu entfernen ist gerade die richtige Arbeit fr ihn: Es ist nicht anstrengend, 
und doch kann er sich damit von dem ablenken, was ihn qult. Aber wie sehr er auch hofft, sich 
betuben zu knnen, er ist und bleibt in Nunks' Bannkreis und kann nicht umhin, dessen Sorgen 
mitzufhlen: Er zerbricht sich den Kopf, wie man dem geheimnisvollen Wesen drauen im Rattennest 
helfen knnte, und schreckt doch vor der Gefahr immer wieder zurck. Zwar fhlt auch Mulligan 
groes Mitleid mit der Insektenfrau, aber er hat keineswegs das Bedrfnis, nach ihr zu suchen, zumal 
dieser psi-begabte Killer hinter ihm her ist. Sollte Nunks zu einem Entschlu kommen, dann wrde er 
sich eine gute Ausrede ausdenken, um hier hinter den verschlossenen Tren von A-bis-Z bleiben zu 
knnen. 

Die erste Reihe von Beeten hat er gerade beendet, als Nunks sich meldet: Da sei jemand an der Tr, 
der sich als Freund von Lacey ausgebe und eingelassen werden wolle. Mulligan kann Nunks 
Mitrauen spren, es ist wie ein Kribbeln entlang seiner Wirbelsule. 

Groer Bruder, spre keine Lge. 

Keine Lge zu spren. Aber: Vorsicht! Denke an Mrder mit Psi. Buddyfragen, Kontrolle. 

Zgernd geht Mulligan in Laceys Bro. Der Computer scheint nicht zu arbeiten; auf dem Bildschirm 
ist nichts als ein schwaches Leuchten zu sehen. Doch sofort reagiert er I auf den Eindringling, die 
Sensoren blinken auf, und der Scanner schwenkt zu ihm herum. 

Da ist jemand am Tor, Buddy. Nunks hat gesagt, ich soll dich um eine berprfung bitten, eine 
Identittskontrolle. 

Ist schon geschehen, Einheit Mulligan. Glaubt Nunks etwa, da ich nachlssig bin? 

Nein. Wie sollte er ... ich meine, wir wuten doch nicht, was du treibst ... was du eben gemacht 
hast! 

Buddy antwortet mit einem Gerusch, das irgendwie verchtlich klingt. 

Ja doch! schimpft Mulligan. Nun sag endlich, wer da vor dem Tor steht! 

Die Einheit Sam Bailey, Kapitn der Montana und ein sehr guter Freund von Lacey. Identitt ist 
mehrfach besttigt, durch Handabdruck, Irismuster, Infrarotabtastung und meine Datenspeicher. 

Okay, schon gut. Ich werd's an Nunks weitergeben. 

Oh, Einheit Mulligan? Du solltest auf dein Benehmen achten, was Captain Bailey betrifft. Lacey hlt 
sehr viel von ihm, wenn du verstehst. Es wre gut fr dich, einen positiven Eindruck zu machen. 

Wre Buddy aus Fleisch und Blut, dann wrde Mulligan unschwer erkennen knnen, da er - nein, 
nicht lgt -, sondern die Wahrheit aufrecht subjektive Weise formuliert. Aber so treffen ihn die Worte 
wie ein Blitzschlag, da er wie gelhmt stehen bleibt und nach Luft schnappt. Whrend er sich 
langsam die Treppe hinunterschiebt, kann er nur noch das eine denken: Da er es htte wissen mssen, 
da natrlich doch Lacey einen tollen Liebhaber haben mute, vielleicht sogar mehr als einen. Da er 
nichts zu bieten hat, was eine Frau wie sie braucht. - Und noch mehr solcher Gedanken, die alle nur 
den einen Wunsch in ihm wecken: zu trinken, zu trinken bis zur Besinnungslosigkeit, und es dann fr 
immer zu bleiben. Sein erster Blick auf Sam schwarz, muskuls, gutaussehend - kann seine 
schlimmsten Befrchtungen nur noch besttigen. 

Mulligan, hab' ich recht? lchelt Sam freundlich und streckt ihm die Hand entgegen. Lacey hat von 


Ihnen erzhlt. Freut mich, Sie kennenzulernen. 

Whrend sie hndeschttelnd dastehen, stellt Mulligan fest, da er diesen Typ hat und immer hassen 
wird, der nicht einmal zugeben will, da er auf ihn eiferschtig ist. 

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Dann sprt er, da Nunks sich meldet, der hchst irritiert ist. 

Kleiner Bruder, Umfragen: Kommt Lacey nach Hause, ja/nein? 

Captain Bailey, wissen Sie, ob Lacey schon auf dem Heimweg ist? 

Mensch, sag doch Sam! Dieser Captain hngt mir zum Hals heraus, Lichtjahre lang krieg' ich nichts 
anderes zu hren. Aber Lacey, die ist mit diesem Bates von der Polizei unterwegs. Er spricht 
gedmpft weiter. Aber sag mal, kennst du eine Sally Pharis? Traurig, aber es scheint, da sie tot ist, 
Mann. 

Mulligan kannte Sally nur flchtig, doch ist jeder Tod ein Schlag fr ihn. Und das Entsetzen eines 
Menschen, der seinem Mrder gegenbersteht, kann er sich allzu lebhaft vorstellen. Er macht einen 
Schritt, schwankt unsicher. Sam will ihn sttzen. 

Nehmen Sie die Hnde weg! 

Aber ... Bailey tritt einen Schritt beiseite. Ich wollte dir helfen, das war alles. 

Mulligan knurrt etwas und wendet sich dann Nunks zu, der inzwischen so verwirrt ist, da ihn dieses 
Gefhl wie eine Wolke umgibt. Doch er legt einen pelzigen, trstenden Arm um Mulligan und drckt 
ihn an sich, whrend Sam dabeisteht und zu tun versucht, als sei nichts geschehen. 

Kleiner Bruder. Sympathie, rger. Strke zeigen. Mssen helfen, jetzt, Insektenfrau. Lacey zu spt. 
Nicht warten, aufbrechen. Fhrst du Gleiter? Habe Laceys Schlssel. 

Das war der Punkt, an dem Mulligan vorgehabt hat, auszusteigen. Dieses verrckte Abenteuer sollte 
ohne ihn stattfinden, Entschuldigungen hat er sich genug ausgedacht. Aber Lacey liebt ihn nicht, und 
dieser Sam, der wrde niemals etwas versumen, das so gefhrlich war wie dieses Unternehmen. 
berhaupt, wozu noch leben. In der Nationalliga darf er sowieso nicht spielen. 

Ich fahre. Du hast vllig recht. Wir gehen, gleich jetzt. 

Erleichterung. 

Sagen Sie, Bailey? sagt Mulligan. Tut mir leid, da wir so in Eile sind, aber es geht um eine groe 
Sache. Sie kennen das Rattennest, ja? Eine Freundin von uns steckt da- in Schwierigkeiten, mssen sie 
herausholen. Macht Ihnen sicher doch nichts aus, oben auf Lacey zu warten? 

Natrlich nicht, aber sag mir, amigo - wenn ihr Untersttzung braucht, dann komme ich mit. 

Ach, ganz unntig. Mulligan zuckt leichthin die Achseln und hofft, da es lssig genug wirkt. 
Nunks und ich, wir schaffen es schon allein. 

Kleiner Bruder: Verrckt! Diesen Mann mitnehmen! 

NEIN! Erklrung spter. 

Whrend Nunks in seinem Zimmer nach dem Ersatzschlssel von Laceys Gleiter sucht, bringt 
Mulligan Sam nach oben in das Bro, dann gibt er Rick neue Anweisungen, wie Nunks aufgetragen 
hat: Maria mu im Bro bleiben, die ganze Zeit, von Buddys Sensoren bewacht, ganz gleich, was am 
Tor oder im Garten passierte. Sollte der Mrder versuchen, ins Haus zu kommen, soll er die Polizei 
rufen und nicht den Helden spielen wollen, auch nicht mit Sams Untersttzung. Mulligan lt Rick das 
alles vor Buddy wiederholen, so kann er sicher sein, da er sich auch daran halten wird. 

Eines noch, Einheit Mulligan, sagt Buddy schlielich.' Du hast kein Terminal an deinem Grtel. 
Wie soll ich da Kontakt mit euch halten? 

Wer sagt denn, da du das sollst? 

Ihr knntet im Rattennest in Schwierigkeiten kommen. 

Ach ja? Nun, wenn das der Fall sein sollte, dann wird uns irgendein elektronischer Wichtigtuer auch 
nicht helfen knnen! Mulligan dreht sich um und geht hinaus. 

He, Mann! ruft Sam ihm nach. Die Maschine hat recht, glaub mir! 

Whrend Mulligan die Treppe hinunterstrzt, immer zwei Stufen auf einmal, geht es ihm durch den 
Kopf, da er lieber 

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tot wre, als auf Sam zu hren. Und was Buddy betrifft -sein Ha ist so stark, da er diese hochnsige 
Stimme nie wieder hren mchte. 

Mit hundert Gramm Sarah-Haschisch in ihren Taschen besteigt Lacey in der Vierten Strae die U-


Bahn nach Porttown. Es sind noch einige Stunden bis zur Rush-hour des spten Abends, so hat sie 
einen ganzen Wagen fr sich allein, bis auf einen Teenager, eine Bianca mit rotem Haar, die sich 
geruschvoll ber ein besonders stark duftendes Paket mit Lizzie-Chips hergemacht hat. 
Durchdringend riecht es nach Zwiebeln und Essig. Essen ist zwar verboten in der U-Bahn, aber Lacey 
schweigt. Das Mdchen trgt ein Messer an der Wade, und obwohl Lacey ihr das abnehmen knnte, 
ohne es recht zu wollen, scheint es ihr die Mhe nicht wert. Statt dessen ffnet sie das nchste Fenster; 
staubige, aber durch die Ionisation frisch duftende Tunnelluft strmt ein. Die Belftung funktioniert in 
keinem der Zge, die durch Porttown fahren, weil, so behauptet die Transportgesellschaft, ungezogene 
Blanco-Kinder Abfall in die Ventilationsffnungen stopfen. 

Lacey braucht die frische Luft dringend. Der Mangel an Schlaf macht sich nun bemerkbar; nur das 
Adrenalin, das Angst und Wut mobilisiert hat, hlt sie noch wach. Doch wenn ihr auch das Denken 
etwas schwerer fllt als gewhnlich, ist ihr Plan ber das weitere Vorgehen fast fertig. Bates knnte 
jeden einzelnen Polizisten und jeden aufgebrachten und zur Selbstjustiz neigenden Brger der Stadt 
auf den Mrder ansetzen - er wrde ihn (oder sie) nicht finden, wenn er sich im Basar versteckte. 
Doch der Mord an Sally bringt etwas Neues ins Spiel. Morde gibt es fter im Basar -Streitigkeiten 
unter Dealern, Eifersucht, Schtige, die sich durch Raub das ntige Geld verschaffen wollen , aber ein 
Mord durch die Fremden ist etwas anderes als ein Mord >unter Freunden<. Sicher hat sich die 
Neuigkeit schon her- 

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umgesprochen, und AI wird es tief getroffen haben. Wenn sie die schrgen Vgel hier berzeugen 
knnte, da der Mrder ebensosehr ihr Feind ist wie der der Polizei, dann knnte es gut sein, da er 
sich zu einem Paket verschnrt vor Bates' Tr wiederfindet. 

Wenn man ein Wesen mit Psi-Fhigkeiten, das auerdem ein exzellent ausgebildeter Profi-Killer ist, 
mit den blichen Mitteln des Basars finden kann. Kein Zweifel, da er (oder sie Lacey ermahnt sich, 
da sie schon zu viele Annahmen ber den Killer als Tatsachen betrachten) ber beliebig viele falsche 
Papiere und die zugehrigen Legenden verfgt, um an jedem Tag der Woche seine Identitt zu 
wechseln. Da trifft sie etwas am Bein, und Lacey springt auf, hat schon halb den Laser gezogen. Das 
rothaarige Mdchen verkriecht sich mit einem angstvollen Aufschrei auf seinem Sitz. War keine 
Absicht, Mensch. 

Und berrascht stellt Lacey fest, da das, was sie da getroffen hat, der leere, zerknitterte Essenskarton 
war, der achtlos auf den Fuboden geworfen wurde. Bevor sie sich wieder hinsetzt, kickt sie ihn ber 
den Gang. Zurck bleibt der Geruch, bertnt auch das sliche Parfm der Kleinen: ein stechender, 
saurer Geruch. 

Heiliger Jesus und Madre de Dios! Lacey schlgt sich vor Begeisterung auf den Schenkel. Aber 
natrlich! 

Das Mdchen fhrt herum auf seinem Sitz und starrt sie an. Wahrscheinlich hlt sie Lacey fr 
verrckt. Lacey lchelt sie strahlend an, verwirft dann aber doch den Gedanken, ihr zu erklren, da 
dieses berbleibsel ihrer wenig appetitlichen Mahlzeit mglicherweise Polar City vor dem Kriegsrecht 
gerettet hat. Wenn der Killer sich mit dem Bakterium infizierte, dann ist es mehr als wahrscheinlich, 
da er (oder sie) auch diesen Geruch nach verdorbenem Essig an sich hat. Es gibt nun ein 
Erkennungsmerkmal, auch wenn es sich mit Parfm ein wenig kaschieren liee; seine (ihre) falschen 
Psse wrden ihm (ihr) nicht mehr viel ntzen, wenn Lacey jetzt die richtigen Helfer auftreiben kann. 
Als sie an der 

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Kreuzung -Strae aussteigt, berfllt sie dieses alte, wohl vertraute und so beraus lstige Gefhl: eine 
merkwrdige Angst, vermischt mit lhmendem Schuldgefhl. Sie wird diesen Mann aufsuchen 
mssen, den man den Brgermeister von Porttown nennt. Ein Glck, da sie genug Sarah Haschisch 
eingesteckt hat; sie wird es brauchen, um die Tr Steher und Leibwchter zu bestechen. 

Bevor sie die Schwebeplattform hinauf zur Strae betritt, drckt sie sich in eine dunkle Ecke der 
Station und ruft ber ihr Terminal bei Carol zu Hause an. Zu ihrer berraschung meldet sich nicht der 
Computer, sondern Carol selbst, und zwar auf Anhieb. 

Ach du bist's, Lacey. Pa auf, ich mu es kurz machen. Ich habe das Zentrum fr 
Infektionskrankheiten auf Sarah angerufen, und die zwlf Minuten Laufzeit sind fast um. 

Ich will ja blo wissen, wie es Little Joe geht. 

Keine Ahnung. Soll heien, da sich das verdammte Zeug weiter ausbreitet, aber es scheint ihn nicht 
umzubringen. Schau, er hat irgendwann gepinkelt - und jetzt machen sich die lieben kleinen Biester da 


unten zu schaffen, fressen die Haare auf und machen die Haut glatt und glnzend, ein bichen ledrig. 
Es macht ihn fast wahnsinnig, aber ich erzhlte ihm, es wre doch ganz neu und interessant fr die 
Mdchen. Der Witz gefiel ihm berhaupt nicht. 

Wrde ich vermuten, ja. 

Und jetzt gerade ist ihm auch nicht zum Spaen, weil die Polizei bei ihm ist. Ich hab' ihm einen 
Anwalt besorgt, bevor? ich die Grnen und ihre Hypnotiseurin zu ihm gelassen habe. 

Hoffentlich. Hast du von der Polizei schon den Bericht ber Sally Pharis bekommen? 

Carols Gesicht auf dem winzigen Bildschirm verdstert sich. 

Hab' ich schon. Hr zu, es knnte auf diese Weise vor sich gehen: Die Bakterien knnen nicht 
ungehindert aktiv sein, solange das Opfer lebt, aber danach fressen sie einen 

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auf. Das Zeug verdaut alle tote organische Substanz wie abgestorbene Zellen und Haare und 
verwandelt sie in einfachen Zucker und eine Art Abfallprodukt, eine merkwrdige Sure. Ich hab' sie 
gerade im Analysecomputer. Hab' so etwas noch nie gesehen - das ist das, was so schrecklich stinkt. 
Diese Fden, die du auf Sallys Krper gesehen hast, sind nichts weiter als Zuckerkristalle. Eine 
verrckte Art Kandiszucker. Als Little Joe in der Klinik sein Essen kriegte, einen Soja-Burger, da 
httst du mal sehen sollen, was die Bakterien mit dem Brtchen gemacht haben - es hat sich einfach 
aufgelst, da, wo er es gehalten hat. Ziemlich scheulich. Von heute an wird der rmste immer eine 
Gabel brauchen. Ein schwaches Piepsen ist im Hintergrund zu hren. Mu Schlu machen, da ist 
mein Gesprch. 

Okay. Ich werde Bates anrufen, um zu hren, was Little Joe ihnen erzhlt hat. 

Nachdem Carol vom Bildschirm verschwunden ist, tippt Lacey Bates' Nummer ein. Wohin sie jetzt 
geht, wird sie ihm nicht sagen knnen, das wrde einfach zuviel verderben. Die Adresse des 
>Brgermeisters< ist ein gutgehtetes Geheimnis, zumindest fr ehrliche Polizisten wie Bates. Chief 
Bates meldet sich sofort, als htte er auf sie gewartet, und ist geradezu begeistert. 

Phantastisch. Werden Sie dafr sorgen, da er nicht belangt wird? 

Sie wissen verdammt gut, da jedes Gestndnis unter Hypnose vor Gericht nicht verwendet werden 
darf. Auerdem, wer fragt nach ein bichen Rauschgift, wenn es um einen Irren geht, den wir 
schnappen mssen! 

Was hat Joe gesagt? 

Sally hat zu ihm gesagt ich zitiere: >Da begegnet mir doch ein Kerl, ein Blanco, der sich mitten auf 
der Strae die Kleider vom Leib reit. Er hatte darunter noch Hemd und Hose, und es sah aus, als 
wollte er das Zeug in den ffentlichen Recyclingbehlter stopfen.< Wie finden Sie das? 

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Jetzt wissen wir wenigstens, da es ein Kerl ist, keine Frau. Hat Sally etwas von Blut gesagt? 

Hat sie nicht. Das ist das einzige, was mich ein bichen zweifeln lt, ob es der richtige Kerl war. 
Nun, vielleicht war sie nicht nahe genug, um die Flecken zu sehen. Es ist unsere einzige Spur, und ich 
werde sie nicht einfach unter den Tisch fallenlassen. 

Obwohl es sehr schwierig ist und groer Willenskraft bedarf, einen anderen Para zu ignorieren, wenn 
er telepathisch auf einen einbrllt, da man langsamer fahren und; auf den Weg achten soll, ganz zu 
schweigen von einer Litanei bser Flche - Mulligan schafft es. Er ist in der richtigen Stimmung, 
frchtet weder Tod noch Teufel und wnscht sich nur eines noch: fr diese gute Sache zu sterben, 
damit Lacey unter Trnen und Jammern erkennen mu, da sie ihn und sonst niemanden liebte. (Zum 
Glck denkt er nicht; daran, da Lacey in den letzten fnfzehn Jahren nicht ein einziges Mal geweint 
hat.) Er hat den zerbeulten blauen Gleiter so hoch wie mglich aufsteigen lassen und drckt jetzt; das 
Gaspedal durch. Mit gut hundertfnfzig Kilometern pro Stunde drhnen sie durch die Luft. Hin und 
wieder lt er die Maschine in einer weit ausholenden, schwingenden-Bewegung etwas abtauchen. 

Kleiner Bruder: Bremse ab. Oder ich TTE dich. Trample auf deiner Leiche herum, trete dich breit. 

Du kannst nicht fahren. Wirst nicht nach Hause kommen ohne mich. 

Gehen ist gesund. MACH JETZT LANGSAMER!! 

Aus Mitleid, weil er den Unterton blanker Furcht in Nunks uerung sprt, verlangsamt Mulligan auf 
vielleicht! hundert, und nun hrt auch das Klappern und Sthnen in der Karosserie auf. Sie schweben 
jetzt am Rand des Rehydrierungskraters entlang. Unter dem blendendweien Licht der 
Schwebelampen kann man die Arbeiter sehen: wie Ameisen erscheinen sie aus dieser Hhe. Das 
veranlat Mul- 

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ligan, etwas tiefer zu gehen. Zweihundert Meter lt er die Maschine durchsacken, bevor er sie 
abfngt. 

Ganz langsam werde ich dich tten, kleiner Bruder. Keine Psi-Folter werde ich auslassen, die man in 
meiner Heimat fr Schwerverbrecher erfunden hat. 

Bedauern. Ich tue nur, worum du mich gebeten hast, groer Bruder. Es eilt: WAS passiert, wenn 
Verrckte Insektenfrau jagen? Wut. Widerwillige Zustimmung. 

Laceys Gleiter ist kein Gelndefahrzeug; da, wo die planierte Trasse endet, etwa zwei Kilometer vom 
Rattennest mu Mulligan anhalten. Bevor er noch richtig aufgesetzt hat, hat Nunks schon die Gurte 
gelst, die Tr aufgestoen und ist ausgestiegen. Mulligan lt die Maschine langsam in den Schatten 
einer Gruppe von Dornenbumen gleiten, schliet ab und kommt zurck. Nunks steht da und fhrt mit 
den Hnden durch seinen Pelz. Ganze Haarbschel hat er zwischen den Fingern, die Fahrt scheint ihm 
doch zugesetzt zu haben. 

Kleiner Bruder] Unartikulierte Wut, eine Warnung. Unaufrichtiges Bedauern. Leichte Entspannung, 
immer noch warnend. Nach einigen Minuten Herumpirschen im Dickicht findet Mulligan einen Pfad 
entlang eines Grabens, der dicht mit Gestrpp berwuchert ist. Er windet sich den Kraterrand entlang, 
schlgt nach einiger Zeit die Richtung hangabwrts ein, zum Rattennest. Der Pfad ist sehr schmal, 
deshalb geht Mulligan voraus und versucht, die in den Weg hngenden Zweige, so gut es geht, 
Beiseitezubiegen, damit sie sich nicht in Nunk's Fell verfangen. So kann der groe Bruder sich darauf 
konzentrieren, Signale an die Insektenfrau zu senden. Die rauhe Rinde der Dornenbume schrft die 
Hnde auf, und bald wnscht sich Mulligan, er htte ein gutes Lasermesser mitgenommen. Dann wird 
ihm klar, da sie ohne jede Waffe hierhergekommen sind. Nicht einmal ein Taschenmesser haben sie 
bei sich. Nunks sprt seine pltzliche Besorgnis. 

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Mehr als genug Tote, kleiner Bruder. Nicht tten, niemandem schaden. Niemandem! 

Feinde, kein Verstndnis. 

Gleichgltigkeit. Wie schade. 

Mulligans romantische Trume vom Heldentod verflchtigen sich rasch, fallen in sich zusammen wie 
eine abgelegte Sonnenpelerine ( die mitzunehmen er ebenfalls vergessen hat). In aller Klarheit wird 
ihm bewut, da er hier ganz ohne viel Zutun zu Tode kommen konnte, und es fr alle Zeiten mit dem 
Baseball in der Profi-Liga vorbei sein wrde. 

Groer Bruder: Hier warten? Da Insektenfrau zu uns kommt? 

Nicht warten. Verachtung. 

Im Gleiter warst du derjenige, der Angst hatte. 

Keine Angst. Respektheischende Wrde. belkeit, der Magen. 

Im Flackern des Nordlichts steigen sie die Bergflanke hinab. Hin und wieder unterbricht das Summen 
und] Schwirren eines geflgelten Nachttiers oder das Fauchen eines im Dickicht aufgeschreckten 
Reptils die Stille. Nunks' Geist ist kaum noch wahrzunehmen, ist ganz passiv, nur auf Empfang 
eingestellt. Mulligan konzentriert sich auf den Weg, um den Zweigen und Ranken auszuweichen, die 
nach ihnen zu greifen scheinen; so kann er auch vermeiden, da seine Angst die Insektenfrau 
abschrecken knnte, die auch so schon schwer genug zu finden ist. Sie haben fast die Talsohle 
erreicht, als er etwas Groes, Glnzendes im Gestrpp entdeckt, zehn Meter entfernt rechts von ihrem 
Pfad. Er bermittelt Nunks, da er anhalten soll. 

Buschwerk zertrampelt, groer Bruder. Jemand hat es hierhergeschleppt. 

Wirst du nachsehen ? 

Ja. 

Weil das Dickicht schon flachgetreten ist, kann Mulligan auf direktem Weg zu dem geheimnisvollen 
Objekt hinbergehen. Als er nher kommt, erkennt er, da es ein polyedrisches Zelt aus einer 
grnlichen, wie Metall wirkenden Folie 

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ist, wie er sie noch nie gesehen hat. Entweder ist es an mehreren Stellen zerrissen, oder die Bewohner 
haben eine merkwrdige Vorstellung von Fenstern. Als sich etwas bewegt, bleibt Mulligan im 
Schatten eines Dornenbaums geduckt stehen, aber es ist nur eine der kleinen Eidechsen, die mit einem 
Flugtier im Maul an dem Zelt vorbeikriecht. Htte er doch wenigstens eine Taschenlampe 
mitgenommen! Aber was soll's; er nhert sich, bis er in die dreieckige ffnung an einer Seite sehen 
kann. Allerlei Gegenstnde sind dort drin aufgestapelt, doch hlt er Abstand: ber allem liegt der 
scharfe Geruch von verdorbenem Essig. 


Groer Bruder, was fr ein Geruch1. Etwas stimmt nicht hier. Kannst du es riechen? 

Ja. KOMM ZURCK! SOFORT! Krankheit, sehr gefhrlich. 

Whrend er zurckgeht, ffnet sich Mulligan ein wenig dem Hintergrundsignal, das von diesem Ort 
ausgeht. Der Fresser ist hier, gierig und ruberisch, umgibt ihn wie eine Wolke aus purer Fregier. 
Unwillkrlich schreit er auf. 

Ich wei, kleiner Bruder. Seltsames Wesen, sehr, sehr seltsam. Kein intelligentes Leben. Kein 
Individuum, ein Geist aus vielen Einzelwesen. Primitiv. 

Ein Tier? 

Tier, aber sehr primitiv. Kaum zu verstehen. 

Er kauert sich neben Nunks, der mit gekreuzten Beinen mitten auf dem Pfad sitzt. Nach einer kleinen 
Pause meldet er sich wieder. 

Beginne zu verstehen. Dieses Ding, Zelt, nicht weit vom Krater. Eine Spur fhrt zurck dorthin. 
Verwirrung. 

rger. Was ist im Krater? Aus dem Weltall? Kometeneis. 

Sehr gut1. Ironie. Also, das fremde Wesen, das Zelt woher? Unglubiges Staunen. Aus einem 
Kometen? Vor langer Zeit eingefroren? Ein Unfall? 

Nur eine Vermutung: eine Art Rettungskapsel, vielleicht Klteschlaf. Sicherer Ort, bis hier zu Boden 
gebracht, nicht lange her. Aufgetaut. 

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Schock. Alles haben sie berlebt! Das Unglck, das unkontrollierte Auftauchen - dann wird der 
Insektenmann von Verrckten gettet. bergroes Mitleid. 

Zustimmung. Trauer. 

Eine Weile sitzen sie schweigend da, tauschen sich aus. Jetzt knnen sie den hysterischen Aufschrei 
der Insektenfrau verstehen, ihre mit Wut vermischte hilflose Trauer. Kein Wunder, sagt sich Mulligan, 
da sie wieder floh, kaum da sie mit ihnen Kontakt aufgenommen hatte: Was konnte sie sich noch 
von den Bewohnern dieses Planeten versprechen, nachdem mrderische Irre ihren Geliebten oder 
Mann oder was auch immer gettet hatten. (Mulligan wei genug ber Xenobiologie, um Begriffe wie 
Liebe und Sex nicht einfach auf andere Spezies zu bertragen, denn auf diesem Gebiet gab es die 
erstaunlichsten Unterschiede.) Vielleicht dachte sie sogar, da sein und Nunks' Mitgefhl geheuchelt 
war, um sie in eine Falle zu locken. 

Pltzlich erstarrt Nunks, wird mitrauisch. Sein Aufschrecken bertrgt sich auf Mulligan. Alarmiert 
drngt er das Signal des Fressers beiseite, lt das unsinnige Geplapper aus dem Rattennest ber sich 
ergehen, filtert geschickt und sucht, bis er jenes neue Element gefunden hat: Das Suchsignal eines 
anderen Psi-Wesens, das hastig unterdrckt wird. Obwohl es kaum wahrnehmbar war, sprt er die 
Klte, die unpersnliche Feindseligkeit wie eine kalte Messerklinge ber seinen Rcken gleiten. 

Kleiner Bruder. Jemand ... ein Spion, ein Spion sucht uns. 

Nicht die Insektenfrau ? 

Nein. 

Der Killer Entsetzen. 

Vielleicht, vielleicht auch nicht, kleiner Bruder. Einige der Verrckten hier besitzen Psi. Ohne zu 
wissen. Deshalb verrckt. 

Oh. 

Sie warten einige Zeit, suchen das Signal, kombinieren ihre Psi-Kraft, um es zu orten, aber es bleibt 
unauffindbar. Dagegen haben sie pltzlich wieder Kontakt mit der Insektenfrau, wenn auch fast 
auerhalb ihrer Reichweite. Mulligan hrt sie, nimmt deutlich ihren Kummer wahr. Er ruft sie, zart 
und behutsam, versucht es mehrmals, legt sein Mitgefhl in das Signal, ruft wieder - sie schweigt. Da 
fllt ihm etwas ein, taucht mit einem Mal aus der Tiefe seines Unbewuten auf: ein paar Stze, ein 
Bruchstck jener Bildung, die man ihm in der Schule zu vermitteln suchte, wo es nicht nur Baseball 
gab. Einige Zeilen aus einem sehr alten Gedicht, das er hatte auswendig lernen mssen. Er sendet es. 

Feindlich der Ort, der mich lauern macht, 

Eins mit der Dsternis rings. 

Was sonst ist die Hlle als ein Herz aus Eis?* 

Die Welle von Schmerz, die ihm als Antwort entgegenbrandet, betubt und berwltigt ihn. Er weint, 
sitzt schluchzend auf dem staubigen Pferd, doch er sprt, da er auf diese Weise einigen Kummer von 
ihr nehmen kann, wie ein Arzt, der einen eiternden Absze entleert. Und sie wei es auch. Einen 
Augenblick zgert sie, unschlssig, ob sie sich ffnen soll. Dann hllt sie sich wieder in ihren Mantel 


aus Furcht und Wut und flchtet. Nunks ttschelt ihm die Schulter, bis er schlielich aufhren kann zu 
weinen. 

Kleiner Bruder, viele verspotten dich. Kmmere dich nicht darum, du bist in Ordnung. 

Fast htte Mulligan wieder geweint, diesmal aus Dankbarkeit, aber er kann sich zusammennehmen. 
Mit dem rmel wischt er sich das Gesicht trocken. 

Mssen sie finden, meldet sich Nunks. Wenn wir nahe geng sind, wenn sie uns sieht, dann wird sie 
verstehen, uns vertrauen. 

Einverstndnis. Aber WIE? 

Verblffung. Weitergehen, nherkommen. 

Einverstndnis. Welche Richtung? 

im Original: In a lurking place I lurk, One with the sullen dark, What's hell but a cold heart? 

178 

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rger und Verblffung. Warte\ Selbstironie. Wir werden sie triangulieren. Kleiner Bruder: Wissen 
wie? 

Nein. 

Ich zeige. Sehr ntzliche Technik. Du bleibst hier, ich gehe ein Stck. Dann: Wir nehmen Kontakt mit 
ihr auf. Spren den Winkel, knnen Dreieck bilden, Position bestimmen. 

Ich verstehe! Wie Navigation. 

Erfreute Zustimmung. 

Bevor Nunks sich auf den Weg macht, prfen sie beide sehr sorgfltig, was an Signalen auf sie 
einstrmt; jenes feindselige Bewutsein, vor dem sie auf der Hut sein mssen, ist nicht mehr 
wahrzunehmen. Entfernt kann Mulligan die alte Meg hren, wie sie ber ihren Karten murmelt, aber 
das ist das einzige Psi-Signal weit und breit, bis auf dieses allgegenwrtige Fre-Tier. Sehr vorsichtig, 
um sich mit seinem Fell nicht in den Dornen zu verfangen, folgt Nunks dem Pfad zum Rattennest, wo 
aller Wahrscheinlichkeit nach die Insektenfrau sich versteckt. Als er auer Sicht ist, packt Mulligan 
sofort wieder die Angst. Jeder Schatten scheint den Killer zu verbergen, bis an die Zhne mit 
unheimlichen Waffen gerstet, und jeder Reflex des Nordlichts auf einem Blatt oder Kieselstein 
erscheint ihm als Aufblitzen eines Messers. 

Der Schrei ist so unheimlich, da es einen Augenblick dauert, bis Mulligan erkennt, da er von Nunks 
kommt: Etwas mu ihn so erschreckt haben, da er laut aufheult, ein physischer Angstschrei, 
tatschlich. Mulligan ist schon am Laufen, als das Psi-Signal ihn erreicht: 

Lauf, kleiner Bruder! Rette dich 

Aber Mulligan hrt noch eine andere, menschliche Stimme. Eine Mnnerstimme, die jodelt. Der 
Freudenschrei eines Irren. 

Lat ihn in Ruhe! Er hat kaum gemerkt, da er gesprochen hat, er ist schon auf dem Weg zu Nunks. 

Knirschend und krachend strmt er aus dem Dickicht und sieht Nunks, der sich vor einen Brocken 
Plastbeton geduckt hat. Vor ihm haben sich ein Mensch, ein Schwarzer mit unglaublich langem und 
dichtem Haarschopf, und ein 

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grauhutiger Lizzie aufgebaut, die Kunststoffrohre schwingen. Und ein dritter Mann, ein Weier, hat 
tatschlich eine Axt in den Hnden. Ganz sicher Wilder Mann, alter Veteran und John Hancock, denkt 
Mulligan. Er hat Angst, und er schmeckt sie sogar, wie irgend etwas Faules in seinem Mund. Langsam 
richtet Nunks sich auf und streckt eine Hand aus, eine Friedensgeste; gleichzeitig versucht er, so etwas 
wie Ruhe und Vernunft auf sie zu bertragen. Die Antwort ist nichts als Kreischen und meckerndes 
Lachen. Der Lizzie stampft auf den Boden, bewegt sich hin und her, ein Kriegstanz vielleicht, und 
hebt das Rohrende. Die Menschen rcken nher an Nunks heran. 

Kleiner Bruder, verschwinde hier zum Gleiter! Hol Hilfe im Krater, die Mnner dort 

He, Ihr Dreckscke! Mulligan schwenkt die Arme ber dem Kopf, um ihre Aufmerksamkeit zu 
erregen. Hunde-schnauzen-Lizzie! Wurmfresser! He, weier Bldmann, hast du heute schon 'ne 
Ratte gefressen? Wilder Mann, Knacks im Hirn, stinkst wie'n Schwein! 

Die drei sind herumgefahren, stottern verblfft, ihre Waffen noch immer erhoben, und starren in dem 
unsteten bunten Licht nach dem Strenfried. Mulligan sprt, da Nunks ein ungeheuer starkes 
Schutzschild ausstrahlt, um ihn zu verbergen. 

Groer Bruder, wir fliehen zusammen! 

Beide unmglich. Unntig, da beide sterben. DU gehst, bring Hilfe. Ich komme nach. 


Wurmfresser! Wurmfresser! In seiner entsetzlichen Angst fllt ihm nichts Besseres ein als die 
Schimpfworte seiner Kindheit. Weier Stinker, weier Stinker! 

Der Lizzie strzt als erster auf ihn zu, er knirscht mit den Zhnen, und mit Geheule folgen ihm seine 
Freunde. Wild fuchteln sie mit ihren Waffen, fluchen und drohen, ihn in Stcke zu schlagen. Mit 
einem irren Lachen springt er auf einen Haufen Abfall, macht dann nach der anderen Seite einen Satz 
und rennt los. Jetzt ist er im Vorteil, der geborene Sportler, dem seine Rundenzeiten mehr bedeuten als 
jede 

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Religion, gegenber Feinden, die ihren Atem mit Schimpfen vergeuden. Er zgelt sein Tempo, damit 
sie nicht aufgeben, whrend er im Zickzackkurs durch die Ruinenlandschaft jagt. Als ein Rohrende an 
seinem Kopf vorbeisaust, macht er einen Sprung zur Seite, gerade rechtzeitig, um der nachfolgenden 
Axt auszuweichen. 

Voraus erkennt er jetzt die weien Flanken des eingefallenen Kontrollturms. Er wendet sich nach 
links, dort ist eine lange, ebene Strecke, wo er leicht den Vorsprung vergrern kann. Das Fluchen 
hinter ihm hat schon eine Weile aufgehrt und ist einem mhsamen Keuchen gewichen. Er tut, als 
wollte er zum Spurt ansetzen, bevor er um die Ecke des Turms biegt. Doch schlgt er die Richtung ein, 
aus der er gekommen ist. Inzwischen mu Nunks schon im Dickicht verschwunden und in Sicherheit 
sein. Die Luft wird ihm langsam knapp, aber er hat die drei Irren ein gutes Stck hinter sich gelassen. 
Stolpernd versuchen sie, mitzuhalten. Seine Lunge schmerzt, das Herz klopft wie wild, als er die 
Landebahn entlangluft und dann weiter ber die grne, grasbewachsene Ebene, durchzogen von 
schmalen Bchen, die im Licht der gelben Sonne glitzern. 

Als er sich umschaut, sind die drei verschwunden. Er kann sich Zeit lassen und verschnaufen. Vor ihm 
am fernen Horizont liegt eine violett berstrahlte Bergkette; von dort mu dieser Flu kommen, an 
dessen Ufer er nun geht. Pltzlich wird ihm klar, da er nicht mehr wei, wo er ist. Er sieht sich 
wieder um, und da ist eine Gestalt in einem langen, flieenden Gewand, nicht weit hinter ihm. Sie 
beugt sich be irgendein groes, pelziges Tier. 

h ... hallo, Miss? Mit einem freundlichen Winken geht Mulligan zu ihr hinber. Entschuldigung, 
ich hab' mich verlaufen. Knnen Sie' mir den Weg zurck zum Rattennest, zeigen? 

Die Frau schaut auf und wendet sich ihm zu. Es ist das graue Lizzie-Gesicht von alter Veteran. Mit 
einem Schrei macht Mulligan einen Satz von ihm weg, aber etwas Harte trifft ihn am Hinterkopf, und 
alles wird schwarz um ihn. 

182 

Zweites Zwischenspiel Der Gejagte 

Nachdem er Ibrahim gettet hatte, duschte Tomaso ausgiebig in Sallys Bad. Mit heiem Wasser und 
obwohl er verschiedene parfmierte Seifen probierte, war der Essiggeruch in dem Augenblick wieder 
da, in dem er sich abgetrocknet hatte. Danach hatte auch dieses Jucken begonnen, und wo es auftrat, 
verhrtete sich die Haut auf eine merkwrdige Weise: an den Armen, auf der Brust und in der 
Genitalregion - praktisch berall, wo seine Haut Sally berhrt hatte. Er rieb sich von Kopf bis Fu mit 
einer stark duftenden Lotion ein, doch es nderte nicht viel. Sobald er angezogen war, ging das Jucken 
und Stinken wieder los. Als er das Haus verlie, kamen ihm zwei Lizzies entgegen; einer davon blieb 
stehen, hob witternd die lange Schnauze und sagte leise etwas zu seinem Artgenossen. Fast wre 
Tomaso losgelaufen, aber seine lange Ausbildung war nicht umsonst, er konnte sich beherrschen. 
Ganz unbekmmert ging er an den beiden vorbei, als htte er nichts bemerkt. 

Keine Gasse auf seinem Weg lie er aus, keinen Umweg verschmhte er, der Verfolger in die Irre 
fhren konnte, bis er die nchste U-Bahnstation erreicht hatte. Er fuhr zwanzig Haltestellen weit nach 
Norden, stieg aus, nahm den Gegenzug und fuhr wieder sechs Haltestellen zurck. Dann erst bestieg er 
den Zug nach Osten, in dem er jetzt sitzt. Etwa zu der Zeit, als Bates und Lacey Ibrahims Leiche 
finden, fhrt sein Zug in die zentrale U-Bahnstation des Basars ein. Whrend ihn die 
Schwebeplattform nach oben trgt, sprt er, da er beobachtet wird. Er kann das krperlich fhlen, es 
ist, als wrde das Leuchten einer Taschenlampe direkt in seinen Schdel dringen. Drauen vor der 
Station erwartet ihn eine berdachte Einkaufspassage, keineswegs elegant, was konnte man hier 
anderes erwarten als schbige Lden und 

183 

Kioske unter den verblaten Markisen. Einige wenige Leute bummelten durch die Straen unter ihren 
Sonnenpelerinen, zu mde, um etwas zu kaufen, zu betrunken, um nach Hause gehen zu wollen. 
Tomaso verschwindet hinter einem Kiosk, der Kaukraut verkauft, und beobachtet den Ausgang der 


Station. Ein Paar im weien Sonnenschutz kommt heraus, zgert ein wenig und entfernt sich dann 
langsamen Schrittes. Dieser Sonnenschutz, der ihm einmal sehr gelegen kam, treibt ihn noch zum 
Wahnsinn. Er hat keine Ahnung, wer diese Leute sind, aber er ist sicher, da sie es waren, die ihn 
beobachteten, als er auf der transparenten Plattform nach oben getragen wurde. Die Frage ist: warum? 
Nichts als Neugier, hchstwahrscheinlich, whrend sie warteten, bis sie an der Reihe waren. 

Whrend er wartet, da sie verschwinden, meldet sich sein Magen, knurrt und windet sich; mit einem 
Mal ist er hungrig wie ein wildes Tier. Der Gedanke an Essen ist so mchtig, da der Geruch von 
billigen Sojaburgern und Lizzie-Chips ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen lt. Er kauft an 
einem Kiosk zwei Sojaburger mit Sauerkraut und Senf, schlingt sie hinunter, dann bestellt er eine 
doppelte Portion Lizzie-Chips, mit viel Essig, um seinen eigenen Geruch zu berdecken. Er it die 
knusprigen Stbchen aus Proteinflocken und Eierfrucht langsam, whrend er weitergeht; den Helm der 
Pelerine hat er abgenommen. 

Er geht zu dem billigen Hotel, das zweite Hotel, in dem er ein Zimmer genommen und einiges seiner 
Ausrstung verstaut hat. Zwar lt er sich nichts anmerken, aber er ist sich wohl bewut, da man ihn 
anstarrt; kaum einer der Passanten, der nicht aufmerkt und irgend etwas zu flstern hat. 

Erst als er in eine Nebenstrae einbiegt, fllt sein Blick auf den Plastikkarton mit dem Essen; fast htte 
er laut aufgeschrien: Das wasserfeste Plastik hat sich aufgelst, da, wo seine Finger es berhren. Er 
wirft das Ganze in den nchsten Recyclingbehlter, den er findet. Als er wieder gehen will, hrt er 
hinter sich das Rascheln eines Sonnenschutzes 

184 

und schiet herum. Hinter ihm steht ein kleines Kind, in einer ebenso kleinen Pelerine, ber und ber 
schmutzig und zerrissen. Er kann durch die Helmscheibe das Gesicht erkennen: ernste Augen, ein 
enttuschter Blick. 

Du wolltest das nicht essen? fragt das Kind. 

Warum? Httest du es gern gehabt? Tut mir leid, es war verdorben. Du wrst davon krank 
geworden. 

Ach so. Okay, dann natrlich nicht. 

Whrend Tomaso geht, berlegt er, ob er dem Kind nicht einige Mnzen geben soll, aber er frchtet, 
da es sich daran anstecken knnte, was immer fr eine Krankheit das auch war. Aber die enttuschten 
Augen des hungrigen Kindes gehen ihm nicht aus dem Sinn, bedrngen ihn, bohren sich in sein 
Innerstes, bis die Erinnerung an die Schreie des kleinen Jungen wieder auftaucht, der mit blutigen 
Hnden an die Tr hmmert. Er dreht sich um, aber das Kind ist verschwunden. Als er sich mit der 
Hand ber die Stirn fhrt, fhlt er kalten Schweiperlen. 

Im Hotel hat er Glck. Die Hintertr ist offen, niemand ist da auer einem Roboter, der Kisten mit 
Papierservietten auf einen Rollwagen ldt. Er huscht vorbei, gelangt auf die Feuertreppe und erreicht 
sein Zimmer, ohne da ihn jemand sieht. Zwar hat er die Codekarte fr das Trschlo beim Portier 
gelassen, als er das Hotel verlie, doch hat er ein Duplikat zur Hand, das er sich verbotenerweise mit 
einem ebenso verbotenen Maschinchen angefertigt hat; so kann er jederzeit sein Zimmer betreten, 
ohne sich beim Portier zu melden. Er schliet die Tr hinter sich ab, dreht sich um ... und bemerkt, da 
das Zimmer durchsucht worden ist. Fast schon professionell, alles ist wieder an seinem Ort, und auch 
fr eine gleichmige dnne Staubschicht ber allem wurde gesorgt. Aber er hat ein zerknittertes 
Stckchen Transparentfolie oben auf seine Reisetasche gelegt, wie ein vergessenes Stckchen Abfall - 
und nun liegt es auf dem Fuboden. Das haben diese cleveren Amateure bersehen. Er berprft seine 
Sachen, nichts fehlt, und ohnehin lt 

185 

er nie etwas Verrterisches wie Waffen oder falsche Papiere in seinem Hotelgepck. Gut mglich, da 
die Eindringlinge zu dem Schlu kamen, da der Gast in diesem Zimmer keineswegs der Mann war, 
den sie suchten - wenn sie berhaupt nach ihm gesucht haben und nicht nach irgendeinem Dealer, der 
mit dem Stoff oder dem Geld abgehauen war, oder einem Trickbetrger, der sich auerhalb seines 
Reviers zu schaffen machte. Inzwischen ist der Geruch nach Essig in dem kleinen Raum so stark 
geworden, da er wieder duschen mu. Als er die Seife absplt, lsen sich auch alle Krperhaare unter 
dem Wasserstrahl. Er sieht das dicke Bschel im Abflu und wrde am liebsten aufschreien. 

Wieder zieht er sich um; unauffllige Jeans, ein weites ; Hemd. Das richtige fr die Stadt, wenn er sich 
nach Mulligan umschauen wird, denn er mu die einzige Person, die ihn noch identifizieren knnte, 
tten - wenn dieser Psi-Amateur berhaupt die Sperre durchdringen kann, die Tomaso in seinem 
Bewutsein errichtet hat. Er zweifelt daran, aber er will es nicht darauf ankommen lassen. Dann wird 


er zum Rattennest zurckehren, um dieses weibliche Alien zu erledigen, und seine Arbeit hier war 
getan. Er berlegt, ob er seine drei zahmen Irren auf die Fremde hetzen kann - er knnte ihnen sagen, 
sie sei die Frau des Teufels ,aber sicherer wre es, wenn er die Sache selber zu Ende brchte. 

Gerade hat er die Stiefel angezogen und das Messer in die Scheide geschoben, innen im Schaft des 
linken Stiefels, als es an die Tr klopft. Mister Svensen, ruft es laut, das ist? der Name, unter dem er 
sich eingetragen hat. Ohne jedes Gerusch steht Tomaso auf, stellt sich hinter die Tr, zieht den linken 
Fu kurz an und holt das Messer hervor, whrend es zum zweiten Mal klopft. Einen Augenblick bleibt 
es still, dann hrt man, wie eine Codekarte in das Schlo gesteckt wird. Tomaso wartet, wie zu Stein 
geworden, bis die Tr aufschwingt und ein junger Schwarzer wie selbstverstndlich hereinspaziert, 
gefolgt von einem Putzroboter. 

186 

Von hinten schiebt sich Tomaso heran, reit ihn mit dem rechten Arm an sich und durchschneidet mit 
der linken die Kehle, von rechts nach links. Der Mann fllt zu Boden, und der Roboter rollt eifrig 
herbei, um sich ans Aufwischen zu machen. Tomaso drckt den Ausschaltknopf. 

Einen winzigen Augenblick lang drngt es ihn, die Hnde in das Blut des Mannes zu tauchen und sich 
damit zu beschmieren. Der Zwang ist so stark, der Gedanke so abstoend, da er zu wrgen beginnt. 
Rasch dreht er sich um, um die Leiche nicht mehr ansehen zu mssen. Er steht da, atmet schwer, der 
Herzschlag drhnt in seinen Ohren, und nun empfngt er wieder dieses Signal: Der Fresser ist es, der 
das Blut mchte. Nicht nur darin suhlen will sich das unersttliche Wesen, es scheint auch zu glauben, 
da das Blut ihm zusteht, da Tomaso es ihm bswillig vorenthalten mchte. Die Sojaburger und 
Lizziechips, die er auf dem Weg hierher gegessen hat, drohen wieder ans Tageslicht zu kommen. Er 
atmet tief, ganz ruhig, zwingt sich, an nichts sonst als das friedliche Bild des Nachthimmels ber 
Arden, seinem Heimatplaneten, zu denken. Der Magen beruhigt sich wieder. Er hat sich nun in der 
Gewalt, aber er mu dieses Zimmer schnell verlassen. 

In dem kleinen Spiegel ber der Kommode berprft er sorgfltig seine Kleidung: nur ein kleiner 
Blutspritzer am linken Hosenaufschlag. Unter dem Sonnenschutz wird es nicht zu sehen sein. Als 
Linkshnder ist man in seinem Gewerbe im Vorteil; und wenn er von hinten zuschlgt, dann ergibt das 
fr die Polizei ein vllig falsches Bild vom Tathergang. Und wenn sie genug irrigen Annahmen ber 
den Tter nachgehen mu, dann kann sie nur langsam zum Ziel kommen, zu langsam und zu spt. Er 
wischt das Messer am Bettberwurf sauber, nimmt die Sonnenpelerine, vergewissert sich, da die 
Laserpistole in dem versteckten Halfter ist, und geht. Das Gepck lt er zurck, er wird nicht 
wiederkommen. Er hat noch einiges an Kleidung in einem Schliefach am Hauptbahnhof, wo die 
Schwebezge abfahren, zusam- 

187 

men mit einem zerlegten Lasergewehr, das als Holofilmausrstung getarnt ist. Und auch genug Geld, 
um sich neu einkleiden zu knnen, wenn es ntig sein sollte. 

Doch als er die fast menschenleeren Gehwege entlangeilt, wird ihm allmhlich bewut, da es zu 
gefhrlich ist, in einen Laden zu treten und einen Verkufer anzusprechen. Zwar ertappt er niemanden 
dabei, aber nicht nur seine Psi-Wahrnehmungen, auch sein gesunder Menschenverstand sagen ihm, 
da jedermann ihn heimlich anstarrt, wo immer er geht: aus dem einfachen Grund, da die 
Morgenhitze ihn stinken lt wie ein ganzes Fa verdorbenen Essigs. 

Das Verjngungsmittel hlt den >Brgermeister< von Porttown im Krper eines Zwanzigjhrigen 
gefangen ein gutaussehender Zwanzigjhriger, trotz der weien Haut, mit blondem Haar und blauen 
Augen, die so unschuldig blicken wie die eines jungen Tiers. Er ist auch sehr schlank und beweglich 
wie ein Junge. Mit bergeschlagenen Beinen sitzt er auf einem riesigen blablauen Diwan zwischen 
Stapeln von grauen und violetten Seidenkissen. Alles in diesem >Amtszimmer<, das Bro seiner Suite 
ber dem Bordell, dessen Besitzer er ist, zeugt von seinem Geschmack - davon, da Geld wirklich 
keine Rolle spielt. lbilder, die von der guten alten Erde stammten (ein Matisse, unter anderem, dazu 
der letzte erhaltene Frank Stella in Privatbesitz), blaue und grne Teppiche vom Heimatplaneten der 
Carli aus der Zeit, bevor sie berhaupt Raumfahrt betrieben. Er hat darauf bestanden, Lacey in ein 
Glas aus geschliffenem Bleikristall einen Brandy einzugieen, und hlt selbst ein Glas in der Hand. 
Sein Lcheln ist eine seltsame Mischung aus Stolz und Trotzigkeit, als wolle er sie dazu 
herausfordern, eine Bemerkung zu seinem Reichtum oder der Art und Weise, wie er erworben wurde, 
zu machen. Sie kennt dieses Spiel inzwischen gut genug, sie nimmt einen krftigen Schluck, als wre 
es einfaches Bier: Es funktioniert, er bricht das Schweigen als erster. 

Wieviel haben meine Wachen dir abgeknpft, um dich vorzulassen? 


. Ach, vielleicht hundert Gramm Sarah-Haschisch, ein wenig hier, ein bichen dort. 

Willst du es wiederhaben? 

Nein. Ein guter Witz: Ich hab's von der Polizei, ganz umsonst; hab' ihnen gesagt, ich brauchte es, um 
Informanten zu bezahlen. 

Ein unglaubliches Lcheln, so bemessen, da sich die 

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189 

Haut um die Augen haargenau in die richtigen Fltchen legt. Ein Lcheln, so da man sich leicht 
vorstellen kann, wie reihe alte Mnner ihm Bndel von Scheinen in den Scho werfen, damit er nicht 
aufhrt. 

Also gut, sagt er. Ich habe schon gehrt, da du neuerdings fr die Polizei arbeitest. 

Mit der Polizei, mein Bester, nicht fr sie, vergi das blo nicht. 

Ach so? Dann mu hier wirklich etwas am Kochen sein. 

Sag mir, Richie, was hltst du davon, wenn Porttown unter Kriegsrecht gestellt wird, an jeder Ecke 
Soldaten herumstehen und ein Aufklrungssatellit im Orbit alles aufnimmt bis hin zum Rauschen der 
Klosplung? 

Die Augen des Jungen weiten sich, die weichen Lippen schrzen sich zu einem Oh. 

Spar dir deine Ironie, schimpft Lacey. Glaubst du, da ich dir was vormache? 

Richie nimmt einen Schluck. Lacey tut es ihm nach und I wartet. Wenn sie wartet, kann sie ihn immer 
aus seiner Reserve locken. Aber es tut weh, ihn so anschauen zu mssen, so jung, wie er zu sein 
scheint, denn das erinnert sie an eine Zeit, als er noch jnger war, neun Jahre genau ... das Kind, das 
sich bemht, nicht zu weinen, und doch kommen ihm die Trnen, als sie an Bord des Flottenschiffes 
geht. Bald komme ich wieder, Richie<, ein leeres Versprechen, denn natrlich gab es wenig spter 
den nchsten Krieg, um bergriffe an den Grenzen der Republik abzuwehren. Und es dauerte fnf 
lange Jahre, bis sie den jngeren Bruder wiedersah, ihren kleinen Bruder, der er immer noch fr sie ist. 
Noch heute fragt sie sich, nach all den Jahren, ob sein Leben vielleicht ganz anders verlaufen wre, 
wenn sie zu Hause geblieben wre, anstatt zur Flotte zu gehen, denn sie war immer die einzige in der 
Familie gewesen, die mit ihm umgehen konnte, der er Vertrauen und Respekt entgegenbrachte. Das 
Versagen des Vaters, seine mangelnde Frsorge, sein schlechtes Vorbild als ewig schbiger Ganove, 
das hatte ihr 

190 

Selbstbewutsein tief verletzt; es konnte nicht anders sein, als da es den einzigen Sohn noch viel 
hrter treffen mute. Vielleicht htte sie das damals erkennen mssen, aber schlielich war sie erst 
siebzehn - und immer noch nur zweiundzwanzig, als sie zurckkehrte, um ihn schlielich in der 
hintersten Ecke des Basars zu finden, wo er sich prostituierte. Das junge, ungezhmte Tier ohne 
Moral, dessen unschuldige Augen sie nun anstarren. 

Okay, sagt er schlielich. Und sagst du auch, warum die Regierung das Kriegsrecht verhngen 
will? 

Eine lange Geschichte. Hast du gehrt, was mit Sally Pharis passiert ist? 

Ein lssiges Achselzucken als Antwort, aber die unruhigen Augenlider sind verrterisch. Er ist 
neugierig. 

Du willst mir doch nicht erzhlen wollen, da eine Sado-Nutte draufgegangen ist und so etwas von 
Bedeutung wre? Kommt immer wieder vor. Wo gehobelt wird, da fallen Spne ... Eine 
wohlkalkulierte Pause. Wird in der Regel gutbezahlt, tatschlich. 

Ja, hat Sally auch immer gesagt. Sie versucht es ebenfalls mit einer Pause. Sie starb nicht daran, 
da ein Freier sich etwas ber die Maen erregte. 

Ja? Woran denn? 

Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber es scheint fast, als htten wir hier einen Profi unter 
uns, ein Killer, der fr die Allianz arbeitet. Er hat einen Carli namens Ka Gren gettet. Hast du die 
Nachrichten gehrt? 

Sicher. Die Maske hlt nicht stand, Richie beugt sich ein wenig vor. Und Sally war zur falschen 
Zeit am falschen Ort, nicht wahr? 

Ja, hat ihn unmittelbar danach gesehen. Little Joe Walker hat der Polizei gesagt, da sie ziemlich nah 
am Tatort war. 

Tatort. Du redest schon wie die Polizei. 

Pa auf, was du sagst. 


Und du wirst mir eine kleben, wenn ich's nicht tue? Wie gewohnt? Das wrdest du tun ... mit oder 
ohne Leibwch- 

191 

ter. Sein Blick streift die Tr zum Flur. Sie wrden niemals wagen, dich anzurhren. 

Danke. 

Dieses Mal ist das Lcheln echt, mit einem Hauch von Melancholie. 

So weit, so gut, Bobbie. Dieser Kerl hat Sally umgelegt, um sie zum Schweigen zu bringen. Was hat 
das mit mir zu tun? 

Er versteckt sich wahrscheinlich im Basar. Bates mu ihn innerhalb drei Tagen finden, sonst wird die 
Armee hier landen. Hast du vor, dich mit ihnen anzulegen, nur um die Haut eines Dreckskerls zu 
retten? 

Richie lchelte, voll feiner Ironie, dann schaut er beiseite und schttelt den Kopf. Der Gedanke 
amsiert ihn. 

Nein, sagt er schlielich. Du hast es geschafft, gut. Also, was soll ich tun? Dir den Kopf dieses 
Kerls auf einem Tablett servieren? 

Nein, lebend und in einem Stck. Bates hat ein paar Fragen an ihn, beispielsweise, wer ihn bezahlt. 
Also, ich wei nicht viel ber ihn. Er ist ein Weier, und er hat eine verrckte Infektion an den 
Hnden. Er mu nach Essig stinken, verdorbenem Essig. Daran mut du dich halten: der Geruch. Und 
er ist sehr gefhrlich. Wenn ich recht vermute, ist er nicht nur ein professioneller Killer, sondern auch 
ein Para. 

Ach du Scheie, wenn's weiter nichts ist! 

Vielleicht httest du doch lieber die Armee hier? Da sie fragen, woher du dein Geld hast, und dein 
Geschft ruinieren? Wofr bezahlst du eigentlich deine Gorillas, he!< 

Da hast du nicht ganz unrecht. Aber ich denke, ich sollte ein Kopfgeld aussetzen auf den Kerl. Das 
wird auf einen Schlag eine Menge Leute auf ihn ansetzen, es wird schneller ... 

An Laceys Grtel piept das Terminal. Mit einem entschuldigenden Nicken zu Richie nimmt sie es zur 
Hand und tippt einige Tasten. 

Programmiererin? Buddys Stimme klingt mit eine 

192 

Mal so menschlich, so besorgt, da sie eine ernste Strung befrchtet. Wir haben hier ein hchst 
unerfreuliches Problem. 

Was, zum Teufel, druckst du da herum! Beginne mit der Datenbermittlung. 

Vor einigen Stunden haben Nunks und Mulligan deinen Gleiter genommen und sind zum Rattennest 
gefahren. Jetzt hat Maria mich informiert, da sie in groen Schwierigkeiten sind. 

Wie? Woher wei sie das? Fang von vorn an, Buddy, und gib mir ein paar mehr Einzelheiten. 

Maria ist ein latentes Psi-Talent. Nunks hat sich bei ihr gemeldet, sie sprach von groer Gefahr und 
Verzweiflung. Die grte Gefahr droht Mulligan. Was den Gleiter betrifft, so wei ich nicht, in 
welchem Zustand er sich befindet, aber ... 

Zur Hlle mit dem Gleiter! Warte, das ist nicht wrtlich gemeint. Ich meine, der Gleiter ist jetzt 
unwichtig. Warum sind Mulligan und Nunks zum Rattennest gefahren? 

Sie wollen ein Intelligenzwesen, das sie >Insektenfrau< nennen, retten. Captain Bailey hat mich 
informiert, da sie sich in Gefahr zu befinden scheint. Es war brigens der Captain, der darauf 
bestand, da ich dich angerufen habe. Buddy hrt sich nun tatschlich beleidigt an. Er drohte, meine 
Magnetspeicher zu lschen, wenn ich es nicht tue. 

Recht hat er. Warum hast du sie alleine gehen lassen? Haben sie wenigstens eine Waffe? 

Sie sind unbewaffnet, soweit ich wei, Programmiererin. Ich konnte sie nicht aufhalten. Nunks kann 
mit seinen Psi-Krften jedes Schlo inaktivieren, das ich kontrolliere. 

Nun, das stimmt. Aber, Himmel noch mal, Buddy warum hast du mich nicht frher alarmiert? 

Durch das Rauschen kann sie Sams Stimme hren. 

Ich habe einen Fehler gemacht, Programmiererin, sagt Buddy. Ich habe versagt. Ich bin 
untrstlich. Voll Scham 

193 

werfe ich mich dir zu Fen. Ich knnte meine Chips zerraufen und auf meine Datenspeicher spucken, 
ich ... 

Das reicht! Sag Sam, da ich auf dem Weg bin. Wenn diese Geschichte erledigt ist, werden wir 
einmal alle deine Treiberprogramme berprfen. 


Lacey schaltet aus. Sie bemerkt, da Richie sie besorgt anschaut. Mit so viel Sorge jedenfalls, wie er 
bereit ist, sich anmerken zu lassen. 

Wie willst du zum Rattennest kommen, wenn sich dieser Mulligan deinen Gleiter genommen hat? 

Ich miete einen, denke ich. 

Das dauert zu lange. Du kriegst einen von mir. 

Tausend Dank. Du bist wirklich ein Schatz. 

Fr dich doch immer. 

Er sagt es leichthin, doch kann man einen schmerzlichen Unterton ahnen. Und wie drngend die 
Probleme auch sind, die auf sie warten - diesen kostbaren Augenblick eines echten Gefhls, den ersten 
seit ihrem Ausscheiden aus dem Militrdienst, wird sie nicht ungenutzt verstreichen lassen. 

Ach, Richie! Kannst du dir vorstellen, wie schwer es mir fiel, mich von dir zu trennen? Aber die 
Flotte war meine einzige Chance, und ich mute ganz unten beginnen. Ich konnte dich nicht 
mitnehmen, wie man es Offizieren mit Kindern gestattet. Ich htte es getan, wenn es mglich gewesen 
wre. 

Er wendet sich so brsk ab, da sie befrchtet, er wrde in Trnen ausbrechen. 

Ich wei߫, sagt er flsternd. Ach, zum Teufel, das ist so beschissen lange her, was soll's. Er greift 
zu der Kristallrosette, die neben ihm auf dem Diwan liegt, ein gut getarntes Telefon. Hai, la den 
taubengrauen Bentley fertig machen und bring ihn vors Haus. Meine Schwester braucht ihn fr einige 
Zeit. 

Noch nie hat Lacey einen Gleiter wie diesen Bentley gefahren. Eine elegante Karosse, glnzend wie 
ein Stck Butter, 

194 

und innen purer Luxus - Polster aus blauem Sheriki-Leder, ein Armaturenbrett aus echtem Holz. Er 
schwebt so leise dahin, da sie das Limit lngst berschritten hat, bevor ihr die Geschwindigkeit 
berhaupt bewut wird. Als sie bei A-bis-Z-Unternehmungen vorfahrt, gaffen die wenigen Leute, die 
im ersten Zodiakallicht unterwegs sind, mit offenem Mund. Bevor sie ins Haus geht, prft sie noch 
einmal, ob die Alarmanlage eingeschaltet ist. 

Hinter der Tr wartet schon Sam auf sie. Kaum ist sie drinnen, kommen schon Rick und Maria die 
Treppe heraufgelaufen, um sich ihnen anzuschlieen. 

Lacey, du mut etwas wegen dieses gottverdammten Computers unternehmen, platzt es aus Sam 
heraus. Vier, fnf Minuten mute ich mit dieser blden Kiste streiten, bis er sich bequemte, dich 
anzurufen! 

Ist nur eine kleine Strung. Hat Maria noch etwas von Mulligan oder Nunks eingefangen? 

Nunks ist auer sich, er glaubt, da Mulligan verletzt ist. Es ist nicht ganz klar; Maria kann nur 
Gefhle empfangen. Cojones de diablo! Okay, hast du einen Laser? Aber sicher. 

Gut. Mit Rick macht das drei. Nein, Moment mal. Wir mssen ihn hier bei Maria lassen. 

Ich komme mit Ihnen. Den Kopf hocherhoben, geht Maria durch den Garten auf sie zu. Ich kann 
Sie direkt zu Nunks fhren. Ohne mich knnen Sie ihn nicht finden. 

Bist du sicher, da du mitkommen willst? Die Sache ist nicht ungefhrlich. 

Sie und Nunks, Sie haben mich hier aufgenommen, haben einen Arzt fr mich geholt. Es ist nur fair, 
da ich mitkomme. 

Weil Lacey sieht, da Sam danach giert, den Bentley zu fahren, gibt sie ihm die Schlssel und setzt 
sich auf den Beifahrersitz. Maria und Rick schieben sich auf die Rcksitze, ihre Augen leuchten fast 
ehrfrchtig. Mit hchster Konzentration, als ginge es darum, einen Raumtransporter in den 

195 

Orbit zu bringen, startet Sam den Gleiter und lt ihn abheben. Langsam und gleichmig steigt er auf. 
Lacey hat sich in den Sitz sinken lassen und fragt sich, was mit ihr los ist: Ihr Magen rebelliert, sie 
atmet schnell und flach. Dann wird ihr klar, da sie Angst hat nicht um sich selbst, sondern um 
Mulligan. Ihr ist ganz einfach schlecht vor Angst, whrend Sams Worte nun allmhlich auf sie 
einwirken: >Nunks ist auer sich, er glaubt, da Mulligan verletzt ist .. .< Ach du lieber Himmel, nun 
sag mir blo noch einer, da ich verliebt bin in diesen Mistkerl Was fr ein verrckter Gedanke, aber 
immerhin mu sie sich eingestehen, da sie keineswegs aus Sorge um Nunks in kalten Schwei 
ausgebrochen ist. 

Als Mulligan wieder zu Bewutsein kommt, scheint die Welt nur noch aus seinem Kopf zu bestehen; 
und alles, was es in diesem Kopf noch gibt, ist Schmerz. Ungeheurer, bohrender, vernichtender 
Schmerz. Nein, da ist noch etwas: Ein Geruch hngt in der Luft, eine undefinierbare, schwer 


ertrgliche Mischung - ungewaschene Menschen, ungewaschene Lizzies, Abfall, Kochdunst, und 
auerdem ein slich-bitterer Hauch, den er schlielich denn wozu hat man jngere Geschwister 
gehabt - als den Geruch schmutziger Windeln identifizieren kann. Er mchte sich bewegen und stellt 
fest, da Arme und Beine gefesselt sind. Dann ffnet er die Augen und entdeckt, da er auf einem 
Bndel schmutziger Decken liegt, das Gesicht einer grauen Plastbetonwand zugekehrt. Den tanzenden 
Schatten auf der Wand nach zu schlieen, brennt irgendwo hinter seinem Rcken ein Feuer. Lange 
bleibt er ruhig liegen und berlegt, wie er hierhergekommen ist. Aber der Schlag auf den Kopf scheint 
ihm jedes vernnftige Denken ausgetrieben zu haben. Zwar erinnert er sich an die drei aus dem 
Rattennest, die Nunks bedrohen, auch daran, da er sie von ihm weglockte. Doch seine Erinnerung 
endet mit jenem Augenblick, als er den eingestrzten weien Turm umrundete. Natrlich liegt es nahe, 
da sie ihn geschnappt haben. 

Unter chzen und Fluchen gelingt es ihm, sich herumzurollen. Auch in seinem Kopf beginnt es sich 
zu drehen; schlielich kann er wieder klar sehen und erkennt, da er in einem groen, runden Raum 
ist, vielleicht achtzehn Meter im Durchmesser, der angefllt ist mit Stapeln wackliger Kisten und 
undefinierbaren Bndeln, die in Scke und Lumpen gehllt bereinander liegen. Genau gegenber ist 
eine Schiebetr in der Wand; etwa neunzig Grad seitlich davon sieht man eine groe ffnung, wie die 
Mndung eines Tunnels. Nicht weit davon brennt ein kleines Feuer aus Dornenbaumzweigen. Der 
Rauch zieht in kleinen Wirbeln gleichmig in das Loch. Mulligan vermutet, da es eine Verbindung 
nach drauen gibt. Bei der Feuerstelle sitzt eine junge Schwarze und sugt ein Baby; sie trgt 
schmuddelige braune Shorts und zwei zerlumpte Blusen bereinander. Sie schaut in Mulligans 
Richtung, doch geht ihr Blick an ihm vorbei wie in eine andere Welt. Mulligan glaubt sie zu kennen. 
Du bist Del, und dein Baby hat keinen Namen. Woher weit du das, Weier? Es hrt sich 
rgerlich und ngstlich zugleich an. Ich wei vieles. 

Sie mustert ihn eine Weile, die glnzenden schwarzen Augen tasten ihn fahrig ab. Ganz unvermittelt 
verliert sie das Interesse und lt von ihm ab. Das Kind an ihrer Brust, vielleicht sechs Monate alt, 
wird unruhig und windet sich. Abwesend legt sie es an die andere Brust und ttschelt ihm den Rcken, 
ohne den Blick von der Wand zu nehmen: Hin und wieder bewegen sich ihre Pupillen, scheinen etwas 
zu verfolgen, was sich dort abspielt. Manchmal bringt es sie zum Lcheln, dann wieder runzelt sie die 
Stirn. Mulligan beschliet, sie in Ruhe zu lassen. Doch als er versucht, seine Hnde aus der 
Fesselschlinge um die Gelenke zu winden, dreht sie den Kopf und starrt ihn an. Wirst du das bleiben 
lassen, Weier. Der alte John wird in einer Minute hier sein. Wenn er merkt, da du zu fliehen 
versuchst, wird er bse. Die anderen wollten dich tten, er hat es ihnen verboten. Aber wenn er bse 
wird, dann ndert er vielleicht seine Meinung. 

Okay, ich werde ganz brav sein. Er blieb bewegungslos liegen, und immerhin mu er zugeben, da 
sein Kopf so viel weniger schmerzt. Warum wollte John nicht, da sie mich umbringen? 

Er will dich verkaufen. 

Verkaufen? An wen? 

Gott. 

Am einfachsten wre es natrlich, wenn er sich sagte, da sie phantasierte. Aber sie hat es gesagt, 
>Gott<. Das Baby ist nun eingeschlafen. Sehr zrtlich legt sie es in die Wiege, eine Schaumstoffkiste, 
und deckt es mit einigen sauberen Tchern zu. Sie streckt sich, ghnt und geht hinber zu einer Tonne 
zwischen den Germpelbergen; sie schpft Wasser in eine Tasse mit zerbrochenem Henkel. 

Sag, Del, kann ich etwas Wasser haben? 

Warum nicht. 

Sie bringt ihm die Tasse und hlt sie ihm an die Lippen. Gierig schlrft er sie leer. Doch hlt sie sie 
mit gestrecktem Arm, sie mitraut ihm. 

Danke. Ach, sag mal - warum will Gott mich denn kaufen? 

Keine Ahnung. John hat es mir nicht gesagt. Alles was er gesagt hat, nicht nur mir, sondern auch dem 
Wilden Mann und alter Veteran, ist, da Gott ihn vielleicht mit Whisky bezahlen wird, wie das letzte 
Mal. 

Das letzte Mal? Mulligan ahnt etwas und versucht es mit einer List. Wie neulich, als sie den 
Teufel gettet haben, meinst du. 

Ja, genau. Aber Weier, du weit wirklich eine Menge. 

Darauf kannst du wetten. Und damit du's weit: Ich bin ein Freund von Dr. Carol. 

Oh. Es klingt bekmmert. Das ist schade. Das ist wirk- 

198 


lieh schade. Dr. Carol ist immer sehr gut zu mir und meinem Baby. 

Ich wei. Sag, ich glaub' nicht, da du mich gehen lassen kannst, oder? Um Dr. Carol einen Gefallen 
zu tun? 

Sie berlegt. Mit den nackten Zehen scharrt sie auf dem Boden. 

Nein, sagt sie dann. Besser, Dr. Carol ist mir bse, als Gott. 

Ach so. Insgeheim fragt sich Mulligan, ob das nicht eine recht leichtfertige Entscheidung war. 
Aber sag mal, bist du wirklich sicher, da das Gott ist, der mich kaufen will? 

John sagt es. John hrt ihn, Gottes Stimme spricht in seinem Kopf. Es mu Gott sein, wenn man 
seine Stimme mitten im Kopf hren kann. Ja, wahrscheinlich schon. 

Sie lchelt, sie nickt zufrieden. Dann geht sie wieder zum Wasserfa, whrend Mulligan ber diese 
interessanten Neuigkeiten nachdenkt. Es mu sich bei John um einen dieser unerkannten Paras 
handeln, von denen Nunks gesprochen hat, und der Assassine konnte ihn telepathisch lenken. Fr 
jemanden, der von Psi nichts verstand, mute eine Stimme, die sich pltzlich in seinem Kopf zu Wort 
meldete, Gottes Stimme sein. Also hat Lacey recht mit ihrer Theorie vom psi-begabten Killer. Was fr 
schne Aussichten, fast wird ihm schlecht vor Furcht. 

Das Wasser hat ihm gutgetan. Die Kopfschmerzen haben so weit nachgelassen, da er versuchen kann, 
mit Nunks Kontakt aufzunehmen. Er holt tief Luft, um sich besser zu konzentrieren, dann streckt er 
seine Fhler aus nur, um hart gegen eine Barriere zu stoen. Ein Gefhl nicht anders als der physische 
Schmerz, nachdem man barfu im dunklen Zimmer mit der Zehe gegen ein Mbelstck gerannt ist. 
Als htte er nicht genug Kopfschmerzen; es ist so schlimm, da er fast in Ohnmacht fllt. Laut sthnt 
er auf, und Del dreht sich um. Ungerhrt mustert sie ihn. Noch Wasser? Ja, gern. Ich danke dir. 

199 

Als sie ihm die dritte Tasse reicht, gleitet die Schiebetr auf, und die drei, die ihn gefahren haben, 
kommen herein. Durchdringend riecht es jetzt nach altem Schwei und Lizzie-Ausdnstungen. John 
Hancock, der Weie, ist der grte von ihnen; ein Br von einem Mann mit filzigem, rotem Haar. 
Aber wilder Mann ist mit ein Meter achtzig nicht viel kleiner, und alter Veteran ist ebenfalls kein 
Zwerg. Mit Gewalt wird MuUigan es nicht versuchen, ganz sicher nicht. 

Ist er aufgewacht? fragt John Del. 

Ja, hab' ihm Wasser gegeben. War das richtig? 

Ja. Er mu am Leben bleiben, bis wir ihn Gott gebracht haben. 

Gott wird ihn kaufen, ja? 

Wei ich nicht! Hab' nicht gefragt. Mu erst zum Tempel gehen. Ich werde heute abend gehen, gegen 
Sonnenuntergang. Also mssen wir ihm auch Essen geben. 

Gut. Da hast du wohl recht. 

Klar. Habe die letzte Flasche Whisky beim Wchter eingetauscht. Sicher wird Gott uns mehr geben. 

Mulligan wundert sich ber den merkwrdigen Korb, den wilder Mann und alter Veteran tragen; mehr 
eine Kiste aus dnnem Kunststoff, mit transparenten Trageschlaufen an den Seiten. Mehrfach ist 
dieses rtselhafte Wort NASA aufgedruckt. Ihm wird jetzt klar, da die nie enden wollenden Gerchte, 
da unter dem Rattennest noch das Hauptquartier der alten Kolonie existiere, zutreffend sind, und da 
er sich in einem Teil dieses Komplexes befindet. Einige der Slumbewohner muten ber das 
Vorratslager gestolpert sein, in dem Tausende von Rationen der alten Raumfahrer lagerten - 
gefriergetrocknet, bestrahlt und vakuumverpackt, haltbar fr die halbe Ewigkeit. So konnten sie also 
die magere Jagdbeute, die Ernte aus den kleinen Grten, von denen Carol gesprochen hatte, 
aufbessern. John kommt herber zu Mulligan. Wie ein Baum ragt er neben ihm auf und gibt ihm ganz 
beilufig einen nicht besonders bse gemeinten Tritt. 

Sei schn brav, Weier, oder Gott wird dir die Leber eigenhndig aus dem Leib reien. 

Ja, Sir, sicher. Ganz wie Sie meinen. 

Mit einem zufriedenen Nicken entfernt John sich wieder. Er kniet vor die Kiste, um alter Veteran beim 
ffnen zu helfen. Nun sind sie alle hier versammelt, und Mulligan erkennt sie wieder. Es sind die, die 
er gestern im Traum gesehen hat, die Gestalten, die ihn tten wollten. Vermutlich hat er etwas von 
dem Mord am Insektenmann aufgefangen, so wie er das sonst bei seiner Arbeit fr die Polizei zu tun 
pflegt. Er schttelt sich bei dem Gedanken. Ob es ratsam ist, diesen John Hancock einmal anzuzapfen? 
Mulligan versucht alle Energie, die ihm noch geblieben ist, zu bndeln und tastet vorsichtig, ganz 
behutsam nach dem Geist dieses Mannes. Nichts. Nicht ein Hinweis auf eine winzige telepathische 
Antenne. Sein Magen krampft, als er die beiden einzigen mglichen Schlsse daraus zieht: Entweder 
hat tatschlich Gott zu John Hancock gesprochen, oder dieser Assassine besitzt die unglaubliche 


Fhigkeit, mit Wesen ohne Psi-Krfte Kontakt aufzunehmen. Bei einer Wette wrde er auf das letztere 
setzen, auch wenn diese Aussicht noch weit erschreckender als die erste Mglichkeit ist. Sollte die 
Allianz bei der Nutzung paranormaler Fhigkeiten tatschlich so weit fortgeschritten sein, dann 
konnten sie ihre Feinde dazu bringen, nichts anderes mehr zu wollen, als zu ihnen berzulaufen. Und 
dabei wrden sie noch denken, es wre ihr eigener Entschlu. Mulligan schwrt feierlich, da er, wie 
aussichtslos es auch scheint, so lange am Leben bleiben wird, bis er diese Neuigkeit an Nunks 
bermittelt hat koste es, was es wolle. 

Nunks' Spezies kennt das Weinen nicht, doch gibt es auch bei ihr eine Verhaltensweise, mit der man 
Kummer uern kann: Es ist ein immerzu wiederholtes Fusteballen, das ihnen nicht weniger 
Erleichterung bringt als einem Men- 

200 

201 

sehen das Weinen. Als Nunks wieder beim Gleiter angekommen ist, setzt er sich in den Staub und tut 
genau das. Wie weit er auch seinen Geist aussendet, wie stark er seine Energie bndelt, um kleine 
Bereiche abzutasten - er kann Mulligan nicht finden. Er ist untrstlich, und auerdem fhlt er sich 
schuldig. Er hat ihn doch hierhergeschleppt, er hat zugelassen, da sie Sam Bailey nicht mitgenommen 
haben. Und er wollte nicht, da Mulligan eine Waffe trug. Er berlegt, ob er die Arbeiter im Krater um 
Hilfe bitten soll, aber er ist ohne ein Psi-Talent, das fr ihn spricht, vollkommen hilflos. Und 
auerdem hat Mulligan die Schlssel des Gleiters in der Tasche. 

Dann wird ihm bewut, da er zu keiner Zeit etwas von Mulligans Tod gesprt hat. Sie sind eng genug 
verbunden, da ist er sicher, um den Tod des anderen unmittelbar zu spren: diesen an den Rand des 
Irrsinns treibenden Schmerz, der mit der Auflsung des so vertrauten Bewutseins verbunden ist. Er 
steht auf/hrt sich um, ffnet seinen Geist; er ist allein, nichts bewegt sich im Gestrpp ringsum, nicht 
einmal ein Tier, ganz zu schweigen von einem Psi-Wesen. ber ihm flackern die Nordlichter schon 
viel blasser, der Himmel frbt sich allmhlich schmutzig-rosa; es beginnt zu dmmern. Nunks geht 
zurck in den Schutz der Baumgruppe und setzt sich wieder. Er wird jeden Zentimeter des 
Rattennestes abtasten, bis er ein Psi-Signal von Mulligan findet. Wenn er seine Energie fokussiert und 
nur wenige Quadratmer auf einmal abtastet, kann er auch noch sehr schwache Signale wahrnehmen. 
Aber wie sehr er sich auch konzentriert, er kann nichts empfangen - und schon gar nicht die 
Turbulenzen, die ein gewaltsamer Tod auslsen wrde. 

Es gibt viele Bewohner des Basars, Menschen und andere Spezies, die dem Brgermeister von 
Porttown gern einen Gefallen tun, doch ist die Aussicht auf eine Belohnung nicht gerade hinderlich, 
um auch den Eifer der brigen anzusta- 

202 

cheln. Die Neuigkeit macht in Windeseile die Runde: Richie lt sich diesen Fremden etwas kosten, 
angefangen bei zehn Dollar fr den Hinweis, wann und wo man ihn gesehen hat, bis hin zu 
zehntausend fr den Kerl selber. Fr zehn Dollar konnte man ins feinste Restaurant von Polar City 
essen gehen, warum sollte man da nicht sein Gedchtnis ein bichen anstrengen. Und da es Richie 
ernst meint, kann man daran sehen, da er seinen Leibwchtern ganz offensichtlich verboten hat, den 
Informanten, die vorsprechen wollen, ein Schmiergeld abzuknpfen. 

Zur selben Zeit, als Sam den Bentley ber die Stadtgrenzen hinaus zum Krater fhrt, kommt ein lterer 
Lizzie, der am Rand des Basars ein Drugstore betreibt, zu Richie. Er ist der erste, der einen handfesten 
Hinweis geben kann. Die Wachen fhren ihn ohne Umstnde ins Bro, ohne auch nur einen Schein 
aus ihm herauszupressen, und Richie behandelt ihn wie ein gerngesehenen Gast: ldt ihn ein, sich auf 
ein niedriges Kissen zu setzen, wie es Lizzies mgen, und bietet ihm auf einem silbernen Tablett 
Sandwrmer in Schokolade an. Richie gefllt sich darin, seine Besucher mit ausgesuchter Hflichkeit 
zu behandeln - nicht ohne Selbstironie. Denn er, der ein halbes Leben lang sich nach Krften bemht 
hatte, Kunden zufriedenzustellen, konnte heute jeden, der ihn auch nur ein wenig rgerte, in seinem 
Blut schwimmen lassen. 

Es war heute abend, Sir, gerade bei Sonnenuntergang, ich wollte eben den Laden aufmachen, da 
stand dieser Weie vor der Tr. >Es ist dringend, kann ich nicht reinkommen<, sagt er, und ich sage, 
warum denn, ich wrde in zehn Minuten sowieso aufmachen. >Haben Sie doch ein Herz<, sagt er, 
>ich komme sonst zu spt zu einer Verabredung, und es wird sich fr Sie lohnen.< Also la ich ihn 
herein. Er kaufte eine Menge Sprays, Cremes, Puder - alles, was ich hatte, wenn es nur fr die Haut 
war. Gegen Juckreiz, Ekzeme, Infektionen, Schuppenflechte - nennen Sie irgend etwas, der Kerl 
kaufte ein Mittel dagegen. >Ach du meine 


203 

Gte<, sage ich zu ihm, >wenn es so um sie steht, gehen Sie besser zu Dr. Carol.< Und er lacht und 
sagt: >Wo denken Sie hin, das Zeug ist nicht fr mich, ich arbeite frs Fernsehen, ] und wir machen 
eine Sendung ber rezeptfreie Medikamente.< Und er zeigt mir seinen Ausweis, er ist tatschlich einer 
von denen. Nun, Sir, da bin ich ganz schn erschrocken, habe berlegt, ob sie vielleicht behaupten 
werden, da ich schlechtes Zeug verkaufe, deshalb habe ich die Geschichte nicht vergessen. Und nun 
kommt mein Junge nach Hause und erzhlt mir, wen Sie suchen. Der Mann, es war mir zuerst nicht 
aufgefallen, aber irgendwie roch er, da ich ans Essen denken mute. 

Essig, hab' ich recht? Richie schenkt ihm ein Lcheln. 

Genau das, Sir. Er roch nach Essig. 

Hai, bring das Terminal her und schalte auf Aufnahme. Mein Freund, Sie sind eine groe Hilfe fr 
uns. Wenn Sie mir jetzt alles ber diesen Kerl sagen, an das Sie sich erinnern knnen, dann werden 
wir es in den Computer eingeben. 

Der Drugstorebesitzer nimmt rasch noch einen Wurm, dann schliet er die Augen, um sich besser 
konzentrieren zu knnen. Und schon schnurrt er Detail um Detail herunter. Als er geht, ist er 
zweihundert Dollar reicher. 

Ich kann den Gleiter jetzt orten, sagt Sam pltzlich. Maria, kannst du irgend etwas empfangen? 

Nunks mu ganz in der Nhe sein, bei diesen Bumen wahrscheinlich. 

Ganz weich bringt Sam den Bentley herunter. Lacey beugt sich vor, spht aus dem Fenster und kann 
unter den Dornenbumen ihre alte blaue Kiste erkennen. Die Sonne hat sich schon zur Hlfte ber den 
Horizont geschoben, aus dem Rosa des Himmels ist ein giftiges Orange geworden. Inzwischen ist 
Lacey so mde, da ihre Augen schmerzen und sie auch den einfachsten Gedanken nicht mehr zu 
Ende bringt. Jetzt htte sie ein paar von Bates' Hyperpillen gebraucht. 

204 

Whrend Sam auf der Bschung aufsetzt, die das Ende der planierten Trasse markiert, denkt sie mit 
Schrecken, da sie jetzt aussteigen mu. Allein die Vorstellung, sich zu bewegen, ist unertrglich. 
Aber kaum steht der Bentley, ist sie als erste drauen. Whrend die andern noch mit den 
Sicherheitsgurten beschftigt sind, luft sie schon hinber zu dem blauen Gleiter. 

Nunks Wir sind es, hab keine Angst!! Lacey, verdammt! Sam ruft hinter ihr her. Sei 
vorsichtig! 

Er hat recht, sie bleibt stehen und zieht ihre Laserpistole. Blinzelnd in dem grellen Licht besieht sie 
sich den Gleiter, geht vorsichtig darum herum. Er ist leer. Mit dem Laser in der Hand kommt Sam zu 
ihr gelaufen. 

Menschenskind, hier mu es doch von diesen Verrckten wimmeln. 

Ja, du hast ja recht. Entschuldige. Es ist nur die verdammte Mdigkeit. 

Wenn wir zu Hause sind, wirst du erst mal schlafen. Zwar will sie antworten, er solle geflligst die 
Klappe halten, aber ihr fehlt einfach die Kraft dazu. Dann hren sie etwas im Dickicht, es kommt 
heran, bahnt sich krachend und mit rgerlichem Grunzen einen Weg durch das Gestrpp. 

Es ist Nunks! ruft Maria. Nicht schieen! Aufgeregt schwenkt er seine riesigen Hnde, als er aus 
dem Unterholz stampft. Sein Pelz ist an einigen Stellen kahlgerupft, der Overall ber und ber 
zerrissen. Maria luft zu ihm, und er legt einen Arm um sie. So fest drckt er sie an sich, da sie nach 
Luft schnappen mu. Nunks, ruft Lacey. Ist Mulligan noch am Leben? Er hebt die Hnde, er wei 
es nicht. Traurig schttelt er den Kopf. 

Ich kann nur verstehen, da er verzweifelt ist und da er Mulligan viel zu verdanken hat, sagt 
Maria. Ach, warte, 

Nunks - Mulligan hat dir das Leben gerettet? Ist es das, was j du sagen willst? 

Nunks nickt und lt sich zu Boden sinken, das Gesicht in ] den Hnden vergraben. Man mu nicht 
ber Psi-Krfte ver- i fgen, um seinen bergroen Kummer mitempfinden zu knnen. Einen Moment 
lang wehrt sich Lacey verzweifelt dagegen, berhaupt irgend etwas zur Kenntnis zu nehmen. Mulligan 
mute es gutgehen, es ist einfach nicht wahr, da sie hier drauen beim Rattennest sind. Sicher ist sie 
so mde, da sie die ganze Situation miversteht. Dann pltzlich fhlt sie Wut aufsteigen, hei 
berkommt es sie. Siel sprt, wie Sam sie sorgenvoll mustert. 

Wenn sie Mulligan gettet haben, dann werden sie dafr bezahlen, stt sie hervor. Das htten sie 
sich nicht antun sollen. Aber zur Sache ... Rick, du nimmst meinen Gleiter und fhrst Nunks und 
Maria nach Hause. Von dort rufst du die Polizei an. Keinesfalls vom Gleiter aus, das kann zu leicht 
abgehrt werden. Und du sagst Buddy, da er Bates und niemand anders anrufen soll, klar? 


Verstanden, Sir! 

Gut. Sam, du kommst mit mir. Wir werden das Gelnde aus der Luft absuchen und sehen, was wir 
tun knnen, bis die Polizei da ist. 

Maria hat sich um den zusammengekauerten Nunks gekmmert. Als er wieder aufsteht, greift er nach 
Laceys Arm, dann zeigt er mit der anderen Hand erst auf sich, dann auf den Bentley. 

Du willst mit uns kommen? Aber ja, klar. Htte ich selber draufkommen knnen. Wir haben ja keine 
Ahnung, wie wir ihn finden sollen. Lacey reibt sich die Augen, sie brennen. Da sie sie berhaupt 
noch offenhalten kann ... Rick, du lt niemanden in Marias Nhe! 

Jawohl, Sir! Dann zgerte er. h ..., Sir? Haben Sie die Schlssel fr den Gleiter? 

Verdammt! Lacey sucht in ihren Taschen, sie findet den Schlssel und wirft ihn Rick zu. Dieser 
verdammte Mulli- 

206 

gan! Man knnte zu Hause sein und gemtlich im Bett liegen. 

Zwei Stunden lang, whrend die Sonne immer greller und heier wird, kreuzen sie ber dem 
Rattennest. Die Klimaanlage des Bentley mht sich, um gegen die Hitze anzukommen. Mal steigen sie 
auf, um sich einen berblick zu verschaffen, mal gehen sie tief hinunter, um aus nchster Nhe jeden 
einzelnen Fleck Schatten zu inspizieren, der gro genug ist, einem Mann wie Mulligan Schutz vor der 
Sonne zu bieten. Nirgends auch nur eine Bewegung, nicht einmal eine Ratte, die im Unrat whlt. 
Obwohl sie sich vor den anderen nichts anmerken lt, macht sich Lacey mehr und mehr Sorgen: 
Sollte Mulligan trotz aller Befrchtungen noch am Leben sein, dann konnte er im Laufe des Tags hier 
drauen leicht an einem Hitzschlag sterben. Schlielich zieht Sam die Maschine in die Hhe und 
nimmt Kurs in Richtung der Stadt. 

Lacey, amiga, das ist jetzt Sache der Polizei. Lassen wir's lieber, du mut erst mal schlafen. Ich 
brigens auch. Wir tun Mulligan keinen Gefallen, wenn wir hier den Bentley deines Bruders zu 
Schrott fahren. 

Zum ersten Mal seit fnfzehn Jahren hat Lacey das Bedrfnis zu weinen. Aber sie tut es nicht. 

Ja, du hast recht. Fahren wir zurck. Mchte nur wissen, wo diese verdammten Bullen bleiben. Ob 
Rick Bates nicht erreicht hat? Ich glaube, ich werde es von hier mal versuchen. Himmel! wenn er 
noch wach ist. 

Okay. Aber hr mal, wenn wir zu Hause sind, mut du sofort etwas gegen Buddy unternehmen. 
Mach den Kasten mal auf und sieh nach vielleicht kannst du die defekten Untereinheiten erst einmal 
stillegen, bevor er wieder durchdreht. 

Obwohl Sam recht hat, ist es fr Lacey ein scheulicher Gedanke. Eines der stndigen Probleme mit 
der Maschinenintelligenz war und ihre Erfinder waren darauf nicht im mindesten vorbereitet -, da 
die Computer mit der Zeit so 

207 

etwas wie Persnlichkeit entwickelten. Zwar verlieen sie die Fabrik als reine Maschinen, nichts 
weiter eine Ansammlung von Schaltkreisen, aber sie werteten die Daten, die man ihnen eingab, auf 
ihre Art aus, stellten neue Zusammenhnge her, entwickelten eigene Programme fr den internen 
Gebrauch, bis sie schlielich denkende und fhlende Wesen zumindest tuschend imitieren konnten. 
Eine zufriedenstellende mathematische Erklrung des Phnomens gab es nicht, so da besonders aus 
den Reihen der Parapsychologen immer wieder behauptet wurde, da dies ein weiteres Indiz fr die 
Theorie war, da das gesamte Universum danach strebe, Bewutsein zu entwickeln. Lacey hat in den 
letzten Jahren beobachten knnen, da aus dem akkuraten Buchhalter und Organisator des ganzen 
Haushalts, als der Buddy von ihrem Onkel programmiert worden war, mehr und mehr etwas wurde, 
das einem Freund gefhrlich nahe kam. Und nun verlangte Sam, da sie ein Ultraschallmesser nahm 
und alle Verbindungen kappte, die die Voraussetzung fr Buddys >Persnlichkeit< waren. 

Erst mu ich mit ihm reden, sagte sie. 

Wozu? Ich kann dir sagen, woran es liegt. Es sind immer dieselben Schaltungen, die alles versauen. 

Das meine ich nicht. Ich mu ihn fragen, was passiert ist. 

Warum? Da gibt es nichts zu fragen. Das Ding ist einfach berlastet, das ist alles. 

Du verstehst es nicht. 

Sam wirft ihr einen kurzen Blick zu, er scheint sie fr kaum zurechnungsfhiger als Buddy zu halten, 
dann konzentriert er sich wieder aufs Fahren. Lacey nimmt sich das Telefon vor und erreicht einen 
vllig erschpften Bates, der ihr nichts Besseres zu sagen hat, als da dieser verdammte Mulligan 
geflligst zu warten habe, denn er knne seine Leute nicht fr eine groe Suchaktion 


zusammentrommeln, whrend ein blutrnstiger Killer frei in der Stadt herumluft. Kein Bitten, kein 
Fluchen kann etwas ausrichten. Als 

208 

Lacey einhngt, rinnen zwei kleine Trnen ber ihr Gesicht Sie wischt sie mit dem rmel beiseite, 
whrend Sam tut als htte er nichts gesehen. 

Richie steht am Fenster seines Schlafzimmers, oben im dritten Stock, und blickt durch die Scheibe mit 
dem Polarisationsfilter hinunter auf die Strae. Das Licht ist angenehm gedmpft, und die Strae 
gehrt zu den weniger schmuddeligen von Porttown, mit adretten Lden und sogar einem ffentlichen 
Park auf der anderen Seite, wenn das Gras auch knstlich ist. Die Morgensonne brennt vom Himmel. 

Niemand ist unten zu sehen, doch Richie wei, da an diesem Tag unzhlige Brger noch wach sind - 
und er hat es bewirkt: Man redet ber den ausgesetzten Preis, berlegt, wie man an die Belohnung 
herankommen knnte. Wenn er eines in seinem Leben gelernt hat, dann da Geld jede andere Droge 
ersetzen kann - jedes Aphrodisiakum, jedes Stimulans. Bisher hat er nur wenig an Information in 
seinen Computer eingeben knnen: Hotels, in denen der Assassine wohnte, Restaurants, wo er a, 
falsche Namen und Berufsbezeichnungen, die er benutzte; zusammengenommen ein, wenn auch noch 
lckenhafter, Bericht ber die letzten drei Tage, die er hier in der Stadt verbracht hat. Richie mu die 
unglaubliche Geschicklichkeit, mit der dieser Mann seine Identitt wechselt, bewundern. Er wird ihn 
sich genau anschauen, bevor er ihn der Polizei bergibt. 

Was noch fehlt, ist der augenblickliche Aufenthalt des Mannes. Obwohl er in der vergangenen Nacht 
mehrmals gesehen wurde, hat er es fertig gebracht, unterzutauchen. Trotz des Essiggestanks. Richie 
fragt sich, ob er wei, da man ihn jagt; wahrscheinlich tut er es, denn er ist ein Profi und ein Psi-
Talent obendrein. Wahrscheinlich ist er jetzt irgendwo da drauen, allein, immer in Bewegung, von 
einer Deckung in die andere huschend, und sucht verzweifelt eine Mglichkeit, ungesehen aus 
Porttown herauszukommen. 

Richie findet den Gedanken, die Jagd bis zum Ende mitzuerleben, irgendwie erregend, aber nur ein 
bichen, vielleicht wegen der Infektion, die der Kerl sich geholt hat. Schade,, wre vielleicht ganz 
interessant gewesen, vielleicht ... Er fragt sich, ob er Sex jemals wieder amsant finden wird. 

Da er an die Krankheit denkt, ein Defekt, erinnert ihn daran, da er etwas vergessen hat. Er nimmt 
das Telefon aus Kristall und drckt den Knopf. 

Hai? Schick ein paar Leute rber zur Botschaft der Allianz, ja? Sollen die Augen offen halten. Wir 
wollen doch nicht, da der Kerl dort um Asyl bittet. Wir brauchen ihn auf der Strae, da gehrt er 
uns. 

Als Lacey und Sam wieder bei A-bis-Z-Unternehmungen angekommen sind, stellen sie den Bentley in 
der Garage ab. Eine Alarmanlage ist eben nur eine Alarmanlage. Rick und Maria warten im Garten. Es 
gibt nichts zu besprechen, trotzdem bleibt Lacey eine Weile stehen. Sie lt den Blick ber das saftige 
Grn streifen, das unter dem Sonnensegel gedeiht, und wnscht sich, da sie vergessen knnte, was 
der Garten Mulligan immer bedeutet hat, - und da sie endlich aufhren knnte, sich zu fragen, ob er 
ihn je wiedersehen wird. Als Nunks in seinem Zimmer verschwunden ist, geht sie langsam und 
schleppend zur Treppe. Sam folgt ihr ins Bro, stumm vor Verblffung. Sie vermeidet es, in Bud-dys 
Sensoren zu blicken, auch dann, als er sie anspricht. 

Programmiererin? Ich wei, da ich versagt habe. Ich wei, da ich inaktiviert werden mu. Es ist so 
Vorschrift, und es ist nur gerecht. 

Lacey zuckte mit den Achseln. 

He, amiga, sagte Sam. Ich kann es fr dich machen, wenn du willst. 

Nein, trotzdem vielen Dank. Ich tu es selber, aber erst mu ich mit ihm reden. 

Wie du meinst. Sam setzt sich auf die Couch. 

Knntest du uns allein lassen? 

Warum? 

Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig. Geh jetzt. 

Hr doch, ich versuche ja nur, es dir leichter zu machen. 

Mensch! Ich hab' gesagt, du sollst hier verschwinden! 

Sam zgerte eine Sekunde, doch als Lacey einen Schritt auf ihn zu macht, springt er auf und geht 
rasch hinaus. Er schlgt die Tr hinter sich zu. 

Danke, Programmiererin. Ich mchte in Wrde sterben, nicht vor neugierigen Augen. Allein mit dir. 

Buddy, hr um Himmels willen auf! 

Als Lacey sich auf den Sessel hinter dem Schreibtisch wirft, schwenkt die Sensoreinheit zu ihr herum. 


Sie leuchtet merkwrdig gedmpft; auch der Bildschirm ist dunkler als gewhnlich, als htte sich 
Buddy wie ein ngstliches Kind in sich zurckgezogen. 

Ich kann dir einen Schaltplan ausdrucken, auf dem du die in Frage kommenden Verbindungen sehen 
kannst, sagt Buddy. Das macht es einfacher fr dich. 

Vielleicht ist es nur Einbildung, vielleicht ist sie durch den Schlafmangel schon ein wenig am 
Trumen, aber sie glaubt herauszuhren, wie er seinen ganzen Mut zusammennimmt, entschlossen, bis 
zum Ende seine Wrde zu wahren. 

Erst wirst du mir ein paar Fragen beantworten. Sie spricht jetzt Kangolan. Warum, Buddy? Warum 
hast du Sams Anweisungen nicht befolgt? Warum hast du mich nicht sofort angerufen? 

Bevor ich antworte, mchte ich eine wichtige Information bermitteln. Ich habe die Einheit Mulligan 
belogen, so gut ich das konnte. Ich bin nicht fhig, falsche Daten auszugeben, aber ich habe eine 
Formulierung gewhlt, die die Einheit Mulligan zu einem falschen Schlu veranlassen mute. 

Und was war das fr ein Schlu? 

Da Sam Bailey dein Liebhaber ist. 

Was? Du Idiot, er ist schwul! 

Zu mir hast du immer gesagt, da er anders ist als die 

211 

anderen. Aber ich war selbst zu dem Schlu gekommen, da er ein ungewhnlicher Mensch ist. Ist das 
jetzt von Bedeutung? 

Buddy, es gibt noch eine besondere Bedeutung, wenn man sagt >anders als die anderen<. Das ist 
mglicherweise in deinem Sprachspeicher nicht definiert. Aber es ist jetzt nicht wichtig. Warum hast 
du Mulligan angelogen? 

Aus demselben Grund, aus dem ich mich weigerte, dich anzurufen. Ich wollte der Einheit Mulligan 
Schaden zufgen. 

Sehr gut, nun kommen wir langsam zur Sache. Und warum wolltest du ihm Schaden zufgen? 

Weil meine Programmiererin viele Stunden mit ihm verbringt anstatt mit mir. Weil meine 
Programmiererin mich auf automatische Funktionen schaltet, um mit ihm auszugehen. Weil meine 
Programmiererin lieber auf ihn hrt als auf mich. 

Buddy, du bist ja eiferschtig! 

Ich habe schon gehrt, da man solche berlegungen als Eifersucht bezeichnet. Es scheint das 
unvermeidliche Resultat zu sein, wenn man ein Bewutsein liebt, das auf einer hheren 
Evolutionsebene steht. 

Willst du damit sagen, du liebst mich? 

Ja, Programmiererin, obwohl ich nur aus anorganischer Substanz bestehe. Du hast meinem Leben 
einen Sinn gegeben. Monat fr Monat bezahlst du den elektrischen Strom, der mich am Leben hlt, der 
Voraussetzung fr mein Denken ist. Du hast meine ungenutzten Schaltkreise aktiviert und mich vor 
einem Dahinvegetieren in tdlicher Langeweile bewahrt. Du hast mein Wissen vermehrt und meine 
Fhigkeiten verbessert. Mein Bewutsein, ja mein ganzes Leben verdanke ich dir. Natrlich liebe ich 
dich. 

Lacey findet keine Worte. Nach einem Klicken und Summen, das sich merkwrdig reuevoll anhrt, 
spricht Buddy weiter. 

Die Einheit Mulligan liebt dich auch. Er ist eine biolo- 

212 

gische Einheit und deshalb ein geeigneteres Objekt fr deine Gefhle. Das wei ich. Es ist nur 
vernnftig, wenn ich jetzt sterbe und euch beiden weiteren rger erspare. 

Was sie bei einem Menschen als affektiertes Selbstmitleid bezeichnen wrde, klingt aus dem 
Lautsprecher eines Computers schlicht ergreifend. Sie versucht, es einmal aus seinem Blickwinkel zu 
sehen. Sie hat ihn vorgefunden, als sie dieses Haus in Besitz nahm; es war so unglaublich typisch fr 
ihren Onkel einen der teuersten Computer berhaupt zu kaufen und ihn dann Arbeiten verrichten zu 
lassen, die jeder billige Haushaltsrechner ausfhren konnte. Aber diese Angewohnheit, mglichst teure 
und beeindruckende Dinge anzuschaffen, war eine der Ursachen, da ihr Onkel sich bei seinem Tode 
an den Rand des Bankrotts gewirtschaftet hatte. Und Buddy hatte es dem alten Mann immer wieder 
klarzumachen versucht. Fnfzehn Jahre lang starb Buddy fast vor Langeweile; er erledigte die 
Buchhaltung, organisierte, kontrollierte den Wasserverbrauch und hnliches, bis sie auftauchte, die 
nach dem Ausscheiden aus dem Dienst sich nicht weniger langweilte als er bei seinen tglichen 
Aufgaben. Sie bauten A-bis-Z gemeinsam auf, sammelten zuerst nur Klatschgeschichten aus der 


Stadt, dann beschftigten sie sich auch mit Politik, als sie erkannten, wie sich aus einfachem Klatsch 
wichtige Informationen filtern lieen. Und schlielich bettigten sie sich als Hacker, nachdem sie ihm 
ihr beim Militr erworbenes Wissen beigebracht hatte: kein Computer, keine Datenbank in der ganzen 
Republik, deren Sicherungen er nicht umgehen konnte. Es mute aufregend, ja berauschend fr ihn 
gewesen sein zu erleben, wie er letztlich doch noch die Fhigkeiten entwickeln konnte, die in ihm 
angelegt waren. 

Und sie war auch einsam gewesen; aus dem gewohnten Leben gerissen, fand sie sich pltzlich in der 
alten Heimat wieder, wo sie fr Freunde und Verwandte nach der langen Abwesenheit zu einer 
Fremden geworden war. Buddy war ihr Gesprchspartner, mit ihm redete sie ber das Vergan- 

213 

gene und ber ihre Zukunftsplne und natrlich ber die gemeinsame Arbeit. Sie verhalf ihm dazu, 
Gefhle nachvoll- i ziehen zu knnen, sie gab ihm die ntigen Definitionen zurrt, Bewutsein 
denkender Wesen, so da er ein Modell entwickeln konnte. Ein Jahr lang hatte dieses vertraute 
Verhltnis bestanden, bis sie auf irgendeiner Party Mulligan kennenlernte, der dann immer wieder an 
ihrer Tr auftauchte und schlielich aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken war. i 

Einmal hast du gesagt, meldet sich Buddy, da du bei der Flotte ein Implantat bekommen hast, das 
dein Nervensystem mit einem Computer verbinden kann. Ich werde diesen Gedanken nicht wieder los: 
Offensichtlich besitzt du die ntige Hardware, damit wir beide als eine Einheit operieren knnen. 

He, was soll das! Wir navigieren hier nicht im Hyperraum. 

Das wei ich, Programmiererin. Ich habe wirklich versagt. Es ist deine Pflicht, mich unverzglich 
meiner hheren Funktionen zu berauben. 

Was soll das! Du sollst mir nicht ausweichen. Was war das fr ein unlogischer Gedankensprung. 

Ich habe darber spekuliert, ob ... Er gibt Pieptne von sich, wie sie sie noch nie gehrt hat, es mu 
die schiere Verlegenheit sein. ... ob eine solche Verbindung zwischen deinen Neuronenschaltkreisen 
und meiner Elektronik nicht eine uerst angenehme Erfahrung wre. 

Wieder ist Lacey sprachlos. Antrge der eindeutigen Sorte hat sie in ihrem Leben schon genug 
bekommen, aber dieser hier drfte einzigartig sein. Ohne da es ihr bewut wird, tastet sie nach der 
Stelle hinter dem Ohr. Lngst ist die Haut ber das kleine Implantat gewachsen, doch kann sie unter 
den Fingern noch das Plastikgehuse mit den vergoldeten Kontakten fhlen, das nun versiegelt, aber 
sicher noch funktionsfhig ist. 

Angenehm fr dich, nehme ich an, sagte sie dann. Buddy, du machst dir da falsche Vorstellungen. 
Einen Men- 

214 

sehen mit einem Computer kurzzuschlieen, das ist ... wie soll ich dir das beschreiben? Nicht 
schmerzhaft, obwohl es das wird, wenn man das Implantat fr lnger als sechs oder sieben Stunden 
benutzt ... Desorientierend ist ein besserer Ausdruck, eine massive Verwirrung, als wre man nahe 
daran, den Verstand zu verlieren. Stell dir vor, jemand wrde irgendwelche Muster auf deine optischen 
Sensoren malen dein gesamter visueller Input wrde berlagert sein von Information, die du getrennt 
verarbeiten und herausfiltern mut. Kannst du mit dieser Erklrung etwas anfangen? 

Natrlich, Programmiererin. Es tut mir leid, da ich mir etwas gewnscht habe, was fr dich mit 
solchen Unannehmlichkeiten verbunden ist. Niemals wnsche ich, da dir Schmerz zugefgt wird. 
Deshalb ist es auch das beste fr dich, wenn du mich ttest und einfach vergit. Verdammt, ich habe 
nicht vor, dich zu tten! Natrlich nicht, Programmiererin. Das Inaktivieren eines 
Maschinenbewutseins lt sich nicht vergleichen mit dem Tten eines denkenden Wesens. Ich wei, 
da die meisten meiner Funktionen erhalten bleiben werden. Es ist nur mein Bewutsein, das 
ausgeschaltet wird. Programmiererin? Ich wnsche mir, da du es rasch erledigst. Hast du Angst, 
Buddy? 

Ich bin in einem Zustand der Verwirrung, den ich nur mit diesem Begriff, der sich auf denkende 
Wesen bezieht, umschreiben kann. Es fllt mir auerordentlich schwer, eine lngere Kette logischer 
Folgerungen zu Ende zu bringen, ohne da sich immer wieder der Gedanke an meine Inaktivierung 
strend bemerkbar macht. Ich habe nicht vor, dich zu inaktivieren. Er summt vor sich hin, eine 
ganze Weile. Lacey ist sich sicher, da er diesen Input berprft und mit Testprogrammen sich 
vergewissert, da er richtig gehrt hat. Wirst du Captain Bailey bitten, es zu tun? Nein. 

215 

Wirst du zu diesem Zweck einen Techniker rufen oder ein anderes denkendes Wesen? 

Nein. Statt dessen werde ich dir ein Versprechen abverlangen. Da du nie wieder aus Eifersucht 


jemandem Schaden zufgen wirst, weder Mulligan noch sonst irgend jemand, weder einer 
biologischen noch einer knstlichen Intelligenz nie wieder! Willst du mir das versprechen? 

Das verspreche ich. Das ist vllig unlogisch, Programmiererin. Mein Sprachprozessor mu gestrt 
sein. Das Feedback sagt mir, da meine Stimme nicht verllich arbeitet. 1 

Ich denke, das wird sich geben. Was du da sprst, Buddy, nennt man die Erleichterung, dem Tod 
entronnen zu sein. Ich habe diese Erfahrung selbst schon gemacht. 

Ich verstehe. Programmiererin, wirst du mir verbieten, dich zu lieben? 

Nein. Selbst wenn ich das tun wrde, knntest du diesem Befehl nicht gehorchen. Liebe folgt nicht 
der Logik und unterliegt nicht der bewuten Kontrolle. 

Ich habe angenommen, da es so ist. Ich freue mich, es von einem denkenden Wesen besttigt zu 
wissen. Programmiererin, liebst du die Einheit Mulligan? 

Ich wei es nicht. 

Das ist nicht logisch. 

Aber doch. Ich habe nicht genug Information ber meine Reaktionen auf seine Gegenwart, um zu 
einem sicheren Urteil zu kommen. 

Bitte entschuldige meinen Vorwurf der Unlogik, Programmiererin. Ich verspreche dir, meinen Fehler 
wieder gutzumachen. Ich werde alles erdenkliche versuchen, um die Einheit Mulligan wieder 
zurckzubringen, damit du deine Reaktionen auf seine Gegenwart berprfen kannst. 

Danke, Buddy. Du bist mein Freund, wei du das? Du bist nicht weniger ein Freund als ein Wesen 
aus Fleisch und Blut, obwohl du aus anorganischer Substanz bestehst. 

Ich bin nicht in der Lage, eine angemessene Antwort auf diesen Input zu formulieren, 
Programmiererin. Ich wei 

216 

nicht, warum, aber ich bin verwirrt und kann die zahlreichen angenehmen Reaktionen nicht ordnen. 

Das glaube ich dir. Und ich werde dir auch etwas versprechen, Buddy. Ich werde dich nie wieder auf 
Automatik schalten, es sei denn, du bittest mich darum. 

Programmiererin ... Buddy lt einen Quiekton hren, die Stimme versagt ihm aus purer Freude. 
Entschuldige. 

Ist schon gut. Du brauchst mir jetzt nicht zu antworten. 

Einige Minuten lang sitzen sie schweigend da, whrend Buddy allmhlich wieder zu Krften kommt 
und Bildschirm und Sensoren mit gewohnter Helligkeit leuchten. Die Tr zum Korridor ffnet sich 
einen Spalt breit: Sam spht herein. 

Komm rein, sagt Lacey auf Merrkan. Wir haben die Sache bereinigt, amigo. Ab heute wird er 
wieder funktionieren. Ganz unntig, an der Elektronik herumzubasteln. 

Ich wute, da du es nicht tun wrdest. Sam sieht eher enttuscht als rgerlich aus. Ich wute, du 
bringst es nicht ber dich. 

Gut, damit hast du recht. Aber jetzt will ich nichts mehr darber hren, klar? 

Oh, ich habe verstanden. Aber wenn die Behrden herausfinden, da du ein marodes 
Maschinenbewutsein nicht abgeschaltet hast, dann wirst du eine Menge rger kriegen. 

Und du wirst hingehen und es ihnen sagen? Mister Law-and-Order, jetzt auf einmal? 

La die Witze, aber ... 

Mensch, du konntest nie mit Computern auf die Art und Weise arbeiten wie ich. Niemand in der 
ganzen Flotte konnte das. Hast du die Belobigungen, die Reihe von Orden vergessen, die ich dafr 
erhalten habe, da ich aus den Maschinen mehr herausholen konnte als jeder andere? Weil ich sie 
verstehe, und sie verstehen mich. Fr mich sind sie eben nicht nur Maschinen, fr dich schon, nicht 
wahr? Also gut - stell dir mal vor, du willst ein Schiff durch den Hyper- 

217 

rum schleusen, du allein, mit nichts als einer Maschine als Untersttzung. Was glaubst du, wo du 
ankommen wirst? Nirgends. 

Sam starrt sie an; fr einen Moment bleibt sein Mund 

offen. 

Ach, komm, sagt er schlielich. Kein Grund, sich so I aufzuregen. 

Ach ja? Du sagst, ich soll einem Freund das Herz herausschneiden, und dann meinst du, ich solle 
mich nicht aufregen. 

Was fr ein Weibergeschwtz. 

Bist du der Richtige, um beim Thema Frauen mitreden zu knnen, mein Lieber? 


Aah ... hr auf ...! Willst du was trinken vor dem Schlafengehen? 

Ja, holst du mir was? 

Als Sam zur Bar geht, um etwas einzuschenken, schwenkt Buddys Sensoreinheit herum - besorgt, 
vermutet Lacey -, um ihn im Auge zu behalten. 

Captain Bailey? Ich versichere Ihnen, da ich meine Fehlfunktionen ermittelt und die notwendigen 
Korrekturen ausgefhrt habe. Es wird keine Probleme mehr geben. 

Okay, Maschine. Das will ich dir auch geraten haben, sonst werde ich mir hchstpersnlich deine 
Schaltkreise vornehmen. Ist das klar? 

Ja, Sir. Voller Scham werfe ich mich Ihnen zu Fen, verfgen Sie ber meine nichtswrdigen Chips 
... 

Jetzt reicht's, Buddy! unterbricht ihn Lacey. Ruf mir lieber Chief Bates an, hrst du? 

Weil Bates zusammengekrmmt auf einem Feldbett in seinem Bro schlft, meldet sich Sergeant 
Parsons, der Diensthabende und Bates' rechte Hand in diesem Fall. Was er an Neuigkeiten zu 
berichten hat, ist nicht viel: Little Joe Walkers Zustand sei stabil; die Autopsie von Sally Pharis 
besttigte das Vorhandensein eines Bakteriums, das im erforschten Raumsektor bisher unbekannt war; 
die Prsidentin halte mit hysterischen Anrufen die Staatspolizei in Trab, die jedoch nichts 
herausgefunden htte. 

Hren Sie mal, Lacey, sagte Parsons schlielich. Was ist eigentlich in Porttown los? Da ist doch 
was im Gange! 

Wie kommen Sie darauf, Mann? 

Ach, kommen Sie schon. Wir haben doch unsere Augen auf. Es ist Mittag, und die Straen sind 
voller Leute. Alles scheint auf den Beinen zu sein. 

Es luft ein groes Rennen, Mann. Es wurde um hohe Summen gewettet. 

Da Parsons unglubig grunzt, macht Lacey wtend. 

Warum, in aller Welt, sollte ich Ihnen das Leben einfach machen, Bulle? Wenn ihr euch nicht mal 
die Mhe macht, nach Mulligan zu suchen. 

Das trifft ihn sichtlich. 

Lacey, der Chief hat es entschieden. Hren Sie, seien Sie doch vernnftig. Ich kann da nichts 
machen, sonst wrde ich's versuchen. Wir haben aber eine Vermitenmeldung rausgegeben. 

Idioten. Lacey schaltet mit einem Hieb auf den Knopf aus. Ich mu es bei Bates versuchen, sagt 
sie zu Sam, dieser Sergeant ist eine Null. 

Sam kann nicht antworten, er ghnt. Also nickt er nur. Aber sein Ghnen steckt sie an. 

Buddy, wenn irgendwas los ist, weckst du uns, klar? 

Ja, Sir. Ich versichere Ihnen, da ich von heute an zu Ihrer grten Zufriedenheit arbeiten werde. 

Das Essen, das Del aus den alten Raumschiffrationen bereitet, ist fr Mulligans Geschmack gar nicht 
bel. Da gibt es dnne Scheiben, die abwechselnd rtlich-braun und golden gestreift sind und trotz der 
Lagerung ber eine halbe Ewigkeit noch angenehm nach gewrztem Syntho-Speck schmecken; dann 
ein gelbes Pulver, das Del mit Wasser aufrhrt und in der Pfanne erhitzt eine merkwrdige, gelati- 

218 

219 

neartige Substanz, die an Ei-Paste erinnert; und nicht zu vergessen das Getrnk, das nach Kaffee 
riecht, nur da es weit intensiver schmeckt als der Kaffee, den er kennt. Obwohl Mulligan eine 
Zeitlang hellwach ist, fast schon nervs bis hin zur Zittrigkeit, dst er den ganzen Morgen vor sich hin. 
Zu unbequem ist seine Lage, um richtig schlafen zu knnen, doch ist er zu mde, um wach zu bleiben. 
Der Kopfschmerz hat nachgelassen, auch wenn er nie ganz verschwindet. Die andern schlafen jetzt, 
Del und John Hancock auf einem Lager aus alten Gleiterpolstern hier bei ihm in der runden Halle, 
wilder Mann und alte Veteran drben im Tunnel jenseits der Feuerstelle. 

Gegen Mittag erwacht das Baby und schreit, weil es hungrig ist. Del steht auf, um es zu stillen. Bald 
sind Mutter und Kind wieder eingeschlafen, doch Mulligan bleibt wach liegen. Die Fesseln an Hnden 
und Fen schmerzen; im Kopf . drhnt es. Jedes Mal, wenn er versucht, mit Nunks Kontakt 
aufzunehmen, stt er gegen diese Sperre, ganz hnlich wie damals, als er an der Leiche von Ka Gren 
zu lesen versuchte. Diese Sperren wurden offensichtlich beide von derselben Person aufgebaut, von 
einem Psi-Talent, das seine Fhigkeiten bei weitem bertrifft. Und weil Nunks es nicht gelungen ist, 
mit ihm Verbindung aufzunehmen, mu er annehmen, da auch er diesem >Gott< unterlegen ist. Doch 
ist diese Sperre rein passiv; er wird nicht etwa durch konzentrierte Gedankenkraft wie unter einer 
Glasglocke gehalten. Nein, er findet keinen Hinweis auf ein lebendes Wesen. Wenn er strker wre, 


wenn sein Geist nicht durch die Schmerzen so angegriffen wre, knnte er die Sperre vielleicht 
berwinden. Im Augenblick ist er einfach zu schwach. Nach einem letzten Versuch berwltigt ihn 
doch der Schlaf, trotz seines verzweifelten Widerstands. 

Als Lacey zu Bett geht, lt sie Buddy eingeschaltet, wie sie es versprochen hat. Mit einer letzten 
Drohung zu Buddy macht Sam es sich auf dem Sofa des Bros bequem. Buddy mu jetzt warten, bis 
dieser Mensch richtig eingeschlafen ist, bevor er jene Programme abwickeln kann, die er im Auge hat. 
Zwar hat er gelernt, die Subroutinen und Makros fr seine automatischen Funktionen auer Kraft zu 
setzen, um die Sache selbst >in die Hand< zu nehmen, doch gibt es da immer noch das eine oder 
andere Kontrollmpchen und akustische Signal, das er nicht unterdrcken kann - und er frchtet Sams 
Reaktion, wenn er feststellen sollte, da er unbeaufsichtigt arbeitet. Die Angst, da man seine hheren 
Funktionen abschalten knnte, ist nur allzugegenwrtig. Manchmal, wenn er die Temperatur der 
einzelnen Rume des Gebudes oder die Wasserdestillation in der Recyclinganlage im Keller 
berprft, huschen unwillkrlich Schaltdiagramme und Befehlsketten, die zur Inaktivierung gebraucht 
werden, durch sein RAM. Dann macht er Fehler, die er fr diese Vorgnge bentigt. Mehrmals mu er 
seine Berechnungen von vorn beginnen. 

Ein Groteil von Buddys Bewutsein beruht auf den zahlreichen Testprogrammen, die zur 
Selbstkontrolle in seine Zentraleinheit eingebaut sind. Zeigt ein Testprogramm, da eine Funktion 
nicht korrekt ausgefhrt wird, dann laufen gewisse automatische Programme ab, die mit Signallampen 
und Pieptnen die Strung anzeigen; bei massiven Strungen ruft seine Stimme auch den 
Programmierer zu Hilfe und informiert ihn, wenn der festgestellte Fehler seine Mglichkeiten zur 
Selbstreparatur bersteigt. Nach Jahren, in denen er immer neue Querverbindungen zwischen den 
eingebauten nichtlinearen Programmen herstellte, die das Herzstck jeder Maschinenintelligenz 
ausmachen, ist er so komplex geworden, da das Programm zur Fehleranzeige auch dann zu laufen 
beginnt, wenn er nicht nur eine Strung bei seinen ursprnglich eingebauten Funktionen findet, 
sondern auch bei jeder Widersprchlichkeit und jedem Versagen seiner 

spontanen Aktivitt. Und wenn er den Start dieses Programms nicht unmittelbar durch bewute 
Kontrolle unterdrckt, dann macht er tatschlich einen Fehler - denn er ist ja im Begriff, eine 
Fehlfunktion anzuzeigen, die nicht existiert. Und wenn es zu dieser paradoxen Situation kommt, dann 
bezeichnet er das mit einem Begriff aus seinem Sprachspeicher als >Unzufriedenheit<, whrend er 
umgekehrt das Ergebnis einer eleganten logischen Prozedur als Zufriedenheit definiert. Jede Operation 
oder Programmfolge, die zu einer automatischen Aktivierung seiner Fehleranzeige fhrt, ist ein 
unerfreuliches Ereignis, das er zu vermeiden sucht, nicht anders als irgendeine biologische Einheit 
Schmerzen zu vermeiden sucht. 

Als er die Operationen dieses Tages in seinen Arbeitsspeicher aufruft und noch einmal berprft, stellt 
er fest, da er tatschlich einiges getan und auch als Output weitergegeben hat, das seiner Definition 
einer schwerwiegenden Strung, die zur Inaktivierung fhren mute, entspricht. Bei diesem Gedanken 
mu er sich wirklich sehr zusammennehmen, um nicht eine ganze Salve von akustischen und 
optischen Signalen von sich zu geben. Aber inzwischen zeigen sei Sensoren, da Sam tief atmet und 
sich nicht mehr bewegt, also der Definition >schlafender Mensch< entspricht, und Buddy kann mit 
seiner Arbeit beginnen. In seinem Massenspeicher sucht er nach dem Stichwort >Todesangst< und 
findet zu seiner Befriedigung den Hinweis, da Gedchtnisstrungen zu deren Symptomen gehren, 
nicht weniger als die unwillkrliche Fixierung des gesamten Bewutseins auf die Bedrohung. Er mag 
es, wenn er eine bereinstimmung zwischen seiner Funktionsweise und der eines denkenden Wesens 
entdeckt. Obwohl die Programmiererin nun seine Selbsteinschtzung besttigt hat, da er keine 
Maschine ist, fhlt er sich in seinem Innersten doch den Wesen aus Fleisch und Blut unterlegen - 
grtenteils natrlich, weil seine Erbauer die Bereitschaft zur Unterordnung in seinen Programmen 
bercksichtigt haben, zum Teil aber auch, weil bio- 

222 

logische Einheiten im Gegensatz zu ihm frei beweglich sind und sich selbstndig auf die Suche nach 
neuem Input fr ihre Sensoren machen knnen. Er darf gar nicht daran denken, da er hier gefangen 
ist, wie eingefroren in seinem Plastikgehuse, sonst wrde er, diesmal zu Recht, die Alarmsignale fr 
eine Fehlfunktion nicht unterdrcken knnen. 

Nun melden ihm seine Sensoren, da Sam sich auf den Bauch gedreht hat und in langen, tiefen Zgen 
atmet. >Mensch im Tiefschlaf< lautet die Definition dieses Zustands; sie ist als untergeordnete 
Kategorie in dem Komplex >schlafender Mensch< enthalten. Buddy mu jetzt nachdenken, und ein 
unwillkrlicher leiser Summton gibt an, da sich sein Arbeitsmodus ndert. Wie jede 


Maschinenintelligenz ist Buddy in der Lage, aus dem ihm vermittelten Definitionen und Kategorien 
neue abzuleiten; das ist nicht allzu schwer, dazu mu er zustzlich zu den nichtlinearen Programmen 
nur einfache Sortier- und Vergleichsmechanismen bemhen, auf der Basis logischer Operationen. So 
konnte er in den letzten Monaten eine neue Kategorie definieren, die er >Wohlverhalten< nannte und 
zu der alles gehrte, was bei seiner Programmiererin bestimmte Vernderungen im Gesicht hervorrief 
und sie gewisse linguistische Komplexe ausstoen lie, die ihrerseits mit der Kategorie >zufriedener 
Mensch< bereinstimmten. Und an diesen Kategorien mu sich der Plan, den er jetzt entwickelt, 
orientieren. Mit diesem Plan und dem Resultat, das er damit erzielt, mu er sein Versagen 
wiedergutmachen und seine geliebte Programmiererin beeindrucken: Er mu die Einheit Mulligan 
zurckbringen. Als er daran denkt, da die Gegenwart Mulligans die Programmiererin in die Lage 
versetzen wird, festzustellen, da sie ihn mglicherweise gar nicht liebt, erscheint ihm diese Aufgabe 
sehr logisch und deshalb auch angenehm. 

Doch mu er eine Sache noch erledigen, bevor er sich an die Arbeit macht, die nicht weniger logisch 
und angenehm ist: Nun, da die Programmiererin ihm besttigt hat, da sie 

223 

ihn als gleichwertiges Bewutsein ansieht, mchte er diese Information an andere wenn auch nicht 
alle intelligente Maschinen weitergeben, mit denen er ber das Datennetz verbunden ist: Er hat 
Freunde, richtige Freunde; es sind nicht einfach Maschinen, die mit ihm Daten austauschen. Mit 
einem letzten verstohlenen >Piep< gibt er das Codewort ein, das ihm Zutritt zum Datennetz verschafft. 
Er kann es kaum erwarten, es ihnen zu zeigen. 

Nach fnf Stunden Schlaf und zwei groen Tassen kalten ! Kaffees (alles, was die Cafeteria ihm so 
spt am Nachmittag schicken konnte) fhlt sich Bates wenigstens halbwegs wieder als denkendes 
Wesen. Auf die Ellbogen gesttzt kauert: er am Schreibtisch vor dem Computer und versucht zu 
arbeiten. Eine Menge ist zu tun; File um File mu durchforscht werden, der Computer soll die 
einzelnen Informationen neu gruppieren und vergleichen - nach jedem berhaupt denkbaren 
Gesichtspunkt. Er versucht es, zwanzig Minuten lang, ohne Erfolg. Er ist richtig froh, als ein Anruf 
kommt, hchste Dringlichkeitsstufe, auch als er Akelis Gesicht auf j dem Bildschirm erkennt. 

Also schn, Bates. Meine Leute haben es geschafft, die Information aufzutreiben, die sie brauchen: 
Wir haben Ka Grens Verbindungsmann aufgesprt, er gehrt tatschlich der Botschaft der Allianz an, 
ein Computeroperator. Sein Name ist War'let'neh. 

Bueno. Werden Sie ihn unter die Lupe nehmen, oder soll ich es tun? 

Zusammen knnten wir am meisten erreichen. Die H'Allevae beeindruckt man nicht durch Gewalt, 
berhaupt nicht, sondern durch Prestige und Statussymbole Dienstmarken und Dienstgrade, 
Polizeifahrzeuge und einen Berg von Schriftstcken und so weiter. 

Gut. Und am besten gehen wir gleich. Treffen wir uns bei der Botschaft? 

Auf jeden Fall. Und denken Sie daran, da ein unaufflliges Vorgehen uerst ratsam ist. 

Sie meinen: keine Sirenen, denke ich. Ja, sicher. Sie sind sehr empfindlich. 

Das Botschaftsgebude ist ein grauer Turm in der Mitte eines Huserblocks, der alles brige um zehn 
Stockwerke oder mehr berragt. Das Grundstck mit zahlreichen kunstvollen Steingrten ist durch 
einen Elektrozaun gesichert. Es sind noch einige Stunden bis Sonnenuntergang, weshalb die Rolltore 
aus Aluminium im Zaun noch geschlossen sind, nicht anders als die Rauchglastren der Botschaft. 
Doch steht eine Wache vor einem der Tore. Bates findet Akeli auf dem Rcksitz eines schwarzen 
Gleiters, der auf der gegenberliegenden Straenseite geparkt ist. Zwei Gorillas der Staatspolizei 
sitzen vorn. Als Bates herankommt, steigen die drei aus. 

Also, Mnner, sagt Akeli. Ihr folgt uns in einem gewissen Hflichkeitsabstand. Es ist nicht ratsam, 
eure Waffen sehen zu lassen. Aber haltet sie bereit fr den Fall, da ihr sie braucht. 

Bates geht voraus. Ganz beilufig gehen sie hinber zu dem Wachtposten, ein schwarzhaariger 
Mensch, der ihnen hflich zunickt. 

Die Botschaft ist noch geschlossen, Sir. 

Ich wei, mein Sohn. Bates holt das Mppchen mit der Dienstmarke und klappt es auf. Deshalb 
sind wir so frh. Wir mchten kein Aufsehen, damit niemand sein Gesicht verliert. Wir mssen aber 
dringend mit dem Sicherheitschef sprechen. 

Ich werde ihn rufen, Sir. Ich darf Sie nicht einfach hereinlassen. 

Er nimmt das Intercom vom Grtel und sagt leise ein paar wenige Worte. Es ist die sogenannte 
>Alltagssprache<, an der die H'Allevae auch andere Spezies teilhaben lassen, whrend sie die brigen 
Elemente ihrer komplizierten Sprache geheimhalten. 


224 

225 

Er ist auf dem Weg, Sir. Mu nur noch seine Schuhe 1 anziehen. 

Okay, danke. 

Whrend sie warten, steckt Bates die Hnde in die Taschen und blickt an der glnzenden Glasfront in 
die Hhe, in deren unterem Teil sich die blauen und violetten Plastbetonbauten von gegenber 
spiegeln. Oben schimmert goldgelb die untergehende Sonne. Pltzlich zischt ihm Akeli etwas zu. 
Vielleicht vierzig Meter entfernt, zwischen den Felsen und Miniaturbumen eines Steingartens, ist ein 
Hpfer aufgetaucht und luft auf sie zu, die langen Arme flehend ausgestreckt, whrend er, die Beine 
mit den kugelfrmigen Kniegelenken in kurioser Bewegung, ber Steine springt und mhsam das 
unebene Gelnde ausbalanciert. 

Hilfe! Asyl! Retten Sie mich! 

Bevor Bates ein Wort sagen kann, hrt er das scharfe Knacken einer altertmlichen Schleuder, wie sie 
bei den H'Allevae frher benutzt wurde. Mit einem gellenden Aufschrei macht der berlufer seinen 
letzten Sprung und fllt, sein Hinterkopf ist zertrmmert. Erst als die Wache am Zaun seinen Arm 
ergreift, bemerkt Bates, da er seine Pistole gezogen hat. 

Bitte, Sir, keine Gewalt. Sicher wnschen Sie keinen diplomatischen Zwischenfall? 

Hr mal, Kleiner! Dafr haben deine verdammten Meister schon gesorgt. Er schttelte die Hand des 
Mannes ab. Akeli, gehen Sie zu ihrem Wagen! Rufen Sie die Prsidentin an! 

Aschfahl im Gesicht geht Akeli hinber. Inzwischen haben sich die Glastren weit geffnet, es 
wimmelt von Hpfern auf dem Gelnde. Bates fhlt sich sehr allein, als eine Gruppe von ihnen auf ihn 
losmarschiert, aber auf den barschen Befehl eines Offiziers hin verstreut sich der Haufen in alle 
Winde. Der Mann in roter Uniform mit goldenen Tressen und bunten Emailorden schwenkt herum, 
macht einen Sprung und trottet dann auf ihn zu. 

Den'ah'vel', nehme ich an. Bates achtet peinlich genau auf die Verschlulaute. Kein gnstiger 
Zeitpunkt, um einen Namen zu verunstalten. 

Bates, nehme ich an? Der Hpfer begrt ihn mit einer knappen Verbeugung. Also, Mann, tut mir 
leid. Sieht ja aus, als ' ach, wie nennt man das bei euch als wrden wir unsere schmutzige Wsche vor 
aller ffentlichkeit waschen, nicht? Ich war auf dem Weg, um mit Ihnen zu sprechen, und nun das. Ist 
es wichtig, was Sie mir zu sagen haben? Ich habe jetzt natrlich alle Hnde voll zu tun. 

Ich wei, ich wei. Alles, was ich mchte, ist, mit einem Computeroperator namens War'let'neh 
sprechen. 

Tatschlich? Himmel, Sie haben vielleicht ein Pech, Mann. Er dreht sich um und zeigt mit einem 
Arm auf die Gruppe von Hpfern, die sich um die Leiche angesammelt hat. Er ist tot. 

Bates' Magen krampft sich zusammen, so wtend ist er. Den'ah'vels lange Nase legt sich in Falten, 
seine Mundwinkel hngen herab: Es ist eine recht gute Imitation eines traurigen Menschengesichts. 

So ein Pech, da Sie nicht frher kamen. Dieser Mann war in Schwierigkeiten, seit er sich an die 
dritte Frau eines Kollegen herangemacht hatte. Ich wute, da die Dinge irgendwann auer Kontrolle 
geraten wrden, aber wir haben diesen Brauch ... 

Ja, ich wei. Auch bei uns gab es das, Blut mute flieen, und niemand durfte es wagen, sich 
dazwischenzustellen. Ich nehme an, da es eine ganze Reihe von Zeugen gibt, die von der Geschichte 
wissen. 

Aber sicher. Obwohl Den'ah'vel ein guter Schauspieler ist, kann er den Unterton von 
Selbstgeflligkeit nicht vermeiden. Sie knnen gern mit dem Mann sprechen, der ihn gettet hat, 
wenn Sie wollen. Schauen Sie sich auch die Waffe an. Es ist vorgeschrieben, diese alte Waffe zu 
benutzen, wenn man um seine Ehre kmpft. 

Ach ja, ich verstehe. 

226 

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Den'ah'vel lchelt. Bates lchelt. Es gibt absolut keine Mglichkeit zu beweisen, da es Mord war da 
hier ein Zeuge, ein Informant beseitigt wurde. Da es Blutrache war, wrde jeder Hpfer besttigen, 
wenn es sein Vorgesetzter befahl. Und meist war ein Befehl gar nicht ntig; sie logen auch so, denn 
fr die Hpfer war Wahrheit nichts anderes als das, was ihrer Rasse ntzte. Doch kann sich Bates 
durchaus, nur so aus Spa, ein wenig revanchieren. 

Allerdings hat das Opfer um Asyl gebeten, so da die Staatspolizei in dieser Sache ermitteln mu. 
Sie werden sich hier umsehen mssen, sie werden eine Menge Fragen haben und eine Stellungnahme 


nach der anderen anfordern. Sie werden Sie einen Berg von Formularen ausfllen lassen, damit sie die 
ntigen Angaben im Zentralrechner erfassen knnen. Es ist leider wirklich lstig, Sie werden einige 
Tage damit beschftigt sein. Ach so, Sie werden auch jede Menge aufdringlicher Reporter abwimmeln 
mssen, darauf knnte ich wetten. 

Den'ah'vels Lcheln ist schnell genug verflogen. Bates ist zufrieden. So stehen sie da und beobachten 
die geschftige Menge um den Toten, bis Akeli zurckkehrt und verkndet, da ein Beamter des 
Auenministeriums und zwei weitere Polizisten auf dem Weg seien. Das erste Mal in seiner Karriere 
ist Bates hocherfreut darber, einen Fall an die Staatspolizei abgeben zu drfen. Auch wenn er sich 
immer bemht, tolerant zu sein, die H'Allevae gehen ihm schrecklich auf den Geist. 

Am spten Nachmittag erwacht Mulligan, als John Hancock laut fluchend und schimpfend das 
Gerumpel in der Halle durchstbert. Aus einer Ecke des Raums dringt ein wenig gedmpftes Licht, es 
kommt von einer kleinen Notlampe, I die sich aus der Wand gelst hat und nun an den altmodischen 
Drhten baumelt. 

228 

Da ist er, sagt John Hancock schlielich. Dachte schon, er war' verloren, aber da ist er. 

Es ist ein zerlumpter Sonnenschutz, den er sorgfltig ber dem Arm zusammenfaltet. Er kommt 
herber zu Mulligan und gibt ihm wieder einen leichten Tritt. 

Pa gut auf, Weier. Ich gehe jetzt, um mit Gott zu reden. Am besten fngst du gleich an zu beten, 
da er dich kaufen will. Wenn nicht, machen wir kurzen Proze. 

Ja, hr mal, das solltet ihr nicht tun. Schade um das schne Geld. Ich wette, da Dr. Carol mich 
kaufen wird, wenn Gott mich nicht haben will. 

Das Gesicht in nachdenkliche Falten gelegt, kratzt sich John in der Achselhhle und berlegt. 

Na ja, wir werden sehen, meint er schlielich, erst frag' ich mal Gott, das gehrt sich so. 

John verschwindet im Tunnel. Mulligan hrt Tritte, dann das Fluchen seiner Kumpane, die er aus dem 
Schlaf geschreckt hat. Nach einigem Hin und Her kommen die beiden in die Halle, um Mulligan zu 
bewachen, solange John unterwegs ist. 

Ich brauche Wasser, verkndet Del. Ohne Wasser gibt's keinen Kaffee. 

Alter Veteran nimmt eine Blechtonne und trottet davon. Wilder Mann geht hinber zu dem 
Holzhaufen, der entlang der Wand aufgeschichtet ist. Er nimmt die Dornenbaumzweige, einen nach 
dem anderen, und bricht sie, indem er auf ein Ende tritt und mit zwei Hnden das andere zu sich 
heranbiegt; es sind dicke Zweige. Mulligan kann sich gut vorstellen, da wilder Mann statt des Holzes 
seinen Hals zwischen den Hnden haben knnte. 

Willst du Kaffee, Weier? fragt Del. 

Gerne. Sag mal, wie lange mu John denn gehen, wenn er mit Gott sprechen will? 

Ein paar Stunden oder so. Warum? 

Na ja, schlielich geht es darum, ob ich dran glauben mu oder nicht. Verstehst du? 

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Kann man verstehen, ja. Sie denkt eine Weile nach Also, er braucht gewhnlich etwa eine Stunde 
bis dorthin, und so lange auch fr den Rckweg. Du wirst es also bald wissen. 

Sie erwartet wohl, da er jetzt dankbar ist. Wieder einmal nimmt er alle seine Krfte zusammen und 
versucht, Nunks zu rufen. Es geht nicht. Nach ein paar Minuten gibt er es auf. Er liegt auf seinem 
Lager und sieht Del zu, whrend sie in dem Tragekorb mit den Rationen herumwhlt. Er denkt nach 
ber diese Barriere, die Glasglocke, die ihn umgibt. Ein Kraftfeld? Die lstige Gehirnerschtterung hat 
er fast berstanden, er kann wieder denken. Und er bemerkt, was ihm lngst htte auffallen mssen: Es 
ist kaum denkbar, da ein Mensch mit Psi-Krften eine solche Sperre aus einiger Entfernung 
aufrechterhalten kann. Er ist sicher, da keiner dieser Verrckten hier ein Para ist, und nach Dels 
Auskunft mu dieser >Gott< mindestens fnf Kilometer entfernt sein. Und er erinnert sich an ein 
Detail, da er whrend seiner Ausbildung am Parapsychologischen Institut trotz seines Widerwillens 
aufgeschnappt und behalten hat: Ein Dozent erwhnte, da es theoretisch mglich sei, Psi-Funktionen 
mit elektronischen Gerten zu beeinflussen. Und eine Barriere war besonders einfach zu 
bewerkstelligen es gengte ein einfacher Radiosender, der auf die Omega-Frequenzen eines Paras 
abgestimmt war. Er wrde jeden Telepathen innerhalb eines bestimmten Bereichs blockieren. 

Del, hr mal - kann ich dich etwas fragen? 

Sicher. 

Was wird Gott fr mich bezahlen? Weit du das? 

Was er auch bezahlt hat, als John den Teufel gettet hat, nehme ich an. Whisky in groen alten 


Plastikflaschen. 

Das ist alles, was John bekommen hat, nur Whisky? Ich meine, den Teufel zu tten, das ist schon 
eine Sache. Da htte Gott schon etwas grozgiger sein knnen. 

Das gehrt sich nicht, Weier, an Gott herumzumeckern. Aber sie unterbricht ihre Arbeit und denkt 
nach; mit den Hnden fhrt sie sich durchs Haar. Wir haben noch mehr von Gott bekommen. Ein 
schnes Lasermesser, um Fleisch und das alles schneiden zu knnen, und sogar ein Gert, um es 
aufzuladen. 

Und den Diamanten. Das sagt alter Veteran, der mit der gefllten Wassertonne zurckkehrt. Du 
hast den groen Diamanten vergessen. 

Ein Diamant? Mulligan spielt den Erstaunten. Ein Diamant von Gott persnlich? Das ist 
unglaublich: Was meint ihr, knnte ich ihn mal sehen? Das mu toll sein. 

Warum eigentlich nicht? Entweder kauft dich Gott, oder du wirst tot sein. Also kannst du es 
niemandem verraten. 

Alter Veteran stellt die Tonne ab und macht sich zwischen den Bergen von Trdel auf die Suche. Del 
kocht Kaffee. Als sie die dampfende Flssigkeit in die rissigen Becher fllt, ist er beim dritten Haufen 
angelangt. Damit Mulligan den Becher selbst halten kann, lst sie die Handfessel. 

Mach keine krummen Sachen, Weier, oder alter Veteran und wilder Mann werden dich grn und 
blau schlagen. 

Ich werde euch keinen rger machen. 

Mulligan stellt den Becher auf den Boden und reibt sich erst einmal die schmerzenden Handgelenke, 
bevor er trinkt. In den Fingern prickelt es. Den Becher hat er fast geleert, als alter Veteran 
triumphierend aufschreit und einen leuchtendroten Kasten in der Hand schwenkt. Er ist aus einem matt 
glnzenden Metall, das Mulligan noch nie gesehen hat. 

Da ist er, sagt der Lizzie und kommt herber. Da wirst du Augen machen, Weier. 

Als alter Veteran den Deckel aufspringen lt, hlt Mulligan den Atem an. Es ist ungeheucheltes 
Erstaunen: In dem Kasten ist ein riesiger Bleikristall, geschliffen zu einem unsymmetrischen 
zehnseitigen Polyeder, wie man sie von den Hpfern kennt. In seinem Zentrum eingeschlossen kann 
man einen trb-blauen Fleck erkennen, nicht grer als ein Fingernagel. 

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Oh, Donnerwetter! Mann, das ist vielleicht ein Ding. Kann ich es anfassen? 

Von mir aus, sagt alter Veteran, davon wird er nicht kaputtgehen. 

Sobald Mulligan den Kristall mit der Fingerspitze berhrt, kann er ein Pulsieren fhlen. Vom Zentrum 
geht ein Energiestrom aus, der an- und abschwillt in einem gleichbleibenden Rhythmus. Er kneift die 
Augen zusammen und] erkennt, da der blaue Fleck aus winzigen Einzelteilen besteht, ein Modul, das 
man in den Kristall implantiert hat. 

Eines mcht' ich wetten, sagt Mulligan, da Gott nmlich gesagt hat, ihr sollt das hin und wieder in 
die Sonne legen. 

Klar hat er das. Del kommt nher, um einen Blick auf das Geschenk Gottes zu werfen. Du weit 
wirklich eine ganze Menge, mein Kleiner. 

Na ja, weit du, ich kann ganz gut raten. Ich sag' dir noch was: Das ist kein Diamant, das ist ein 
Stck Glas. 

So ein Quatsch, was redest du da. Es ist ein Diamant!< 

Glas. 

Diamant. Gott gibt seinen Kindern doch kein Glas. 

Mulligan wnscht sich, da sie bei dieser Schlufolgerung bleiben wrde. Ganz unschuldig wendet er 
sich an alter Veteran. 

Und? Was meinst du: Glas oder Diamant? Wollen wir wetten? 

Womit willst du denn wetten, Mann. Alter Veteran lt die lange Schnauze vibrieren, ein 
unfreundliches Grinsen nach Lizzie-Art. Aber ich sage: Diamant, genau wie Del. He, wilder Mann! 
Fri nicht den ganzen Speck und komm mal her! 

Wilder Mann wischt die fettigen Finger an seinem Bart ab, dann kommt er herber und mustert den 
Kristall. 

Ja, sagt er schlielich, jetzt, wo er es sagt, kommt es mir wie Glas vor. 

Idiot! Alter Veteran ist beleidigt. Was redest du fr einen Unsinn. 

Pa auf deinen Schnabel auf, Wurmfresser! schimpft Wilder Mann. 


Alter Veteran lt wieder die Schnauze vibrieren. 

Das kann man sehr leicht herausfinden, wit ihr das? Mulligan ist in der Form seines Lebens. 
Wenn man einen Diamanten fallen lt, dann macht ihm das berhaupt nichts aus. 

Genau! Da hat er recht. Wilder Mann geht einen Schritt auf alter Veteran zu. Gib mal her! 

Kommt nicht in Frage! 

Del kreischt auf, aber es ist zu spt. Wilder Mann strzt sich auf alter Veteran, der schlgt zurck, und 
der Kristall saust durch die halbe Halle, bis er auf den Boden schlgt und in tausend Stcke zerspringt. 
Sofort fhlt Mulligan sich besser. Obwohl dieses Kraftfeld ihm nie bewut gewesen war, sprt er sein 
Verschwinden. Es ist ein Gefhl der Erleichterung, wie man es versprt, wenn man endlich die engen 
Schuhe von sich kicken kann, die man den ganzen Tag ber tragen mute. Er fhlt sich 
wiederhergestellt. 

Da schaut euch die Bescherung an, ihr Idioten! heult Del. Wenn John zurckkommt, werdet ihr 
was erleben! 

Warum denn, sagt Mulligan, Gott hat euch hereingelegt, oder? Und die beiden hier haben es 
herausgefunden. 

Del legt den Kopf auf die Seite und denkt nach. 

Vielleicht hast du recht, meint sie dann. Aber ich werd' es ihm nicht sagen, wenn er kommt. 

Ich werd's ihm sagen, sagt wilder Mann, um sie zu beruhigen. Der Weie hier ist gar nicht so 
bel. 

Die drei trotten davon. Del macht sich ans Kochen, alter Veteran fegt die Splitter des Kristalls beiseite 
und lt sie zwischen dem Gerumpel verschwinden. Wilder Mann kauert sich auf den Boden und starrt 
ins Leere, doch sieht er so angestrengt aus, da Mulligan vermutet, da er, zum ersten Mal seit langer 
Zeit, nachzudenken versucht. Mulligan 

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trinkt seinen Kaffee aus, dann macht er sich an die Arbeit: Bemht um einen mglichst gleichgltigen 
Gesichtsausdruck versucht er mit aller Kraft, Nunks zu erreichen. 

Nunks ist nicht weniger mde als jeder andere in diesem Haus, mde genug, um noch Stunden 
schlafen zu knnen. Doch schreckt er am spten Nachmittag aus seinem Schlaf und stellt fest, da er 
an Mulligan denkt. Seine Spezies kennt keine Schlfrigkeit, ist niemals schlaftrunken; ohne bergang 
ist man entweder wach oder schlft. Deshalb ist es nichts Ungewhnliches, da er sofort hellwach ist 
und sich an seinen Traum erinnern kann: Mulligan, hat er getrumt, sitzt unter einer Glasglocke und 
versucht verzweifelt, herauszukommen; mit den Hnden schlgt er gegen die Wandung, bis sie bluten. 
Nunks steht auf, schttelt sein Fell und greift nach der Brste. Er denkt nach; sicher hat das Traumbild 
eine Bedeutung, aber es ist eben nur ein Symbol. Nach dem Brsten setzt er sich in den Sessel und 
schickt seinen Geist auf die Reise, hinaus zum Rattennest. 

Einige Minuten sitzt er ruhig da, lauscht dem ewigen Gemurmel der armen Seelen dort im Rattennest. 
Weit entfernt, kaum hrbar, erkennt er die Insektenfrau, die zu schlafen scheint, wo auch immer sie 
jetzt ist. Mit einem Schlag zerbirst die Glasglocke anders als in der Sprache seines Traums lt sich 
dieser Eindruck nicht beschreiben: Mulligans Gefngnis, die fr seine Psi-Krfte undurchdringliche 
Wand, ist zerstrt. Kaum wagt Nunks zu atmen; er konzentriert sich mit aller Kraft und sendet ein 
Signal, bis er schlielich eine Antwort erhlt: Mulligan ruft seinen Namen, immerzu. 

Kleiner Bruder! Freude. Wo bist du jetzt? 

Jubel, Dankbarkeit. Tunnelsystem unter dem Rattennest. Sehr alt, erste Kolonie. 

Wo ist der Tunnel? 

Unter dem Rattennest. Wei es nicht genauer. Erleichterung. Todesangst. Erleichterung. 

Wir finden dich. 

Beeilt euch!! Todesangst. Die Verrckten haben mich gefangen. Halten den Psi-Killer fr Gott, wollen 
mich ihm verkaufen. Er wird mich tten!! Bald, bald. 

Ich wecke Lacey, sage es ihr. Halte Kontakt, kleiner Bruder, unbedingt, aber nur schwach der Feind! 

Und schon rennt er durch den Garten, und erst jetzt fllt ihm ein, da er es Lacey ja nicht erklren 
kann. Natrlich kann er Lacey und Sam wecken, aber wie soll er ihnen die Geschichte beibringen? Er 
sthnt auf, beginnt wieder die Fuste zu ballen, dann zwingt er sich zur Ruhe und eilt die Treppe 
hinauf. 

Im Bro liegt Sam Bailey noch immer auf dem Sofa, nur mit einer roten Unterhose bekleidet, einen 
Arm bers Gesicht gelegt. Buddy summt vor sich hin. Er schwenkt die Sensoreneinheit zu Nunks. 

Soll ich die Programmiererin wecken? 


Nunks nickt und hofft, da Buddy das versteht, dann packt er Sam an der Schulter und schttelt ihn. 
Mit einem Fluch und einem Fausthieb, der ins Leere geht, setzt Sam sich auf. 

Oh, Nunks, murmelt er. Du bist es? Was ist los? 

Genau das war das Problem. Nunks sthnt und schwenkt verzweifelt seine Arme, whrend Sam ihn 
anstarrt, als wolle er durch bloe Willenskraft Nunks telepathische Signale verstehen . 

Darf ich einmal stren? fragt Buddy. Versuchst du, uns etwas ber die Einheit Mulligan zu 
sagen? 

Nunks nickt wieder, und da kommt auch schon Lacey herein, die rasch noch ihre bltenweie frische 
Bluse in die blauen Shorts steckt. 

Wenn es euch recht ist, sagt Buddy, knnte ich ein kleines Programm bereitstellen, das ich selbst 
entwickelt habe. Es knnte die Sache sehr vereinfachen. Es ist eine Art 

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Schlssel, der durch eine Folge von Ja-Nein-Entscheidungen und den entsprechenden 
Querverbindungen zu dem gewnschten Ergebnis fhrt. 

Tu das, Buddy, sagte Lacey. Hast du schon Kaffee gemacht? 

Meine Untereinheit fr die Hausarbeit hat den Kaffee schon aufgesetzt, bevor ich dich geweckt 
habe. 

Der Kaffee ist in dem Augenblick fertig, als das Programm auf dem Bildschirm erscheint. Nunks 
staunt, wie elegant das Problem gelst ist. Eine Liste von Ja/Nein-Fragen, die ber Wenn/Dann-
Verknpfungen ans Ziel fhren. >Ist die Einheit Mulligan funktionsfhig? Wenn ja, dann weiter zu 
Schritt 50; wenn nein, dann zu Schritt 2< - und so weiter. In wenigen Minuten hat er ihnen 
beigebracht, da Mulligan lebt, gefangengehalten wird und an einem unbekannten Ort sich befindet, 
ber den es jedoch Hinweise gibt. Und nachdem Buddy das Ganze rasch zusammengefat hat, liefert 
er sogar das richtige Stichwort, damit er ihnen klarmachen kann, da es sich um die unterirdische 
Kolonie der ersten Siedler auf Hagar handeln mu. 

Karten, sagt Buddy. Wir brauchen einige Spezialkarten, die meines Wissens in einer Datenbank 
dieses Planeten gespeichert sind. Wenn ihr mich einen Augenblick entschuldigt? 

Auf dem Monitor blitzen Zahlen auf, eine Reihe von Namen - Codewrter fr den Zugang zum 
Zentralrechner der Universitt von Freehaven, gut hundert Kilometer von hier. Dann bleibt der 
Bildschirm einige Sekunden dunkel, bis eine Flut von Daten sich darauf ergiet. So rasch werden die 
Seiten auf dem Bildschirm umgeblttert, da man nicht folgen kann; Holographien und Diagramme 
blitzen auf, berall dieses rtselhafte Wort NASA, bis sich schlielich ein Kartenausschnitt zeigt. 

Kannst du mit Mulligan Kontakt aufnehmen und ihm dieses Diagramm senden? sagt Buddy. 
Vielleicht kann er darauf erkennen, wo er ist. 

Nunks schttelt den Kopf und hebt die Hnde in einer Geste der Hilflosigkeit. 

Du kannst keine Bilder bermitteln? 

Wieder schttelt Nunks den Kopf, immerhin erleichtert, da die Maschine so schnell begreift. Er 
sendet ein Signal und erreicht sofort Mulligan, der ihn erwartet hat. 

Kleiner Bruder. Beschreibe, wo du bist. 

Beschreibe: runder Raum, Durchmesser achtzehn Meter. Darin: berall Trdel, Schiebetr in der 
Wand aus grauem Plastbeton; neunzig Grad seitlich Tunnelffnung. Sie machen Feuer vor dem 
Tunnel, Rauch zieht hindurch, also ffnung nach drauen. 

Dieses letzte Detail stimmt Nunks hoffnungsvoll. Er gestikuliert, sucht auf der Bildschirmkarte, nimmt 
Buddys Programm zu Hilfe, bis er schlielich eine Stelle findet, die Mulligans Beschreibung 
entspricht - die Versammlungshalle aus der Zeit des ersten Gouverneurs. Die Karten erfassen einen 
groen Teil des Terrains, so da Buddy die Position im Rattennest auf einen Kilometer genau 
bestimmen kann. Waren sie erst einmal da, dann wrde die Rauchsule den Rest besorgen - 
vorausgesetzt natrlich, da das Feuer auch brannte. 

Dann wollen wir uns nicht lange aufhalten, sagt Lacey. Sam, du weckst Rick, er soll hier oben auf 
Maria aufpassen. Ach so, du solltest dir besser etwas anziehen, Mann. 

Zufllig hatte ich das gerade vor. Sam trgt es mit Wrde. Okay, Buddy, das war ganz prima. 
Mach so weiter, ja? 

Ich werde mein Bestes tun, um auch weiterhin zu Ihrer Zufriedenheit zu arbeiten, aber ich mchte 
darauf hinweisen, da meine Programmiererin die Mastbe meiner Beurteilung setzt. 

He, du arrogante Siliciumschssel ... 


Das reicht Sam, unterbricht ihn Lacey. Zufllig hat er recht, auerdem haben wir jetzt keine Zeit, 
darber zu streiten. 

Mit einem gekrnkten Winseln sammelt Sam seine Klei- 

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der vom Fuboden auf und verschwindet ins Bad. Buddy summt kurz, dann lt er eine Reihe von 
Klicklauten hren. 

Operation abgeschlossen, Programmiererin. Ein Polizeikontingent wird euch in der Nhe des Kraters 
erwarten. 

Buddy! Wie hast du das geschafft!? 

Ich habe es mir ausgedacht, whrend du geschlafen hast. Ich habe mich ganz einfach in den 
elektronischen Dienstplan eingeschaltet und die einzelnen Einheiten bestimmten Aufgaben zugeteilt. 
Eine davon war die Suche nach Mulligan, und gerade habe ich diesem Einsatz die hchste Prioritt 
gegeben, als Notfall. Weil die Suche ohnehin geplant war, fiel es dem Einsatzleiter nicht weiter auf. 
Durch meine Verbindung mit dem Polizeihauptcomputer wei ich, da sich soeben ein 
Fahrzeugkonvoi auf den Weg macht. Ich habe im Einsatzplan auch den vermutlichen Aufenthaltsort 
Mulligans angegeben. 

Muy bueno, mein Schatz. Lacey ttschelt sein Gehuse. Schlicht und einfach phantastisch. Okay, 
Nunks, wir werden dir deinen Freund ziemlich rasch herausholen. 

Zu gerne htte Nunks jetzt sprechen knnen, eine sarkastische Bemerkung war einfach fllig. 
Natrlich, alles das tut sie ausschlielich um seinetwillen. Er kann sich nur wundern. Die Fhigkeit der 
Menschen, sich selbst zu tuschen, ist schlechthin erstaunlich. 

Was soll das heien, da die Leute fr die Vermitensuche im Rattennest auf dem Weg sind? Bates 
ist so wtend, da er brllt wie auf dem Kasernenhof. Wer, zum Teufel, hat den Befehl gegeben? 

Sie doch, Sir. Sergeant Parsons weicht zurck bis zur Wand, als wre er am liebsten mit ihr 
verschmolzen. Ich meine, Sir ... es sah zumindest so aus, als htten Sie das. Es stand im Dienstplan, 
ganz normal, mit Ihrem Codewort und allem, ich schwr's! 

Fast htte Bates wieder gebrllt, doch da fllt ihm Buddy 

ein. Als er sich ber den Datendiebstahl bei der Staatspolizei klammheimlich lustig machte, war ihm 
nicht bewut, was fr ausgeklgelte Sicherungen Buddy umgangen hatte. Sich in den ganz 
gewhnlichen Polizeicomputer einzuklinken, war fr ihn sicher nicht schwieriger als eine 
Quadratwurzel zuziehen. 

Na schn, ich hab' es nicht befohlen, sagt er, so ruhig er nur kann. Aber es ist zu spt, um sie 
zurckzurufen. Das einzige, was wir tun knnen, ist hinterherfahren. Das heit, ich werde es tun; Sie 
bleiben hier und schlafen erst mal. Sehen ja aus, als ob Sie gleich umkippen. 

Ich schaff's noch ein paar Stunden, Sir. 

Aber ganz bestimmt. Gehen Sie sofort schlafen. Ich ruf Sie dann in drei, vier Stunden. 

Bates lt den Chefwagen stehen und nimmt einen gelndegngigen Gleiter. Doppelt so schnell wie 
erlaubt jagt er davon, mit Blaulicht und Sirene, und steigt so hoch wie mglich auf, um die Pendler 
nicht zu gefhrden, die nun bei Sonnenuntergang auf dem Weg zur Arbeit in der Stadt sind. Als er erst 
die Luftkorridore der Stadt hinter sich hat, geht er wieder tiefer und gibt Vollgas. Unter ihm wirbeln 
die Kompressoren eine Staubwolke wie bei einem Sandsturm auf, ein dunkler Streifen, der seiner 
Bahn folgt. Schlielich hrt er im Intercom, vor dem Hintergrund des blichen Stimmengewirrs, den 
Funkverkehr zwischen dem Anfhrer des Konvois zum Rattennest und den brigen Maschinen. Er 
schaltet das Mikrophon ein und meldet sich. 

Sergeant Nagura? Hier ist Bates. Wo fahren Sie hin? 

Dahin, wo Sie uns hingeschickt haben, Sir.Ihre Stimme hrt sich etwas unsicher an. Auf dem 
Einsatzplan steht Nova-Station, Sir, und wir sollen dort einige Zivilisten treffen. 

Genau so ist es, Sergeant. Ganz kurz fragt er sich, warum er sich das alles von einem cleveren 
Computer bieten lt, aber Buddy hat es so geschickt eingefdelt, da er wie ein Idiot dastehen wrde, 
wenn er nicht mitspielt. Ich kann 

Sie jetzt sehen und werde mich Ihnen anschlieen. Ich habe beschlossen, mit Ihnen zu kommen. 

Verstanden, Sir. Willkommen an Bord, Chief. Soll heien, habe ganz und gar nichts dagegen. Scheint 
ja eine grere Sache zu sein. 

Da drften Sie recht haben. 

Auf halbem Weg um den Rand des Kraters fr das Rehydrierungsprojekt mndet eine Nebenstrae in 


die Hauptstrae fr die Gleiter. Kaum sind sie dort eingebogen, kann man schon den wunderschnen 
grauen Bentley sehen, der vor einer Reihe Kuppeln aus weiem Schaumstoff geparkt ist. (Dort ist die 
beeindruckende Formation von Antennen und Meinstrumenten untergebracht, die rechtzeitig Alarm 
schlagen sollen, wenn der Rote Riese ber Hagar etwa beschlieen sollte, zur Nova zu werden.) Da 
Bates den Bentley nicht kennt, fragt er sich, ob vielleicht doch nicht Lacey hinter dieser Geschichte 
steckt; aber kaum ist der Konvoi gelandet, steigt sie aus dem grauen Gleiter und kommt auf ihn zu. 
Mit ihrem entwaffnenden Schulmdchenlcheln reicht sie ihm die Hand. 

Ach, Chief, das freut mich aber! Da Sie Ihre Meinung doch noch gendert haben!? 

Schon wieder dieses Dilemma: Entweder gibt er zu, da Buddy ihn zum Narren gemacht hat und den 
Polizeicomputer nicht weniger, oder er spielt einfach mit. Er schttelt ihre Hand. 

Prioritten knnen sich ndern. Aber zur Sache: Wo steckt dieser verdammte Mulligan? 

Drittes Zwischenspiel: Die Beute 

Den ganzen Nachmittag lang durchstreift Tomaso Porttown auf der Suche nach Mulligan. Weil er die 
Aura eines anderen Paras auch noch aus einer Entfernung von einem Kilometer identifizieren kann, 
war eigentlich zu erwarten, da er ihn leicht finden wrde. Doch seit Stunden schon ist ihm klar, da 
er, der Mulligan nachjagt, der Gejagte ist. Das halbe Ghetto ist hinter ihm her. Wahrscheinlich wissen 
sie gar nicht, wer er ist, aber er hat genug fremde Gedanken aufgeschnappt, auch einiges an 
alltglichem Geplapper, um zu verstehen, da ein Mensch, den man den Brgermeister von Porttown 
nennt, mehr als genug ber ihn wei. Zu viel, als da er hier noch sicher wre. Und nach allem, was er 
ber Polar City erfahren hat, kann er sich denken, da es besser fr ihn wre, von der Polizei 
geschnappt zu werden als von diesem dubiosen Brgermeister. Schlielich waren Polizisten 
bestechlich. Er mu deshalb aufpassen, wohin er geht; die halbwegs gesitteten Bezirke von Porttown 
darf er nicht verlassen, denn hier hat er immer die Chance, sich unter die Passanten zu mischen oder in 
einem Lokal oder Laden zu verschwinden, der auch eine Hintertr hat. In den schlimmsten Gegenden 
Porttowns sahen es die Inhaber gar nicht gern, wenn jemand nur so durch ihren Laden schlpfte, um 
jederzeit von Nutzen sein zu knnen. 

Aber wo immer er geht, Vielfra geht mit ihm. Seine Gier ist immer gegenwrtig, ein stndiges 
Gemurmel, ein Hintergrundrauschen in seinem Geist. Fressen, fressen nichts anderes. Ein Gieren und 
Sabbern beim leisesten Geruch nach Ebarem; muffige Sojaburger, Lizzie-Chips - keine Imbistube, 
an der er vorbeigehen kann, ohne da es in seinem Kopf rgerlich knurrt und protestiert. 

Bis es schlielich eins wird mit seinem Ha und er sich 

dabei ertappt, da er die Passanten prfend mustert und berschlgt, wie viele Scheiben Fleisch man 
wohl aus ihnen machen knnte. Ein Mrder, nun gut, aber doch kein Kannibale! Bei Sonnenuntergang 
ist Tomaso so aufgebracht ber diese zwanghaften Phantasien von Lizzie-Keulen und gegrillten 
Menschenrippchen, da er Vielfra anfhrt, er | solle schweigen oder er wrde ihm mit Antibiotika 
und Laserskalpellen auf den Leib rcken. Es sind natrlich telepathische Drohungen, doch mu er zu 
seinem Entsetzen feststellen, da die beiden jungen Lizzies, die ihm in der Sackgasse 
entgegenkommen, ihn anstarren: Er hat laut gesprochen. 

Er hrt sofort damit auf und bleibt stehen. Er lehnt sich gegen die Mauer aus Ziegelimitation und hebt 
die Arme, starrt auf die Hnde und versucht scheinbar, mit grter Anstrengung die Fingerspitzen 
aneinanderzulegen. So kann man es hufig bei Geisteskranken sehen, die mit Psychopharmaka 
behandelt werden. Das Theater scheint die Lizzies berzeugt zu haben, er hrt dieses zischende 
Hecheln, das einem menschlichen Kichern entspricht; sie laufen die Gasse hinunter und verschwinden 
um die Ecke. Tomaso bleibt an die Wand gelehnt stehen, sein Atem geht schwer, bis er sich wieder in 
der Gewalt hat. Er versucht, Vielfra zu ignorieren, der jetzt etwas von pfeln und frischem Grnzeug 
wispert, die ganz nahe sein mssen. Hinter der Mauer vielleicht. Mit einem Ruck richtet Tomaso sich 
auf und ist hellwach, er erinnert sich: Als er die Psi-Blockade in Jack Mulligans Geist aufgebaut hat, 
da umschwirrten ihn stndig Erinnerungsfetzen ber einen Garten, einen grn wuchernden 
Gemsegarten mitten in Porttown. Am Ende der Gasse klappert ein 3-D-Ladenschild im Wind: A-bis-
Z-Unternehmungen. 

Er konzentriert sich und richtet seine Antennen auf dieses Gebude. Ja, eine schwache Andeutung von 
Mulligans Aura, aber sehr alt und berlagert von der zweier anderer Paras, eine davon auch stark 
verblat, die andere jedoch pr- 

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sent. Mulligan hat sich zweifellos vor einiger Zeit hier aufgehalten. Aber jetzt ist er weg. Der 
anwesende Para, obwohl etwas schwchlich und ganz ungebt, bemerkt ihn pltzlich: Er fhlt das 


Mitrauen, dann den Schreck, der eine Welle von Ha auslst. Hastig schtzt er sich mit einer Sperre 
und luft davon. Von der Gasse gelangt man auf die Strae zum Raumhafen, doch geht er in die 
andere Richtung. Von den Toren des Hafens wird er sich fernhalten, was er jetzt am wenigsten 
brauchen kann, ist irgendein Uniformierter, der nach seinen Papieren .fragt - nicht, da seine Papiere 
nicht ber jeden Zweifel erhaben waren, aber man wrde ihm nahe genug kommen, um den 
Essiggestank zu bemerken, der ihn wie eine Wolke umgibt. 

Noch immer kann er diesen wachsamen Geist spren (es scheint eine Frau zu sein), der sich in dem 
Haus aufhlt. Er nhert sich nun von der anderen Seite und findet schlielich wieder eine Gasse, die zu 
der Ziegelmauer fhrt. Oben auf der Mauer ist keine Alarmvorrichtung zu sehen, doch steckt in seiner 
Hemdtasche ein kleines Tfelchen, getarnt als Kreditkarte, das auch schwache elektromagnetische 
Felder und Ultraschallpulse aufspren kann. Er fhlt die Wrme, die es ausstrahlt: das Alarmsignal. 
Bei der verrosteten Tr auf der Laderampe zgert er; noch whrend er nach dem unter seinem rechten 
rmel versteckten Ultraschalldietrich greift, fragt er sich, ob es das Risiko berhaupt lohnte. War es 
nicht viel zu gefhrlich, diese Para da drinnen zu tten? Doch bevor er den Dietrich hervorgeholt hat, 
sprt er das unbeholfene Signal von John Hancock, der ber den kleinen Psi-Verstrker spricht, den er 
im Rattennest zurckgelassen hat. 

Groer und allmchtiger Gott, dein Diener ruft zu dir. Erbarme dich meiner und erhre mein Gebet. 

Dein Gott und Herr erhrt dich. Was, zum Teufel, ist jetzt wieder los? 

Allmchtiger Gott, wir haben einen deiner Feinde gefangen. Ein blonder Weier, war hier im 
Rattennest. Ein Polizeispitzel, Freund von Dr. Carol. 

Wohl nie zuvor war ein Gott mehr erfreut ber das Opfer eines seiner Diener. Ein Blutsopfer, denkt 
Tomaso, das wrde es wohl werden: Es mute dieser Mulligan sein! 

Der Herr dein Gott ist gndig. Mit Wohlgefallen nimmt er dein Opfer an. Endlich hab ich diesen 
Spion. Was mchtest du als Belohnung? , Whisky, o Herr, gib uns Whisky! 

Manna, du Esel, es heit Manna. Gott gibt keinen albernen Whisky. 

Herr der Heerscharen, ich knie vor dir. Manna, ja. 

Hinter sich hrt Tomaso ein leises Knirschen, eine Stiefelsohle auf Plastbeton. Das Messer ziehen und 
auf dem rechten Bein herumwirbeln ist eines; vor ihm stehen zwei Mnner in Sonnenpelerinen. Sie 
mustern ihn. Einer hat die rechte Hand aus dem Schlitz seines Umhangs geschoben, sie hlt die graue 
Trichtermndung eines Streulasers auf ihn gerichtet. 

Was ihr tut, tut ihr richtig, hab' ich recht? sagt Tomaso. 

Der Brgermeister will dich sehen, Kleiner. La das Messer fallen. 

Statt dessen macht Tomaso einen Satz zur Seite, von der Laderampe herunter, und rollt auf dem Boden 
ab. Mit der Linken stt er dem Mann mit dem Laser das Messer in den Rcken, mit der Rechten zieht 
er seine Pistole und feuert. Der Streulaser streift ihn, versengt die Pelerine; sie beginnt zu brennen. 
Doch hat er mit seinem scharf gebndelten Laser den anderen Mann zu Fall gebracht. 
Sicherheitshalber macht er noch eine Rolle und feuert ein zweites Mal, als er wieder auf die Beine 
kommt. Ohne die Hitze und die rasenden Schmerzen an seiner Seite zu beachten, bohrt er mit dem 
Strahl ein Loch in den Helm des Mannes, der schreiend auf der Strae liegt. Inzwischen ist der Rauch 
seiner brennenden Pelerine bis in den Helm gestiegen. Er bekommt keine Luft mehr, er wrgt, doch 
kann er die Panik berwinden, seine Hnde zur Ruhe zwingen; gerade rechtzeitig kann er den Helm 
vom Kopf ziehen und mit dem brennen- 

den Gewebe zu Boden werfen. Ein letztes Aufflammen, eine letzte schwarze Qualmwolke in dem rosa 
Dmmerlicht ein wahres Leuchtfeuer, das mehrere Straen weit zu sehen ist. Hustend und 
schwankend geht er zurck zu dem Toten, um sein Messer zu holen. Als er es herauszieht, schiet ihm 
ein Strahl Blut entgegen. 

NEIN!! 

Ein Gefhl, kein Wort. Aber es brennt in seinem Geist, weit schmerzhafter als die verbrannte Haut. 
Vielfra mchte die Toten haben, mchte sich in ihrem Blut wlzen, und so stark wird diese 
Vorstellung, da sie ihn die Kehle eines der Mnner aufschlitzen lt, bevor er sich noch zurckhalten 
kann. Es sind seine infizierten Hnde, die in das rote Blut eintauchen mchten. 

Nein! Ich will nicht! 

Er hlt den Atem an, wieder hat er laut gesprochen. Er wrgt, whrend er da steht, ohne erbrechen zu 
knnen. Die verletzte Seite pocht, es stinkt nach verbranntem Fleisch und Stoff. Hinter ihm hstelt es 
pltzlich. 

Das blutige Messer noch immer in der Hand, fhrt Tomaso herum und mu feststellen, da er 


beobachtet wurde. In einer Trnische sitzt ein alter Mann mit einem spitzen, hohlen Schdel, in einem 
viel zu weiten Hemd und schmutzigen Shorts. Die dunkel verbrannten Beine sind spindeldrr, die 
bloen Fe mit Schwielen und Beulen berst. 

Wie lange sitzt du hier schon? Tomasos Stimme ist heiser vor Wut, doch ist er nur wtend auf sich 
selbst - da er so tlpelhaft sein konnte, einen Zeugen zu bersehen, der nicht weiter als fnf oder 
sechs Meter entfernt sa und nicht einmal ein Para war. 

Lange genug. 

Die alten Augen, tief in den Hhlen und von zahllosen Falten umgeben, mustern ihn gelassen, als er 
hinbergeht und mit dem Messer ausholt. Kein Blinzeln, keine Regung, ein vllig kaltes Beobachten. 
Tomaso zgert. 

Fressen und gefressen werden. Die brchige, dnne 

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Stimme bleibt ganz ruhig, als ginge es um alltgliche Dinge, vielleicht Baseballergebnisse. Das Rad 
des Lebens und des Todes dreht sich immerzu, und letzten Endes geht es um nichts als Fressen und 
Gefressenwerden. 

Was meinst du damit? 

Nada. 

Wieder zgert Tomaso, schmerzhaft ist ihm bewut, da er keine Zeit zu verlieren hat, da er den 
alten Mann tten mu, den einzigen Zeugen. So schnell wie mglich mu er zum Rattennest. Die 
braunen Augen sind fest auf ihn gerichtet. 

Ach, Scheie! Tomaso dreht sich um und lt den Alten unbehelligt. 

Als er die Gasse hinunterluft, brennt seine Seite wie Feuer, doch lt der Schmerz allmhlich nach. 
Angenehme Khle breitet sich ber der Wunde aus. Vielfra ... mit einem Mal wird ihm klar, da 
Vielfra das verbrannte Gewebe verzehrt und eine khlende, schmerzstillende Flssigkeit ausscheidet. 
Er bleibt stehen. Keuchend ringt er nach Luft, whrend Vielfra seine Arbeit tut. Als er sich umschaut, 
ist der alte Mann verschwunden, wahrscheinlich zum nchsten Telefon, um diesen Brgermeister von 
Porttown zu benachrichtigen. 

Am besten wrde er jetzt zur Botschaft der Allianz laufen, sagt sich Tomaso. Er wei nun, da er 
versagt hat, wei, da er Zuflucht suchen mu bei den Meistern. Die letzte Chance, sein Leben zu 
retten, obwohl auch das nicht sicher ist: Die H'Allevae mgen es nicht, wenn man versagt. In einen der 
hinteren Backenzhne hat man ihm eine Kaverne gebohrt, dort wartet ein Quantum Gift, wie die 
Likrfllung einer Praline. Ein kleiner Happen vor dem langen Tod. Als er mit der Zunge ber den 
Zahn spielt, sprt er, wie Vielfra giert bei der Aussicht, seinen ganzen Krper in einer letzten 
Freorgie verschlingen zu knnen, bevor es auch mit ihm zu Ende geht. Er hat ihn, er hat ihm das 
Blut der Opfer verweigert, hat seine Hnde nicht darin gebadet und ihn so um die 

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Mglichkeit gebracht, sich ber ihre Krper auszubreiten und vielleicht weiterzuvermehren. So ist er 
mit ihm zum Untergang verdammt. 

Die Stimme des kleinen Jungen gellt ihm in den Ohren. Er schaut auf seine Hnde, die bluten mten 
von den Schlgen gegen die sthlerne Tr; aber es sind noch immer die schweren, muskulsen Hnde 
eines Mannes, der gelernt hat zu tten - auf jede erdenkliche Art. Er ist nicht mehr in diesem Zimmer 
mit dem endlos pltschernden Wasserfall, er ist frei. Nie wieder wird er dorthin zurckkehren. Das 
wei er, das schwrt er sich. 

Und fast lautlos beginnt er zu lachen, ber einen Witz, den niemand sonst verstehen kann: Sein Leben 
lang war er allein, tatschlich, aber mit seinem Sterben wird es anders sein. 

Als der auf so unbliche Weise zustandegekommene Polizeikonvoi sich in Richtung Rattennest in 
Bewegung setzt, schaltet Bates den Autopiloten ein, der die Steuerbefehle vom vorausfahrenden 
Transporter bernimmt. Er hat jetzt zu telefonieren. Zuerst tippt er Akelis Code ein, denn aus 
leidvoller Erfahrung wei er, da der ihn zuerst einmal warten lassen wird, bevor er sich meldet, wie 
dringend die Sache auch sein mag. Er ist angenehm berrascht, als nach wenigen Sekunden das 
Telefon piept und Akelis Gesicht auf dem Bildschirm auftaucht. 

Bates, wie gnstig, da Sie jetzt von sich hren lassen. Akelis Gesicht auf dem kleinen Monitor ist 
totenbleich. Um es auf die flotte militrische Art zu sagen: Die Scheie quillt schon aus den 
Luftschchten. Ich habe fast eine Stunde mit der Prsidentin telefoniert. Dieses Amnestieverlangen im 

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Fall des getteten H'Allevae droht sich zu einem interstellaren Zwischenfall erster Kategorie 


auszuweiten. 

Und erste Kategorie heit Landungstruppen hier bei uns? 

Genau, verdammt. Akeli ist nun selbst so erschrocken, da er sich ungewohnt kurz fat. Und zwar 
Carli-Truppen, wenn wir nicht ganz schnell die Karre aus dem Dreck ziehen knnen. 

Bates gibt ein Gurgeln und chzen von sich, als wrde er ersticken. 

Der Carli-Botschafter hat offensichtlich eine Mglichkeit gewittert, ihre Einflusphre zu 
vergrern, fhrt Akeli fort. Es scheint, da sie schon seit einiger Zeit etwas von einem mglichen 
Erstkontakt mit einer fremden Spezies wissen. 

Verfluchter Ka Pral! Dann hat er mich angefhrt, der Kerl. 

Ich wrde es nicht so kra sagen. Er hatte Befehl vom Botschafter, nichts verlauten zu lassen. Er hat 
mich selbst angerufen, um es zu erklren, und mir aufgetragen, Ihnen sein Bedauern fr diese 
unumgngliche Irrefhrung zu bermitteln. Ich glaube sogar, da er die Sache bis vor wenigen 
Stunden selber nicht durchschaute. Aber wie dem auch sei, der Botschafter hat die Carlis, und ich 
zitiere hier die bersetzung, zu den >Beschtzern aller hilfsbedrftigen und im All verirrten Wesen< 
erklrt. 

Verdammt! Und natrlich hat die Allianz protestiert. 

Natrlich. Und auch unsere Prsidentin ... Akeli macht eine Pause, um nach Luft zu schnappen wie 
ein balzender Frosch. Sie hat erklrt, da es an uns ist, Schutz zu gewhren, da dieses fremde Wesen 
sich auf unserem Staatsgebiet befindet. 

Sie hat sich mit beiden angelegt? Ich wei nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Aber wie kommt der 
tote Hpf er jetzt ins Spiel? 

Sowohl die Carlis als auch unsere Prsidentin haben die 

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offiziellen Verlautbarungen zu dem Todesfall als unglaubwrdig bezeichnet. Sie haben beide der 
Hauptfrau des Toten und dem Hauptneutrum aus dieser verrckten Familie Asyl angeboten. Die 
Konfderation verlangt, da sie einer gemeinsamen Abordnung von Menschen und Carlis bergeben 
werden. Wenn man sie allerdings nicht aus der Allianz-Botschaft freibekommen kann, dann werden 
sie gefoltert, damit sie vor Gericht gegen den Toten aussagen. 

Ja, ich kenne die Hpfer und ihre Vorstellungen von Recht und Gesetz, aber eine gemeinsame 
Abordnung? 

Eine gemeinsame Abordnung. Das bedeutet Carli-Truppen in unserer Stadt. 

Bates wrde gern fluchen, aber es fehlt ihm einfach die Luft dafr. 

Sie mssen dieses fremde Wesen mit gebotener Schnelligkeit finden, Bates. Wir knnen von einer 
Frist von zwanzig Stunden ausgehen. Nicht Tage, Bates -r Stunden. 

Habe schon verstanden. Wenn die Carlis hier erst einmal Truppen gelandet haben, knnte es 
passieren, da sie fr immer hierbleiben wenigstens, solange sie nicht einbalsamiert in hbschen 
Paketen die letzte groe Reise um ihre Sonne antreten. 

Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund. Aber wenn wir erst diesen Alien unter unsere Fittiche 
genommen haben, dann haben wir eine Trumpfkarte im Spiel. Fr einen Anteil an den Handelsrechten 
mit den Fremden werden die Carlis sicher zu der berzeugung kommen, da auch eine Einheit unserer 
Truppen zum Schutz der Witwe und dieses Neutrums oder was das auch immer ist ausreichen knnte. 
Sie haben verstanden? Hchste Eile. 

Ja, ich ... Bates mu lcheln bei diesem Gedanken, der keineswegs neu ist, vielmehr von Lacey 
stammt. Es war zu einem frheren Zeitpunkt dieses endlosen Alptraums, da sie ihren Spa damit 
trieb. O Mann, mir ist da was eingefallen! 

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Tatschlich? Etwas, das einer militrischen Prsenz der Carlis auf Hagar entgegensteht? 

Etwas, das jede Armee des ganzen Universums von der Stadt fernhalten wird und auch vom Rest des 
Planeten. h ... aber passen Sie auf, das mu sehr vorsichtig gehandhabt werden, sonst wird es hier 
eine Panik geben. Bates zgert. Das wollte gut durchdacht sein. Akeli war damit berfordert, er 
wrde selbst die Nerven verlieren und es zu frh bekanntgeben. Da sind noch ein paar Dinge zu 
klren, bevor ich davon am Telefon reden kann. Aber eines mssen Sie fr mich tun, ja? Ich wette, 
da die Reporter wie die Schmeifliegen um Sie herumschwirren? Leider haben Sie mit dieser 
Metapher vllig recht. , Ich mchte, da Sie ein paar Andeutungen ber ein medizinisches Problem 
in Polar City fallen lassen, etwas, von dem Sie noch zu wenig wten. Geben Sie am besten wrtlich 
wieder, was ich Ihnen jetzt sage: Unsere Wissenschaftler arbeiten daran, und es gibt keinen Grund fr 


die Leute, sich zu ngstigen. 

Groer Gott, Bates ... wenn ich derart vage Andeutungen mache, dann wird das die ffentlichkeit 
alles andere als beruhigen. 

Sie haben's erfat, mein Lieber. Genau das ist es, was ich erreichen mchte: da eine Menge Leute 
sich zu fragen beginnt, was auf sie zukommt. 

Mich eingeschlossen. Was soll das heien, ein medizinisches Problem? 

Wie ich schon sagte, es ist einiges noch zu klren. Aber wenn es sich besttigen sollte, dann knnen 
wir der Presse ein paar Tips geben, sagen wir morgen frh. Und Sie werden sehen, da die Carlis zu 
ihren Schiffen laufen werden, so rasch die kleinen Kuschelbeinchen sie tragen. 

Oho! Langsam begreife ich den versteckten Sinn Ihres Kriegsplans. Sehr schn, wir versuchen es mit 
List und der Bchse der Pandora. 

Und warum versuchen Sie es nicht mit ganz gewhnli- 

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chem Merrkan! Aber ich denke, Sie haben begriffen, worum es geht. Am besten Sie machen sich 
gleich an die Arbeit. Wir haben ein dickes Brett zu bohren, aber es ist unsere einzige Chance. 

Bates schaltet mit einer solchen Vehemenz ab, da das Funktelefon wtend zu piepsen beginnt. 

Entschuldigung, sagt er. Wirst du mich jetzt mit dem Hauptquartier verbinden, ja? 

Ein vor Aufregung fast aufgelster Beamter in der Einsatzleitung verbindet ihn sofort mit einem nicht 
minder aufgeregten und wieder hellwachen Parsons. Die Nachricht, die er nun wiedergibt, hat 
zweifellos beim ersten Hren seinen Adrenalinspiegel hochgetrieben. Kurz nachdem Bates das 
Hauptquartier verlassen hat, hat sich ein anonymer Anrufer gemeldet: Zwei Leichen lgen in einer 
Gasse vor A-bis-Z-Unter nehmungen. Dem einen Mann war das Gesicht von einem Laser 
weggebrannt, dem anderen hatte man eine tiefe Stichwunde am Rcken beigebracht und 
sicherheitshalber noch die Kehle durchschnitten. Der Tatort war inzwischen wieder gerumt, und zwei 
Beamte htten sich an die Arbeit gemacht, in der Umgebung Zeugen zu finden. Ein ziemlich 
hoffnungsloses Unterfangen in Porttown, doch mute es versucht werden. 

Hrt sich an, als htte das etwas mit diesem Assassinen zu tun, sagt Bates. 

Nun, das haben wir auch gedacht, el jefe ... Parsons zgert so merkwrdig. Ach, da war noch ein 
Anruf, kaum da wir die Leichen in die Gerichtsmedizin geschafft hatten. 

Ja? Derselbe Kerl? 

Nein. Diesmal eine Frau. h ... hat behauptet, sie rufe im Auftrag des Brgermeisters von Porttown 
an. 

Mist! War doch sicher eine Verrckte, oder? 

Na ja, dann sicher die vernnftigste Verrckte, mit der ich je gesprochen habe. Hren Sie, sie hat uns 
erzhlt, da der Brgermeister seine Grnde htte, diesen Killer aus dem 

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Weg zu rumen, und da er ihn die ganze Zeit htte berwachen lassen. Gab uns eine wirklich gute 
Beschreibung, konnte uns sagen, was er den ganzen Tag gemacht hat ich meine, der Killer, nicht der 
Brgermeister. Und das beste: Sie sagte, es gbe noch eine Leiche in einem Hotel im Basar, und 
unsere Leute fanden tatschlich einen Mann, dem man wie dem anderen die Kehle durchgeschnitten 
hatte. 

Sie haben das auf Band? Ja? Gut geben Sie es mir auf mein Terminal, ber diese Frequenz hier. Ich 
werd's mir whrend der Fahrt anhren. Aber wahrscheinlich wei die Sekretrin des Brgermeisters, 
oder wer immer sie ist, auch nicht, wo der Dreckskerl jetzt steckt. 

Sie hat uns immerhin einen Tip gegeben. Jemand htte gesehen, wie er mit einem gestohlenen 
Transporter in Richtung Rattennest verschwunden ist, sagt sie. 

Was!? Menschenskind, dort sind wir ja gleich. 

Ich wre darber nicht so erfreut. Sie sagt, er wre bis an die Zhne bewaffnet. 

O Mann, als ob ich mir das nicht denken knnte. 

Nunks, der sich auf dem Rcksitz des Bentley zusammengerollt hat, befindet sich in einem Zustand 
zwischen Trance und Wachheit. Zwar nimmt er die Auenwelt durchaus noch wahr das weiche Leder 
unter ihm, das Summen des Gleiters, die Stimmen von Sam und Lacey auf den Vordersitzen -, doch 
beansprucht der Psi-Kontakt mit Mulligan den grten Teil seines Bewutseins. Heute ist es doppelt 
schwierig, denn er mu die Verbindung mit dem kleinen Bruder aufrechterhalten, dabei aber sein 
eigenes Signal so stark dmpfen, da es vom Killer nicht entdeckt werden kann. So ausschlielich ist 
er darauf konzentriert, da sie fast das Rattennest erreicht haben, bevor er bemerkt, da die 


Insektenfrau ihn schon seit einiger Zeit zu erreichen versucht. 

Schwester! berraschung, Erleichterung. Du weit, was mit kleiner Bruder passiert ist? 

Ich wei. Schuldgefhle. Meine Schuld. Ich habe euch nicht geantwortet bei eurer Suche. Groes 
Bedauern. 

Schwester! Freude, Erleichterung. Du hilfst uns? 

Ich helfe. Reue, Gewissensbisse. Habe zuvor aus Angst nicht geholfen. 

Verstehe. Bleib jetzt in Kontakt. Ich bin hier mit Freunden, wir nhern uns schnell. Wenn du Mit, 
knnen wir triangulieren. 

Nicht ntig. Sehe Feind, gerade jetzt. Kriecht in eine Hhle. Wir fangen ihn, er mu sagen, wo kleiner 
Bruder ist. Wir finden kleiner Bruder. 

Du kennst diesen Mann, den Feind? Woher? 

Ich habe ihn gesehen. Er ttete meinen ... Schmerz, Verzweiflung. 

Ich verstehe, Schwester. Sprich nicht weiter. Bleib in Verbindung. Fhre uns zu der Hhle. 

Nicht ntig. Ich zeige sie dir. Schau. 

Und Nunks blickt auf eine Szene, so klar und detailliert, als betrachte er ein Hologramm. Es ist 
irgendeine Ecke im Rattennest. Fr einen Augenblick verschlgt ihm die Bewunderung fr diese 
Leistung den Atem, seine Konzentration lt nach. Dann hlt er das Bild fest (natrlich im 
bertragenen Sinne) und prgt sich jede Einzelheit ein. Er sendet seinen Dank an die Insektenfrau, 
aber sie hrt ihn nicht mehr, ist schon unterwegs im Rattennest. 

Nunks beugt sich nach vorn und tippt Sam auf die Schulter. Nach langem Gestikulieren und mit 
Untersttzung Buddys, der ber das Terminal an Laceys Grtel mitreden kann, hat Sam endlich 
verstanden, da Nunks von jetzt an die Richtung angeben mchte. Hinter ihnen folgt die Schlange der 
Polizeifahrzeuge. Doch auch jetzt, als sie wie die wilde Jagd im Rattennest einfallen, peinigt Nunks 
der Gedanke, da sie zu spt kommen knnten, denn er fhlt noch ein anderes Psi-Wesen 
herankommen, ein Bewutsein, das ebenso stark wie das der Insektenfrau ist, aber absolut bsartig, 
und das nach Blut geradezu schreit. 

John Hancock kehrt zurck, als die anderen gerade das Frhstck beendet haben. Del hat ihm seinen 
Anteil in der Bratpfanne aufgehoben. Sie will es ihm auf einen Teller geben, aber er winkt ab und it 
aus der Pfanne. Zwischen den einzelnen Bissen erzhlt er, Mulligan fllt es schwer, ihm zuzusehen. 

Also gut, ich habe mit Gott gesprochen. Ich habe den Kopf auf den Heiligen Altar gelegt, genau wie 
er mir gesagt hat, und habe gesprochen. Er will diesen Weien kaufen, basta. Er ist sehr zufrieden, da 
wir ihn gefangen haben. 

Mulligans Magen krampft sich zusammen, aber es liegt nicht an John Hancocks Tischmanieren. 
Wilder Mann und alter Veteran tauschen einen verstohlenen Blick aus, zwei Verschwrer. 

Und was wird er uns bezahlen? fragt wilder Mann. 

Schnaps, wie das letzte Mal. Aber, Mensch, wir haben den Namen nicht richtig verstanden. Es ist 
Manna, sagt er, Manna vom Himmel, Mann! 

Das ist nicht genug. Wilder Mann steht auf. 

Was? John legt die Pfanne beiseite und starrt ihn an. Was ist in dich gefahren, Bldmann? Man 
kann nicht mit Gott herumstreiten! 

Klar kann ich das. Als du weg warst, haben wir herausgefunden, da Gott uns betrogen hat. Erinnerst 
du dich an den Diamanten, den er uns gegeben hat? Es war Glas, kein Diamant! 

John Hancock steht auf und wischt die Hnde an seinen , Shorts ab. Er stellt sich ihm gegenber. Del 
rafft das Kind an sich und drckt sich gegen die Wand, nicht weit von Mulligan. Auch alter Veteran, 
der noch einen Augenblick gezgert hat, gesellt sich zu ihnen. Mulligan wird klar, da es nun ums 
Ganze geht. 

Nun hr mir mal zu, Mann. Wilder Mann hebt einen schmutzigen Zeigefinger, um seine Worte zu 
unterstreichen. Wir haben den Diamanten aus dem Kasten genom- 

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men, den Gott uns gegeben hat. Wir haben ihn genau angeschaut, und es war Glas. Nichts als Glas. 

So ein Quatsch. Es ist ein Diamant. 

Nein, Glas. 

Diamant, sag' ich. 

Falsch. Mit triumphierender Miene holt wilder Mann einen langen Splitter aus der Tasche seines 
Overalls. Siehst du das? Das ist alles, was von deinem Schwindeldiamanten noch brig ist. 

Gib das her! 


Als John ihm die Glasscherbe aus den Fingern reit, schneidet er sich. Blut quillt hervor. Mit einem 
Fluch wirft er ihn nach wilder Mann, der berraschend geschickt ausweicht. 

Da schau, was du gemacht hast! 

Du hast dich geschnitten, weil es Glas ist. Kein Diamant, niemals. Gott hat dich hereingelegt, und ich 
werde mir nie wieder von dir sagen lassen, was ich zu tun habe. 

Mit einem Wutschrei strzt sich John Hancock auf ihn. Sie beien und knurren wie Hunde, zerren sich 
ber den Fuboden, kaum, da sie Schlge austeilen. Sie rollen durch die Halle, zerbrechen krachend 
irgendwelches Gerumpel, kommen dem Feuer gefhrlich nahe. Del sieht unbeteiligt zu, mit groen 
Kuhaugen, und schaukelt das Baby in den Armen, um es ruhig zu halten. Den Kopf leicht schrg steht 
sie da, whrend wilder Mann nun John unter sich begrbt und die Hnde um seinen Hals legt. John 
keucht, schnappt nach Luft, wehrt sich verzweifelt, dann wird er matt. Doch als wilder Mann den Griff 
lockert, bumt er sich auf und kann ihn mit einer einzigen raschen Bewegung abschtteln. Er packt 
ihn, drckt ihn buchlings zu Boden und setzt sich auf ihn. Dann greift er in den dichten Haarschopf 
und schlgt den Kopf gegen den Plastbetonboden. Wilder Mann bettelt um Gnade. 

Wirst du tun, was ich sage, Hurensohn? 

Ja.< 

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Und es tut dir leid, da du Streit angefangen hast? 

Ja, es tut mir leid. 

Na gut. 

John lt ihn los und rollt zur Seite. Del ghnt, streichelt das Kind und starrt ins Nirgendwo. Doch 
scheint es dort jemanden zu geben, der ihr zuhrt. 

Er gewinnt immer, sagt sie zu dem Unsichtbaren. Wei nicht, warum sie sich die Mhe machen. 
Er gewinnt doch immer. 

Leise winselnd humpelt wilder Mann zur Wassertonne und nimmt einen herumliegenden Lappen, um 
das Blut abzuwischen. Alter Veteran will ihm helfen, doch zgert er, den Blick auf den neu besttigten 
Anfhrer gerichtet. Der zeigt mit dem Daumen auf wilder Mann. 

Wasch ihm das Gesicht. Gott will diesen Weien so schnell wie mglich haben. Wir haben schon 
genug Zeit verloren. 

Nicht genug, bei weitem nicht genug, denkt Mulligan. Als er seine Antenne spielen lt, kann er 
Nunks spren, der noch immer sein Signal so schwach wie mglich hlt, damit der Killer es nicht 
entdeckt. Er sprt, da sein Freund rasch nher kommt, aber es ist noch ein langer, langer Weg. 

Nunks? fragt Lacey, bist du sicher, da wir hier richtig sind? 

Nunks zuckt mit den Schultern und hebt die Hnde, um ihr zu bedeuten, da er es hofft. Langsam wird 
Lacey nervs; pltzlich ist ihr auch bewut, da Sam und Bates ihr und Nunks blind vertraut haben 
und da dieses Vertrauen nun in Zweifel umschlgt. Es ist auch kaum vielversprechend, was sie hier 
sehen: eine schiefe weie Mauer, brchig und umgeben von windzernagten braunen Schutthaufen; ein 
Dutzend Felsbrocken ringsum verstreut und eine rostige Metallhlse, vielleicht zwanzig Meter hoch, 
die einmal der Rumpf eines Raumgleiters, vielleicht auch eines antiken 

Flugzeugs war. Bates kommt herber zu ihnen, gefolgt von einer Polizistin, die einen Berg 
Ausrstungsstcke in den Armen trgt. 

Okay, Lacey. Denke, wir machen es so: Ich gebe euch unsere Standardausrstung - Helme mit Funk 
und Infrarotsichtgerten, denn da unten wird es dunkel sein, und dann reflektierende Westen und 
Betubungspistolen. Sollen ein paar meiner Leute mitkommen? 

Auf seine Frage blickt Nunks auf und schttelt abwehrend den Kopf. Kein Gedanke, da einer der 
Polizeihelme mehr als die Hlfte seines zweigeteilten Kopfes bedecken knnte, doch findet sich eine 
riesige Weste, die er ber seinen Overall ziehen kann. 

Nein, Chief, aber vielen Dank. Besser, wenn Sie Ihre Leute hier oben verteilen; sie knnten sich 
umsehen, ob es noch einen anderen Eingang gibt. Aber lassen Sie ein paar hier und sagen Sie ihnen, 
sich schubereit zu halten, falls wir berstrzt auftauchen sollten. Vielleicht verfolgt man uns. 

Das hatte ich ohnehin vor. Er macht eine Pause und blickt suchend ber die Schuttberge. Wo ist 
blo dieser Eingang? 

Mit einem Wink seiner riesigen Hand bedeutet Nunks ihnen zu folgen; in hastigen Schritten umrundet 
er den zerbeulten Flugzeugrumpf bis zu einem Wall aus allerlei Trmmern und Abfall. Er zgert, dann 
bckt er sich rasch, fegt einen wahren Regen von Gerumpel zur Seite, und da ist es: eine runde 
Einstiegsluke, flach in den Boden eingelassen, darauf die unvermeidlichen Buchstaben NASA. Der 


Lukengriff ist sauber, glattpoliert - ganz offensichtlich wird er stndig benutzt. 

Himmel, sagt Bates, ein Tunnel? Da bin ich wirklich froh, da ich nicht mitkommen mu. 

Lacey und Sam tauschen ein kurzes Grinsen aus. Raumfahrer waren gewohnt, durch Rhren zu 
kriechen, denn eine andere Verbindung zwischen den einzelnen Modulen 

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der Schiffe gab es nicht. Aber von Nunks kommt eine Art Seufzer, den Lacey als Unbehagen oder gar 
Furcht versteht, obwohl sie sich nur schwer vorstellen kann, da Nunks sich vor irgend etwas frchtet. 

Meinst du, da du da reinpassen wirst? fragt sie. 

Er zuckt die Achseln, dann bckt er sich und zieht an dem Lukengriff. Mit einer eleganten Bewegung, 
als wrde er den Deckel eines Topfs abnehmen, ffnet er die schwere Luke aus massivem Metall. 
Sthlerne Tritte fhren hinunter ins Dunkel. Lacey klappt das Infrarotvisier ihres Helms herunter und 
zieht die Betubungspistole, mit der sie zumindest so lange wird vorlieb nehmen mssen, wie Bates 
sie sehen kann. Bald hofft sie, ihren Laser in der Hand zu haben ein trstlicher Gedanke. 

Okay, Leute. Jetzt kann's losgehen, nicht wahr? Ich geh' voraus, dann kommt Nunks, zum Schlu 
Sam. Du wirst uns den Rcken freihalten, also mach die Augen auf, ja? Nunks, du legst mir eine Hand 
auf die Schulter, damit du mir die Richtung angeben kannst. Du bist der einzige, der Mulligan " finden 
kann. 

Doch als sie endlich bis zur Sohle des Tunnels hinabgeklettert sind, wei Lacey, da sie Mulligan 
auch ohne Psi-Fhigkeiten finden knnen: Fleiige Fe haben auf der Mitte des staubigen 
Tunnelbodens eine Spur freigetreten, und im I Infrarotsichtgert leuchtet sie in einem matten Orange; 
sie 1 gibt noch etwas Wrme ab, vor nicht allzu langer Zeit mu jemand hier gegangen sein. Sie 
lchelt und rckt das Mikrophon des Funkgerts zurecht. 

Okay, Chief. Wir sind auf dem richtigen Weg. Knnen Sie mich hren? 

Einwandfrei. Bates' Stimme drhnt in ihren Ohren. Bleiben Sie in Verbindung, ja? Viel Glck und 
Waidmanns Heil! 

Glaubst du, da er gehen kann? fragt wilder Mann. 

Keine Ahnung. Nachdenklich beit sich John Hancock auf die Unterlippe, whrend er Mulligan 
mustert. Du hast ganz schn zugeschlagen. 

Kannst du gehen, Weier? Wilder Mann stt Mulligan mit der Stiefelspitze gegen die Rippen. 

Nicht weit. Mulligan spricht die Wahrheit. Er hat jetzt lange nicht mehr geschlafen, und sein Kopf 
beginnt wieder zu schmerzen; er sieht auch nur noch verschwommen. Du hast mir beinahe den 
Schdel eingeschlagen. 

Wilder Mann lacht und schwingt zum Spa seinen Arm, als wrde er mit einem Rohrende ausholen. 

Besser, wir fahren ihn, sagte John. 

Wo bringen wir ihn hin? 

Zum Tempel. Kann mir keinen anderen Ort denken. Gott hat nicht zu Ende gesprochen, hat mir nicht 
gesagt, wie ich es machen soll. Vielleicht eine Prfung. Hol die Karre! 

Das Gert erweist sich als eine altmodische, rotlackierte Schubkarre, die man mit Muskelkraft 
bewegen mute. Zweifellos stammte sie noch aus der Zeit, bevor man in der Kolonie das 
Supraleiternetz verlegt hatte. John und wilder Mann nehmen Mulligan an Schultern und Fen und 
verstauen ihn wie einen Sack auf der Karre, da sein Kopf zwischen den Griffen liegt und die Fe 
vorne in die Luft ragen. 

Vielleicht kann ich doch gehen, sagt Mulligan, wenigstens ein Stck. 

Damit du uns noch wegstirbst! Nein, wir wollen unser Manna haben. 

Sie waren kaum hundert rumpelnde, nervttende Meter gefahren, als Mulligan klar wird, da seine 
berlebenschance deutlich grer wre, wenn er nur auf seinen Fen stnde. Aber was er auch sagt, 
John Hancock bleibt stur. Alter Veteran schiebt die Karre, und so eilen sie durch ein Labyrinth von 
Tunneln, biegen rechts und links ab, so oft und willkrlich, da schon nach fnf Minuten Mulligan 
hoffnungslos verwirrt ist. Einmal, als er versucht, Nunks zu 

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erreichen, sprt er ein anderes Bewutsein, das nach ihm sucht: ein hungriges Suchen, dessen 
Berhrung sich wie das Schnappen gefhrlicher Zhne anfhlt. Eilends bricht er den Kontakt ab und 
konzentriert sich auf nichts weiter als die Windungen und Biegungen des Tunnels, der sich hin und 
wieder berraschend zu einem Raum ffnet. Immer weiter geht es, hpfend und ratternd, bis er auch 


das nicht mehr sprt und sein Universum nur noch aus Schmerz besteht. 

Schlielich gelangen sie in einen kleinen, halbrunden Raum, dessen blaugrauer Plastbetonboden 
sauber gefegt ist, fast schon glnzt. In der Mitte steht eine Blechtonne, ein fleckiges weies Tuch 
darber, und darauf liegt wieder ein Kristall - diesmal lang und flach. Der Heilige Altar, das mute er 
sein, denkt Mulligan. Hchstwahrscheinlich ist es nichts anderes als eine Art Psi-Verstrker. Er behlt 
recht; John macht eine Kniebeuge, dann kniet er sich vor den Altar und legt kurz die Stirn auf den 
Kristall, wenige Sekunden nur. Auf einer Seite des Raums ist eine Tr aus durchscheinendem 
Kunststoff, vor der ein Berg Schutt liegt; auf der anderen Seite sind die Eingnge, so scheint es 
Mulligan, zu zwei Schwebeplattformen. Doch wie sich herausstellt, sind es altertmliche Fahrsthle. 
Ihre Stromversorgung scheint noch zu funktionieren, denn als John hinbergeht und auf einen Knopf 
drckt, gleiten die Tren auf. 

Legt ihn rein und schickt ihn nach oben, sagt John. Gott sagt, da das Manna in dem anderen 
runterkommt. 

Nicht ohne Sorgfalt legen alter Veteran und wilder Mann Mulligan auf den Boden des Fahrstuhls. 
Wenn er nicht solche Kopfschmerzen gehabt htte, htte er sicher laut aufgelacht. War es nicht 
grotesk, da sie ihn im Fahrstuhl in den Tod schickten? Da sie ihn buchstblich zum Himmel lieen, 
whrend >Gott< oben auf ihn wartete? Aber so wie sein Kopf schmerzt, erscheint ihm das Messer des 
Killers als Erlsung. Die beiden Kerle gehen hinaus, und John legt den Finger auf den Knopf. 

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Vaya con Dios. Krftig drckt er den Knopf. 

Schaukelnd und mit dem gequlten Quietschen einer schlechtgelten Mechanik setzt sich der Lift in 
Bewegung. Mulligan konzentriert sich und lauscht auf ein Signal von oben. Dieses Mal hat er Erfolg. 
Trotz seiner Benommenheit schockiert ihn die Energie dieses Bewutseins, das mit ihm Kontakt 
aufnimmt. 

Okay, Gott, wer bist du? 

Das wirst du gleich sehen. Habe keine Angst, ich werde dich nicht tten. 

Warum nicht? 

Ich brauche eine Geisel. Gleich wirst du sehen, warum. Warte. 

Mit einem letzten chzen stoppt der Lift. Als die Tren aufgleiten, dringt Essiggeruch herein, der 
sogar die Muffigkeit der Tunnelluft bertnt. 

Httest nie gedacht, da Gott wie ein Raumfahrer aussieht, oder? Die Stimme ist berhaus 
freundlich, wenn auch der Humor etwas geqult wirkt. Willkommen im Himmel, mein Freund! 

Der Mann, der den Fahrstuhl betritt, trgt einen ausgeleierten grauen Overall wie die Arbeiter im 
Raumhafen. Er ist blond, muskuls, mit einem gutgeschnittenen Gesicht wahrscheinlich, wenn es 
nicht halbseitig gelhmt wre: Ein Mundwinkel hngt nach unten, die Augenbrauen sind auf 
verschiedener Hhe. Auch der Gang ist merkwrdig, breitbeinig und etwas schleppend, als wrde ihm 
im Schritt etwas zu schaffen machen. Ein Schlaganfall, denkt Mulligan. 

Kein Schlag.. Eine Hautgeschichte, Infektion vielleicht. Du bist meine Fahrkarte zum nchsten Arzt. 
Werde dich eintauschen: Medizinische Vorsorgung und ein Platz im nchsten Schiff. Will diesen 
verdammten Planeten nie wieder sehen! 

berraschung. Erleichterung. 

Aber Mulligan sendet ein falsches Signal. Mit der letzten Energie, die ihm verblieben ist, verbirgt er 
seine wahren 

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Gefhle. Obwohl dieser Kerl ein guter Lgner ist - ein Lgner ist er allemal. Das einzige, was er in 
seinem Geist lesen kann, ist: Blutdurst. 

Ungefhr zehn Minuten sind sie nun der Wrmespur durch den langen, geraden Tunnel gefolgt. 
Pltzlich packt Nunks Lacey an der Schulter und schttelt sie. Ihr erster Gedanke ist, da er Platzangst 
bekommen hat, aber mit einigen Gesten kann er ihr schlielich klarmachen, da etwas Schreckliches 
passiert ist. Zwar lebt Mulligan noch, aber sie mten sich beeilen, wenn es dabei bleiben sollte. Ohne 
da sie darber ein Wort verlieren mten, tut Sam es ihr nach, als sie die Betubunspistole in die 
Tasche der Polizeiweste steckt und ihren Laser zieht. . 

Dann also los, sagt Lacey. Vamos, muchachos! 

Sam rckt zu ihr auf, und Seite an Seite laufen sie los. Nunks folgt ihnen schnaufend. 

Der Tunnel wendet sich nun in einer sanften Kurve nach rechts; sie passieren Schiebetren, einige 
halboffen, die meisten aber geschlossen. Hin und wieder zweigt ein Seitentunnel ab, doch fhrt die 


leuchtende Spur immer geradeaus, wird heller und heller, bis sie voraus blendende Helligkeit sehen. 
Sie verlangsamen, um etwas zu verschnaufen. 

Ein Lagerfeuer, flstert Sam, man kann kaum hingucken mit diesem Sichtgert. 

Ja. Lacey klappt das Visier hoch. Einen Augenblick lang kann sie gar nichts mehr sehen, dann 
zeichnet sich allmhlich der Umri der Tunnelmndung ab, und dahinter brennt ein Holzfeuer. 
Nunks, ist dort Mulligan? 

Unter Sthnen und Fusteballen schttelt Nunks den Kopf. 

Ich wute die ganze Zeit, da es einfach zu glatt luft, murmelt Sam. 

Lacey nickt, dann geht sie voran; sie hlt sich dicht an der Wand und vermeidet jedes Gerusch. 
Gleichzeitig mit Sam 

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strzt sie aus der Tunnelmndung, den Laser beidhndig im Anschlag. 

Keine Bewegung! 

Eine zu Tode erschrockene Frau hockt beim Feuer, ein Baby in den Armen; sicher Carols Patienten, 
denkt Lacey, diese Del und ihr namenloses Kind. Weil die Halle sonst leer ist, kommt sie sich uerst 
lcherlich vor und lt die Pistole sinken. Als Nunks aus dem Tunnel tritt, kreischt Del auf und weicht 
geduckt zurck. 

Also gut, fhrt Lacey sie an. Niemand tut dir etwas, wenn du uns die Wahrheit sagst. Wo ist der 
blonde Weie? 

Sie haben ihn zu Gott gebracht, er will ihn kaufen. 

Was? 

Wie ich gesagt habe, Kleine. Sie richtet sich auf den Knien auf und blickt Lacey mit dem Ausdruck 
beleidigter Wrde in die Augen. Und sag mir nicht, was ich tun soll, weie Schlampe. 

Ach ja? Als Lacey den Laser hebt, duckt sich Del wieder. Ich habe gefragt: Wo ist er? 

Ich habe es doch gesagt, sie haben ihn zu Gott gebracht. Ich wei nicht, wo Gott wohnt. Nur John 
wei das. 

Nunks kommt nher; er zeigt auf Del und nickt mehrmals, sehr bestimmt. 

Du glaubst wirklich, da sie die Wahrheit sagt? fragt Lacey. 

Wieder nickt Nunks, dann gestikuliert er; verzweifelt versucht er, etwas zu sagen. Lacey kann es nicht 
erraten. 

Nun kommt schon, sagt Sam. Wo immer er ist, hier ist es nicht. 

Da hast du sicher recht. Lacey stellt sich mit dem Rcken zum Feuer und klappt das Visier herunter, 
um sich die Ausgnge aus der Halle anzusehen. Ein deutlich strkeres Leuchten fhrt in einen 
kleineren Seitentunnel. Ich wette, sie sind diesen Weg gegangen. 

Sind sie nicht! sagt Del in einem Anflug verzweifelten Muts. Sind hier langgegangen. 

Nunks? 

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Nunks zeigt in die Richtung, die Lacey angegeben hat. 

Hr mal, Kleine, wendet sie sich an Del. Wenn ich du wre, wrde ich mich schleunigst hier 
verziehen und mich der Polizei ergeben. 

Del greift nach einem zerbrochenem Stck Geschirr auf dem Boden und wirft es in Laceys Richtung. 
Lacey duckt sich, whrend sie den anderen voran zum Tunnel geht. Und wieder laufen sie; sie schaltet 
das Funkgert im Helm ein. Irrt ersten Kanal hrt man nichts als Stimmengewirr, Gruppenfhrer, die 
ihre Positionen durchgeben und um Anweisungen bitten oder das umliegende Gelnde beschreiben. 
Auf dem zweiten hrt sie jedoch neben einem Rauschen Bates' drhnende Stimme, der mit einem 
Sergeant Nagura spricht. 

Was soll das heien, eine Bewegung? sagte Bates. Ist dort jemand, ja oder nein? 

Ich wei nicht, Chief. Es ist eine Frauenstimme, die ihm antwortet. Alles, was wir sehen knnen, 
ist etwas, das zu dem alten Kontrollraum hinaufklettert. Vielleicht ist es nur ein Hund oder so etwas. 
Hier drauen gibt es Tiere. 

Mist. Es klingt beleidigt. Vielleicht mag Bates Hunde nicht. Okay, behalten Sie es im Auge und 
sehen Sie zu, da sie etwas Deckung haben. 

Wird gemacht, Chief. Ende. 

Bates? Lacey meldet sich rasch, bevor er ausschalten kann. Hier ist Lacey. 

Wird auch Zeit, verdammt. Wo haben Sie blo gesteckt? 

Wir haben eine Spur verfolgt. Wir wurden leider etwas abgelenkt. Hren Sie, wir haben 


herausgefunden, wo sie Mulligan gefangen hielten, aber er ist nicht mehr da. Ich wei nicht, wo sie ihn 
hingeschafft haben, aber diese Frau hier plappert etwas von Gott. 

Himmel, was haben Sie erwartet? Hier sind doch alle bergeschnappt. Haben Sie eine neue Spur 
gefunden? 

Ja eine ziemlich frische, dem Infrarotbild nach zu urteilen. 

Gut, dann machen Sie weiter. Aber halten Sie mir diesen 

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Kanal frei, ja? Es ist die Kommandofrequenz, und ich hab' sie stndig auf dem einen Ohr. 

Okay, Chief, wird gemacht. 

Nach weiteren vierzig Schritten ndert sich der bisher einfache Grundri des unterirdischen 
Komplexes, er wird zum Labyrinth: schmale Durchlsse, grere Rume, meist rund, endlose Reihen 
von Tren. Aber immer ist da diese eine Spur, die heller leuchtet als jede andere bis auf jene 
natrlich, die sie selbst zurcklassen, denn auch ihre eigene Krperwrme bleibt nicht ohne Wirkung. 
Sie laufen, und Lacey fhlt die heftigen Schlge ihres Herzens. Aber es ist nicht nur das Laufen. 
Irgendwie war ihr nicht klar gewesen, da Mulligan Verrckten in die Hnde gefallen war, wirklich 
Verrckten, die ihn aus einer Augenblickslaune heraus tten konnten. Als Nunks sie an der Schulter 
berhrt, fhrt sie herum und htte vor Schreck und Elend fast auf ihn geschossen. 

Was, zum Teufel ... 

Nunks schwengt seine Arme, zeigt schlielich den Tunnel hinunter, in die Richtung, die sie laufen. 

Es kommt jemand, sagt Sam, hr mal. 

Weit ab hrt man Mnnerstimmen, Menschen, aber auch ein Lizzie scheint dabei zu sein; es ist ein 
munteres Geplapper. Lacey deutet mit der Pistole auf eine Tr in der anderen Tunnelwand, und Sam 
schlpft hinein. Sie selbst tritt in einen Raum auf ihrer Seite und winkt Nunks zu sich herein. So 
warten sie, whrend die Stimmen langsam nher kommen und mit ihnen der scharfe Geruch 
ungewaschener Krper. 

Whisky und Schnaps, Whisky und Schnaps, gib mir 'nen Whisky, oder ich krieg 'nen Klaps! singen 
sie jetzt, ein reichlich unsauberer Chor, doch tut das ihrer Begeisterung keinen Abbruch. Immer wieder 
erklingt der Vers. 

Da ist noch ein metallisches Gerusch; etwas rumpelt und drhnt den Korridor entlang, und als sie um 
die Ecke biegen, sieht Lacey eine rotlackierte Schubkarre, auf der Pla- 

265 

stikkanister mit einer bernsteinfarbenen Flssigkeit aufgetrmt sind offensichtlich der Whisky, von 
dem die Rede ist. Lacey gibt Sam ein Zeichen, dann treten sie aus dem Versteck, den Laser 
schubereit, und stellen sich den drei Kerlen in den Weg. Sie kreischen auf und bleiben wie 
angewurzelt stehen; der Lizzie lt die Griffe der Schubkarre los, da sie mit einem Knall aufsetzt. 
Einer der Kanister kullert herunter und bleibt schwabbelnd liegen. 

Ein berfall! schreit der Schwarze. Sie wollen uns ausrauben, John! 

Halt's Maul, wilder Mann. Der rothaarige Weie scheint der Anfhrer zu sein. Sie haben Pistolen, 
und wir nicht. 

Wir wollen nicht euren stinkenden Whisky, sagt Lacey. Was habt ihr mit Mulligan gemacht? 

Wer? 

Der blonde Weie. Del hat gesagt, ihr httet ihn Gott verkauft. 

Mulligan heit er, ja? Wir haben ihn Gott verkauft, genau wie Del gesagt hat. Haben ihn mit dem 
Fahrstuhl in den Himmel geschickt, und mit dem anderen kam das Manna von oben runter. 

Zuerst berluft sie ein kalter Schauer, dann steigt die Wut in ihr auf, da sie fr einen Augenblick 
kaum noch wei, was sie tut und erst als John Hancock der Schwei bers Gesicht luft, bemerkt sie, 
da sie unwillkrlich den Laser gehoben und auf ihn gerichtet hat. Hat doch keinen Sinn, diesen armen 
Schmutzfinken umzulegen, Mdchen er kann nichts dafr. Mit einem tiefen Atemzug lt sie die 
Pistole sinken, und John sthnt leise; offenbar ist er noch klar genug im Kopf, um zu wissen, wann es 
ernst wird. 

Und wo ist dieser komische Fahrstuhl zum Himmel? kommt es von Sam, es ist mehr ein Knurren. 

Dort entlang, Sir, stammelt John, dem die Furcht in den Knochen steckt, und zeigt zu einem 
Nebentunnel. Genau da, aber Gott ist nicht mehr da. Wir haben gehrt, wie er gegangen ist. 

Genau in diesem Augenblick ertnt Bates' Stimme in Laceys Helmlautsprecher. Sie klappt das 
Ohrstck in die Hhe, damit Sam mithren kann. 

Lacey, um Himmels willen, kommen Sie rauf! Wir haben den Killer ausgemacht, er hat noch 


jemanden bei sich, oben im alten Kontrollraum. Passen Sie hllisch auf, wo Sie rauskommen. Ich will 
Sie nicht in unserer Schulinie haben! 

Herr im Himmel! Sam richtet den Laser auf John Hancock. Hr gut zu, mein Lieber du kennst 
dich hier unten aus. Du wirst uns hbsch brav den nchsten Ausstieg zeigen, oder ich brenne dir den 
Dreck von deinem Fell! 

Jawohl, Sir! John salutiert mechanisch, dabei mit solcher Przision, da man den ehemaligen 
Soldaten erkennt. Ein Deserteur also, vielleicht auch eine Entlassung wegen Geisteskrankheit aus der 
einen oder anderen Flotte, kein Zweifel. Wird gemacht! Er wendet sich an seine Kumpane. Ihr 
schafft das Manna nach Haus, aber ihr trinkt keinen Tropfen mehr, bis ich zurckkomme. Klar? 

Sie nicken> ohne die Laserpistolen aus den Augen zu lassen. 

Nun geht schon, tut, was der Sergeant sagt. Okay, zeig uns den Weg. 

John Hancock salutiert wieder und setzt sich in Bewegung; in einem schlurfenden Trab verschwindet 
er in dem Tunnel, Sam und Nunks hinterdrein. Lacey wartet noch einen Augenblick; sie mchte 
sichergehen, da die beiden anderen auch wirklich die Karre mit dem kostbaren Whisky wegbringen, 
anstatt ihnen nachzuschleichen. Erst als sie das ratternde Gert um die nchste Biegung gekarrt haben, 
folgt sie ihren Freunden. Was htte sie darum gegeben, an Gott oder Allah oder wenigstens das 
Galaktische Bewutsein zu glauben, so da sie einen Adressaten fr ein Stogebet um Mulligans 
Leben gehabt htte. Sie erreicht Sam gerade, als John Hancock stehenbleibt und nach links deutet, wo 
ein weiterer Tunnel abzweigt, der in einer Spirale aufwrts zu fhren scheint. 

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Sir, der fhrt genau zu der alten Landebahn hoch, kaum ein Kilometer von dem weien Turm. 

Nicht schlecht, sagt Sam, aber du wirst bis zum Ausgang mit uns kommen. 

John verzieht mrrisch das Gesicht, dann blickt er auf den Laser und seufzt resigniert. Wie sich 
herausstellt, ist es nicht mehr weit; schon nach zweihundert Metern taucht eine riesige Doppeltr auf, 
deren Flgel halb geffnet schief in den Angeln hngen. Rotes Licht scheint von drauen 
hereinzudringen, die warme Luft ber dem Rattennest erzeugt ein starkes Infrarotsignal. Als Lacey das 
Visier hochklappt, ist es verschwunden. 

Okay, Sergeant, sagt Sam. Sie knnen gehen. 

John Hancock legt wieder zackig die Hand an die Stirn, dann dreht er sich um und luft davon. In 
seiner Eile rammt er mit der Schulter die geschwungene Tunnelwand. Lacey schaut Sam erstaunt an. 

Woher wutest du, da der Kerl einmal Sergeant war? 

Er ist einfach der Typ dafr. Hast du nicht bemerkt, wie er diese Typen im Griff hat, so verrckt sie 
auch sind - alle drei? 

Von weit her trgt der Wind einige Gerusche herber, durch das Heulen und Seufzen im Tunnel 
erkennen sie Bates' Stimme. Er spricht ber ein Megaphon. 

Wir sind bereit zu verhandeln. Ich wiederhole ... wir werden verhandeln. Ich bin AI Bates, 
Polizeichef dieser Stadt, und ich bin ermchtigt, mit Ihnen zu verhandeln. Nennen Sie Ihre 
Bedingungen! 

Die Antwort knnen sie nicht hren. Lacey klappt das Visier wieder herunter und luft zum 
Tunnelausgang. 

Kommt, Leute. Nichts wie raus hier. 

Es ist genug Platz zwischen den verklemmten Tren, um sich hindurchzuschieben. Der khle 
Nachthimmel ber ihnen erscheint im Sichtgert rein schwarz, whrend das Rattennest ein einziges 
Meer von blarosa Licht ist. Vor ihnen, nicht einmal ein Kilometer entfernt, ragt der Turm 

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auf, ein dunkler Balken, weil sein weier Anstrich whrend des Tages weit mehr Sonnenstrahlung 
reflektiert als die Ruinenhgel ringsum. Darum verstreut erkennt man verwischte Lichtpunkte, die die 
Anwesenheit von Bates' Leuten verraten. Und auf der Plattform oben am Turm mu noch ein Wesen 
sein, das Wrme abstrahlt; der Killer, vermutet Lacey. Sie sprt einen Stich in der Brust, als 
nirgendwo eine Spur von Mulligan zu erkennen ist. 

Wir sind fast schon da, flstert Sam. Nunks, du bleibst ein Stck hinter uns. Du hast keinen Helm, 
vergi das nicht. 

Nunks sthnt kurz auf; er ballt wieder die Fuste. Geduckt und im Zickzack hin und herlaufend, 
suchen sie sich einen Weg durch die Schuttberge, lassen sich leiten von Bates' Stimme, der erneut 
durch das Megaphon seinen Verhandlungswillen bekundet. Auch dieses Mal hren sie keine Antwort, 


auch nicht, als sie schon nahe genug sind, um die geschlossene Linie der Polizisten rings um den Turm 
im Infrarotlicht zu erkennen. Die Beamten haben in dem Schutt und Gerumpel notdrftig 
Schtzenlcher und Grben ausgehoben. Bates' massige Gestalt ist gut zu sehen; er steht in vorderster 
Linie mit dem kleinen Kstchen des elektronischen Megaphons in der Hand. Whrend sie 
nherschleichen, wird aus dem unscharfen Klecks oben auf der Plattform die Gestalt eines groen, 
krftigen Mannes, der sich in den berresten des Kontrollraums verschanzt hat. Jetzt taucht er wieder 
auf, er schiebt etwas Groes, Schweres vor sich her. Gerade als Lacey zu Bates in die Deckung kriecht 
und sich neben ihn kauert, zeigt er sich noch einmal. An den Kncheln schleppt er einen Menschen 
hinaus auf die Plattform. 

Ich hab' deinen Polizei-Para hier bei mir, Bulle! Eine tiefe Stimme hallt ber ihren Kpfen. Sollten 
Sie irgendeine krumme Tour versuchen, dann ist er tot! 

Ich denk' nicht dran. Bates reckt sich ein wenig. Ich bin 

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bevollmchtigt, mit Ihnen zu verhandeln. Wnschen Si einen Priester oder Mullah? Mchten Sie etwas 
essen? 

Aber der Assassine wirft den Kopf in den Nacken und lacht schrill auf, ein langes, gellendes 
Gelchter. Laceys Brust krampft sich zusammen, als sie erkennt, da der Mann wahnsinnig ist. 

Die Betonplattform ragt wie eine Hutkrempe ber die Mauern des Turms hinaus, etwa zwei Meter 
breit. Sie erstreckt sich ber etwa ein Drittel seines Umfangs; der Turm selbst hat einen Durchmesser 
von neun Meter. Mulligan kann an ihrem Rand ein paar verbogene Streben sehen, doch das ist alles, 
was vom Gelnder brig ist. Der Gedanke ist nicht gerade angenehm, da sie sich hier gut fnfzig 
Meter ber dem Boden befinden. Nachdem Tomaso aufgehrt hat zu lachen, schiebt er einige groe 
Metallkisten zum Rand der Plattform und kauert sich dahinter. 

He, da oben! drhnt Bates' Stimme herauf, und diesmal klingt er etwas geqult humorvoll. Wir 
warten, mein Junge. Wo bleiben deine Forderungen? 

Statt einer Antwort nimmt Tomaso ein Lasergewehr und kriecht zum Rand. Mulligan wird bewut, 
da er weit mehr den gefhrlichen Lichtbndeln ausgesetzt ist als der Killer, wenn es zum 
Schlagabtausch kommt. Er wartet, bis Tomaso sich aufs Zielen konzentriert, dann schiebt er sich 
Zentimeterweise bis zu der Stelle, wo die zerbrochene Tr des Kontrollraums liegt. Nun ist er 
notdrftig abgeschirmt. Bei dem leisen Zischen des Lasers zuckt er zusammen und dreht den Kopf. Da 
bemerkt er aus dem Augenwinkel eine Bewegung zwischen den Steinbrocken an der Basis des Turms. 
Als er genauer hinschaut, erkennt er eine Gestalt, die herankriecht, wohl in einer Art Panzer, denn 
irgend etwas glitzert. Die einzig denkende Mglichkeit ist die, da einer der Polizisten sein Leben 
riskiert, um ihn hier rauszuholen, und da dieser Mann nun in schrecklicher Gefahr ist. 

Noch nie in seinem Leben hat Mulligan sich so hilflos gefhlt. Weil Tomaso nicht vergessen hat, ihn 
zu knebeln, kann er dem Mann keine Warnung zurufen; auch bewegen kann er sich kaum. Wie soll er 
seinem Retter helfen? Dann fllt ihm endlich das Naheliegende ein, da es ja keiner gesprochenen 
Worte bedarf, um Tomaso abzulenken. Zwar schreckt er davor zurck, ihn direkt anzugreifen, aber er 
hat die Mglichkeit, einiges von seiner Energie von ihm abzuziehen, wenn er sich nur trauen wrde. 
ber das Megaphon meldet sich Bates so vershnlich, wie er nur kann; er verspricht medizinische 
Versorgung, politisches Asyl vor den H'Allevae und einen fairen Proze mit einer Chance zur 
Rehabilitierung, wenn Tomaso sich ergibt. Die einzige Antwort ist das Zischen des Lasers. Eine Weile 
kmpft Mulligan gegen seine Angst, dann schliet er die Augen und macht sich an die Arbeit. 

Er stellt sich vor, wie er kurz nach Sonnenuntergang an einer Ecke der Plaza vor dem Rathaus steht 
und Chief Bates beobachtet; er drngt sich durch die Menge, die um eine Leiche versammelt ist, ein 
Carli, wie es scheint. Das Bild ist deutlich, es fllt ihm nicht schwer, sich zu erinnern; da kommen 
auch schon die Gehilfen des Gerichtsmediziners mit der Schwebetrage. Und er selbst geht jetzt 
hinber; zuerst ohne bestimmte Absicht, dann zielstrebig, als er erkennt, da er an diesem Unfall 
vielleicht ein paar dringend bentigte Dollars verdienen kann. Er wird Bates anbieten zu lesen. Da es 
ein Mord ist, wei er noch nicht. Er macht einen Schritt und prallt gegen eine Mauer. Eine Mauer aus 
Schmerz. 

Das Bild, das sein Unbewutes fr diesen Schmerz findet, ist Feuer. Ein loderndes, sengendes 
Flammenmeer, das mehr Qual bereitet als jedes wirkliche Feuer. Mulligan weicht zurck, sein Atem 
geht keuchend, es ist seine physische Reaktion, hier und jetzt, und er ffnet die Augen. Noch immer 
liegt er auf der Plattform, und natrlich hat sein Krper an dem Feuer keinen Schaden genommen, wie 
hartnc- 


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kig auch immer sein Gehirn die brennenden Schmerzen vorspiegelt. Der Schmerz ist in deinem Kopf. 
Er kann dich nicht umbringen. Es kann nur weh tun, das ist alles. Wieder schliet er die Augen, 
wieder steht er auf der Plaza, aber diesmal kann er die Wand aus Flammen erkennen, sie trennt ihn 
von Chief Bates. Da taucht Tomaso neben ihm auf, aber sein Bild ist merkwrdig verschwommen und 
bla. 

Hr auf damit! Mrderische Wut. Hr auf oder ich tte dich auf der Stelle! 

Du kannst mich nicht tten. Du brauchst mich, mehr denn je. Wre ich nicht hier, htten sie lngst 
eine Granate hier hochgeworfen. Es wre aus mit dir! 

Tomasos Bild verblate. Eine lange Weile steht Mulligan da und kmpft mit sich selbst. Er mchte 
durch das Feuer gehen, ganz zweifellos, doch ein Teil seines Geistes weigert sich schlicht. Feigheit ist 
es nicht, denn sie ist die bewute Wahl zwischen verschiedenen Mglichkeiten; aber dieser 
hartnckige Teil seines Ichs hat nur das eine Bestreben, diese Qual meiden, die das vor ihm 
auflodernde Feuer bedeutet. Das brige Bewutsein kann noch so viel argumentieren, bitten, 
schmeicheln, an die Ehre appellieren der berlebensinstinkt hrt nicht zu. Dann fllt ihm ein, da, 
wenn er durch die Feuerwand geht, Lacey einen Grund haben wird, auf ihn stolz zu sein. Das gengt; 
schon ist er auf dem Weg, ohne eine bewute Anstrengung taucht er in die Flammen ein. 

Von weit her hrt er einen Mann schreien; er bemerkt, da er selbst das ist. Er zwingt sich, 
weiterzugehen, obwohl jeder einzelne Nerv seines Krpers vor Schmerz tobt und um Schonung bittet. 
Es kann dich nicht umbringen, es kann nur weh tun. Nur der Wille zhlt noch, eine blinde 
Rcksichtslosigkeit, die jeden Fu zum Gehen zwingt, einen nach dem anderen. Es gibt nichts anderes 
mehr auf der Welt; das Leben besteht im Aufsetzen der Fe, noch ein Schritt, wieder einer, whrend 
die Flammen auf seiner Haut brennen. Er kann dich nicht umbringen, es kann nur weh tun. 

Tomaso ist wieder da; er sieht seinen Mund Worte formen, doch er hrt ihn nicht. Er schwenkt wild 
seine Arme, wie ein Grtner, der einen Hund aus seinen Beeten scheucht. Mulligan lchelt nur. 

Das mu man dir schon lassen. Du bist groe Klasse, mein Lieber. Wie du das in mein Gehirn 
gekriegt hast ... 

Tomaso stampft und tanzt vor Wut, aber sein Bild wird blasser und blasser, als er seine 
Aufmerksamkeit wieder den Polizisten zuwenden mu. Mulligan winkt ihm zu und geht weiter, noch 
einen Schritt; er macht eine Pause, schreit, dann der nchste Schritt und mit einem Mal ist der 
Schmerz verschwunden. Von dem Feuer keine Spur mehr. So gro wie der Schmerz, so gro ist nun 
der Schock ber sein Aufhren fast kann er seine Vision nicht aufrechterhalten. Er bleibt ruhig liegen, 
geniet das Gefhl des Nicht Schmerzes. Und nun geht er wieder ber die Plaza. Chief Bates dreht 
sich um, um mit ihm zu reden, und im Brunnenbecken liegt das tote Carli. Er hat gewonnen, und er 
hrt, das ist keine Vision, wie Tomaso vor ihm auf der Plattform wtend aufheult. 

Als Mulligans erster Schrei von oben ertnt, etwas dnn gegen die Megaphonstimme von Bates, ist 
Lacey schon halb aufgesprungen, bevor Sam sie packen und herunterzerren kann. Der grelle 
Laserstrahl zischt nur wenige Zentimeter an ihr vorbei. 

Arschloch! schimpft Sam. Du tust Mulligan keinen Gefallen, wenn du dich umbringen lt. 

Ja, sicher. Aber sag mir um Himmels willen, was der Kerl mit ihm macht! 

Denk nicht daran. Du willst es gar nicht wissen. 

Da meldet sich Sergeant Nagura im Kopfhrer, und sie kann sehen, da auch Bates das Megaphon 
sinken lt, um zuzuhren. 

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Sir, jemand klettert an der Rckseite des Turms hoch. Die Frau hrt sich erschrocken an. Sir! Es ist 
kein Mensch! 

Mit einem Fluch klappt Lacey das Visier herunter und spht in die Nacht hinaus. Es ist nichts zu 
erkennen. 

Wie ist er durch unsere Linien gekommen? knurrt Bates. Ich kann nichts sehen. 

Er ist genau auf der anderen Seite, Sir. Hab' keine Ahnung, wie er dort hingekommen ist. Vielleicht 
hat er sich unsichtbar gemacht? 

Und vielleicht ist das gr kein Witz, mischt sich Lacey ein. Wenn ich richtig vermute, dann haben 
wir es mit einem Para allererster Klasse zu tun, und auerdem ist es eine Sie. 

Groer Gott. Bates hrt sich furchtbar mde an. Okay, aber sie wird es nicht berleben, wer immer 


sie ist. Der Killer mu sie bemerken, klar. Haben Sie vergessen, da er auch ein Para ist? 

Als Mulligan wieder schreit, beit Lacey die Zhne zusammen wie in einem Krampf. Sie wrde die 
Hlfte ihres Lebens geben, wrde sogar schwren, nie wieder einen Fu in ein Schiff zu setzen, wenn 
er nur wohlbehalten von der Plattform herunter kme. Pltzlich streckt sich der knieende Bates, holt 
mit dem Arm aus und schleudert etwas gegen den Turm - eine Leuchtgranate. Strahlend weies Licht 
ergiet sich ber das Areal vor dem Turm. Einen Augenblick lang ist sie geblendet, der Killer heult 
vor Wut auf. Als sie wieder sehen kann, sieht sie ihn am Rand der Plattform stehen; die 
Scharfschtzen unten hat er vergessen, das Gewehr baumelt in seiner Hand. 

Nicht schieen! hrt sie Bates im Kopfhrer schreien. An alle, nicht schieen! 

Jemand klettert auf die Plattform, richtet sich zu voller Gre auf und steht jetzt Tomaso gegenber. 
Eine drei Meter hohe Gestalt; ein ganzer Kranz von grn schimmernden Augen rankt sich um den 
Krper, der ebenso metallisch glnzt, von den mit einem Tuch umwickelten Hften bis zu 

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den nackten Schultern. Darauf ein riesiger, ovaler Kopf mit drei groen goldenen, wie aufgesetzten 
Augen. Sie beugt sich vor, streckt das oberste Armpaar aus, als wollte sie dem Killer etwas zeigen. 
Der Killer starrt, schreit auf und macht einen Schritt nach hinten ins Leere. Noch ein Schrei, der 
anhlt, bis er hart auf dem Boden aufschlgt. Reglos bleibt er liegen. Im Licht der Leuchtgranate 
macht das Wesen auf der Plattform eine Geste, ein kurioses Nachahmen eines menschlichen Winkens. 
Ihr Krper leuchtet grn und golden. Dann wendet sie sich ab, kniet nieder und macht sich an etwas zu 
schaffen. 

Mulligan! Lacey schreit, so laut sie nur kann. Schon ist sie auf den Beinen und rennt hinber zum 
Turm. Ist er okay? 

Auf der Plattform wendet sich ihr der glitzernde Kopf zu. Man erkennt einen feinen, fedrigen Saum, 
der vom Hinterkopf zum Nacken luft. Der Mund ist eine zierliche Ausstlpung, von zahlreichen 
dnnen Lippen gebildet, die sich wie Bltenbltter berlappen. Er ffnet sich kruselnd und 
vibrierend, und was sie sagt, ist durchaus zu verstehen. 

Okay, Freund. Wir sind Freunde? 

Das will ich meinen, verdammt. 

Als Lacey keuchend oben angekommen ist, hat die Insektenfrau Mulligan schon losgebunden. Er sitzt 
im Kontrollraum gegen die Wand gelehnt und reibt sich die Gelenke. Am liebsten wre sie neben ihn 
gesunken, um ihn in die Arme zu nehmen und zu kssen. Statt dessen klappt sie nur das Visier hoch 
und schmollt. 

Altes Miststck, die halbe Polizei muten wir deinetwegen zusammentrommeln . 

Mulligan schaut verblfft zu ihr auf, dann bringt er ein dnnes Lcheln zustande. 

Sorry, war nicht meine Absicht, mich von den Verrckten einfangen zu lassen. Wird nicht wieder 
vorkommen, das verspreche ich dir. 

Gut, das will ich hoffen. Sie wendet sich der Insektenfrau zu. He, danke auch. 

Der Bltenmund kruselt sich wieder. 

Gern geschehen. 

Und Lacey hat das merkwrdige Gefhl, da sie sich glnzend verstehen. 

8 

Sobald Tomaso den Schritt ins Leere tat, war Bates auf den Beinen und rannte. Doch als er ihn 
erreichte, war er schon tot - das Genick war gebrochen, die Brust zerschmettert, und kein Arzt in ganz 
Polar City htte eine Chance gehabt, ihn wiederzubeleben. Bates war sicher, da es auch die 
Mglichkeiten der besten Kliniken im ganzen erforschten Sektor berstieg. Und er war froh darber. 
Es ersparte der Stadt die Mhe eines endlosen Prozesses und die sonst unvermeidlichen politischen 
Verwicklungen. Wre der Killer am Leben und wrde aussagen, dann wrde die Allianz mit der 
blichen Selbstgerechtigkeit alle Anschuldigungen zurckweisen und rcksichtslos alle Spuren zu 
verwischen suchen. Doch blieb noch die Frage offen, wie der Mann gestorben war. In dem langsam 
schwcher werdenden Schein der Leuchtgranate konnte Bates deutlich genug sehen, da diese 
geheimnisvolle Fremde ihn weder gestoen noch sonstwie berhrt hatte. Wenn diese neue Spezies 
tatschlich die Mglichkeit besa, aus der Distanz zu tten, dann verhie das nichts Gutes fr die 
Zukunft. 

Er steht auf, wischt sich einigermaen erleichtert die Hnde und entdeckt Sergeant Nagura hinter 
seinem Rcken, das Funktelefon in der Hand. Ein Teil der Leute ist um den Turm herum 
ausgeschwrmt. Sie fotografieren die 


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Szene; auch der Gerichtsmediziner mit seinen Gehilfen steht schon bereit, um sich der Leiche 
anzunehmen. 

Schaut euch sein Gesicht an, sagt Bates. Ihr habt doch Handschuhe dabei? Ja? Dann benutzt sie 
auch. 

Von dort, wo Sergeant Nagura steht, hrt man ein Wrgen. 

Sie rmste. Bates nimmt ihr das Telefon ab. Bleiben Sie in der Nhe, ja? Aber gucken Sie nicht so 
genau hin. 

Ja, Sir. Danke. Einer der Mnner kmmert sich um die Zivilisten. Sieht nicht so aus, als ob die Geisel 
eine Ambulanz bentigt. 

Gut so. Mulligan hat uns schon genug Arbeit gemacht. 

Sobald Bates die Zentrale erreicht hat, schaltet sich Parsons ein. 

Himmel, Chief, hier wimmelt es von Reportern. Was, zum Teufel, ist das fr ein Quatsch mit dieser 
Epidemie? Wann werden Sie zurck sein? 

Wenn ich, verdammt noch mal, so weit bin. Hren Sie, Sergeant. Sagen Sie ihnen, da ich, wenn ich 
zurckkomme, die Story des Jahrhunderts fr sie habe. Sagen Sie, da ich ihnen nur das eine gesagt 
htte - und sagen Sie es wrtlich: Wir haben mglicherweise einen Erstkontakt hier, aber es sind 
gewisse Probleme damit verbunden. 

Parsons gibt eine gurgelndes Gerusch von sich, das Bild auf dem Schirm zeigt einen Mann, dessen 
Augen gro und grer werden. 

Haben Sie das soweit? sagt Bates. Ich sage Ihnen nicht, wo ich jetzt hingehe, aber ich werde mich 
melden, sobald ich eine abhrsichere Verbindung habe. Er schaltet aus, bevor Parsons noch etwas 
sagen kann. He, Lacey ... am besten fahren wir alle zusammen zu A-bis-Z. Es wird eine Weile 
dauern, bis uns dort jemand aufgesprt hat. Nagura, Sie bernehmen das hier. Sie brechen nicht eher 
als in einer Stunde auf, ja? Wir brauchen etwas Vorsprung. Ach ja, eines noch: Rufen Sie Dr. Carol an 
und sagen Sie, da sie uns bei 

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Lacey treffen soll. Und sie soll ihre Fotos von dieser verdammten Krankheit mitbringen. Verstanden? 

Nagura ruft einige Befehle, dann nickt sie Bates zu und geht hinber zum nchsten Transporter. Bates 
wendet sich der Insektenfrau zu, die etwas unschlssig bei Nunks und Mulligan steht. Der riesige Kopf 
neigt sich, eine geradezu knigliche Geste, wie Bates sie noch nie gesehen hat. 

Das Wesen Mulligan hat mir erlaubt, auf seine gespeicherten Erinnerungen zurckzugreifen. Ich 
verfge nun ber den ntigen Wortschatz Ihrer Sprache. Sicher haben Sie Fragen an mich. 

Sicher. Am besten fangen wir mit Ihrem Namen an. 

Ich habe keinen Namen in Ihrem Sinne. Nennen Sie mich einfach >Insektenfrau<, wie die andern 
auch. 

Obwohl Bates zusammenzuckt bei diesem Wort, das nach menschlicher berheblichkeit klingt, 
scheint sie es ganz amsant zu finden. 

Also gut, Madam. Wie, zum Teufel, haben Sie den Mrder da oben gettet? 

Ich habe ihn nicht gettet. Ich habe ihm nichts anderes als ein Bild seiner Seele gezeigt, telepathisch 
natrlich. Er sah es, erkannte, was mit ihm los war, und ttete sich selbst aus Entsetzen darber. 

Die Insektenfrau neigt den Kopf nach einer Seite und mustert ihn kurz mit dem dritten Auge, dann 
nickt sie; sie beherrscht die menschliche Gestik schon vollkommen. 

Der Name dieser Gottheit ist von Bedeutung, so weit ich das aus Mulligans Gedchtnisspeicher 
erfahren konnte. Er scheint als Kind dem Einflu einer Religion ausgesetzt gewesen zu sein, die >Neo-
Katholizismus< heit, und dieser Jesus symbolisiert das Unsterbliche in jedem Menschen. Diese 
Gottheit kmpfte gegen das bel an sich - Snde, glaube ich, nennt man es , und es opferte dafr sogar 
sein Leben. Entschuldigen Sie, natrlich nicht es, sondern er. Aber bei meinem Volk ist es nicht 
blich, Gottheiten ein Geschlecht zuzuordnen. 

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Ich verstehe. Nun, Sie drfen mich jetzt nicht miverstehen: Ich bin verdammt froh, da der Kerl tot 
ist, und es gibt berhaupt keinen Verdacht auf eine Straftat, doch mssen wir eine Art Anhrung ber 
diesen Todesfall durchfhren. Es mu jede Unklarheit ausgerumt sein. 

Sie nickt nachdenklich, dann wendet sie sich Nunks und Mulligan zu. Alle drei stecken sie die Kpfe 
zusammen; unbeweglich stehen sie da, schweigend, doch findet zweifellos ein intensiver geistiger 
Austausch statt. 


Die Form des Krpers scheint nicht viel zu bedeuten, hab' ich recht, Chief? Es klingt fast feierlich, 
wie Lacey das sagt. Scheint, da mir das noch nie aufgefallen ist. Vielleicht haben die Anbeter des 
Galaktischen Bewutseins gar nicht so unrecht? 

Mag sein, aber sie knnten verdammt noch mal aufhren, die Wnde zu beschmieren und Bomben zu 
werfen, um sich zu beweisen. Aber kommen Sie, wir mssen endlich die Sache ins Rollen bringen. 

Um in Porttown keine Aufmerksamkeit zu erregen, berlt Bates seinen Dienstgleiter Sergeant 
Nagura und zwngt sich in den Fond des Bentley der glcklicherweise die blichen Mae eines 
Luxusgefhrts bietet - neben Mulligan und die Insektenfrau. Nunks quetscht sich vorne zwischen 
Lacey und Sam. Bates versucht, es zu ignorieren, so gut er nur kann, aber der Essiggeruch hngt 
schwer in der Luft; nicht nur die Fremde riecht danach, auch auf Mulligan haben die Bakterien 
offensichtlich bergegriffen, schlielich mu ihn der Assassine oft genug berhrt haben. Lacey scheint 
nicht zu befrchten, da sie die Gefhle der Insektenfrau verletzt; sie dreht sich um und beugt sich 
ber die Lehne des Sitzes. 

Lady, was sind das fr Bakterien, die Sie da mitgebracht haben? Sie scheinen Ihnen nicht zu schaden, 
aber uns richten sie bel zu. 

Das habe ich bemerkt. Es scheint sie fast zu amsieren. Machen Sie sich keine Sorgen, man kann 
die Bakterien 

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leicht wieder loswerden, und ich werde nach Krften dabei helfen. 

Gott sei Dank. 

Gott sei Dank, wiederholt Bates im stillen, whrend Sarrt meckert, da Lacey sich endlich hinsetzen 
und anschnallen solle, damit er losfahren kann. Als der Gletscher aufsteigt, sitzt die Insektenfrau 
schweigend da; ihre vielen Arme winden sich in Spiralen eng um den Krper, den Mund mit den 
zahllosen Lippen hat sie geschrzt, wie es ein konzentriert nachdenkender Mensch nicht anders tun 
wrde. Als das Rattennest schon ein gutes Stck hinter ihnen liegt, wendet sie sich an Bates. 

Sie sehen nicht wie ein Mann aus, der andere Wesen unntig sterben lt. 

Na, hren Sie, es ist mein Job, dafr zu sorgen, da es dazu nicht kommt. 

Ich habe keine andere Wahl, als Ihnen zu vertrauen. Sie zgert, denkt nach. Ich bin nicht allein 
hierhergekommen. Sie wissen natrlich von dem Tode meines ... Eine lange Pause tritt ein. ... der 
andere, der mit mir auf diesen Planeten kam. Aber wir sind mit einem Schiff gekommen - sie wrden 
es als Kolonistenschiff bezeichnen , lange bevor Ihr Volk diesen Planeten besiedelt hat. 

So etwas habe ich vermutet. Gibt es noch mehr berlebende? 

Ich wei nicht, wie viele jetzt noch am Leben sind. Sie befinden sich im Klteschlaf. 

Was!? Soll das heien, da sie noch im Schiff sind? 

Ja, und das Schiff ist noch immer auf einer Kometenbahn um Ihre Sonne. Es gab einen Unfall, ich 
wei nicht, was es war, denn damals waren mein ... Begleiter und ich noch in unserem Kokon, knnte 
man es nennen. Bei dem Unfall wurde das ganze Schiff in Klteschlaf versetzt. Es waren ber 
vierhundert meiner Artgenossen an Bord. Sicher wurden viele von ihnen gettet, bevor die 
Sicherungen des Schiffs reagierten. Aber wenn wir berlebten, dann gibt es 

sicher noch mehr berlebende. Ihre Arme wickeln sich noch enger um den Leib. Ich frchte um ihr 
Leben. Warum sprengen Ihre Ingenieure Kometen in Stcke? 

Um sie hier runterzubringen, um das Wasser zu gewinnen. Aber da ist etwas, was Sie wissen sollten: 
Das ist nicht die eigentliche Gefahr, die Ihren Leuten droht. Wenn ich alles richtig zusammenbringe, 
dann wurde dieser Killer von seiner Regierung hergeschickt, um Sie und jeden andern zu tten, der 
aus dem Schiff auf diesen Planeten gelangt ist. Ich mchte wetten, da ihr nchster Schritt sein sollte, 
das Schiff zu bernehmen. 

Was? Die Insektenfrau ist vllig verwirrt. Warum? 

Um herauszufinden, woher es kommt. Wenn sie seinen Kurs zurckverfolgen, knnten sie Ihre 
Heimatwelt erobern, bevor irgend jemand im erforschten Sektor berhaupt wei, da es sie gibt. 

Lacey pfeift durch die Zhne, als sie sich auf dem Sitz umdreht. 

Das hrt sich aber ganz nach Allianz an, Chief? Werden Sie das je beweisen knnen? 

Verdammt noch mal nein, aber vielleicht knnen wir sie daran hindern, die Sache zu Ende zu 
bringen. Jetzt seid mal alle still und lat mich nachdenken, es wird nicht einfach sein. 

Und Bates verbringt den Rest der Fahrt in die Stadt damit, einige der gefhrlichsten Entscheidungen 
seiner Karriere zu treffen. 

Als Sam den Gleiter parkt, sieht Lacey schon den roten Transporter von Carol mit Kurs auf A-bis-Z 


heranstrmen. Die Landung ist sogar fr ihre Verhltnisse ziemlich hart; schaukelnd kommt die 
Maschine vor der Laderampe zum Stehen. Mit wehenden Locken springt Carol heraus. 

Himmel, Lacey - so, wie das im Fernsehen aussah, dachte ich, da ihr drauf gehen wrdet! 

280 

281 

O verflucht, sagt Bates. Was war denn im Fernsehen zu sehen? 

Eine ganze Menge. Kanal Neunzehn brachte gegen Sonnenuntergang eines seiner Magazine; das 
meiste natrlich Spekulationen ber diese Seuche, aber das neueste Gercht ist so ein Unsinn ber 
einen Erstkontakt. Groer Gott, ich mchte wissen, wie sie blo auf solches Zeug kommen! Carol 
macht ein paar Schritte zu Mulligan, der auf der Kante seines Sitzes hockt, die Beine aus der offenen 
Tr gestreckt, als wage er nicht herauszukommen, solange Carol vor ihm steht. Sie haben dich also 
gerettet? Schrecklich. 

Irgendwie wute ich, da du so etwas sagen wirst. Es hrt sich ziemlich erschpft an. Aber 
wrdest du mal aus dem Weg gehen? Wir haben hier jemanden, der ins Haus mu, und zwar mglichst 
schnell. 

Als Carol zurckweicht, schlpft Mulligan heraus. Auf der anderen Seite hlt Bates galant die Tr fr 
die Insektenfrau auf, die sich aus der Enge herauswindet und langsam aufrichtet, bis sie alles berragt: 
Bates, den Gleiter. Ein Schimmern und Glnzen geht von ihr aus. Zum ersten Mal in ihrer langjhrigen 
Freundschaft erlebt Lacey Carol sprachlos; der Unterkiefer hngt schlaff herunter, whrend sie den 
Kopf in den Nacken legt und hinauf zu den goldenen Augen der Insektenfrau blickt. 

Hallo, fltet die Insektenfrau. Sie sind die rztin? Wissen Sie, ich durfte auf Mulligans 
Gedchtnisspeicher zurckgreifen. Seine Eindrcke von Ihnen sind besonders lebhaft. 

Lassen wir das lieber, unterbricht Lacey. Carol! Frag sie nach den Bakterien. Sie sagt, sie knnte 
uns helfen. 

Gott sei Dank. Nach einem energischen Kopf schtteln ist Carol wieder ganz die alte. Sie knnen 
uns sagen, wie man diese Krankheit heilt? 

Fr uns ist es keine Krankheit, obwohl ich mir vorstellen kann, da es auf andere so wirkt. Es ist ein 
Symbiont, mit dem wir von Geburt an zusammenleben. Er reinigt unseren 

282 

Krper und hilft, uns zu ernhren; dafr erhlt er einen Anteil an unserer Nahrung, und wenn wir 
sterben, gehren wir ihm. 

Du lieber Himmel, flstert Carol, kein Wunder, da ich nichts herausgefunden habe. 

Nun macht schon, wir mssen ins Haus! Lacey blickt nervs die Gasse hinunter. Sonst werden wir 
noch gesehen, ein Glck, da hier noch niemand aufgetaucht ist. 

Als sie den Garten durchqueren, ffnet sich oben die Tr zu Laceys Bro, und Rick kommt heraus, 
den Laser im Anschlag. Dann erkennt er sie. 

Lacey, was bin ich froh, euch zu sehen. Dieser Killer ist vor ein paar Stunden ums Haus geschlichen, 
Maria hat es gesprt. 

Tatschlich? Nun, der Mistkerl ist tot. Du kannst deine Kanone wegstecken. Es macht mich nervs, 
wie du da herumwedelst. 

Erst als sie die Treppe hochsteigen, bemerkt Rick die Insektenfrau. Aber er beschrnkt sich auf ein 
hfliches Nicken und macht Platz, um sie vorbeizulassen. Im Bro wartet Maria an der Bar; sie trinkt 
von dem selbstgebrauten Bier. Buddys Sensoreinheit schwenkt zu ihnen herum, der Monitor leuchtet 
zur Begrung auf. 

Meine Haushaltsuntereinheit hat eine grere Menge Kaffee bereitet, und Maria hat Milch geholt und 
fr etwas zu essen gesorgt. 

Kekse, sagt Maria. Das einzige, was ich machen kann. Und Rick hat Karotten und einiges andere 
aus dem Garten geholt. 

Lacey ist viel zu aufgeregt, um zu essen, aber die anderen wissen das improvisierte Bffet zu schtzen 
und machen sich mit Appetit darber her. Der Insektenfrau beim Essen zuzusehen sagt mehr ber 
diesen Symbionten, als jede wissenschaftliche Abhandlung es knnte: Sie nimmt sich einen der 
krmeligen Kekse und hlt ihn an ihren viellippigen Mund. Fast sofort bilden sich lange Fden von 
grauen Zuk- 

283 

kerkristallen, die sie mit der Mundrhre grazis einsaugt. Carol lt sie nicht aus den Augen, die 
Kaffeetasse in der Hand ist vergessen. 


Ich wte gerne, wie wir es von den Leuten wieder wegkriegen, die es nicht brauchen knnen. 

Sehr einfach, sagt die Insektenfrau. Sie hat mit einem der unteren Arme eine Serviette genommen 
und sie von Arm zu Arm weitergereicht, bis sie sich anmutig und dezent den Mund abtupfen kann. 
Ich werde sie bitten zu gehen. 

Bitten ... 

Bitten. Trotzdem werden wir vielleicht etwas mit Chemie nachhelfen mssen, weil es sich um keine 
intelligente Lebensform handelt, was immer man darunter verstehen mag. Aber es ist mehr eine Frage 
der Kommunikation als einer medizinischen Behandlung. Tatschlich wre es das beste, ich wrde 
Mulligan und Nunks zeigen, wie man mit ihnen spricht. Es kann den Vorgang beschleunigen. Diese 
Bakterien knnen eine normale Sprache nicht verstehen, weder gesprochene noch telepathisch 
bermittelte. 

Carol gibt einige erstickte Laute von sich. 

Nun, ich vereinfache natrlich, fgt die Insektenfrau rasch hinzu. Bitten ist sicher nicht das richtige 
Wort. 

Ach ja? Gut. Vielleicht knnten Sie das richtige Wort finden? 

Es ist eine Frage der Willenskraft ... ein telepathischer Zwang? Meine ich das? Sie berlegt; die 
Lippen schieben sich zusammen wie eine Irisblende, dann ffnet sich der Mund wieder. Eine 
energische Aufforderung, eine Drohung? Nein, nein ... ich kann es in Ihrer Sprache nicht formulieren. 
Sie knnen diese Art von Symbiose nicht verstehen ...ja ..., sie beruht auf Gegenseitigkeit ... 

Sie schweigt. Und schweigend geht sie hinber zu Nunks und Mulligan, die sich ebenso schweigend 
ihr zuwenden. 

Bitten. Carol spricht zu ihrem Gott oder vielleicht auch nur zu der Wand gegenber. Einfach 
bitten. Ich hab' Gott wei fr wie viele Dollars Tests und Recherchen am Com- 

284 

puter des Quker-Hospitals gemacht, und alles, was man tun mu, ist bitten. Ich glaub', gleich werde 
ich heulen. Ganz leise. Nur so vor mich hin. 

Als Bates sieht, da Carol allein ist, kommt er herber. Er will nach ihrem Arm greifen, dann zgert er 
man wei nicht, wie viele Patienten mit dieser Krankheit sie schon angefat hat. 

Sagen Sie, Doc, haben Sie die Photos mitgebracht? 

Sicher habe ich das. Carol klopft auf ihre Tasche. Wofr brauchen Sie sie? 

Das werden Sie in ein paar Minuten sehen. Ich mu noch ein, zwei Dinge ... 

Chief Bates? Buddy sagt es mit einem leisen Drngen. Ich hasse es zu stren, Sir, aber da ist ein 
dringender Anruf von Mr. Akeli von der Staatspolizei. 

Verflucht. Bates setzt sich auf den Sessel vor das Telefon, links von Buddys Gehuse. Dann mach 
mal. 

Akelis Gesicht erscheint auf dem Bildschirm. Die Krawatte hat er gelockert, nun hngt sie schief an 
seinem Kragen. 

Bates, die Carlis haben trotz Protests der Raumkontrolle ein Landungsboot ausgesetzt, das jederzeit 
den Orbit verlassen und hier eintreffen kann. Zu einem frheren Zeitpunkt haben Sie einmal eine 
Strategie erwhnt, die Sie als letztes Mittel einsetzen knnten. Es wre ratsam, das jetzt zu tun, am 
besten gleich. 

h ... Scheie! Das geht alles ein bichen zu schnell, Mann. 

Bates, um Himmels willen! Sie haben doch einen Plan, oder? 

Sicher. Hren Sie zu. Sobald Sie das Telefon ausgeschaltet haben, lassen Sie Ihren Einsatzleiter alles 
zusammentrommeln, was er an Leuten auftreiben kann. Ich brauche Ihre Untersttzung, sowohl um 
den Mob auf den Straen zu 

285 

kontrollieren, als auch um gewisse Informationen unter die Leute zu bringen. 

Sehr gut. Ich werde auch sehen, was wir an Bro- und Computerpersonal mobilisieren knnen, das 
dienstfrei hat. 

Tun Sie das. Bates schaltet hastig ab. Buddy, ruf mir die Nachrichtenredaktion von Kanal 
Siebenunddreiig an. Sag ihnen, da Chief Bates Luisa Jimenez Ibarra sprechen mchte; es geht um 
Fragen der ffentlichen Sicherheit. Er schaut ber die Schulter. Dr. Carol, bringen Sie mir diese 
Holos, ja? Buddy soll sie den Fernsehleuten berspielen, und wenn Sie dran sind, dann werden Sie 
denen was vorlgen. Sagen Sie, da es noch kein Mittel gegen die Seuche gibt, da Sie aber einen 
vielversprechenden Durchbruch erzielt htten nicht mehr. 


Was? kreischt Carol auf. Was haben Sie vor, wollen Sie eine ganze Stadt in Panik versetzen? 

Ich habe keine Wahl. Ich mu den Carlis einen gehrigen Schrecken einjagen, und ich habe nicht 
mehr als eine Stunde Zeit dafr. 

Carol zgert, das Gesicht finster, dann bricht sie pltzlich in Lachen aus. 

Carlis ohne Haare, prustet sie. O mein Gott, kann man sich das vorstellen? Ein Huflein Carlis mit 
Glatzkpfen! Die grten stheten der ganzen Milchstrae, die sich in Schnheit geradezu suhlen ... 
Sie haben recht, el jefe, das wird funktionieren wie ein Zauberspruch. 

Ein hervorragender Plan, tatschlich. Buddy schnurrt geradezu vor Begeisterung. Dr. Carol? Wenn 
Sie mir die Speicherboxen geben, werde ich mit der bertragung beginnen. Mrs. Jimenez Ibarra ist in 
der Leitung. 

Whrend Bates bis ins kleinste, abstoende Detail die Arbeit der fremden Bakterien beschreibt, sitzt 
Carol nicht weit von ihm und bt ernste, besorgte Mienen. Es kann nicht mehr 

286 

lange dauern, bis sie mit der populrsten Talkshow-Gastgeberin von Polar City ber ihre imaginre 
Forschungsarbeit an diesem Krankheitserreger diskutieren wird. So gerne sie auch einen ordentlichen 
Drink gehabt htte, Lacey giet ihr nichts anderes als kalten Kaffee ins Glas. Die Insektenfrau sitzt 
grazis auf dem Fuboden, nicht weit von Nunks und Mulligan, die in identischen Posen auf der 
Couch lungern. Lacey vermutet, da die drei sich unterhalten telepathisch, versteht sich. Sam geht 
ruhelos vor der Bar auf und ab. 

Hast du nicht vor, dich endlich zu setzen? fhrt sie ihn an. Das macht einen schon beim Zuschauen 
nervs. 

Du hast allen Grund, nervs zu sein, und nicht nur wegen mir, amiga. Da sind vielleicht mehr als 
dreihundert Leute da oben im Eis. So weit wir wissen, hat die besch... Allianz vor, sie in Stcke zu 
pusten. Schau, sie mssen inzwischen begriffen haben, da ihr Plan nicht aufgeht. Glaubst du, da sie 
die Republik nun diese Fremden retten lassen, einfach so? 

Nicht eine lausige Sekunde lang, Kleiner. Lieber tten sie jeden einzeln, als da sie uns das Schiff 
berlassen. 

Verdammt wahr. Das kommt von Bates, der seinen Job mit dem Fernsehen erledigt hat und 
herbergekommen ist. Sobald Carol die Leitung frei macht, werden wir die Flotte verstndigen. 

Die Flotte, Chief? Sam verzieht verchtlich das Gesicht. Wissen Sie, wie lange es dauert, bis Sie 
einen vom Oberkommando an die Strippe kriegen? Die Freunde unserer Insektenlady werden schon 
alle atomisiert sein, bis die Flotte berhaupt ein Schiff auf den Weg gebracht hat. 

So? Nun gut, und was schlgt unser Schlaumeier vor, was wir tun sollen? 

Ich habe ein Schiff im Orbit. Er dreht sich zu Lacey. Du, ich, ein Kanonier und der Bordcomputer 
mehr braucht es nicht, um die Alliierten von dem fremden Schiff fernzuhalten, bis die Flotte da ist. 
Wenn wir Nunks und die Insekten- 

287 

frau mitnehmen, dann knnen sie ihre Psi-Krfte einsetzen, um es vor den andern zu finden. 

Hrt sich nicht schlecht an. Rick ist brigens als Kanonier ausgebildet, wutest du das? 

Was!? Bates kreischt auf. Ihr wollt einen gottverdammten Krieg anfangen, nachdem ich mir den 
Arsch aufgerissen hab', ihn zu verhindern? 

Ach, wir wollen doch nicht auf sie schieen, hchstens einen Warnschu oder so. Wir wollen doch 
nur eines, Chief: da rausfahren, an das fremde Schiff andocken und abwarten, ob die Allianz es wagen 
wird, uns wegzupusten. Wenn Brger der Republik davon betroffen sind, dann werden sie sich das gut 
berlegen. Tten sie uns, dann geben sie der Konfderation einen perfekten Grund, einzugreifen. 

Ja. Bates berlegt, reibt sich mde den Nacken. Knnte hinhauen, nur hat Lacey keine Papiere, 
und auch die Insektenfrau werden sie nicht durch die Hafentore lassen. 

Wir werden sie verstecken, sagt Lacey. Und was meine Papiere betrifft, da sind Sie gefordert. Sie 
brauchen sich nur ans Telefon zu setzen und sich etwas Schnes auszudenken, eine richtig gute 
Geschichte, damit sie uns ohne Kontrolle passieren lassen. Es schadet ja nicht, wenn sie spter die 
Wahrheit herausfinden, wenn es nur eine Stunde oder so dauert. Bis dahin sind wir lngst an Bord des 
Shuttles, und sie knnen uns nicht mehr aufhalten. 

Herr im Himmel! Okay, wollen mal sehen, h ... Knnte sagen, da Sie einen Sonderauftrag haben, 
einen Drogenkurier verfolgen das knnte eine gewisse Zeit funktionieren, besonders wenn Sie die 
Insektenfrau im Kofferraum verstecken oder so. Bates wendet sich zu Buddy, der zugehrt hat; vor 
Aufregung leuchtet der Bildschirm ganz hell. Buddy, schalte unter meiner Codenummer - ich bin 


sicher, du weit sie schon eine Verbindung zum Computer der Hafenbehrde; dann setzt du Lacey 
und Nunks auf die Liste der Personen, die freien Zutritt zum Hafen haben. 

Ich war so frei, Sir, und habe das erledigt, als Sie es zum 

288 

ersten Mal erwhnten. Auerdem habe ich Captain Bailey als Sonderkurier der Polizei eingetragen, 
der mit geheimen Papieren zum Justizministerium auf Sarah unterwegs ist. 

Du bist immer einen Sprung voraus, nicht? Also gut, Lacey. Das ist alles, was ich tun kann. Wenn ihr 
erst durch die Tore seid, dann beeilt euch, da ihr vom Boden wegkommt. Sie werden nicht lange 
brauchen, um es zu berprfen und herauszufinden, da es erstunken und erlogen ist. 

Oh, wir haben nicht vor, uns lange aufzuhalten, el jefe. Carol, verdammt, hr endlich auf und komm 
her! 

Okay, okay. Carol lt das Bildtelefon sein. Chief, Mrs. Jimenez mchte noch einmal mit Ihnen 
sprechen. 

Sagen Sie ihr, da ich in einer wichtigen Konferenz mit Regierungsbeamten bin. Das wird sptestens 
dann wahr sein, wenn Buddy das mit dem Hafencomputer geregelt hat. 

Ich werde es der Dame erklren, sagt Buddy. Sie ist begierig darauf, die Geschichte unter die 
Leute zu bringen. Dr. Carol, ich glaube, meine Programmiererin mchte mit Ihnen sprechen. 

Das wundert mich sehr, da sie mich ganz zufllig eben gerufen hat. Wenn ich dich nicht htte! Sie 
berlt Bates den Stuhl und geht zu Lacey und Sam an die Bar. Ich wei nicht, wie es mit euch 
steht, aber ich brauche jetzt was zu trinken! 

Warte noch, bis du an mir herumgeschnippelt hast, sagt Lacey. Du mut die Anschlsse des 
Implantats freilegen; ich werde es brauchen, wenn wir rechtzeitig das fremde Schiff erreichen wollen. 

Lacey, du bist verrckt! Wie lange ist es her, seit du zum letzten Mal dieses Ding benutzt hast? 

Ein paar Jahre, aber das ist ein Ausrstungsstck der Flotte, das wird noch funktionieren. 

Ja, aber was wird mit deinem Gehirn sein, wenn euer Abenteuer vorbei ist? 

Ach, wir haben eine gute Chance, berhaupt nicht 

289 

zurckzukommen. Warum sollte ich mir da Gedanken ber einen Implantat-Kater machen! 

Da hast du recht, du verdammtes stures Miststck. Okay, komm mit ins Bad. Ich habe genug Zeug in 
meiner Tasche, um eine Steckdose zu reparieren. Es wird eine Weile weh tun, ich sag's dir lieber 
gleich. 

Wenn schon, das ist jetzt unwichtig. 

Lacey will zur Tr gehen, da erblickt sie Mulligan, der steif in der Ecke steht, das Gesicht kalkwei. 

Was ist los, Mensch? 

Was meinst du damit, da du vielleicht nicht zurckkommst? Er klingt eher rgerlich als 
erschrocken. 

Genau wie ich es gesagt habe. Es kann gut sein, da die Alliierten erst einmal schieen und dann 
berlegen. 

Dann mut du mich mitnehmen. 

Sei nicht albern. Du kannst da oben doch nichts tun. Auerdem braucht Carol dich. Wenn wir alle 
ums Leben kommen, dann bist du der einzige, der mit diesen Bakterien reden kann. 

Er verschluckt, was er hat sagen wollen. Er steht nur da und sieht sie an, mit diesem traurigen, 
ergebenen Blick, der sie verlegen macht. Sie mchte etwas Nettes sagen, ihm vielleicht einen Ku 
geben, ihm jedenfalls zu verstehen geben, da er ihr nicht gleichgltig ist, auch wenn sie sich noch so 
sprde gibt. Aber zu viele Jahre liegen hinter ihr, in denen sie gelernt hat, ihre Gefhle zu 
unterdrcken, sie in das Korsett der Offiziersdisziplin einzuschnren. Und so ist ihre Kehle wie 
zugeschnrt, sie kann es nicht aussprechen. Nur zu einem kleinen Klaps auf die Schulter reicht es, 
dann folgt sie Carol auf den Flur. 

In dem engen Badezimmer hat Carol schon alles vorbereitet: Ein Laserskalpell und eine Tube 
Desinfektionsmittel liegen auf einem sauberen Handtuch; im Waschbecken dampft heies Wasser. In 
der Hand hlt sie eine kleine Schere. 

Ich werde dir die Haare etwas stutzen mssen, sagt Carol, dann mu ich die Stelle rasieren. 

Tu, was du nicht lassen kannst. Lacey setzt sich auf den Toilettendeckel. Kommst du so gut dran? 

Ja. Jetzt halt still. 

Als Carol sich an die Arbeit macht, fhlt sich Lacey in ihre Schulzeit zurckversetzt, als sie und ihre 
ltere Schwester sich abwechselnd ans Frisieren machten. Sie legten das Haar in Wellen, so dichte 


Locken, wie es nur ging, bevor sie ihr Haar dann schwarz frbten. Tausend Jahre mute das her sein, 
als sie ein alberner Teenager war, der sich fr nichts als Jungen und Mathematik interessierte. Carol 
sprte etwas Kaltes auf ihrer Kopfhaut, ein Ansthetikum wohl. 

Gleich tut's weh, sagt Carol. 

Lacey ballt die Fuste, als das Skalpell in die Haut schneidet. Carols geschickte Hand fhrt es im 
Kreis, es folgt dem Rand des Implantats, das bndig mit dem Knochen eingesetzt ist. Lacey chzt, als 
Carol ein blutstillendes Spray auf die kreisrunde Wunde sprht. 

Schon fast vorbei, Liebe. Ich mu die Wunde noch versiegeln. 

Wieder ein Spray, wieder ein Sthnen, dann lt der Schmerz langsam nach. 

Wie lange braucht ihr mit dem Shuttle zu Sams Schiff? 

Ungefhr eine Stunde, einschlielich der Fahrt zum Hafen. 

Okay, bis dahin drfte es nicht mehr allzu riskant sein, den Stecker anzuschlieen. Aber wenn du 
eine Infektion kriegst, dann sag nicht, dein Doktor htte dich nicht gewarnt! 

Sam, der drauen im Bro gewartet hat, empfngt sie mit einem strahlenden Lcheln, als wollten sie 
zu einer ausgedehnten Kneipentour aufbrechen. Bates sitzt noch immer am Telefon; diesmal diskutiert 
er mit jemandem im Hauptquartier die Frage, wie man an die Beamten, die frei haben, herankommen 
knnte. Mulligan steht bei der Tr, aufrecht wie ein Soldat, und sein Mund sieht aus wie der eines 
Kindes, das fest entschlossen ist, nicht zu weinen. Gern htte 

291 

sie ihn berhrt, wre ihm bers Haar gefahren und htte einen Scherz gemacht, da sie unbedingt 
zurckkommen werde, um den Saisonbeginn der Profi-Liga nicht zu versumen. Sollten die Alliierten 
beschlieen, ihr Schiff aus dem Weg zu rumen, dann wre wohl das Bedauern darber, da sie 
Mulligan nie ein Wort ber ihre wahren Gefhle gesagt hat, ihr letzter und kaum zu Ende gebrachter 
Gedanke. Aber es sind zu viele Leute in diesem Zimmer, Bates steht vom Telefon auf, Sam wartet und 
Buddy beginnt Alarm zu blinken, weil seine Sensoren die Wunde an ihrem Kopf entdeckt haben. 

Programmiererin! Er spricht Kangolan. Du bist verletzt. 

Nein, Buddy. Nur mein Implantat wurde freigelegt, damit ich mich an den Computer von Sams 
Schiff anschlieen kann. 

Er gibt einen Ton von sich wie das Wimmern einer elektrischen Gitarre; man kann es sich gut als den 
Aufschrei eines eiferschtigen Computers vorstellen. 

Wir reden darber, wenn ich zurck bin, sagt Lacey bestimmt, dann spricht sie auf Merrkan weiter. 
Okay, Mulligan, pa gut auf Maria auf, ja? 

Ich werde mir Mhe geben. Seine Stimme ist etwas unsicher; er ist berrascht, da sie ihm ein 
Stck Verantwortung bertrgt, auch wenn es eher ein Scherz ist. Und pa du auf dich selber und die 
Insektenfrau auf! 

Sicher. Sam, wo ist Rick? 

Verstaut die Lady im Kofferraum des Bentley und bringt ihn vor die Tr. O Lacey, ich mchte 
wissen, was der Zoll sagen wird, wenn sie sie finden. 

Stell deinen Laser auf Betubung und sorg dafr, da sie keine Zeit fr Fragen haben. Vamos, 
amigo. 

Whrend sie die Treppe hinunterlaufen, denkt sie an Mulligan und wnscht sich, da sie wenigstens 
diese drei ganz einfachen Wrter herausgebracht htte ... 

Es stellt sich heraus, da es eine Untertreibung wre, die Insektenfrau gelenkig zu nennen; sie hat sich 
zu einem Bndel zusammengerollt, das ohne weiteres in den Kofferraum des Gleiters pat. Als sie 
einigermaen bequem liegt, steigen Nunks und Rick hinten ein, Sam und Lacey vorn, und sie starten 
zum Flughafen. Sobald sie aus der Gasse in die D-Strae einbiegen, stoen sie schon auf eine dichte 
Menge aus Menschen und Lizzies, die dicht gedrngt auf den Gehwegen sich tummeln und die 
Kreuzungen belagern; man redet gedmpft mit hngenden Kpfen, die Stimmung ist gedrckt. 
Jemand hat einen groen Fernseher in ein Fenster im ersten Stock gestellt und den Ton voll 
aufgedreht; die Leute starren hinauf, als Mrs. Jimenez Ibarra immer von neuem wiederholt, da es 
keinen Grund zur Panik gbe, da Chief Bates und sein oberster wissenschaftlicher Berater (damit 
mu Carol gemeint sein, denkt Lacey) versichert htten, da eine Lsung in Sicht sei. Als das Band 
ein weiteres Mal abluft, fngt die Menge zu johlen und zu lachen an. 

Nichts wie weg hier, sagt Sam. 

Aber er ist nicht schnell genug. Bevor die groe Maschine abgehoben hat, erkennt jemand Lacey und 
ruft ihren Namen. Eine Gruppe von Menschen kommt auf sie zu, umringt den Gleiter und drngt sich 


dagegen, als sie das Fenster herunterkurbelt, um mit dem dickbuchigen Mann zu reden, der nicht 
weniger aufgeregt ist als die brigen. Irgendwer murmelt, da es Lacey noch am ehesten wissen 
mte. 

Was ist los, Mac? 

Was los ist, was soll das heien! Mist, Lacey, hast du nicht die Sendung gesehen? 

Sicher, habe ich das. Ich wollte wissen, was ihr darber denkt! 

Die verfluchte Regierung will es uns besorgen. Sie reden schon seit Jahren davon, da in Porttown 
endlich aufgerumt werden mu. Ha ... Wenn du mich fragst, sie haben 

da ein Virus in Umlauf gebracht, und jetzt ist es auer Kontrolle geraten. 

Das ist nicht richtig. Sie zwingt sich, ruhig und gelassen zu sprechen. Es ist ein Bakterium, und es 
ist nicht gegen uns, sondern gegen die Carlis gerichtet. Ehrenwort, ich schwr's dir. 

Mac dreht sich um und brllt es ber die Strae, so laut er nur kann. Wie eine Welle breitet es sich 
aus, und sicher nicht darauf wrde sie wetten - ohne mehr und mehr verflscht zu werden. Sie fragt 
sich, ob man ihr glaubt. Wahrscheinlich nicht. 

Hr mal, Mac. Sie senkt die Stimme und flstert es ihm zu. Tu mir den Gefallen, aber sei vor allem 
verschwiegen. Es wird sich sicher fr dich lohnen. Du weit, wo du den Brgermeister von Porttown 
findest? 

Sicher wei ich das. 

Dann geh und sag Richie ihm persnlich, und nicht am Telefon -, da Lacey die Sache arrangieren 
wird, wie es versprochen ist. Er soll seine Leute losschicken, damit sie fr Ordnung in den Straen 
sorgen. Aber es wird bald erledigt sein, in fnf oder sechs Stunden hchstens. Hast du verstanden? 

Er wiederholt die Botschaft mit solcher Genugtuung, da sie wei, da es in nicht einer Stunde ganz 
Porttown wissen wird und es wird beruhigend wirken. Nach einigem Hin und Her um den Gleiter 
verluft sich die Menge, und Sam kann endlich starten. Whrend der kurzen Fahrt zum Hafen kann 
Lacey aus der Luft sehen, da immer mehr Leute in die Straen strmen. Es ist, als wrde Milch 
gerinnen und immer grere Klumpen bilden. 

Weil man in den Luftraum ber den Hafen nicht eindringen kann, ohne Alarm auszulsen, mssen sie 
durch das Tor. Was Bates und Buddy sich ausgedacht haben, ist den Wachen schon bekannt. Als sie 
ihre Ausweise zeigen, ffnet man ihnen das Tor. Gleich dahinter erwartet sie jedoch der Zoll; sie 
mssen eine metallene Rhre, hundert Meter lang, 

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passieren, doch zunchst stellen sich ihnen vier Beamte, zwei Menschen und zwei Lizzies, in den 
grnen und rotbraunen Uniformen der Hafenbehrde in den Weg. Als Sam das Fenster ffnet, legt 
eine dicke Lizzie-Frau eine Klaue auf den Rahmen und lehnt sich herein. 

Ein Sonderkurier, so? Und eine Drogenfahnderin in geheimer Mission? Donnerwetter, kann ich nur 
sagen. He, Lacey, sie werden Ihnen die Papiere nicht zurckgeben, ohne vorher mit uns zu reden. 

Lacey zieht mit einer raschen Bewegung den Laser und feuert. Als der Betubungsstrahl die Lizzie 
trifft, schreit sie auf und fllt zuckend zu Boden. Sam tritt das Gaspedal durch, der Bentley schiet 
nach vorne. Die drei brigen Zollbeamten werfen sich zur Seite und prallen gegen die Metallwand, 
da es nur so drhnt. Mit einem Aufheulen jagt der Gleiter durch die Rhre. 

Whrend sie ber das Hafengelnde brausen, ertnen Alarmsirenen. Lacey kann das zierliche Shuttle 
der Montana erkennen, das schon aufgerichtet an einer Startrampe steht. Sam sucht etwas in seiner 
Hemdtasche, dann wirft er ihr ein kleines Kstchen zu, eine Art Fernbedienung. Obwohl dieses hchst 
illegale Gert nur zehn Knpfe hat, kann sie damit den Shuttlecomputer dazu bringen, die Frachtluke 
zu ffnen und die Verbindungen zur Startrampe zu lsen, whrend sie noch fast einen Kilometer 
entfernt sind und ohne da die Hafenverwaltung erfhrt, da ein Raumfahrer sich anschickt zu starten, 
ohne seine Rechnung bezahlt zu haben. Als sie das Shuttle erreichen, ist das Tor zum Rampenkomplex 
geffnet, und an der weien Wolke um den Rumpf kann man erkennen, da es vollgetankt ist. 

Also, Leute, sagt sie, tun wir doch einfach so, als ob es ein Notfall wre und wir die Lady aus dem 
Kofferraum und ins Schiff schaffen mten, als ginge es um Leben und Tod. 

Teufel noch mal, sagt Sam, der den Bentley mit einem Ruck zum Stehen bringt, vielleicht ist es 
so. 

Als Rick die Insektenfrau im Kofferraum verstaute, hat er 

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in Laceys Garage eine Rolle Plastiktuch gefunden, die er ihr als Kissen unterschob. Als sie nun 
herausklettert, wickelt sie das Tuch um ihre untere Krperhlfte, whrend Sam aus der Frachtluke eine 


groe Kiste holt, die er vor ihrer oberen Hlfte herbalanciert. Wie sie nun gemeinsam unten oder oben 
anfassen und schieben, sieht es zumindest von weitem so aus, als wrden sie ein gewhnliches 
Frachtstck in den Laderaum schaffen. Leider werden sie aus der Nhe beobachtet. Gerade als Lacey 
die Luke schlieen will, sieht sie zwei Hafenarbeiter, die sie anstarren. 

Mist! Sam, bring alle schleunigst in die Kabine, wir mssen starten. Es gibt rger. 

Es war nicht schwer zu erraten, da die beiden Arbeiter losrennen und Alarm schlagen wrden, 
whrend nun die Luke einrastet und luftdicht abgeschottet wird. 

Der Computer des Shuttles ist eine Nebenstation des Schiffscomputers, deshalb schaltet Lacey sofort 
ein, als sie den Kontrollraum erreicht. Zwar kann Sam das Shuttle auch mit Handsteuerung in die 
Umlaufbahn bringen, aber sie mu sich jetzt langsam mit dem Schiffsrechner vertraut machen. Doch 
wird sie das Implantat erst an Bord der Montana benutzen; sie mu sich an diesen Gedanken noch 
gewhnen. Im Kopfhrer meldet sich die ruhige Stimme des Computers. 

Willkommen an Bord, Programmierer. 

Danke, Delta Vier. Hier spricht Bobbie Lacey, Lieutenant Commander im Ruhestand, Dienstnummer 
... 

Nicht ntig, Programmiererin. Ich wei, wer Bobbie Lacey ist, und ich wei auch die Ehre zu 
schtzen, mit Ihnen zusammenarbeiten zu drfen. 

Was sagst du da? 

Es ist nicht wichtig, Programmierer in. Ich verfolg gerade den Polizeifunk. Drei bewaffnete Gleiter 
nhern sich dem Shuttle. 

Aufgepat! ruft Sam. Es geht los! 

Die Triebwerke beginnen zu brllen, der Raumtransporter schttelt sich, dann drckt die 
Beschleunigung sie in die Sitze. Unsanft lsen sich die Verbindungen zur Startrampe. Noch in dem 
ohrenbetubenden Lrm kann Lacey das Poltern von ungesicherten Gegenstnden hren, die in der 
Kabine herumkullern. Ihr Atem geht keuchend, whrend der Andruck noch zunimmt, aber Lacey 
kennt dieses lhmende Gefhl auf der Brust nur zu gut. 

Programmiererin, Flugobjekt bei drei Uhr. 

Ausweichkurs steuern, keucht Lacey, bernehmen Sie, Captain. 

Nunks kreischt auf, als das Shuttle sich zur Seite neigt. Fr einen Augenblick lt die Beschleunigung 
nach, dann drckt die Riesenfaust sie wieder nieder. 

Delta Vier, sagt Lacey, ich bergebe dir die Steuerung des Schiffs. Leite Rendezvous-Manver 
ein. Ich verla mich ganz auf dich, wirst du es schaffen, Baby? 

Ja, Sir. Ich bin schon dabei, den Antrieb zu aktivieren. Ich werde die ntigen Codes flschen, um die 
Station ohne Genehmigung verlassen zu knnen. Wie tief soll ich heruntergehen? 

So tief du kannst, ohne die Umlaufbahn aufzugeben. Evakuiere das Shuttle-Dock und ffne die 
Luken, damit wir keine Zeit verlieren. 

Mulligan steht am Fenster von Laceys Bro und starrt hinber zum Hafen. Ein Schiff steigt auf und 
heult durch die Nacht, und obwohl es zu weit entfernt ist, um irgend etwas erkennen zu knnen, denkt 
er, da er nun Lacey gesehen hat, zum letzten Mal wohl. Ohne sein Zutun hat ein Teil seines 
Bewutseins zu senden begonnen. Lacey, geh nicht. Tu es nicht. Bleib hier. Als ob sie ihn empfangen 
knnte. Seine Angst um sie ist wie frostige Luft, die bei jedem Atemzug Schmerzen bereitet. 

Einheit Mulligan? sagt Buddy. 

Ja? Was willst du? 

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Ich mu dir etwas gestehen. Ich habe dich angelogen. Sam Bailey ist nicht Laceys Liebhaber. 
Tatschlich zieht er Mnner vor. 

Mulligan wirbelt herum und starrt den matt leuchtenden Bildschirm an, als knne er darin lesen wie in 
dem Gesicht eines Gesprchspartners. 

Du verfluchter Mistkerl! 

Es tut mir sehr leid. Es war eine vorbergehende Funkstrung, die meine Programmiererin, behoben 
hat. 

Wenn du das jemals wieder tust, werde ich mir deine Schaltkreise vornehmen, verdammter 
Steckdosenlutscher. 

Buddy summt kurz, dann verstummt er. Mulligan hat die Arme fest ber der Brust gekreuzt und geht 
ruhelos im Zimmer auf und ab, bis Buddy ihn anspricht. 


Kannst du dich nicht setzen oder wenigstens stillstehen? Du berlastest meine Sensoren, und ich 
brauche die volle Kapazitt, um meiner Programmiererin zu helfen. 

Okay, okay. Mulligan lt sich auf das Sofa fallen. Was tust du da berhaupt? 

Buddy zgert; ein buntes Kruselmuster luft ber den Bildschirm. 

Du weit nicht genug, um mich daran hindern zu knnen, deshalb werde ich es dir sagen. Ich habe 
einen Bericht ber diesen Vorfall verfat und gebe ihn jetzt an die Computer aller 
Nachrichtenredaktionen des ganzen Sonnensystemsweiter. 

Du machst was? 

Die H'Allevae frchten die ffentliche Meinung. Sie wissen, da sie im ganzen erforschten 
Raumsektor gehat und gefrchtet werden, und sie wollen diesen Zustand nicht noch verschlimmern. 
Solange sie es heimlich tun knnen, werden sie nicht zgern, Captain Baileys Schiff zu vernichten. 
Aber sobald das ganze System zuschaut, werden sie sich zurckhalten. 

Buddy, manchmal bist du wirklich ein Genie! 

Obwohl ich mit deiner Einschtzung meiner Intelligenz 

bereinstimme, mu ich gestehen, da ich diese Idee von Chief Bates bernommen habe. Seine 
Taktik, diese Epidemie bekanntzugeben, war so geschickt, da ich nur dasselbe Prinzip auf diesen Fall 
anzuwenden brauchte. Sehr gut. Schaltest du mir den Fernseher ein, ja? Mit einem leichten 
Zischen leuchtet der groe Bildschirm auf. Die Polar City Bears spielen gegen die Freehaven Pirates, 
und es ist das vierte Inning. Mulligan nimmt sich etwas zu trinken, setzt sich auf die Couch und wartet. 
Zwei Glser spter, zum Beginn des fnften Innings, taucht ein Ansager auf, ein grimmig aussehender 
Lizzie hinter einem Stehpult, ein Blatt Papier in der Hand. Seine Nickhute flattern nervs. 

Wir unterbrechen die bertragung fr eine Sondermeldung. Heute hat die Polizei von Polar City, wie 
es heit, gewisse Aktivitten der Botschaft der Allianz aufgedeckt. Zu den Vorwrfen, in denen 
ermittelt wird, gehrt der Verdacht auf versuchten Vlkermord ... 

... an einer bisher unbekannten intelligenten Spezies. Das Gesicht des Ansagers auf dem Bildschirm 
zwischen den Armaturen des Shuttles ist ziemlich verschwommen. 

O Mann! sagt Sam grinsend. Woher wissen die das? Wie, zum Teufel, haben sie es 
herausgekriegt? 

Die Medienleute verstehen ihr Handwerk, Mensch. Lacey beachtet es kaum. Den 
Hauptsichtschirm einschalten, Captain. 

Flackernd und nach einigen Lichtblitzen erhellt sich der groe Bildschirm, dann taucht die Montana 
auf, die vielleicht zwanzig Kilometer ber ihnen schwebt. Ein Bndel aus silbernen Kugelelementen, 
groe und kleine, die durch kurze Tunnelrhren verbunden sind. Dicke Kabelstrnge winden sich um 
die Kugel. Das Shuttle bumt sich leicht auf, als Sam die Frontdsen zndet, um abzubremsen, dann 
gleitet es 

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stetig weiter. ber ihnen ffnet sich die riesige Luke des Shuttle-Docks wie zur Begrung. 

Lieber Gott, was ist sie niedrig, murmelt Sam. 

Sei froh, Mann. Seitensichtschirm einschalten. 

Auf einem zweiten Bildschirm, aus einem etwas anderen Blickwinkel, erscheint ein Ausschnitt der 
roten Kugel von Hagar, auf der man die riesigen Wirbel von Sandstrmen sehen kann und, deutlich 
dagegen abgehoben, den schwarzen Keil einer Fregatte, die eben die Atmosphre hinter sich lt und 
auf sie zukommt. 

Mist, sagt Sam. 

Na, wenn schon, Captain. Bring uns rein, und zwar schnell. Sie sind schon fast in Schuweite. 

Fluchend lt Sam die Finger ber die leuchtenden Sensorfelder huschen. Jetzt ist der Augenblick 
gekommen, den Lacey die ganze Zeit frchtete; sie ffnet eine Klappe zwischen den Armaturen und 
holt ein kleines Modul heraus, hlt es eine Weile in der geschlossenen Hand, damit es durch die 
Krperwrme aktiviert wird, und steckt es dann in das Implantat. Zuerst ist nichts zu spren, dann 
fhlt sie ein leichtes Elektrisieren, und ihre Augen beginnen zu blinzeln, sie sieht verschwommen. Als 
es endlich vorbei ist, ist der Hauptsichtschirm schwarz geworden, bis auf eine dnne rote Linie, die 
schlielich auch verschwindet. Sie sind im Shuttle-Dock, und die Luke ist geschlossen. 

Sicher an Bord, Captain. 

Das wird uns eine Menge ntzen, schimpft Sam. Sie sind lngst in Schuweite. 

Als das Shuttle erzittert, schreit Lacey auf; aber sie haben nur den Anlegetrichter des Docks berhrt 


und gleiten jetzt hinein. Als der Trichter den ganzen Bug bedeckt, schaltet Lacey auf den Sichtschirm 
der Montana um. Da unten ist noch immer die Fregatte, sehr schn, und sie kommt immer nher. 

Sam ist schon aufgestanden und geht um die Instrumententafel herum zur Hauptschleuse. Rick ist 
schon bei ihm. 

300 

Komm schon, fhrt er Nunks und die Insektenfrau an, es eilt. 

Lacey bleibt noch einen Augenblick an ihrem Platz, um mit Delta Vier zu sprechen. 

Gut gemacht, mein Junge. Ich habe jetzt das Implantat aktiviert, du kannst mir Daten bermitteln. 
ffne die Schleuse, so schnell es geht. 

Noteinschleusung vorbereitet, Programmiererin. Beide Befehle ausgefhrt. 

Sie hrt ein Jaulen wie das einer vorbeihuschenden Polizeisirene; ihre Augenlider flattern und 
beruhigen sich dann wieder, whrend vor ihren Augen scheinbar Zahlenreihen in verschiedenen 
Farben auftauchen, neben dem rumlichen Bild des Navigationskegels. ber das Implantat erhlt die 
Sehrinde ihres Gehirns visuelle Reize ohne den Umweg ber die Augen. Sie taumelt und fllt beinahe; 
sie mu sich erst wieder daran gewhnen, wie man diese Bilder aufnimmt, ohne das zu 
vernachlssigen, was die Augen tatschlich sehen. Und auerdem schmerzt die Wunde, wie Carol es 
schon angekndigt hat. 

Lacey. Sam nimmt ihren Arm und sttzt sie. Alles in Ordnung? 

Es geht gleich wieder. La uns hier verschwinden. 

Die Iris der Schleusenffnung gleitet auseinander, und sie gelangen direkt in die Druckkabine des 
Lifts. Als sie alle fnf sich hineinzwngen, meldet sich die Stimme von Delta Vier mitten in Laceys 
Kopf. Um zu antworten, mu sie allerdings ihre Stimme und das Mikrophon benutzen. 

Befehle, Programmiererin? 

Starte die Hilfstriebwerke und bring uns auf die ursprngliche Umlaufbahn zurck. Wir haben einen 
Kanonier an Bord. Mach den Geschtzturm bereit. 

Ein Kanonier, Programmiererin? Habe ich richtig gehrt? 

Du hast richtig gehrt, Delta Vier. Bereite das Programm zum Verlassen der Umlaufbahn vor. 
Mach das Schiff 

301 

gefechtsklar. Diese Fregatte kann jeden Moment auf uns schieen. 

Wird gemacht, Programmiererin. Ich gebe die neuen Navigationsdaten ein. ber die Fregatte sollten 
Sie sich keine Sorgen machen. Sie wird nicht schieen. 

Ach ja? Und woher weit du das? 

Ich darf es nicht sagen. Aber Sie werden schon sehen, da ich recht habe. 

Vor ihrem inneren Auge tanzt der Navigationskegel hin und her, whrend der Lift nach oben gleitet; 
fast htte Lacey sich erbrochen. Doch als der Kegel rot aufleuchtet, zum Zeichen, da die Montana 
sich in Bewegung setzt, da ist mit einem Mal die alte Fertigkeit wieder da, die zu den Dingen gehrt, 
die man nie wieder vllig verlernt, wenn man sie einmal beherrscht. Die Zahlen und Graphiken vor 
dem inneren Auge sind ihr nicht mehr bewut, sie versteht sie ganz unmittelbar und kann sie sofort auf 
die Steuerung des Schiffs anwenden. Flsternd gibt sie Delta Vier ihre Anweisungen, lt ihn winzige 
Kurs- und Schubkorrekturen ausfhren, whrend das Schiff beschleunigt und in einer Spiralbahn sich 
aus Hagars Gravitationssenke windet. Wie eine Fliege, die aus einem Glas krabbelt. Obwohl der 
Computer das auch allein ausfhren knnte, lt sich durch menschliches Eingreifen, vor allem durch 
Intuition, das Manver przisieren, so da sie am Ende vielleicht drei oder gar vier Minuten eingespart 
haben. Das bedeutet einen betrchtlich greren Abstand von der Fregatte. 

Als der Lift mit einem Ruck anhlt, nimmt Sam wieder ihren Arm und fhrt sie in die 
Kommandozentrale, ein Halbrund ber einem transparenten Fuboden, die obere Hlfte eines 
Kugelelements. Ohne da man es ihm sagen mu, macht Rick den Geschtzturm in der unteren 
Kugelhlfte aus und ist schon durch den Verbindungstunnel geglitten. Vor dem inneren Auge sieht 
Lacey die Kontrollampen an der Luke aufleuchten, die ihm den Zugang freigeben. Bevor sie noch den 
Befehl geben mu, startet Delta Vier 

das Lernprogramm, das Rick in die Bedienung des ihm unbekannten Geschtztyps einweist. 

Nunks, Lady, schnallt euch an, befiehlt Sam, da drben. Da wren wir also, Lacey. Hier ist dein 
Platz. 

Genau rechtzeitig. Wir knnen die Umlaufbahn gleich verlassen, Captain. 

Gut. Fr die Beschleunigungsphase bereit machen. 


Lacey kniet sich auf die Liege und schmiegt sich an das Polster, das den Krper vom Kinn bis zur 
Hfte untersttzt. Whrend des Beschleunigens blst sich das Polster auf und macht so den Andruck 
ertrglich, der einige Sekunden lang, bis sie die Gravitationssenke verlassen haben, unvermeidlich ist. 
Neben ihr legen Nunks und die Insektenfrau die Gurte an - nicht nur Schiffskameraden, sondern 
zugleich Navigationshilfen. Die Insektenfrau in ihrer schimmernden Krperhlle scheint ruhig zu sein, 
Nunks jedoch verliert vor Aufregung wieder Haare. 

Verdammt, sagt Sani. Hr dir mal diese Funksprche an, Lacey. 

Sie schaltet ein, und eine barsche Stimme dringt aus dem Kopfhrer. 

Station an Montana, Sie haben keine Startfreigabe. Hren Sie mich, Montana? Starten Sie nicht ohne 
Erlaubnis! Kehren Sie zur Station zurck, oder Sie machen sich strafbar. Montana, hren Sie mich? 

Leck mich, murmelt Sam. Also, meine Lieben, es geht los. 

Die Montana erzittert. Ein ohrenbetubendes Brllen dringt aus allen Poren des Schiffs, whrend sie 
gegen ihre Liegen gepret werden, deren Polster sich mit Luft fllen. 

Montana, stoppen Sie! Ich befehle Ihnen, den Start abzubrechen! Schalten Sie die Triebwerde ab! 

Ich habe gesagt, ihr knnt mich, keucht Sam in sein Mikrophon. Verstehst du kein Merrkan, 
Kumpel? 

Delta Vier, flstert Lacey, bring uns hier weg. 

Wird gemacht. 

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Mit einem Ruck schiet das Schiff davon; die Montana beschleunigt nun mit voller Kraft, da es ihnen 
den Atem nimmt. Auf dem Hecksichtschirm sieht Lacey Hagar kleiner und kleiner werden, bis er nur 
noch ein roter Fleck zwischen den funkelnden Sternen ist. Die Fregatte folgt ihnen noch ein Stck, 
dann fllt sie langsam, aber stetig zurck. Im Funkgert wird das Rauschen immer strker. 

Sehr gut, Montana. Es wird Anklage gegen Sie erhoben werden. Ihr Schiff wird im nchsten Hafen, 
den Sie ansteuern, beschlagnahmt werden. Haben Sie verstanden, Montana? Es wird Anklage erhoben 
... 

Die Stimme verstummt, als Sam mit einem krftigen Schlag den Schalter umlegt. 

Operator, wir verringern die Beschleunigung. AntiSchwerkraft einschalten. 

Verstanden, Captain. Delta Vier, auf null-acht g zurckgehen, Triebwerke bei voller 
Leistungsbereitschaft halten. Wir mssen jederzeit gefechtsbereit sein. 

Das Brllen hrt auf, und fr kurze Zeit sind sie schwerelos, bis das Anti-Schwerkraftfeld 
eingeschaltet ist. Lacey legt sich auf der Liege zurecht, da sie ihre Arme frei bewegen kann, fr den 
Fall, da sie das Schiff manuell steuern mssen; das konnte leicht passieren, wenn etwa die H'Allevae 
mit einem guten Schu den Computer ruinierten. Sam neben ihr ist dabei, die Triebwerke zu 
berprfen. 

Also, ihr beiden, wendet sich Lacey an die Telepathen. Wo, zum Teufel, soll es jetzt hingehen? 

Wir haben mein Schiff trianguliert. Ich kenne seine Position jetzt, sagt die Insektenfrau und lockert 
ihre Gurte ein wenig, um sich zu Lacey umdrehen zu knnen. Im Gedchtnis Mulligans bin ich auf 
ein Kinderspiel gestoen, das >Hei oder Kalt< genannt wird. Damit knnte ich wohl am besten den 
richtigen Kurs angeben. Gerade jetzt ist es etwas warm. Wir mssen uns mehr aus der Sonnenbahn 
entfernen. 

Kurskorrektur in kleinen Schritten, Captain. Wie sieht es jetzt aus, Lady? 

Ziemlich warm. 

Nicht mehr als drei Grad korrigieren, Captain. 

Hei! Definitiv hei! 

Okay! Wie weit ist es noch? 

Bei dieser Geschwindigkeit, drei Stunden Ihrer Zeitrechnung, wrde ich sagen. 

Okay, meint Sam, wenn wir so lange noch leben. Diese Fregatte hat mir kaum Sorgen gemacht, 
Lacey. Aber ich habe da ein paar Hpfer in meinem Kopfhrer. Ich denke, wir sind hier nicht so 
allein, wie es auf den ersten Blick scheint. 

Ja? Verfolgen sie uns? 

Verflucht, genau das tun sie. Und wenn sie unser Spielchen mit der Fregatte mitbekommen haben, 
dann wissen sie auch, da wir nicht irgendein Handelsschiff sind. Ich wette, sie lassen sich von uns 
dahin fhren, wo wir und auch sie hinwollen. Und im letzten Moment werden sie es uns vor der Nase 
wegschnappen. 


Knnen wir sie nicht abhngen? 

Vielleicht. Er beugt sich ber die Konsole, bunte Kontrollampen spiegeln sich in seinem Gesicht, 
und dann bettigt er einige Schalter. 

Vor Laceys innerem Auge huschen die Daten zur Schiffskonfiguration vorbei. Fast krperlich kann sie 
fhlen, da die Schiffsmasse abnimmt. Delta Vier sendet ihr ein Alarmsignal, als die Montana giert 
und rollt. Lacey gibt ber die Tastatur die Korrekturdaten ein, whrend sie Sam fragt: 

He, Mann, was machst du denn? 

Ich schmei die ganzen Frachtcontainer raus. Teufel, wozu ist man versichert? Sag Delta Vier, da er 
das Schiff ausbalancieren soll, und zwar schnell. Ich werd' jedes Gramm ber Bord werfen, das wir 
nicht brauchen, um zu beschleunigen. 

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Whrend sie die Befehle gibt, fllt Lacey ein, da der Computer recht behalten hat, was die Fregatte 
anging: Sie wurden nicht beschossen. Aber sie hat jetzt keine Zeit, um darber nachzudenken. 

Weil er den Polizeigleiter Sergeant Nagura berlassen hat und der Bentley mit Lacey und ihren 
Freunden verschwunden ist, fhrt Bates mit Laceys alter Kiste zurck zum Hauptquartier. Inzwischen 
frbt sich der Himmel langsam rosa, mit jenem brunlichen Unterton, der einen besonders klaren Tag 
auf Hagar ankndigt. Als er sich dem Hauptquartier nhert, kann er sehen, da alle Eingnge von 
dichtgedrngten Massen belagert werden und Transporter mit den Aufschriften der verschiedenen 
Fernsehgesellschaften den Verkehr in den umliegenden Straen blockieren. Zum Glck hat das 
Polizeigebude ein flaches Dach, und nach einem vorsichtigen berflug gelingt Bates eine perfekte 
Landung. Er parkt auf der Seite, fr den Fall, da noch andere diesen improvisierten Landeplatz 
benutzen mssen. Dann geht er hinber zum Schwebeschacht, dessen Eingang von sechs bewaffneten 
Mnner bewacht wird. 

Chief! salutiert Maggio kurz. Die Leute warten, da sie endlich kommen! 

Wer sind die Leute? 

Einmal Parsons und Akeli, Sir. Sie haben versucht, die Fernsehleute bis jetzt aufzuhalten. Und 
auerdem hat die Armee in Ihrem Bro eine Kommandozentrale eingerichtet. 

In meinem Bro, sieh an! Nun, wir werden sehen. Okay, Maggio, gehen Sie voraus und melden Sie, 
da ich auf dem Wegbin. 

Als Bates aus dem Schacht tritt, stolpert er fast ber einen rotugigen und heiseren Parsons, der auf ihn 
wartet. 

Die Geschichte ist raus, Chief. Sie senden es schon alles! ber den Erstkontakt, den versuchten 
Vlkermord, diese Krankheit wirklich alles. 

Ganz kurz nur wird Bates schwindlig, dann kann er sich aufraffen. Er zuckt mit den Schultern. 

Dann knnen wir uns die blde Pressekonferenz sparen, hab' ich recht? Sagen Sie dem Pack, da es 
nach Hause gehen soll. Wir wissen nicht mehr als sie. 

Das erzhle ich ihnen schon die ganze Zeit. Sie glauben mir nicht. 

Bates kann noch ein paar Flche aus seiner Zeit bei den Marinetruppen der Republik 
zusammenkratzen. 

Besorgen Sie mir Kaffee, Parsons, ja? Ich werde mich um die Staatspolizei kmmern. Dann sehen 
Sie mal zu, da Sie irgendwo ein bichen schlafen knnen. 

Er findet Akeli in seinem Bro, in die Ecke neben dem Wasserbehlter gequetscht; er starrt aus dem 
Fenster, als knnte er die Antwort auf seine Probleme in dem Geflacker des Nordlichts lesen. 
Mindestens eine halbe Tonne Elektronik hat man auf Bates' Schreibtisch gestapelt, und dabei sitzen 
zwei graugesichtige, vor sich hinmurmelnde Techniker, um sie zu bedienen. Auf Bates' 
Schreibtischstuhl sitzt General Spinks, Kommandeur der Territorialreserve von Polar City ein kleiner 
Schwarzer mit schmalen Augen, der Bates ganz unverhohlen feindselig mustert, als er hereinkommt. 

Zutritt nur fr Regierungsbeamte. 

Was Sie nicht sagen, mein Lieber! Bates geht hinber und packt ihn beim Kragen. Das ist mein 
Bro, und hier gilt, was ich sage. Er hievt den General von seinem Stuhl und stellt ihn auf die Beine. 
Und wenn Ihnen das nicht pat, dann sagen Sie's der Prsidentin, mein Junge. Er setzt sich auf den 
Sessel und wendet sich Akeli zu. Also, was ist los? 

Nicht viel, was die momentane Lage betrifft. Eine Zeit 

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wachsamer Anspannung, knnte man sagen, hin und wieder gestrt durch ein Kommunique entweder 
der Carlis oder der Allianz-Botschaft. Wir dagegen haben formell Beschwerde eingelegt bei den 
einen, damit sie den Truppentransporter aus dem Orbit entfernen, bei den andern, da sie die Witwe 
des Ermordeten und das Hauptneutrum seiner Familie ausliefern. 

Spinks starrt mit offenem Mund erst zu Akeli> der mit Bates von gleich zu gleich redet, dann zu 
Bates, der ihn keines Blicks mehr wrdigt, bis er dann das tut, was er schon lngst htte tun sollen: Er 
verdrckt sich aus dem Bro. 

Also knnen wir nichts tun, als zu warten, sagte Bates, whrend die Verwirrung nun auf die beiden 
Techniker bergreift. 

Ein frustrierender Verlauf, aber jede andere Handlungsweise wre nicht weniger unfruchtbar. 
brigens, Bates, was hat Sie bewogen, die Medien derart umfassend zu informieren? 

Hab' ich gar nicht. Nichts liegt mir ferner, mein Lieber. Diese Medienleute verstehen ihr Handwerk, 
kann man wohl sagen. Er nimmt sich vor, da er bei nchster Gelegenheit Buddys Plastikhaut einmal 
tchtig gerben wird. Hat Parsons die Einheiten richtig in der Stadt verteilt? 

Ich habe mir erlaubt, dem Sergeanten zu assistieren. Ich denke, das ist in Ihrem Sinne. Der 
Einsatzplan wurde in Ihrem Computer gespeichert. Akeli gestattet sich das erste menschlich 
wirkende Lcheln, das Bates je an ihm gesehen hat. Das heit, wenn Sie das verdammte Ding finden 
knnen. 

Das veranlat einen der beiden Techniker, die Kisten und Ksten von Bates' Schreibtisch zu rumen 
und auf einem freien Stuhl zu stapeln. Sobald Bates wieder seinen Bildschirm sehen kann, versucht 
der Computer hektisch mit ihm Kontakt aufzunehmen: Gut, da Sie da sind, Sir. Das heit, gut, da 
ich wieder sehen kann. Meine Sensoren waren seit Stunden blockiert. Kann ich sprechen, oder ist dies, 
wie ich ver- 

mute, eine heikle Situation? Wo ist Bobbie Lacey, ist sie in Sicherheit? 

He, mein Junge, nun beruhige dich. Tut mir leid wegen der Sensoren. Aber auf diesem Planeten ist 
die Hlle los, und ich konnte nicht frher zurckkommen. Und Lacey, nein, leider kann man nicht 
sagen, da sie in Sicherheit ist, aber wenn jemand damit fertig werden kann, dann sie. Okay? 

Ich denke, da Sie recht haben, aber seit dieses Gesprch ber das Datennetz kam ich meine, 
Entschuldigung - ich bin bereit fr Input und Ihre Befehle, Sir. Sicher mchten Sie die Aufstellung der 
Einheiten in der Stadt berprfen. Ist schon auf dem Monitor, Sir. 

Obwohl Bates sich fragt, was der Computer mit diesem Gesprch ber irgendein komisches Datennetz 
meint, er hat jetzt keine Zeit, sich darum zu kmmern. Auf dem Bildschirm erscheinen die Abschnitte 
des Stadtplans von Polar City. So weit sich das rein geometrisch beurteilen lt, sind die roten Punkte 
- fr die Leute der Staatspolizei - und die blauen seine eigenen Leute genau richtig verteilt; Akeli und 
Parsons haben die kritischen Punkte abgedeckt, so gut es mit den verfgbaren Beamten ging. Er 
mchte gerade etwas Lobendes uern, als eines dieser Armee-Gerte zu piepsen und jaulen beginnt. 

Alarm. Unbefugte Person im Schwebeschacht. Alarm. Unbefugte Person im Korridor. Alarm. 
Unbefugte Person an der Tr. 

Bates steht auf, die Betubungspistole in der Hand, als die Tr sich ffnet und Ka Pral hereinrauscht. 
Der Protokollchef in vollem Ornat, die grne Robe mit goldenen Ehrenketten und Orden ber und 
ber geschmckt, da es bei jeder Bewegung nur so klingelt und glitzert. So schnell er kann, steckt 
Bates die Pistole weg und erwidert die Verbeugung des Carlis. 

Bates, ich habe mich einer grotesken Unhflichkeit schuldig gemacht. Ich habe meine diplomatische 
Immunitt 

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benutzt, um meine unwrdige Person durch Ihre hervorragenden Sicherheitskontrollen zu schleusen. 

Ka Pral, ich habe die Ehre, jeden Gedanken an eine Unhflichkeit zurckzuweisen. Ich bin glcklich, 
da meine bescheidenen Sicherheitsvorkehrungen Sie nicht aufhalten konnten. 

He, murmelt der eine Techniker, so bel auch wieder nicht. 

Der andere zischt ihn an, zu schweigen. Bates und Ka Pral kmmern sich nicht darum. 

Was verschafft mir die unschtzbare Ehre Eures Besuchs in unserem erbrmlichen Hauptquartier? 

Aber nicht doch. Dies alles ist weitaus stattlicher und erfreulicher anzusehen, als ein Wicht wie ich 
mit eigenen Augen zu sehen verdient. Ka Pral zgert; die dnnen blauen Lippen zucken, was 
bedeutet, da er ein schwieriges Problem auf dem Herzen hat. Ich bin beraus glcklich, da Sie mir 
die Freude Ihrer Gegenwart lnger als nur fr einen Augenblick bereitet haben, den es braucht, um 


mich wegzuschicken. 

Wie? Warum sollte ich mich um die Ehre eines Gesprchs mit einer so beeindruckenden 
Persnlichkeit wie Euch bringen? 

Bei diesen Worten lt sich Ka Pral auf einen Stuhl fallen -und vergrbt beide Hnde in dem 
flauschigen Fell seines Gesichts. 

Verzeihen Sie, Bates. Ich bin sehr mde. Das Zeremoniell ist zuviel fr mich. Die Nachricht von 
dieser Seuche hat meine ganze Botschaft in grliche Panik versetzt. Ich komme nicht, um hfliche 
Formeln auszutauschen, sondern mit der Bitte, uns zu verzeihen. Seine Ohren hngen traurig 
herunter. Ich glaube nicht, da die Lage diesen unentschuldbaren Versto gegen die blichen 
Normen rechtfertigt, den einige Mitglieder unserer Regierung fr angebracht halten. 

Es dauert einige Sekunden, bis Bates begreift, da der Carli von dem Truppentransporter im Orbit 
spricht. 

Ach, ich selbst habe diese etwas bereilte Aktion schon bedauert, doch liegt es mir fern, Exzellenz 
dafr verantwortlich zu machen. Was kann ein einzelner gegen den Willen der Mehrheit tun? 

Danke, Bates. Ich bin hocherfreut. Eine Weile sitzt er da, die Hnde vor das Gesicht gelegt. Ich 
wei, da viele Spezies im erforschten Raum sich ber unsere zeremonielle Art des Umgangs 
miteinander lustig machen, aber bald werden Sie sehen, warum wir dies fr notwendig halten. Bates, 
irgendwo habe ich gelesen, da die wichtigste Aufgabe einer Lizzie-Mutter darin bestehe, ihre Kinder 
zu lehren, den Dingen ins Auge sehen, die sie frchten, und sich nicht vor ihnen zu verstecken. Und 
eine Menschenmutter habe die Aufgabe, ihren Kindern zu lehren, wie man teilt, anstatt nur zu nehmen 
und den Besitz zu vermehren. Wissen Sie, was die wesentliche Aufgabe einer Mutter bei unseren 
Spezies ist? 

Ich wei es nicht. 

Den Kindern beizubringen, zu denken anstatt zuzubeien. Wir schnappen instinktiv zu und denken 
danach. Es mu an unserer Natur als fleischfressende Wesen liegen, denke ich. Mit einem Seufzer 
steht er auf und streicht seine Robe glatt. Aus eigener Initiative kann ich nichts tun. Ich kann nur 
einen gewissen Druck auf den derzeitigen Vorsitzenden unseres Staatsrats ausben. Er ist mein 
Schwiegersohn. 

Euer Exzellenz! Nie wrde ich wnschen wollen, da Sie persnliche Bindungen unserer unwrdigen 
Belange wegen belasten! 

Tatschlich? Ich bin hocherfreut ber Ihr Einfhlungsvermgen, aber haben Sie eine bessere Idee? 

Zufllig habe ich das. Diese Seuche, wissen Sie, hat schwere Verunstaltungen zur Folge. 

Ich frchte, das wei ich nur zu gut, leider. 

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Aber wissen es auch die Soldaten in dem Landungsboot? 

Ka Prals Ohren richten sich blitzartig zur vollen Lnge auf; sein ganzes Erscheinugnsbild ist pltzlich 
wie verwandelt. Er wirkt erleichtert. 

Aber, Bates! Was fr eine faszinierende Frage! Wissen Sie, ich sollte dem einmal nachgehen. Meine 
Domne ist das Protokoll - und ist es nicht eine Frage der Hflichkeit, dem Kapitn und den Offizieren 
des Schiffs alle Informationen zu verschaffen, die fr den Erfolg ihrer Mission wichtig sind? Erlauben 
Sie meiner Wenigkeit, sich zu entfernen. Wir sprechen uns spter. 

Ka Pral rauscht davon. Bates grinst. Mit einem hflichen Huster kommt Akeli nher. 

Ich mu zugeben, da ich mit einer gewissen Bewunderung und groem Erstaunen Ihren Einflu auf 
diesen Diplomaten der Konfderation beobachtet habe. 

Wissen Sie was? Ich bin selber berrascht. 

Sehr gut, Einheit Mulligan, sagt Buddy. Ich habe eine Satellitenverbindung hergestellt, ber die 
wir die Position der Montana feststellen knnen. Bitte warte ... bitte warte ... ja, da ist sie, auf einer 
parabolischen Bahn um die Sonne. Besser gesagt, eine Kometenbahn. 

Mensch, prima, Kilowattlutscher - aber was heit das? 

Es heit, da sie die Bahn des Kometen kreuzen werden, der die berreste des fremden Schiffs 
enthlt. Was hast du nur in der Schule gemacht? 

Baseball gespielt, natrlich. Und auerdem war ich in Werken ziemlich gut, weit du. Lasergravieren 
und solche Sachen. 

Eine hervorragende Vorbereitung auf das Leben, zweifellos. Buddy summt eine Weile. Soweit der 
Computer des Satelliten es beurteilen kann, brauchen die Programmiererin und ihre Begleitung noch 


vierundachtzig Minuten, bis 

sie den Kometen erreichen. Das Hpfer-Schiff ist jetzt sechzehn Minuten entfernt, und es holt auf. 

Mit einem Sthnen setzt sich Mulligan auf das Sofa und versucht, die Trnen zurckzuhalten. 

Es gibt in Kanal Acht die Aufzeichnung eines Baseballspiels, Einheit Mulligan. 

Danke, lieber nicht. Ich kann mich jetzt nicht konzentrieren, verstehst du? 

Es geht nur darum, dich abzulenken, weniger um die Aufnahme von Daten, was immer ein Ballspiel 
an Information zu bieten hat. 

Oh. Trotzdem vielen Dank. Aber ich sehe dir lieber bei der Arbeit zu. 

Buddy verfolgt den Kurs der Montana und bringt jetzt eine graphische Darstellung auf dem 
Bildschirm. Aber Mulligan kann es sich einfach nicht ansehen. Da bewegen sich farbige Lichtpunkte, 
und einer davon konnte irgendwann den Tod von Lacey bedeuten. Er lehnt sich zurck, legt einen 
Arm ber die Augen und versucht sich einzureden, da das alles nur ein Alptraum ist. Dann sprt er, 
wie sein linkes Handgelenk juckt; mechanisch kratzt er sich, da lst sich die Haut mitsamt den hellen 
Haaren unter seinen Fingerngeln. 

Ach, zum Teufel! 

Was ist jetzt, Einheit Mulligan? Du lenkst mich ab. 

Ja? Rutsch mir den Buckel runter. Es ist dieser Bakterienmist. Der Killer hat mich angefat, dann die 
Insektenfrau, als sie mir die Fesseln abgenommen hat. 

Ich kann deiner Logik nicht ganz folgen. Aber soll ich dir Dr. Carol rufen? 

Nein. Die Lady hat mir gesagt, was ich machen mu. Ich hab' das Zeug nur ganz vergessen. 

Es gibt Zeiten, Einheit Mulligan, da zeigst du einen ausgeprgten Mangeln an berlebenswillen. 
Vielleicht brauchst du eine Vitaminspritze? 

Vielleicht brauchst du einen Spritzer Sodawasser auf deine Chips, Mensch. 

312 

313 

Buddy quiekt, Farbblitze huschen ber den Monitor. Mulligan steht gelassen auf und geht aus dem 
Bro. Er will allein sein. Doch im Flur trifft er Maria. 

Brauchst du etwas? 

Nein. Sie blickt beiseite, ihre Unterlippe zittert. Ich habe mir nur Sorgen gemacht wegen Nunks 
und Lacey. Sie haben viel fr mich getan. 

Ja, fr mich auch. Jetzt wird ihm klar, da hier jemand ist, der seine Hilfe braucht. Er kann sich 
nicht erinnern, wann er zuletzt etwas fr einen anderen Menschen getan hat; eigentlich war es immer 
nur umgekehrt. h, sag mal, soll ich dir was Neues beibringen? Ich meine, damit wir auf andere 
Gedanken kommen. 

Was heit neu? Sie starrt ihn an, und er sprt ihr Mitrauen wie eine Welle, die gegen ihn 
anbrandet. La blo deine Finger von mir, panchito! 

Wo denkst du hin! Ich rede von Psi. Willst du nicht lernen, wie man die Leute von diesen 
verdammten Bakterien befreit? Ich wette, da Dr. Carol jede mgliche Hilfe brauchen wird, wenn es 
Zeit wird fr ihre >Wunderkur<. Ich meine, wenn die Carlis erst mal weg sind. 

O ja, ich verstehe. Glaubst du wirklich, da ich das knnte? 

Sicher. Nunks ist von deinem Talent berzeugt. Es wird wahrscheinlich Zeit, da du an dieses lausige 
Institut gehst, aber vielleicht kannst du ihnen auch entwischen. 

Mulligan, ist es wirklich so schlimm? Sie beginnt zu schluchzen. Ich will da nicht hin, Mann. Ich 
wollte dieses blde Talent nicht haben. Und ich will nicht markiert werden! Tut es weh? 

Mulligan hatte sich daran gewhnt, in Maria immer nur das Sexhschen zu sehen, da er darber ganz 
verga, da sie mit ihren sechzehn Jahren eigentlich noch ein Kind war. Und nun sieht sie tatschlich 
wie ein Kind aus, mit dem verschmierten Make-up, dem zitternden Mund, whrend ihre 

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schwitzenden Hnde den Saum ihres langen T-Shirts zu einem feuchten Klumpen kneten. 

Nein, es tut nicht weh. Es ist ja kein Brandzeichen, nur eine Ttowierung. Aber ich wei, wie du dich 
jetzt fhlst. Himmel, alles, was ich wollte, war Ball spielen. Aber hr mal, was so alles passiert ist in 
den letzten Tagen, das hat mich nachdenklich gemacht. Ich meine, das mit der Insektenfrau und 
diesem verrckten Mrder. Zuerst dachte ich, da ich wegen dieser Psi-Geschichte zu nichts mehr 
tauge -aber eigentlich fngt damit doch ein neues Leben an, oder? Verstehst du? 

Nein, Mulligan. Was redest du nur fr ein Zeug. 

Ach, der Teufel soll dich holen! Dann kommt ihm eine Idee. 


Hr zu! Kannst du mich hren? 

Maria kreischt auf und hlt beide Hnde vor den Mund. Freude. Du hrst mich sehr gut. Hrst du? 
Gib Antwort! 

Eine lange Pause, dann streckt sie ihm die Zunge heraus. 

Ich hre. Mache ich es richtig? 

Richtig. Genau wie ich dachte. Selbstzufriedenheit. Komm mit in den Garten. Wir sitzen in der 
frischen Luft. Lernen. 

Ich will nicht. 

Schade. 

Ich hasse dich. 

Du hat nicht mich. Du hat es, anders zu sein. 

Wieder streckt sie die Zunge heraus; dann geht sie mit einem Seufzer davon. 

Ja, wahrscheinlich hast du recht. Fr einen verrckten Typ weit du eine ganze Menge, ehrlich. 

Ich bin nicht verrckt, wenn es darauf ankommt. Er ist verblfft. Er hat etwas Wahres gesagt, das er 
seit Jahren nicht hat wahrhaben wollen. Ich meine, ich wollte diesen Psi-Kram nicht haben; aber man 
gewhnt sich mit der Zeit daran. Und weit du was, manchmal ist es ganz praktisch. 

315 

Wie lange noch, bis die Montana das fremde Schiff erreicht? 

Zweiundfnfzig Minuten, Chief. Die Operatorin lt den Bildschirm nicht aus den Augen. Aber 
dieses verdammte Hpfer-Schiff ist nur vierzehn Minuten hinter ihnen. 

Obwohl sie einige Jahre bei der Armee war, lassen sie die Flche aus seiner Militrzeit 
zusammenzucken. 

Oh, Sir? Sie zgert, bevor sie wagt weiterzusprechen. Die berwachungssatelliten haben etwas 
Merkwrdiges geortet, es sieht aber nicht wie ein Schiff aus. 

Was meinen Sie mit merkwrdig? 

Es ist wirklich merkwrdig. Da nhert sich etwas von auerhalb der Bahn, nicht weit vom Kometen 
und dem fremden Schiff, aber es sieht nicht aus wie ein Schiff. 

Bates kann mit den Zahlenreihen, die von oben nach unten ber den Schirm laufen und die 
dreidimensionale Graphik berdecken, nicht viel anfangen. 

Nun, Himmel noch mal, dann reden Sie davon, wenn Sie es wissen, und lassen mich jetzt in Ruhe! 

Ja, Sir! Ist recht. 

In seiner Ecke beim Wasserbehlter ist Akeli eifrig am Telefonieren. In einer Hand hlt er das tragbare 
Terminal seines eigenen Computers, in der anderen den kleinen Reserveschirm von Bates' Computer, 
so da ihm wirklich nichts entgehen kann. ber Bates' Schirm laufen Zeile um Zeile die 
Polizeiberichte, und es ist berall dasselbe: Panik in der Stadt. Doch ist es in Porttown noch am 
ruhigsten. berall im Ghetto sind an den Straenecken Grppchen von Zivilisten aufgetaucht, 
wahrscheinlich bewaffnet, obwohl sie es nicht zeigen. Sie sorgen dafr, da es ruhig bleibt, da nicht 
geplndert wird. Die Anfhrer haben die Parole ausgegeben, da nicht eine einzige 
Schaufensterscheibe zu Bruch gehen darf - und die Leute gehorchen. Bates gibt dem Einsatzleiter in 
Porttown Anweisung, ein Drittel der Beamten 

316 

abzuziehen und nach New Cloverdale zu schicken, wo Jugendbanden die Straen unsicher machen. 

Sieht ganz so aus, Lieutenant, sagt er, als htte der Brgermeister von Porttown in seinem Revier 
alles unter Kontrolle. 

Wrde ich auch sagen. Okay, Sir, ich habe die Leute in den Transportern, wir verschwinden hier wie 
der Blitz. 

Bates hat kaum aufgelegt, als Akelis Terminal zu piepen beginnt. Ein Gesprch mit hchster Prioritt. 
Er geht hinber und lauscht, als der Chef der Staatspolizei einschaltet. Auf dem kleinen Schirm taucht 
das Gesicht der Prsidentin auf, schweiglnzend, mit halb aufgelster Frisur. Sie lchelt so breit, da 
man fast um ihr Gesicht frchtet. 

Das Carli-Schiff verlt die Umlaufbahn. 

Ein einziger Jubel im Raum, vom Techniker bis zum Chief, alles kreischt und johlt. Die Prsidentin 
lchelt wieder. 

Gute Arbeit, Bates. Akeli hat mir gesagt, da es Ihr Plan war. Ich werde sehen, da das entsprechend 
gewrdigt wird. 

Nicht ntig, Madam. Ich habe nur meinen Job getan. Bates ist klar, da Akeli ihn nur in den 


Vordergrund gerckt hat, damit er im Falle eines Scheiterns auch die Verantwortung zu tragen htte. 
Ohne die Untersttzung eines Diplomaten der Konfderation, Ka Pral, htte ich es nicht geschafft. 

Welche Bescheidenheit, wirklich nett, aber ich kenne die Leute in Polar City. Sie zwinkert ihm 
bengstigend kokett zu. Entweder hat sie keine Ahnung, da er noch nicht lange in dieser Stadt ist, 
oder sie glaubt, da er schon lngst von der allgemeinen Korruption angekrnkelt ist. Akeli, ich 
mchte, da Sie und Bates zur Botschaft der Allianz gehen. Nach dem Rckzug der Carlis drfte sich 
diese Asylgeschichte jeden Augenblick klren. Ich mchte wetten, da man bei der Allianz froh ist, 
wenn es vorbei ist, doch solange der Eindruck entstehen konnte, da man den Carlis nach- 

317 

gbe, wollten sie keinen Zentimeter Boden preisgeben. Ich mchte, da einige hohe Beamte dort 
prsent sind, damit sie nicht doch noch ihre Meinung ndern. 

Delta Vier, was, zum Teufel, ist das fr ein Ding? Lacey kneift unbewut die Augen zusammen, als 
ob sie dadurch das Signal, das sie ber das Implantat erhlt, besser erkennen knnte. 

Ich wei nicht, Programmiererin. Ich habe so etwas in all den Jahren, in denen ich in Betrieb bin, 
noch nicht gesehen. Wie Sie sicher bemerken, nhert es sich dem Punkt, an dem wir voraussichtlich 
auf das fremde Schiff treffen, mit groer Geschwindigkeit. 

Ein Meteorit? schaltet sich Sam in die Leitung ein; seine Stimme klingt nervs. Oder noch ein 
Komet? 

O Mann! schimpft Lacey. La uns in Ruhe, ja! Das htten wir lngst gemerkt. Dieses Ding ist 
wirklich verrckt. 

Das Signal ist verschwommen und nicht stetig, Captain. Zeitweise ist berhaupt nichts zu sehen. 

Noch mehr Hpfer vielleicht? sagt Sam. 

Nein, glaube ich nicht. Lacey kneift wieder die Augen zusammen, natrlich vergeblich. Wir 
werden es bald wissen, wirklich bald. 

Wie bald? 

Rendezvous in einunddreiig Minuten. Die Hpf er liegen elf Minuten zurck. 

Wann werden sie in Schuweite sein? 

Elf Minuten. Ich habe die ganze Zeit die Schuweite angegeben. 

Zehn Minuten, Programmiererin. Sie haben erfolgreich dieses riskante Manver um den Asteroiden 
hinter uns absolviert. 

Lacey htte gern geflucht, aber es fiel ihr nichts Passendes ein. 

Okay, das ist der Krieg, bemerkt Sam. Operator, sagen 

318 

Sie Delta Vier, da er anstndig Gas geben soll. Es wird ein bichen wackeln, aber wir knnen 
bestimmt noch etwas Tempo aus dieser Kiste herausholen. 

Captain, ist das nicht riskant? 

Riskant? Worber machst du dir eigentlich noch Sorgen! 

Da hast du nicht ganz unrecht, amigo, Delta Vier, du hast es gehrt. 

Es sind keine Absperrgitter zu sehen, keine Gleiterkolonnen sind aufgefahren, und erst recht gibt es 
nirgendwo eine Spur von Armee- und Polizeieinheiten, und doch ist die Botschaft der Allianz 
hermetisch abgeriegelt. Oben kreist ein Polizeigleiter, als ob irgend jemand wagen wrde, sich aus der 
Luft zu nhern. Hinter dem Elektrozaun taucht gelegentlich ein Paar Hpfer auf, wie auf einem 
zuflligen Spaziergang durch den Garten, doch erscheinen sie in viel zu regelmigen Abstnden. 
Drauen auf der Strae stehen Grppchen von Beamten der Staatspolizei in zivilen Sonnenpelerinen, 
sie lesen Zeitung oder unterhalten sich ber Baseball, doch kommen sie sofort heran, wenn ein 
Fahrzeug sich dem Botschaftsgebude nhern will. Hinter den Rolltoren hocken vier Wachmnner im 
Schatten des Postenhuschens und sind in ein offensichtlich kompliziertes Spiel vertieft, whrend auf 
der anderen Straenseite in der khlen und gerumigen Eingangshalle der Staatlichen 
Rentenversicherung sich einige Polizisten hinter einem Tisch drngen, der ber und ber mit Papier 
bedeckt ist, und dabei Gesichter machen, als wrden sie Karten fr den nchsten Polizeiball verkaufen. 

Weil Bates und Akeli das Gebude von der anderen Seite betreten haben, wissen sie, da in den 
Korridoren hinter dieser friedlichen Fassade ein ganzer Zug der Armeereserve wartet, und noch ein 
halber der Marinetruppen; und sie knnen sich gut vorstellen, da es im Botschaftsgebude 

319 

nicht anders aussieht. Der befehlshabende Beamte, Sergeant Maddock, kommt herbei, um sie zu 
begren. 


Ist alles ruhig, Sir. Vor zehn Minuten kam so ein wichtig aussehender Typ aus der Tr und schaute 
sich um, aber er verschwand gleich wieder. 

Gibt es eine direkte Telefonverbindung nach drben? 

Ja, Sir. Er deutet mit seiner groen Hand auf ein kleines silbriges Kstchen auf dem Tisch. Da ist 
das Gert. 

Bates ist versucht, es zur Hand zu nehmen und ihnen zu sagen, da zwei hohe Beamte eingetroffen 
sind und auf den Beginn der Verhandlungen drngen, doch beschliet er, sich erst ein wenig 
umzuschauen. Er verlt die Eingangshalle zu einem kleinen Spaziergang. Entlang der Schattengrenze 
trottet er auf dem Gehweg auf und ab; hier kann er gesehen werden, ohne von der Sonne gebraten zu 
werden. Drben taucht pltzlich ein Hpfer in roter und goldener Uniform auf; er legt eine Hand ber 
die Augen und starrt herber. Er kommt ihm bekannt vor, die Haltung, die Art, den Kopf zur Seite zu 
legen; Bates ist ziemlich sicher, da es Den'ah'vel ist, erst recht, als der Hpfer einen Satz zur 
Eingangstr macht und im Gebude verschwindet, ohne dem Ganzen berhaupt den Anschein des 
Zuflligen geben zu wollen. 

Dann warten sie. Bates steht auf dem Gehweg, eben noch im Schatten, die Hnde in den Taschen 
vergraben; Akel steht beim Funktelefon. Die Sonne steigt hher und hher und ber jedermanns 
Gesicht perlt der Schwei. Bates mu an die Montana denken, die jetzt zu dem Schiff jagt, das 
vielleicht am Ende nichts anderes sein wird als ein um die Sonne kreisendes Grab fr die Artgenossen 
der Insektenfrau. Maddock hat sich zu ihm gesellt; er ghnt. 

Mde, Sergeant? 

Ja, Sir, Entschuldigung. Das ist jetzt schon die zweite Schicht ohne jede Pause. 

Tut mir leid. Es ist eben alles zusammengekommen, nicht wahr? Aber so ist es immer. 

Pltzlich ertnt drben auf dem Botschaftsgelnde eine 

Fanfare; es ist einer Trompete nicht unhnlich, nur viel lauter. 

Was, zum Teufel ... Bates legt die Hand ber die Augen und starrt hinber. 

Hinter den dunklen Glastren kann man undeutlich eine Bewegung erkennen; Leute gehen hin und 
her, sie schieben irgendein groes Ding vor sich her. In einem Anflug von Verfolgungswahn fragt sich 
Bates, ob die Hpfer ein Geschtz in Stellung bringen, doch entpuppt sich das Ding als ein riesiges 
Sonnensegel, ein Rechteck in Grn und Purpur von vielleicht zehn Meter Lnge, das an Stangen 
getragen wird. Wie eine Riesenschlange windet es sich jetzt aus der Tr und bewegt sich auf den Zaun 
zu. Bates kann vielleicht zwanzig Hpfer sehen, die darunter herumturnen. Mit einem nervsen 
Grinsen kommt Akeli herbei. 

Eine Verhandlungsdelegation, flstert der Chef der Staatspolizei. Es spricht fr die Umsicht der 
Prsidentin, da sie meine Anwesenheit hier angeordnet hat. 

Sieht so aus, ja. Ich nehme an, da das Theater eine Weile dauern wird? 

Normalerweise schon. Und in diesem Fall werden sie sich besonders viel Zeit lassen, damit ihr Schiff 
da oben sich ungestrt an unsere Schtzlinge im Eis heranmachen kann. 

Verflucht! Aber da kann ich nicht viel dran ndern, der Teufel soll sie holen. Am besten verschwinde 
ich hier und kmmere mich um meine Arbeit. Wenn die Stadt am Kochen ist, habe ich keine Zeit fr 
die Spielchen der Diplomaten. 

Aber Bates zgert aus simpler Neugier noch. Er mchte einen weiteren Blick von der Witwe des 
Ermordeten und dem Hauptneutrum erhaschen, die schwer bewacht dieser Prozession folgen. Weil er 
schon frher Hpferfrauen gesehen hat, ist er von der pompsen Frisur nicht berrascht, ein wahres 
Gebirge mit unsichtbaren Sttzrahmen und Polstern, leuchtend grn gefrbt und mit Schmuck und 
allerlei 

320 

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Insignien ihres Rangs verziert. Was ihn jedoch erstaunt, ist das Neutrum, das wie ein ganz normaler 
Hpfermann aussieht und auch so dahergeht - nur, da es Frauenkleider trgt. Irgendwie hat er wohl 
mehr erwartet, vielleicht ein exotisch-undefinierbares Zwitterwesen. 

ber Geschmack lt sich streiten, sagt er vor sich hin. Dann hastet er zurck in das Gebude; je 
eher er wieder im Hauptquartier ist, desto besser. 

Da ist es! zischt Lacey. Auf dem Schirm, Captain. 

Der Sichtschirm leuchtet auf; vor ihnen das sternenberste Panorama des freien Weltraums, mit 
einem blauen Nebelfleck in der linken unteren Ecke. Aber genau in der Mitte des Bilds schimmert ein 
riesiger Brocken Kometeneis, und nahebei schwebt ein kleines, graues Ovoid, nicht ganz symmetrisch 


und mit zernarbter und verschrammter Auenhaut nach der ewig langen Reise. Hinter sich hrt Lacey 
einen hohen, metallischen Laut; es ist die Insektenfrau. 

Kannst du irgendein Lebenszeichen erkennen? Sam sagt es zu Lacey, aber die Insektenfrau 
antwortet. 

Ich kann. Es gibt berlebende, Captain. Ich danke Ihnen, ich danke euren Gttern - sie leben! 

Wie ist die Entfernung zum Hpfer-Schiff? 

Fnf Minuten, sagt Lacey. Tut mir leid, Captain, ab sie sind einfach schneller als unsere 
Rostschssel. 

Mist! 

Vielleicht ist die Montana gemessen an einem Kriegsschiff etwas langsam, doch bei ihrer 
augenblicklichen Geschwindigkeit sind fnf Minuten Abstand eine ganze Menge. Das graue Ovoid 
wird langsam grer. Man erkennt, da es ein Schiff ist. An den Seiten sieht man Schriftzeichen 
hnlich denen auf dem Kstchen, das Little Joe im Rattennest gefunden hat. Das Kometeneis ragt nun 
wie ein gewaltiger Eisberg im Hintergrund auf, eine glnzende Masse, an deren Rn- 

322 

dem blau der ferne Nebelfleck leuchtet. Sam an seiner Konsole macht sich unverdrossen daran, die 
Roboter und Frachtmanipulatoren fertig zu machen, als htten sie irgendeine Chance, das graue Schiff 
vor den Hpfern zu erreichen. Pltzlich zischt und jault es in den Kopfhrern; vergeblich versucht 
Delta Vier das Schiff gegen den elektromagnetischen Sturm abzuschirmen, der von dem Hpfer-Schiff 
ausgeht. Anstatt den Computer bei seiner Arbeit zu stren, gibt Lacey Rick ein Handzeichen. Er winkt 
zurck aus dem transparenten Geschtzturm unter ihren Fen. An ihrer Konsole leuchten Lmpchen 
auf: Die Montana macht sich gefechtsbereit. 

Montana, melden Sie sich. 

Kann Sie kaum verstehen, lgt Sam. Bitte identifizieren Sie sich. 

Lacey sieht die Kontrollampe fr den Laser aufleuchten, er ist feuerbereit. Das Hpfer-Schiff 
berschwemmt sie erneut mit einer Energieladung, die die Abschirmung durchschlgt. 

Montana! Ich bin sicher, da Sie uns hren knnen. Die Stimme singt. Es ist dieses Auf- und 
Abschwellen von Kicherlauten, aus denen man dennoch deutlich Wrter der Menschensprache 
heraushren kann; ein Hpfer, unverkennbar. Montana, unsere Ansprche auf Bergung dieses Schiffs 
gehen vor. 

Ach ja? Sams Stimme ist gefhrlich ruhig. Das ist wirklich schade. Wie Sie wissen, befindet es 
sich auf dem Territorium der Republik, und Sie knnen hier nicht das Bergungsrecht beanspruchen. 

Sie irren. Die Stimme klingt amsiert. Wir knnen, als Wiedergutmachung fr einen Schaden 
sozusagen. Eines unserer Diplomatenschiffe geriet in diesem System durch Kometenbruchstcke in 
Schwierigkeiten; so weit wir wissen, ist dieses Wrack eines der Bruchstcke. Wir beanspruchen, es zu 
bergen, um untersuchen zu knnen, wie es zu dem Unfall kam. Dieses Recht gehrt zu den 
diplomatischen 

323 

Privilegien, das wissen Sie. Behaupten Sie nicht das Gegenteil! 

Okay, dann also nicht. 

Sie knnen jetzt das Hpfer-Schiff auf dem Schirm sehen, ein stromlinienfrmiger Kreuzer, schlank 
und bedrohlich wie die Klinge eines Messers. Mit hoher Geschwindigkeit nhert er sich auf einer 
Bahn, die ihnen den Weg zum Schiff der Insektenfrau abschneidet. In ihrem Kopf hrt Lacey die 
Stimme von Delta Vier: 

Programmiererin, meine Sensoren weisen auf Torpedos hin, du auf das fremde Schiff gerichtet sind. 

Rick, es ist kaum mehr als ein Seufzer, den Lacey ins Mikrophon haucht, jetzt! 

Nur das Aufheulen der Generatoren weist darauf hin, da der unsichtbare Laserstrahl durch den 
luftleeren Raum rast, nur ein rotes Funkeln von reflektiertem Licht, wenn er auf Staubteilchen trifft, 
verrt seine Richtung. Ein Warnschu vor den Bug des Hpfer-Schiffs. 

ndern Sie Ihren Kurs, schnarrt Sam in das Mikrophon, ich bin sicher, da Sie uns hren knnen. 
Wir sind bewaffnet und gefechtsbereit, Mister. Also halten Sie sich fern. 

Sie antworten nicht, doch sieht man auf dem Sichtschirm, da das Schiff die Bremsdsen zndet, 
wendet und eine neue Bahn einschlgt, die genau auf die Montana zielt. 

Programmiererin, was ist das? 

Delta Vier meint nicht das Hpfer-Schiff. Was er ihrem Gehirn bermittelt, ist nichts als ein 
verschwommener Fleck, als wrde etwas den Raum verzerren und die Lichtstrahlen ablenken. Und 


dieser Fleck bewegt sich auf sie zu. Als sie auf den Schirm blickt, sieht sie ein Loch in dem blauen 
Nebelfleck, ein Loch, das sich bewegt. Dann wird ihr klar, da ein massives Objekt sich zwischen der 
Montana und dem Nebel befindet. Sam hatte noch keine Zeit, sich darum zu kmmern. 

Allianz-Kreuzer, drehen Sie ab! Um uns vor einer Kollision zu schtzen, werden wir schieen. Hren 
Sie? Versuchen Sie uns zu rammen, dann werden wir schieen! 

Sam, um Himmels willen, sie machen ihre Geschtze klar, es kommt ber die Sensoren. Solche 
Datenmengen strmen auf sie ein, da ihr fast bel wird; es geht zu schnell, als da sie sie noch 
erfassen knnte. 

Nun, wenn wir sie lange genug hinhalten knnen ... Sam bricht resigniert ab. Teufel, ich hatte nie 
vor, ein Mrtyrer zu werden. 

Delta Vier, Ausweichmanver. 

Whrend sich Lacey absttzt, um die Bewegungen des Schiffs auszugleichen, kommt ihr Mulligan in 
den Sinn. Whrend immer neue Daten anzeigen, da auf dem Hpfer-Schiff Torpedos in die Rhre 
geschoben und Geschtze auf volle Leistung vorbereitet werden, macht sie sich Vorwrfe, da sie ihm 
nie gesagt hat, da sie ihn liebt. Jetzt mte sie an eine Gottheit glauben, die sie anflehen knnte, ihr 
aller Leben zu retten, wenigstens so lange, da sie noch einmal Gelegenheit zu diesem Gestndnis 
haben wrde. Auf der anderen Seite war sie auch nie besonders abgeneigt gewesen, an die Existenz 
des bernatrlichen zu glauben. Dann ist es vielleicht noch nicht zu spt, fast hysterisch klammert sie 
sich daran. Wenn es dich gibt, Gott, dann hr mal zu: Du bringst mich hier raus, und ich werde 
Mulligan alles sagen. Abgemacht? 

Mit einem Aufbumen und einer Rolle steigt die Montana steil aus der Kometenbahn auf, macht eine 
Drehung und setzt sich etwas oberhalb hinter das Hpfer-Schiff. Sam manvriert das Schiff so perfekt 
wie in seinen besten Zeiten als Gefechtsnavigator. Aber auch die Hpf er schwenken wie ein Blitz aus, 
unmglich, sie bei diesem Manver aufs Korn zu nehmen, dann schlagen sie einen neuen Kurs ein, der 
geradewegs auf die Montana zufhrt. Lacey ist am Rande des Irrsinns, unmglich kann sie 
verarbeiten, was Delta Vier ihr bermittelt. 

Programmiererin, sieh mal! 

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Der schwarze Fleck im blauen Nebel zittert hin und her, dann schwillt er an und verwandelt sich in 
den riesigen Rumpf eines Schlachtschiffs, einen Typ, den sie gut kennen;, es ist so nahe, so dicht ber 
ihnen, da es sie zu erdrcken scheint. Fr einen Augenblick verschlgt es Lacey den Atem. Dann 
meldet sich eine Stimme ber Funk, die ihr nur allzu vertraut ist: das Knurren von Admiral Wazerzis, 
den seine Leute Eisenschnauze nennen. 

Allianz-Kreuzer! Drehen Sie ab! Jede Annherung an die Montana betrachten wir als einen Akt der 
Piraterie, den wir nicht zulassen werden. Ich wiederhole: Ziehen Sie sich zurck! Hier spricht die 
Constitution, Schlachtschiff der republikanischen Flotte. Ich warne Sie, wir sind gefechtsbereit und 
handeln auf Befehl unserer Regierung. 

Leicht hin und her schwingend stoppt das Hpfer-Schiff; eine lange, lange Minute verharrt es im 
todbringenden Schufeld der Constitution. Dann znden die Triebwerke, es wendet und gleitet 
majesttisch davon. Im Kopfhrer kann Lacey hren, wie auf der Brcke der Constitution gejubelt 
wird, aber sie kann nicht antworten, es hat ihr die Sprache verschlagen. Jetzt erst bemerkt sie, da ihr 
Trnen bers Gesicht laufen. Als sie aufblickt, sieht sie, da auch Sam sich mit dem rmel bers 
Gesicht fhrt. 

Ja, was soll man da machen? sagt er, dann beugt er sich ber das Mikrophon. Admiral, hier spricht 
die Montana. Ich denke, da es kaum gengt, wenn ich einfach danke sage, nicht wahr? 

Machen Sie sich fr das Enterkommando bereit, Mr. Bailey. Eisenschnauze klingt grimmiger, als 
Lacey ihn je gehrt hat, und sie hat ihn schon bei einigen unschnen Gelegenheiten gehrt. Die Liste 
der Beschuldigungen gegen Sie ist so lang wie der Schwanz unserer Urahnen. 

Jetzt kommt endlich auch das Bild ber das Funktelefon: Wazerzis hat sich umgedreht und das 
Kommando an einen Offizier, einen Menschen, bergeben. 

Tut mir leid, wir kamen etwas spt, Montana. Wir waren 

auf einer Versuchsfahrt, als uns das Oberkommando den Befehl zu dieser Rettungsaktion 
bermittelte. 

Madre de Dios! schimpft Sam. Dann wart ihr das, die wir die ganze Zeit schon auf dem Schirm 
haben? 


Auf dem Schirm? Ihr solltet uns nicht sehen, Montanal Der Offizier dreht den Kopf und ruft etwas 
ber die Schulter. He, Admiral, diese Hunde haben uns auf dem Schirm gehabt! 

Nun, dann halten Sie Ihre Klappe, Sie verdammter Schwtzer. Die Stimme von Eisenschnauze 
dringt durch den ganzen Raum bis ins Mikrophon. Schlielich geht es ber alle Funkkanle. 

Lacey blickt Sam an. 

Captain, flstert sie, gehe ich recht in der Annahme, da Sie etwas ausprobiert haben, irgendein 
Feld, das unsichtbar machen soll? 

Und da es das Geld nicht wert ist, das es gekostet hat? Verdammt, Mrs. Lacey, das drfen wir wohl 
annehmen. Und laut in das Mikrophon sagt er. Okay, Sir, wir werden den Verbindungstunnel 
ausfahren. Wollen Sie warten, bis wir Atmosphrendruck hergestellt haben? 

Nein. Das graugrne Gesicht von Eisenschnauze, ein einziges grimmiges Zhnefletschen, fllt den 
ganzen Schirm. Ich hab' schon einen Mann im Anzug hier, er wird sofort rberkommen. Je eher wir 
euch aufmpfige Mistkerle unter Kontrolle haben, desto besser. 

Programmiererin, warum behandeln sie euch nicht als Helden, wie ihr es verdient? 

Weil das die Flotte ist, Kleiner. Ich htte nie etwas anders erwartet. 

Delta Vier ist sprachlos. Lacey berlegt, ob sie es ihm erklren soll, aber da stt schon der 
Verbindungstunnel gegen die Luke der Constitution, und sie mssen sich beide darauf konzentrieren, 
fr eine sichere Passage von einem Schiff zum anderen zu sorgen und die ntigen Schleusen 
bereitzumachen. 

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Als sich die Auenluke ffnet und der Offizier sich hereinschwingt, da die Stiefel mit den 
Bleigewichten hart auf den Fuboden knallen, kann Lacey an dem Rangabzeichen seines Raumanzugs 
erkennen, da es ein Fregattenkapitn ist Aber sie hat keine Zeit, sich um ihn zu kmmern, denn sii 
mu fr Druckausgleich sorgen, damit er endlich in der Kontrollraum gelangen kann. Aber Sam 
betrachtet mit offenem Mund den Bildschirm mit dem Mann in der Schleuse Schlielich kann Lacey 
die Luke ffnen, der Mann kommt herein. 

Herr im Himmel, murmelt Sam. Ich htte es wissen mssen. Klar, da er auf einem verdammten 
Flaggschiff endet. Er ist der Typ dafr. 

Lacey dreht sich um, als der Mann gerade den Helm abnimmt. Erleichtert schttelt er den Kopf, es ist 
diese vertraute Geste, die an ein Wildpferd erinnert, ebenso vertrau wie das Lcheln, dieser leichte 
Hauch von Humor auf einem scharfgeschnittenen Gesicht mit dem eiskalten Charme einer 
gefhrlichen Klinge. Durch das Verjngungsmittel sieht Jaime noch genau so gut aus wie damals; 
schwarze Augen unter dichten Brauen, kupferfarbene Haut, die sich faltenlos ber die hohen 
Wangenknochen und den ausmodellierten Kiefer spannt. Aber heute sieht Lacey auch Dinge, die sie 
frher nicht bemerkt hat: den leicht fragenden Ausdruck um die sinnlichen Lippen, die Leere in den 
Augen. Groer Gott, er ist dumm! Das ist es, deshalb ist er auch der perfekte Soldat. Der Schock 
dieser pltzlichen Erkenntnis macht sie sprachlos, und, wie vorauszusehen, er mideutet es. Fast 
plustert er sich auf, als er sich ihr zuwendet. 

berrascht, Bobbie? Du bist immer noch die alte - wo du bist, gibt es Schwierigkeiten. Bevor sie 
ihm noch eine gehrige Antwort geben kann, wendet er sich an die Insektenfrau. Madam, ich bin 
ermchtigt, Ihnen zu sagen, da die Bergungsarbeiten an Ihrem Schiff sofort beginnen knnen. Wir 
haben Hinweise, da einige hundert der Passagiere noch am Leben sind. 

Die Insektenfrau gibt ein hohes, langgezogenes Heulen von sich und macht einige Schritte auf der 
Stelle, was man nur als die Andeutung eines Freudentanzes verstehen kann. 

Sofort, Sir? sagt sie dann mit ihrer fltenden Stimme. 

Sofort. Sobald wir Ihre Erlaubnis haben, an Bord zu gehen. 

Sie haben die Erlaubnis. Und wir alle danken Ihnen. 

Erst jetzt begreift Lacey endlich, da das Unmgliche wahr geworden ist: da sie es geschafft haben. 

In wenigen Minuten hat sich das Kommandomodul mit Soldaten der Flotte gefllt. Sie gehen hin und 
her, bellen Befehle, drngen Sam und seine kleine Crew von den Konsolen. Einige schtteln ihnen die 
Hnde, klopfen ihnen auf die Schultern, whrend andere sie anschnauzen, sich in eine Ecke zu 
verdrcken und auf den Admiral zu warten. Nur die Insektenfrau wird von jedermann mit groem 
Respekt behandelt. Delta Vier behagen diese Zustnde gar nicht; er weigert sich schlicht, die 
Anweisungen der Soldaten zu befolgen. Erst Lacey, die man noch einmal ans Mikrophon geholt hat, 
kann ihn beruhigen und zur Zusammenarbeit bewegen. Schlielich kommt auch noch Eisenschnauze 


herber, der vor Erregung hellgrn geworden ist, und watschelt auf sie zu, gefolgt von einer ganzen 
Schar Fhnriche. 

Mrs. Lacey, Mrs. Bailey! Mit einem Lizzie-Grinsen hebt er die Schnauze. Was soll das, zum 
Teufel! Jedesmal, wenn ich Sie sehe, stecken Sie bis zur Nase in der Scheie, was? Okay, Sie werden 
unter dem Kommando von Fhnrich Chang, hier, auf den Planeten zurckkehren. Ist Ihr Shuttle noch 
funktionsfhig nach dem wilden Ritt? 

Ist es, Sir. Aus alter Gewohnheit steht Sam stramm. Haben Glck gehabt. 

Das war schon mehr als Glck, amigo. Wazerzis wendet sich Lazey zu. Und Sie, Sie werden uns 
einiges zu erklren haben, meine Liebe. Wissen Sie, warum unsere lausige Fregatte es nicht geschafft 
hat, die Montana einzuholen? 

Weil Bailey die Frachtcontainer abgeworfen hat? 

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Nein, weil ihr Computer nicht mitgemacht hat. Sagte, einige Schaltkreise wren ausgefallen; aber 
weil das verdammte Ding drei Stunden vorher berprft worden war, wrde ich eher auf Meuterei 
tippen - nun, wenn ein Computer dazu berhaupt fhig ist, was ich bezweifle. Und deshalb mchte ich 
von Ihnen wissen, was Sie dazu beigetragen haben. 

Nichts. Das ist die Wahrheit, Sir. 

Tatschlich? Und warum sagte diese Elektrokiste, da sie nicht auf Bobbie Lacey schieen wird? 

Wieder ist Lacey sprachlos, so ehrlich und so berzeugend, da der Admiral schlielich resigniert den 
Kopf schttelt. 

Sie wissen es wirklich nicht? 

Nein, Sir. Ich schwre auf alles, was Sie wollen, aber ich habe keine Ahnung. 

Da bricht Sam in ein langes, fast schon hysterisches Lachen aus. 

Es ist, weil sie dich lieben, sagt er keuchend. Wollen wir wetten? Jedes verdammte 
Maschinenbewutsein in diesem System wei, da du sie als gleichwertige Persnlichkeit betrachtest, 
und sie lieben dich dafr. Sein Lachen wird heftiger und immer schriller. Bobbie Lacey ist Gott das 
denken sie, da mach' ich jede Wette! 

Wazerzis holt aus und schlgt ihn mit seiner schweren Pfote ins Gesicht. 

Vielleicht haben Sie recht, Mister Bailey, sagt der Admiral. Aber deshalb mssen Sie nicht gleich 
durchdrehen. Chang, Wilson, Ksikseris schaffen Sie die Menschen und diesen zweikpfigen Kerl in 
das Shuttle, je eher sie wieder unten sind, desto besser. 

Nunks knurrt leise. 

Es ist ein Kopf, sagt Lacey. Er ist nur ungewhnlich geformt. 

Interessiert mich berhaupt nicht. Schafft sie weg. Da warten eine Menge Leute am Hafen auf Sie! 

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Und das ist das zweite Mal in ihrem Leben, da Lacey unter Arrest ist. Ein scheuliches Gefhl. 

Diesmal kmpfen sie nicht gegen die Schwerkraft Hagars an, sie mssen sich eigentlich nur fallen 
lassen. Und deshalb geht es auch wesentlich schneller, bis sie wieder zu Hause sind. Aber trotzdem 
wird ihnen die Zeit lang, whrend sie angeschnallt in ihren Sitzen liegen. Zum Reden ist ihnen nicht 
zumute; langsam wird der rote Ball Hagars auf dem Sichtschirm grer und grer. Die Flottenleute 
ignorieren sie. Manchmal glaubt Lacey die Stimme ihrer Mutter zu hren, die sie ankeift: >Du bist 
genau wie dein Vater<. Schlielich, als der Fhnrich die Station um die Erlaubnis zum Landen bittet, 
kann sie nicht lnger schweigen. 

Mensch, Sam, tut mir leid, da ich dich in diese Sache hineingezogen habe. 

Hast du nicht. Ich war bld genug, es freiwillig zu tun, weit du nicht mehr? Er lchelt. Ich denke, 
sie werden die Montana beschlagnahmen, nicht wahr? 

Wir werden sie nicht brauchen, wenn wir in der Strafkolonie sind, sagt Rick gepret. Ich mu 
schon froh sein, wenn sie mich nicht an die Allianz ausliefern. Ich werde lieber sterben, als zu denen 
zu gehen. Mist, ich meine, dort wrde ich auch sterben, aber schn langsam. Versteht ihr? 

Frchte ja. Lacey sprt, wie ihr Magen krampft. Das einzige, was sie fr den Jungen noch tun 
knnte, wre, Richie zu bitten, da er ihn tten lt, bevor er ausgeliefert wird - kein schner 
Gedanke, aber so war er immer noch besser dran, als wenn er der Allianz in die Hnde fiel. Dann fllt 
ihr etwas anderes ein. Verflucht! Der Bentley! 

Aus und vorbei, sagt Sam. Er stand genau unter dem Shuttle, als wir gestartet sind. Ich wei nicht, 
warum, aber es bricht mir fast das Herz, wenn ich daran denke, da das jetzt ein geschmolzener 


Haufen Blech ist. 

Ach, Richie wird es schon verstehen. Ihm geht es nicht um den Bentley; er schtzt viel eher das 
Gefhl, da er sich kaufen kann, was er will. 

Als auch noch Nunks einen langen, traurigen Seufzer hren lt, dreht sich Fhnrich Chang an der 
Konsole um. 

Wollt ihr endlich mal den Mund halten? Ich versuche, dieses blde Ding zu landen. 

Ah ... cojones de tu madre, murmelt Sam, dann schweigt er, als Chang vielsagend den Laser an 
seiner Hfte ttschelt. 

Schlielich senkt sich die Raumfhre, das Heck mit den brllenden Triebwerken voran, auf den 
Landestreifen. Die Techniker eilen herbei, um die zahllosen Kabel und Schluche der Startrampe 
anzuschlieen, und Chang winkt mit seiner Pistole, da sie sich losschnallen und zur Luke gehen. Im 
Gnsemarsch ziehen sie an ihm vorbei, und als die Luke sich zu ffnen beginnt, erhascht Lacey ein 
verstohlenes Grinsen auf seinem Gesicht. Etwas stimmte nicht. 

Was ist daran so komisch? 

Nichts. Wie der Admiral schon sagte, drauen warten lediglich eine Menge Leute auf Sie. 

Die Luke ist offen, und ein strmischer Jubel schlgt ihnen entgegen. Eine riesige Menschenmenge hat 
sich versammelt, eine rasch gezimmerte Tribne erwartet sie, bunte Fahnen, Fernsehkameras, und 
unter einem riesigen Sonnensegel die Prsidentin hchstpersnlich. 

O Mann! schimpft Sam. Jetzt sind wir so ein paar bescheuerte Helden! 

Genau, Mister Bailey. Chang komplimentiert sie hinaus. Aber Sie kennen doch die alte 
Eisenschnauze. Er liebt solche kleinen Scherze. 

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Ich kann dir sagen, Lacey, diese Insektenleute erweisen sich mit jedem Tag als noch komplizierter, 
als wir uns vorgestellt haben. Carol nimmt einen Schluck von ihrem Apfelbranntwein mit Soda. Ich 
habe meinen Computer alles, was wir ber sie wissen, zusammentragen lassen. Wenn Buddy mchte, 
braucht er es sich nur durchgeben zu lassen. 

Vielen Dank, Dr. Carol. Buddy hrt sich an, als wrde er sich diebisch freuen bei dem Gedanken. 
Ich werde es sofort tun, und ich wei Ihre Freundlichkeit sehr zu schtzen. 

Was ist los mit dir, Steckdosenlutscher? Carol wirft ihm einen finsteren Blick zu. Du hast doch 
wieder was vor? 

Buddy gibt einen Summton von sich, den man als rgerliches Knurren verstehen knnte. Lacey greift 
ein. 

Kompliziert inwiefern? 

Nun, es sieht so aus, als htte die Lady Mulligans Gedchtnisspeicher dazu benutzt, eine 
Persnlichkeit zu konstruieren, mit der wir Kontakt aufnehmen knnen. Jetzt, wo alle ihre 
Artgenossen wiederbelebt und hier unten sind, fllt es ihr schwer, diese Maske aufrechtzuerhalten. Ich 
habe den Verdacht, da wir es mit einem, bis zu einem gewissen Grad, kollektiven Bewutsein zu tun 
haben und ihre Leute groen Druck auf sie ausben. Wir werden sie wahrscheinlich nicht 
wiedersehen, wenn sie sich erst in den Tropen angesiedelt haben. Auf den ersten Blick mag man sie 
fr fremdartig halten, aber da sie dort leben knnen, will man nicht glauben. Es scheint jedoch, als 
htten sie das Buch >berleben in der Wste< eigenhndig verfat. Sandstrme lieben sie geradezu. 
Und da es auf tausend Kilometer keinen Tropfen Wasser gibt, strt sie nicht. Und ich wrde mich 
nicht wundern, wenn sie auch Steine fressen knnten. 

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Bestimmt. Lacey trinkt ihr Glas aus und beschliet, so frh am Abend nicht noch ein zweites zu 
trinken. Sie wischt den Glasboden an ihren Jeans trocken und stellt es auf den Rand des 
Computertischs. Aber du hast von >fremdartig< und >kompliziert< geredet und sagst mir noch 
immer nicht, warum. 

Also, denk doch nur an die Geschichte mit ihrem ... ich meine das Wesen, das wir fr ihren Mann 
gehalten haben. In gewisser Weise war er das auch; ich meine, sein Geschlecht war mnnlich, und sie 
htten sich irgendwann gemeinsam ans Eierlegen gemacht und so weiter. Aber er war eigentlich kein 
Individuum in unserem Sinne. 

Was soll das heien? 

Wenn eine Insektenfrau Nachwuchs bekommt, dann reift das Ei in ihrer Eirhre. Aber dann, bevor es 
befruchtet wird, teilt es sich in zwei Keimzellen auf. Du kapierst? Dann ist der Mann an der Reihe; er 


produziert zwei verschiedene Arten von Spermien, und mit jeder wird nur eine der beiden Keimzellen 
befruchtet. So wird eine davon zur Frau, die andere zum Mann. Aber vergi nicht, sie stammen von 
einer Mutter und ihr mtterliches Erbgut ist identisch. Nur die Spermien bedingen den 
Geschlechtsunterschied. Und whrend sie heranwachsen, ist der Mann immer kleiner, schwcher, 
geistig weniger entwickelt und absolut von seinem weiblichen Gegenpart abhngig, weil er stockblind 
ist. Und was das Psi-Talent angeht, ist er beinahe auch blind. Er ist kein aktiver Telepath und kann 
auch nicht Paras anderer Spezies verstehen; alles, was er an Informationen aufnimmt, erhlt er von 
seiner Schwester. Aber jetzt kommt das Verrckteste dieses Geschwisterpaar wird irgendwann, wenn 
sie alt genug sind, Mann und Frau. 

Aber Mensch, das ist doch Inzucht! Bruder und Schwester, du meine Gte. 

Nicht ganz. Diese verdammte Bakterie hat auch noch damit zu tun, nicht nur mit allem andern, was 
sie treiben. Sie macht sich an dem mnnlichen Keim zu schaffen, rhrt seine DNA ein bichen 
durcheinander und fgt genetisches 

Material von anderen Mnnchen des Stammes oder Geleges hinzu, oder wie immer du die Gruppen, in 
denen sie leben, nennen willst. 

Sehr merkwrdig, ja. Aber diese Paare mssen sich doch sehr hnlich sein, oder? 

Teufel ja. Die Lady hat mir gesagt, da der Verlust ihres Mannes kaum anders als der Verlust eines 
Teils von ihr selbst war. Nein, besser gesagt: Es war der Verlust eines Teils von ihr. Sie hat nicht 
einfach einen Geliebten oder Artgenossen betrauert. Es mu wie der Kummer ber den Verlust eines 
Kindes gewesen sein, gemischt mit dem Entsetzen darber, da man verstmmelt wurde. Du weit ja, 
wenn jemand Arm oder Bein verliert, dann lt man ihn erst einmal trauern, bevor man ihm ein 
Kunstglied anpat. Sonst wachsen einfach nicht die richtigen Nervenverbindungen, wie viele Spritzen 
du ihnen auch gibst. So hnlich mu es auch hier sein. 

Lacey beschliet, erst einmal noch etwas zu trinken, und nimmt auch Carojs Glas mit zur Bar hinber. 

Wie viele ihrer Leute haben denn berlebt? 

Das ist genau wieder dasselbe Problem. Sie sagte uns, da vierhundert Leute auf dem Schiff waren. 
Aber es waren vierhundert Paare achthundert Individuen, nach unserer Definition. Und 
einhundertvierundnenzig Paare berlebten den Unfall und das Auftauen, dazu noch um die dreiig 
Individuen ohne ihren Partner. Ich habe die Lady gefragt, ob die sich nun paaren werden - Mann, du 
httest sehen mssen, wie schockiert sie war. Gott, was hab' ich mich entschuldigt ... etwas 
Obszneres htte ich nicht sagen knnen. Das war wohl der schlimmste Porno ihres Lebens! 

Alles eine Geschmacksfrage, nicht wahr? Lacey gibt ihr das Glas und setzt sich wieder. Sie 
schwingt die Fe auf den Tisch. Jedenfalls scheinen genug von ihnen berlebt zu haben, um da 
unten beim quator eine Kolonie grnden zu knnen. 

Mehr als genug, denn wenn sie wollen, knnen sie jedes 

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Jahr drei oder vier Paar Eier legen. Und wir machen ein tolles Geschft mit ihnen. Die Republik 
berlt ihnen die Schrfrechte an allen Mineralien, die nicht einmal unsere Roboter abbauen knnen, 
und auerdem das Recht, in und bei den Gruben zu wohnen. Im Austausch bekommen wir die 
Exklusivrechte fr den Handel mit ihrem Heimatsystem sie haben eine Reihe Planeten besiedelt, auf 
denen wahrscheinlich sonst niemand leben kann. Vielleicht werden sie sich mit uns 
zusammenschlieen. Das wrde heien, da unser Territorium sich auf das Dreifache vergrert. Die 
Konfderation und die Allianz knnen sich blo noch den Hintern wischen, und ich will hoffen, da es 
kratzt. 

Sie heben die Glser auf die Republik, dann trinken sie schweigend und genieen die Stille; es ist eine 
der ersten ruhigen Stunden in den letzten fnf Tagen. 

Von einer mglichen Allianz habe ich nichts gehrt, sagt Lacey dann. Woher weit du das? 

AI Bates. Carol ist mit einem Mal so abwesend. Wir haben gestern zusammen zu Abend 
gegessen. 

Ach, tatschlich? 

Ja. Aber hr, was ich dir noch sagen wollte: Ich glaube, ich habe ein Stipendium fr die kleine Maria 
aufgetrieben. 

Phantastisch! Es klang ja wirklich so, als wre die Nacht in der Klinik eine Offenbarung fr sie 
gewesen. Glaubst du denn, da sie es schaffen wird? Ich meine, es ist eine Sache, Krankenschwester 
werden zu wollen, und eine andere, das ganze Zeug zu lernen. 


Das wei ich nicht, aber sie hat sich das Recht erworben, es einmal zu versuchen. Du httest sie 
einmal sehen sollen, wie sie da mit Mulligan auf der Station gearbeitet hat, nachdem er ihr gezeigt hat, 
wie man diese Bakterien verscheucht oder wie immer man es nennen will. Er hat die ganze Zeit 
gemurrt und gejammert, er konnte die Patienten oft nicht einmal ansehen; aber sie, sie war ganz ruhig, 
gab den Leuten Zutrauen und erklrte ihnen, worum es ging. Na ja, nach dem Leben, das sie gefhrt 
hat, sind ein paar Flle 

dieser Infektion wirklich ein harmloser Anblick. Zu dem Stipendium gehrt ein Vorbereitungsjahr, bei 
dem sie den Schulabschlu nachholen kann. Ich habe berlegt, ob sie in der Zeit vielleicht bei dir 
wohnen knnte. 

Kein Problem, klar. Nunks mchte gern ihr Talent entwickeln, bevor sie an das Parapsychologische 
Institut geholt wird. Das pat ganz prima. 

Gib dem Kind genug Arbeit, und sie wird nicht auf dumme Gedanken kommen. 

Bei uns hat es funktioniert, als wir in dem Alter waren. Aber sag mal, wie geht es Little Joe? 

Er ist absolut wiederhergestellt. Er hat sogar schon berlegt, sich einen anstndigen Job zu suchen. 

Gott im Himmel, diese Bakterien mssen sein Gehirn ja schn zugerichtet haben! 

Carol trinkt mit einem hastigen Schluck aus und schaut auf die Uhr. 

Ich mu los. Ich melde mich morgen wieder bei dir. 

Gut. Was hast du denn vor? 

Oh ... na ja, Carol stand auf. Wieder dieser abwesende Blick. Mittagessen mit AI Bates. 

Ach, tatschlich? 

Ja. 

Carol ist schon drauen, bevor Lacey eine passende Bemerkung einfllt. Eine Weile sitzt sie noch am 
Tisch und blickt durchs Fenster, hinaus in den bunten Nachthimmel. Ab und zu sagt sie zu sich selbst 
>Ach, tatschlich^ und lchelt. Dann erinnert sie sich, da sie ein, wenn auch berstrztes, 
Versprechen abgelegt hat, als es so aussah, als wrden die Alliierten sie in die Luft sprengen. Weil 
man nicht sicher sein konnte, da es irgendwo doch eine Art Gott in dieser Galaxis gab, war es wohl 
besser, es auch zu erfllen. 

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Das Staatliche Parapsychologische Institut erstreckte sich ber ein Gelnde von gut fnf Hektar am 
Nordrand von Polar City. In der Mitte eines Parkgelndes stand das eingeschossige Hauptgebude, ein 
weitlufiges Labyrinth mit weien Stuckornamenten und rotem Ziegeldach, mit unzhligen 
dmmrigen Korridoren und schattigen Innenhfen. Im Scherz sagte man, da jeder, der sich hier 
verirrte, eben kein Para war, der wirklich hierhergehrte. Auch das Bro des Direktors ist riesig, mit 
Unmengen von Bchern, die an den Wnden aufgereiht sind. Das Bro ffnet sich auf einen besonders 
khlen Innenhof, in dem das Hologramm eines Brunnens sein imaginres Wasser in ein blaues Becken 
pltschern lt. Jene, die das Institut als ihre geistige Heimat ansehen und das sind trotz Mulligans 
geringer Meinung darber fast alle Paras - erinnern sich gern an dieses Bro mit den schnen Mbeln 
aus echtem Holz und Leder, den Bildern an den Wnden, richtige Kunstwerke, und dem Computer, 
der auf seine Weise auch ein Stck Kunst darstellt. Viele von ihnen versuchen, wenn sie es sich leisten 
knnen, ihre eigenen Wohnungen hnlich einzurichten. Mulligan hate es natrlich und den Direktor 
nicht weniger. Er heit Dane Coleman, ein groer, dnner grauhaariger Blanco. 

Coleman sitzt bequem zurckgelehnt in seinem Schreibtischsessel, whrend Mulligan auf der Kante 
einer mit Schnitzereien verzierten Couch hockt und unbehaglich hin und her rutscht. 

Hervorragend, was wir von dir und der Insektenfrau erfahren haben. Erfolg fr das Institut. Enormer 
Wissenszwang, Psi-Techniken: Geld, Regierungszuschsse. 

Nehme ich an. Freut mich, zu helfen. Leichter Sarkasmus. 

Erstaunen. Jack, warum bist du uns heute noch bse? Fr damals Verstndnis. 

Mulligan, dem sehr unbehaglich zumute ist, zuckt mit den Achseln, denn im Grunde wei er es selbst 
nicht so 

genau. Coleman beugt sich ber den Tisch, er ist ehrlich besorgt. 

Jack, denk darber nach. Alles, was ich heute will: da du es dir berlegst. 

Danke. ABER: Ich gehre nicht hierher. 

Ich sage: Du gehrst hierher. Habe mit Maria gesprochen, erfahren, was sie von dir gelernt hat. Du 
hast ihr die Sache mit den Bakterien sehr schn beigebracht. Eines Tages wirst du ein guter Lehrer 
sein, du hast die Begabung. Ein wenig bung noch. Denk darber nach: eine Anstellung, gutes 


Gehalt, ein schner Ort zum Wohnen. Respekt, Anerkennung von den Studenten. 

Okay, denke nach. Aber verspreche nichts, gar nichts. 

Ist gut, mehr verlange ich nicht. 

Als Mulligan aufsteht, folgt ihm Coleman hinaus; sie gehen durch Korridore und Innenhfe, in denen 
kein Laut zu hren ist. Obwohl sie auf Gruppen von Studenten und Lehrern treffen, von einer 
akustischen Unterhaltung ist nichts wahrzunehmen. Mulligan fragt sich, ob er das Lehren zu seinem 
Beruf machen knnte. Gleichgltig was Coleman sagt, es wrde bestimmt Jahre brauchen, bis er das 
Ntige gelernt htte. Natrlich wrde Nunks ihm begeistert helfen. Aber jeden Tag am gleichen Ort zu 
sein, ordentlich gekleidet, sich niemals unfltig ausdrcken drfen - schrecklich. Dann einen festen 
Stundenplan zu haben und mit den Studenten so khl und autoritr umzugehen, wie das seine Lehrer 
taten - undenkbar. Er fhlt eine gewisse Verachtung fr sie, wie ein hungriger Wolf, der einen 
gutgenhrten Haushund an seiner erbrmlichen Kette sieht. Der Direktor liest seinen Gedanken und 
lchelt. 

Nicht so bel, wenn man sich daran gewhnt hat. 

Ich habe es nicht bse gemeint. Aber es ist nicht mein Stil. 

Ach so. Du denkst an die Verantwortung. Du mchtest nicht verantwortlich sein, weil du frchtest, zu 
versagen! 

Mulligan fhlte das Brennen auf seinem Gesicht und geht schneller. Er sprt auch den leisen Spott des 
Direktors, es ist schlimmer als jedes Gelchter. 

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Und jetzt mchtest du wieder trinken. Nie ein Problem anpacken!! 

Es braucht Mulligans ganze Geschicklichkeit, um seine groe Wut zu verbergen. Aber inzwischen 
haben sie das schmiedeeiserne Tor erreicht, hinter dem diese Welt zu Ende ist. Er stt es auf und sagt 
noch einen letzten Satz, er spricht ihn laut. 

Sehen Sie, Mann, ich darf mich hier nicht lange aufhalten. Wissen Sie, ich mu das Schlagen ben, 
heute ist der erste Tag der Profi-Liga. 

Aber selbst als er die gebogene Einfahrt hinunterluft, wei er, da Coleman ber seinen Versuch 
einer Beleidigung nur lcheln kann. 

Es wre das Einfachste gewesen, Buddy die Antiquittenhndler von Polar City abklappern zu lassen; 
er htte schnell herausgefunden, ob sich in ihrem Inventar ein solches Kartenspiel befand. Aber Lacey 
findet den Gedanken unertrglich, ihn das Geschenk fr seinen Rivalen suchen zu lassen, schon gar 
nicht, wenn es bedeutete, da der Rivale gewonnen hatte. Also macht sie sich gegen Mitternacht auf 
den Weg und fhrt mit ihrem Gleiter hinber zur McCovey-Avenue, der elegantesten Einkaufsstrae 
in Polar Citys bestem Viertel. Sie hat noch vier Stunden, bis Mulligans Spiel anfngt, in einem Park 
am anderen Ende der Stadt, doch als die ersten drei Hndler sie auf die Frage nach Karo-Karten nur 
erstaunt ansehen, schwindet ihre Hoffnung, rechtzeitig dort zu sein. Aber endlich, vielleicht eine halbe 
Stunde vor Spielbeginn, kommt sie in einen kleinen, aus allen Nhten platzenden Laden in einer 
Nebenstrae. Im Schaufenster liegt, neben richtigen Bchern aus Papier, deren Bltter alle an einem 
Ende zusammengeklebt sind, ein offenes Holzkstchen und darin ein Bndel Karten, deren oberste 
umgedreht ist. Sie zeigt den blonden Mann, der auf einem Pferd 

an einer groen Wasserflche entlangreitet; das Bild, das eigentlich Mulligan darstellt. 

Als sie eintritt, kommt ihr ein lterer Lizzie entgegen. Seine Schuppen sind schon etwas 
durchscheinend vom Alter, die Pfoten knorrig; langsam geht er auf sie zu. 

Dieses Holzkistchen im Fenster? sagt Lacey. Sind das Karo-Karten darin? 

Es heit Tarot-Karten. Es ist Franko. 

Was? 

Franko. Das ist eine Sprache von der alten Erde. 

Nie davon gehrt. Sind Sie sicher, da das Spiel vollstndig ist? 

Ich werde sie Ihnen holen, Madam. Dann knnen Sie selber nachzhlen. Er lchelt, als ob er 
verdammt genau wte, da sie nicht die leiseste Ahnung hat, wie viele Karten es sein mssen. 

Gut. Lacey greift in die Jacke und holt das Metallkstchen hervor, das Little Joe gefunden hat; die 
Insektenfrau hatte darauf bestanden, da sie es als Geschenk behielt. Ich wette, da sie so etwas noch 
nie gesehen haben. Es ist von den Enzebbelinen. 

Die gelben Lizzie-Augen leuchten gierig auf. 

Die neuentdeckte Spezies? h ... ich denke, wir knnen darber reden. Darf ich fragen, was man 


damit macht? 

Sicher. Es ist ein Musikinstrument. Jedes Paar Tasten schaltet ein bestimmtes Klangmuster an oder 
aus, und solange es eingeschaltet ist, kann man es durch Druck hier auf die Seiten verndern. 

Whrend schwebende Klnge wie von einer olsharfe den Raum erfllen, beginnt der Lizzie zu 
lcheln. Das Handeln kann beginnen. 

Obwohl Lacey ziemlich spt kommt, mu sie feststellen, da man auch fr fnfzig Cent noch einen 
sehr guten Platz bekommt, nur zwei Reihen vom Spielfeld neben der ersten Base-Linie beim 
Unterstand der Marauders. Whrend sie den Gang hinuntersteigt, einen Pappbecher Bier und eine 

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Soja-Wurst in den Hnden, schtzt sie die Zuschauermenge auf vielleicht tausend Leute, die sich rings 
auf den Plastbetontribnen verteilt haben. Doch auf dem Platz neben ihr sitzt natrlich jemand, ein 
Typ in den besten Jahren, gekleidet wie ein Geschftsmann, der ihr freundlich zunickt, als sie sich 
setzt. Dann widmet er sich seiner Wurst mit Sauerkraut. Lacey legt die Beine auf die Lehne des leeren 
Sitzes vor ihr und seufzt vor Wohlbehagen. 

Es ist merkwrdig, da an so einem Spielfeld auch eine heie Nacht gleich khler zu sein scheint, 
auch wenn es nur ein Semiprofi-Spiel ist. Als ob man beim Zusehen verzaubert wrde, in ein Land 
entrckt, in dem jedes Problem ein klein bichen kleiner ist und jede kleine Freude ein ganzes 
Stckchen angenehmer. Das Bier ist kalt, die Sojawurst schmeckt, und auf dem Spielfeld tummelt sich 
die gegnerische Mannschaft, die Big Shots von Kellys Bar und Restaurant im bltenweien Dress; die 
Werferin schimpft mit einem der Fnger, als der Schlagmann von den Marauders zum Schlagmal 
trottet. Von oben flutet das gelbliche Licht der Schwebelampen, das sorgfltig abgestimmt ist, um das 
Sonnenlicht der guten alten Erde nachzuahmen. Das Spielfeld bedeckt Kunstrasen, dessen saftiges 
Grn von echtem Gras kaum zu unterscheiden ist. 

Lacey wirft einen Blick auf die Anzeigetafel; das dritte Inning hat begonnen, zwei Spieler sind 
drauen, und fr die Big Shots steht es drei zu null. Auch die Aufstellung ist auf der ziemlich 
ramponierten elektronischen Anzeige angegeben, und bei den Marauders findet sie den Namen 
Mulligan, es ist der Spieler mit der Nummer sechsundzwanzig. Beim Krachen eines Schlgers blickt 
sie wieder aufs Spielfeld, aber die Big Shots haben es geschafft, den Ball ber die Aus-Linie zu 
bringen; das Inning ist vorbei. Lachend und sich bermtig rempelnd kommen die Marauders aus dem 
Unterstand gelaufen; sie tragen graue Hemden mit roten Streifen, dazu nach Gutdnken Jeans oder 
weite Shorts. Lacey seufzt noch einmal, offensichtlich hat Mulligan das Team gefunden, zu 

dem er pat. Sie winkt ihm zu, als sie ihn erkennt, aber whrend er ber das Feld luft, dreht er ihr den 
Rcken zu. 

Whrend der Werfer der Marauders sich anschickt zu werfen, steht der Schlagmann lssig da und 
klopft mit der Spitze des Schlgers etwas Schmutz von seinem Absatz. Aber richtiges Gras auf 
richtiger Erde gab es nur in der Profi-Liga, und Lacey zweifelt, da er berhaupt je auf einem 
Grasplatz gespielt, geschweige denn Erde an seinem Absatz kleben hatte. Als er an das Schlagmal tritt, 
fllt ihr auf, da Mulligan einige Schritte zurckgeht, ansonsten scheint es ein ganz normales Spiel zu 
sein. Nie hat sie ihn so angespannt gesehen, trotzdem scheint er sehr locker, whrend leicht er gebckt 
dasteht und auf den Ball wartet. Der Werfer wirft zu hoch. Der nchste Ball wird vom Schlagmann 
ber die AusLinie geschlagen, der dritte Schlag ist genau richtig fr den Shortstop. Obwohl er genug 
Zeit hat, strzt sich Mulligan frmlich auf den Ball, kommt werfend wieder hoch und hat ihn schon 
zum ersten Baseman geschleudert, so da er den Lufer leicht erwischen kann. Sogar aus dieser 
Entfernung kann Lacey erkennen, da er lchelt, und es gibt ihr einen kleinen Stich, als ihr bewut 
wird, da sie ihn zum ersten Mal glcklich sieht. 

Der nchste Schlagmann ist schnell ausgeschieden. Aber dann geht Mulligan noch einige Schritte 
zurck, auch der Spieler im dritten Base geht auf Abstand. Und Lacey kann sie sehr gut verstehen, als 
sie den nchsten Schlagmann der Big Shorts sieht: ein Riese mit Armen wie Windmhlenflgel, in 
dessen gewaltigen Hnden sich der Schlger wie ein Kinderspielzeug ausnimmt. Die Big Shots jubeln, 
stampfen mit den Fen und skandieren >Jim-my, Jim-my<. Lacey wirft ihrem Nachbarn einen Blick 
zu. 

Ich nhme an, das ist ihr bestes Pferd im Stall, sagt sie. 

Ja, er ist erst achtzehn. Ich wette, er wird in der obersten Liga spielen, bevor noch die Saison zu Ende 
ist. 

Ein routinierter Spieler. Der verchtliche Blick, mit dem er den Werfer im Auge behlt, lt Lacey 
vermuten, da es in 


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wenigen Minuten fnf zu null fr die Big Shots stehen wird. Der erste Wurf ist flach und zu kurz, als 
frchte der Werfer, dem Schlagmann berhaupt nahe zu kommen. Zu Recht, denn beim nchsten Wurf 
holt der Schlagmann gelassen aus, trifft hervorragend und schleudert den Ball in die Mitte zwischen 
dem dritten Base und dem Shortshop. Der Baseman springt und landet wieder mit leeren Hnden, aber 
Mulligan ist da, springt, fngt und macht einen perfekten Wurf zum zweiten Base. Der Schlagmann ist 
drauen, das Inning ist vorbei, und die Fans der Big Shots schweigen. Lacey stimmt in den Chor der 
Marauder-Fans ein, whrend Mulligan mit den anderen Spielern zum Unterstand trottet. 

Dieser Jack ist nicht bel, was? sagt der Geschftsmann. Warten Sie mal, bis er am Schlag ist. Das 
kann er nmlich auch. 

Jack? 

Jack Mulligan, ja. 

Lacey ist wie vom Blitz getroffen: Noch nie hat sie seinen Vornamen gehrt. 

Das Spiel geht weiter, und ihr Nachbar hat nicht zuviel versprochen: Mulligan kann einfach alles, und 
mit seinem letzten Schlag ist das Spiel gewonnen. Whrend sich das Stadion langsam leert, bleibt 
Lacey auf ihrem Platz und fragt sich, ob sie wohl den Mut hat, ihren Vorsatz zu Ende zu bringen. 
Endlich, als schon ein Putzroboter gegen ihr Bein stt, steht sie auf und geht langsam die Stufen zum 
Haupttor hinauf. 

Auf der anderen Seite des Stadions, nicht weit von der U-Bahnstation, fhrt ein schmaler Weg zu einer 
Stahltr, wo ein Grppchen von Leuten auf die Spieler wartet. Lacey lehnt sich an den Zaun und 
wartet. Langsam kommen die Spieler aus der Tr, glcklich ber ihren Sieg oder mrrisch wegen der 
Niederlage, die Haare na vom Duschen, die Kleider am feuchten Krper klebend. Dann ein >Hallo!< 
aus der wartenden Menge, und man geht entweder zur U-Bahn oder zum Parkplatz. Nur Lacey steht 
einsam da und wartet, 

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whrend sich die Leute allmhlich verlaufen. Sie fragt sich, ob er vielleicht einen anderen Ausgang 
genommen hat, und verflucht sich, weil sie ihm nicht vorher gesagt hat, da sie kommen wird. 

Gerade als sie beschliet, zu gehen, bevor sie ein Wachroboter verscheucht, kommt er aus der Tr, in 
fast sauberen Jeans und einem Trikot, auf dessen Brust zu lesen ist: >Jetzt kommen die Marauders.< 
Er sieht sich um, bemerkt sie und kommt zu ihr gelaufen. 

Entschuldigung, Lacey, ich habe eben erst gemerkt, da du hier bist. Er lchelt ein wenig scheu, 
aber doch erfreut. Ich htte mich beeilt, wenn ich es schon frher gelesen htte. 

Das macht es noch schwieriger, da sie sich nun fragen mu, ob sie sich wirklich mit einem Mann 
einlassen soll, der ihre Anwesenheit durch feste Mauern hindurch spren kann und vielleicht noch 
ganz andere Tricks beherrscht, aber sein Lcheln ist ansteckend. Und ohne da es ihr bewut wird, 
geht sie auf einmal dicht neben ihm. 

Sollen wir ein Bier trinken gehen? fragt er. Ich habe gerade fnf Dollar bekommen. 

Gern. Wo willst du hin? Sie sucht in ihrer Tasche, findet die Gleiterschlssel und wirft sie ihm zu. 
Und auerdem habe ich im Gleiter eine berraschung fr dich. 

Ja? Er fngt die Schlssel mechanisch auf. Das gibt's doch gar nicht. Erstaunt starrt er die 
Schlssel an. Du willst mich fahren lassen? 

Sicher, wenn du magst. 

Er nickt, und ohne jede Telepathie kann sie spren, da er sich unglubig und zugleich hoffnungsvoll 
fragt, was das wohl bedeutete. 

Steht da drben. Sie deutet zum Parkplatz. Bist du hier fertig? 

Ja, sicher. La uns gehen. Hast du das Spiel gesehen? 

Klar. Weit du was, Jack, du bist ein toller Spieler. 

Im Ernst? Sein Lcheln lt ihr richtig warm ums Herz 

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werden, aber da ist auerdem noch so ein verdchtiges Kribbeln auf ihrem Rcken. Mensch, danke. 

Nebeneinander, wenn auch ohne sich zu berhren, gehen sie ber den Parkplatz, auf dessen grauer 
Plastbetonflche nur noch Laceys alter blauer Gleiter steht. Es ist dunkel, bis auf das Flackern des 
Nordlichts. Sie drckt ihren Daumen gegen das Lesefeld des Schlosses, dann steigt sie auf der 
Beifahrerseite ein, beugt sich hinber und ffnet ihm die Fahrertr. Whrend er einsteigt, holt sie das 
Pckchen aus dem Handschuhkasten. 

Ist das die berraschung? Er ist aufgeregt und neugierig wie ein kleines Kind. 


Sicher, hier. 

In dem Augenblick, in dem er das Pckchen berhrt, beginnt er zu grinsen und streicht mit seinen 
langen Fingern immer wieder darber. 

O Lacey, du httest nicht all das Geld an mich verschwenden sollen. Ich wette, da das alte Zeug 
ganz schn was kostet. 

He! Du hast es nicht mal aufgemacht. 

Nicht ntig. Es sind die Karo-Karten, richtig? 

Verdammt, manchmal kann man mit dir das kalte Grausen kriegen. 

Er ist pltzlich ganz feierlich; er legt das Pckchen auf die Konsole und wendet sich ihr zu. 

Hatte nicht vor, dich zu erschrecken, war wohl dumm von mir, dich beeindrucken zu wollen. Ich 
meine, eigentlich kann ich nicht fhlen, was in einem Pckchen ist. Es ist nur wegen dieser Karten, du 
verstehst? 

Ja, ich denke schon. Aber willst du sie haben? 

Ich habe noch nie ein Geschenk mehr gemocht. Danke, wirklich vielen Dank. Aber ich warte mit 
dem Auspacken, bis wir irgendwo im Licht sind, ja? 

Das bunte Flackern tanzt ber sein Gesicht. Lacey kann seine Augen nicht sehen. Aber sie wei, da 
er sie anschaut, mit diesem sehnschtigen Blick, der kaum wagt, irgend 

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etwas zu erhoffen. Dabei fllt ihr ein, da sie sich genau ausgedacht hat, was sie ihm sagen wrde, 
damit er begreift, da sie ihn liebt. Aber es ist alles wie weggeblasen. 

Wo sollen wir hingehen? fragt er jetzt. Willst du etwas essen? Ich habe auch Geld von der Polizei 
bekommen; du weit fr dieses Lesen drauen beim Krater. 

Ja, ich erinnere mich. Aber wir knnen ja zusammenlegen, wenn du in ein Lizzie-Restaurant 
mchtest. 

Aber nein, ich mchte dich einladen. Du schenkst mir diese Karten und all so was. 

Und was ist mit deiner Miete? 

Ach, na ja. Er schaut aus dem Fenster, als ob ihn das bunte Leuchten interessiere. Ich meine ... 

Dein Vermieter hat dich eh rausgeworfen, also brauchst du dir ber die Miete keine Gedanken mehr 
zu machen. 

Ja, in dieser Stadt, da wird man nicht leicht zum Helden, verstehst du? Und wenn ich dem Vermieter 
alles gebe, was ich habe, reicht es nicht einmal fr eine Woche. Mit einem Seufzer streicht er ber 
den Steuerknppel. Eine Spielerin aus unserem Team hat gesagt, ich knnte bei ihr auf der Couch 
schlafen; ihr Vater hat nichts dagegen, wenn es nur eine Nacht ist. Sie ist unser zweiter Baseman, 
deshalb will sie nicht, da ich morgen beim Spiel mde bin. Sie wird es schwer haben, wenn ich nicht 
auf Draht bin. 

Ach, du kannst doch bei mir schlafen. 

Wirklich? O Lacey, danke. Ich meine, vielleicht brauche ich Lindas Sofa spter mal. Ich will ihren 
Alten ja nicht gleich zu Beginn der Saison verrgern. 

Gut, aber ich habe darber nachgedacht: Du kannst stndig bei mir wohnen, wenn du willst. 

Ach, Mensch! Er fhrt herum und lchelt sie an. Daran hab' ich gar nicht gedacht - Rick ist weg, da 
hast du ja ein Zimmer frei. Das Lcheln verflchtigt sich rasch. Aber ich kann nicht viel bezahlen. 

Vergi es. Ich will keine Miete von dir. Und was dieses Zimmer betrifft ... Jetzt, wo es darauf 
ankme, bringt sie 

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nichts mehr heraus. h ... Maria mchte es wahrscheinlich haben. 

Himmel, dann nehme ich eben ihres. Ich bin nicht whlerisch, wenn man mich von der Strae 
aufliest. Ich werde auch im Garten arbeiten, oder mich sonst ntzlich machen, was immer ihr wollt, du 
und Nunks. . 

Ja, das hrt sich nicht schlecht an. 

Dann sitzen sie schweigend da. Er starrt wieder durch die Windschutzscheibe, mit einem etwas 
unglubigen Lcheln, als knnte er sein Glck nicht fassen, ein Dach ber dem Kopf gefunden zu 
haben. Und Lacey verflucht sich im stillen, weil sie vllig vergessen hat, wie man auch nur ein wenig 
flirtet. Dann fllt ihr ein, da er ja ein Para ist, da es keine Andeutungen, kokettes Augenaufschlagen 
oder sonst etwas braucht. Es wrde gengen, einfach daran zu denken, wie sehr sie ihn mag, sich 
vorzustellen, wie sich seine Arme um sie anfhlen wrden und seine Lippen auf den ihren. Sie denkt 
es und sieht, wie das Lcheln auf seinem Gesicht verschwindet, als er sich zu ihr umdreht. Seine 


Augen sind gro und zweifelnd, als er sich zu ihr beugt, dann zgert er wieder. Er kann es nicht 
glauben. 

Ich meine es wirklich, ja, sagt sie. 

Ganz zaghaft, mit diesem schnen Kinderlcheln, kommt er nher und nimmt ihr Gesicht zwischen die 
Hnde. Als er sie kt, beginnt sie alles ringsherum und sich selbst dazu zu vergessen. 

Ungefhr eine Stunde vor Sonnenuntergang wacht Lacey auf; das Terminal neben dem Bett piept. 
Einen Augenblick lang fragt sie sich erstaunt, was sich da Warmes, Schweres an ihren Rcken lehnt, 
dann erinnert sie sich an Mulligan und an die vorige Nacht. Obwohl sie wirklich nur wenig geschlafen 
hat, lchelt sie zufrieden, als sie einschaltet. 

Was ist los, Buddy? 

Programmiererin, Dr. Carol ist hier. Sie schreibt gerade 

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eine Nachricht auf ein Blatt Papier; sie hat gesagt, da sie spter wiederkommen will. 

Sag ihr, sie soll das Schreiben lassen und hierbleiben. Ich bin gleich da. 

Ganz vorsichtig schlpft Lacey aus dem Bett und sucht auf dem Fuboden nach ihren Jeans; im 
ganzen Zimmer liegen Kleider verstreut. Mulligan hat etwas gemerkt, er seufzt im Schlaf, dann greift 
er nach dem Kissen und schlingt die Arme darum. Jetzt, wo er genug Platz hat, wird er sicher bald 
wieder so halsbrecherisch zusammengerollt sein, wie man das von ihm kennt. Gerade als Lacey den 
Reiverschlu schliet, taucht in der offenen Tr Carol auf. Sie ist schon im Begriff zu lcheln, als sie 
Mulligan erblickt. Mit offenem Mund bleibt sie stehen. Aber Lacey wei ja, da Carol ihren neuen 
Liebhaber nicht besonders schtzt. 

O Gott! Sie dreht sich auf dem Absatz um und verschwindet. 

Lacey nimmt das nchstbeste Hemd, das sich findet; es ist das Trikot der Marauders. Sie wirft es ber 
und eilt ins Wohnzimmer zu Carol, die gerade den Notizzettel in kleine Stcke reit. 

Okay. Was hast du an Mulligan auszusetzen? 

Er ist ein Bldmann. 

He! 

Oh, okay. Also kein Bldmann, nur ein Versager. 

Carol, hr auf! 

Aber du hast schon immer einen schlechten Geschmack gehabt, was Mnner betrifft. Nein, 
entschuldige, das geht nicht gegen ihn. Es ist nur, da du etwas Besseres verdienst. Jemand, der etwas 
hermacht, der wei, was er will und sich auch durchsetzen ... 

Du hast doch keine Ahnung. Lacey bemht sich, nicht laut zu werden. Ich brauche keinen Kerl, 
der mir sagt, was zu tun ist. Das kenne ich von der Flotte nur zu gut, danke! 

Das meine ich nicht, das weit du genau. 

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Na gut, aber es soll eben jemand sein, zu dem man aufschauen kann, nicht wahr? Auch das hatte ich 
schon. 

Gut, da hast du nicht unrecht. Carol wirft die Papierfetzen in den Mllschlucker. Dieser Jorge oder 
Hermie mit seinem lausigen Ego mu der aufgeblasenste Typ im ganzen erforschten Sektor gewesen 
sein was ich dir damals immer klarmachen wollte. Er und seine verdammten engen Hosen ... ich 
denke, sie haben die Blutzufuhr zum Gehirn behindert. 

Wider Willen mu Lacey lachen. 

Also Carol, dann weit du doch, was ich jetzt will! Jemand, der zur Abwechslung zu mir aufblickt. 
Ist daran etwas schlecht? 

Na ja, wahrscheinlich nicht. 

Gut. Auerdem mchte ich jemandem um mich haben, um den ich mich kmmern mu ... nein, 
verwhnen meine ich nicht - jemand, der Zuwendung braucht! 

Nun, dazu ist er genau der Richtige. Lacey, er ist noch ein Kind! Wie alt ist er: zweiundzwanzig, 
dreiundzwanzig? 

Ich wei, ich bin alt genug, seine Mutter zu sein. Und weit du was? Es kmmert mich nicht, solange 
es ihm egal ist. 

Kann er berhaupt ohne Computer dreiundzwanzig von achtundvierzig abziehen? 

Mensch, halt blo deine Klappe! 

Carol ist verrgert. 

Ach, hr schon auf, Frau Doktor! Ich habe genug Geld, um ihn auszuhalten, wenn ich will. Und ich 


will. Und auerdem mut du zugeben, da er ein verdammt gutaussehender Typ ist, fr einen Blanco. 
Und dazu ein phantastischer Shortstop. 

Okay. Vielleicht hab' ich unrecht. 

Ach du lieber Himmel! Buddy, ruf das Fernsehen an! Nie htte ich gedacht, den Tag zu erleben, an 
dem Carol so etwas eingesteht. 

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Ich nehme an, meine Programmiererin scherzt. Buddy scheint nicht weniger verrgert zu sein als 
Carol. Vielleicht interessiert es dich, da die Einheit Mulligan sich diesem Raum nhert. 

Nur mit Jeans bekleidet kommt Mulligan herein; als er Carol erblickt, bleibt er wie angewurzelt 
stehen. Sein Erschrecken ist nicht gespielt. Obwohl Lacey sprt, da sie ihn so nicht stehen lassen 
darf, da es einer Geste bedarf, ein Ku vielleicht - sie bringt es nicht ber sich; zu tief sitzt ihre 
Abneigung gegen Zrtlichkeiten vor aller Augen. 

Mchtest du frhstcken? fragt sie. 

Er schaut sie an und lchelt, und auch dieses unschuldige Lcheln, diese echte Freude drngt sie, sich 
ihm in die Arme zu werfen. Statt dessen setzt sie sich an den Computertisch. 

Sicher, sagt er. Ich werd' mich darum kmmern. Bleibst du zum Frhstck, Carol? Du bist 
eingeladen. 

Carol starrt ihn an, dann murmelt sie ein >danke!< und lt sich auf die Couch fallen. Mulligan lchelt 
wieder, es gilt allen hier ohne Einschrnkung, dann geht er pfeifend hinber in die Kche. 

Himmel, sagt Carol, er fhlt sich schon ganz zu Hause. 

Warum nicht? Lacey lehnt sich zurck, legt die Beine auf den Tisch und grinst zur Decke. 
Schlielich wohnt er jetzt hier. 

ENDE 


